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Veröffentlicht am 29.12.2017

einfach nur brillant!

Salz für die See
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Zitate:
"Der Gestank nach Erschöpfung, versagenden Blasen, vor allem aber nach Angst war schlimmer als der Mief in einem Schweinestall." Seite 33
"Sie nichte, aber ich war überzeugt, dass sie nicht verstand. ...

Zitate:
"Der Gestank nach Erschöpfung, versagenden Blasen, vor allem aber nach Angst war schlimmer als der Mief in einem Schweinestall." Seite 33
"Sie nichte, aber ich war überzeugt, dass sie nicht verstand. In ihrem Strickhandschuh wirkte die Pistole riesig." Seite 62
"Sie hatten die Evakuierung angeordnet. Der Staat hatte einen Befehl erteilt, der schon vor Monaten hätte ergehen müssen. Lauft um euer Leben." Seite 108

Meinung:

Puhh, ehrlich gesagt war ich lange unschlüssig, was ich in dieser Rezension schreiben soll, denn ich weiß nicht, ob meine Worte diesem Buch auch nur ansatzweise gerecht werden können! Aber ich versuche es einfach mal…

Die Geschichte spielt während des 2. Weltkrieges. In deren Verlauf begleiten wir vier Protagonisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Joana, 21, ist in Litauen geboren. Sie bestreitet ihre Flucht in einer Gruppe, für die sie durch ihre medizinischen Kenntnisse ein wahrer Segen ist. Aber auch ohne dieses Können, würde jeder von ihr profitieren, denn sie ist herzensgut, hilfsbereit und fürsorglich.
Florian, ein Preuße, ist in einer ganz eigenen Mission unterwegs, so könnten sowohl die Deutschen als auch die Sowjets ihm gefährlich werden. Er ist selbstbewusst, gewieft und ein Einzelgänger. Aber obwohl er versucht für sich zu bleiben –mit seinem Vertrauen in andere Menschen ist es nicht allzuweit her-, rettet er Emilia aus einer sehr brenzligen Situation.
Alfred ist ein siebzehnjähriger deutscher Soldat, ein Nazi erster Güte -zumindest auf den ersten Blick-. Auf den zweiten, ist er eher ein Großmaul und Angsthase
Emilia ist 15 Jahre alt. Sie ist nicht nur hochschwanger, sondern als Polin von beiden Kriegsparteien geächtet. Sie ist schüchtern und logischerweise ängstlich

Joanas, Florians und Emilias Wege kreuzen sich während der Verfolgung ihres Zieles, das Land mithilfe der geplanten Seeevakuierung zu verlassen, wo sie -falls sie es bis dahin schaffen sollten- auf Alfred treffen würden...
Was dazwischen geschieht und ob sie ihr Ziel erreichen, müsst ihr leider selbst lesen, ich kann nur sagen: Es lohnt sich!

Trotz des schweren Themas hat Ruta Sepetys es geschafft ein Buch zu schreiben, dass mich von der ersten Sekunde an voll in seinen Bann ziehen konnte!
Dies ist mehreren Details geschuldet, die ich absolut gelungen fand.
Da wäre zum Einen der Schreibstil. Es herrschen fast durchgehend kurze Sätze in kleinen Kapiteln, was einen angenehmen Lesefluss, aber auch enorme Neugierde auf das Kommende auslöst. Die Kapitel sind in der Regel ca. 1,5 Seiten lang und in der Ich-Perspektive der aktuellen Person verfasst, was nicht nur dazu animiert, Kapitel um Kapitel zu verschlingen, sondern auch die Protagonisten zum Leben erweckt und authentisch macht. Wir Leser erleben alles hautnah -ihre Sorgen, Ängste, aber auch ihre Erinnerungen an ihre Vergangenheit-, was bei mir nicht selten ein beklemmendes Gefühl hinterließ. Gänsehaut garantiert!
Zum Anderen ist die von der Autorin geschaffene Stimmung schlichtweg brillant! Wir lesen sowohl über geschichtliche als auch menschliche Komponenten, was den Reiz für mich nur noch verstärkt hat! Die vorherrschenden Ungerechtigkeiten, Hunger, Armut und Krankheit lassen die kleinen Dinge -Vertrauen, ein kleines Lächeln oder gar Liebe-, wie ein kleines Licht in einer dunklen, gefährlichen und menschenunwürdigen Welt erscheinen. Natürlich immer mit dem Wissen, dass Krieg alles kostet!

So, da wären wir nun... An dem Punkt, an dem ich eigentlich schreiben würde, dass "Salz für die See" ein "schönes" Buch ist. Dennoch sträubt sich alles mir, dieses Wort in einem solchen Kontext zu verwenden...
Ein Buch mit einem Hitler/Stalin-Hintergrund, unbeschönigten menschlichen Abgründen, einer Menge Trauer und Verlust kann eigentlich nicht "schön" sein, oder?
Fakt ist jedoch, dass es eines der besten und beeindruckendsten Bücher ist, die ich bislang lesen durfte und die darin enthaltene Tiefgründigkeit noch eine Weile in mir nachhallen wird!
Also sucht euch, wenn ihr mögt, einfach ein Adjektiv aus, das eurer Meinung nach angemessen erscheint ;)

Veröffentlicht am 29.12.2017

Anders als erwartet, aber überaus lesenswert!

Touch - Dein Leben gehört mir
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Zitate:
"Natürlich. Harte Burschen erwachen in Handschellen an unbekannten Orten, erschießen Frauen in Bahnhöfen, werden von einem fremden Bewusstsein in Besitz genommen und quer durch halb Europa expediert, ...

Zitate:
"Natürlich. Harte Burschen erwachen in Handschellen an unbekannten Orten, erschießen Frauen in Bahnhöfen, werden von einem fremden Bewusstsein in Besitz genommen und quer durch halb Europa expediert, aber sie zucken nicht mit der Wimper." Seite 80
"Meine Augen brannten. Ich drehte den Kopf zur Seite und hoffte, dass er nicht sah, dass ich weinte." Seite 154

Meinung:

„Kepler“ -ich bleibe jetzt einfach auch mal bei diesem Namen- ist ein Geistwesen. Getötet vor vielen, vielen Jahren, sprang er, in der Sekunde seines Todes, durch Berührung seines Mörders in dessen Körper. Seitdem kann er beliebig die Hüllen wechseln - einzige Voraussetzung ist Hautkontakt. ,
Im Laufe der Zeit hat er sich entschieden als „Makler“ tätig zu werden und so den anderen Geistwesen quasi ihre Wunschkörper zu vermitteln.
Er selbst „mietet“ sich ab und an auch mal längerfristig ein, natürlich nicht, ohne dem betroffenen Menschen ein Angebot abzugeben, dass nur die wenigsten ablehnen. Sei es Geld, ein Entzug oder eine Operation. Solche Dinge machen ihm nichts aus und er legt allzeit großen Wert darauf, die Hüllen pfleglich zu behandeln. Er will nicht, dass die Wirte ihre Hülle beschädigt vorfinden, wenn deren Bewusstsein wieder erwacht.
Doch auch wenn es auf den ersten Blick nett klingt, einfach in jeden Körper einziehen zu können der einen anspricht, finden sich doch viele Nachteile.
Der größte davon ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die versuchen, alle Geister zu vernichten. Und genau hier setzt die Geschichte auch an.
Ein Auftragsmörder versucht Kepler zu töten. Jedoch dieses Mal nicht nur ihn, sondern auch seine Wirtin, die bei dem Angriff tatsächlich stirbt! Wer hat es auf ihn abgesehen und WARUM musste auch Josephine sterben??

Wir begleiten Kepler auf seiner Suche nach den Hintergründen und der Wahrheit. Hierbei durchleben wir Exkursionen in Keplers früherem Leben, welche uns den Charakter kennenlernen und vor allem ans Herz wachsen lassen! Ich bin immer noch hin und weg von diesem tollen Protagonisten, der zwar auch mal egoistisch sein kann -wobei dies eigentlich nur seinem Überleben dient-, aber gleichzeitig gutherzig und voller Emotionen ist. Das macht ihn sehr authentisch und seine trockene, sarkastische Art, runden das Bild perfekt ab!
Nicht selten musste ich wegen seinem Humor schmunzeln oder hatte Mitleid mit ihm! Denn sein bisheriges Leben wird in allen Facetten geschildert. So merken wir auch schnell, dass er ein einsames Leben führt, immer achtsam, immer ein Stück weit auf der Flucht vor denen, die ihn vernichten wollen...

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er ist durchgehend eingängig und einfallsreich, gehalten in weitestgehend kurzen Kapiteln aus Keplers Perspektive. So erleben wir die emotionale Komponente quasi aus erster Hand.
Aber auch das Setting kommt nicht zu kurz! Da Kepler nun mal schon ein paar Jahre älter ist als die meisten von uns, hat er auf seiner Reise durch die vielen Städte natürlich aus früheren Besuchen viel dazu zu erzählen ;)

Das einzige Manko, das ich für mich entdecken konnte, ist die Klassifizierung der Geschichte. Bis zur Hälfte des Buches tat ich mir etwas schwer, sie als „Thriller“ zu sehen, dafür ist das Augenmerk auf Keplers Wesen, Vorgeschichte und das Drumherum etwas zu ausgeprägt.
Bitte versteht mich nicht falsch, dieser Teil hat mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt -dafür ist seine Geschichte viel zu interessant-, aber für einen Thriller war mir einfach zuviel nebenher.
Im zweiten Teil jedoch, geht es dann ziemlich rund, um sich in einem wirklich gelungenen Showdown zu entladen.

Für mich war „Touch“ eine wirklich tolle und vor allem originelle Grundidee, weit entfernt von dem, was man normalerweise so in die Finger bekommt!
Interessant, spannend, fesselnd und definitiv lesenswert!

Veröffentlicht am 29.12.2017

ein bewegendes Kinder-/Jugendbuch mit ernstem Hintergrund

Daniel is different
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Zitate:
"Meine Gedanken waren bei der Party, und so merkte ich erst zu spät, dass ich auf die Fugen zwischen den Fliesen trat. Ich durfte nicht leichtsinnig werden." Seite 17
"Im nächsten Moment flog ich ...

Zitate:
"Meine Gedanken waren bei der Party, und so merkte ich erst zu spät, dass ich auf die Fugen zwischen den Fliesen trat. Ich durfte nicht leichtsinnig werden." Seite 17
"Im nächsten Moment flog ich durch die Luft und überlegte kurz, ob Max meiner Familie wohl erzählen würde, dass ich vor meinem Tod sogar fast gespielt hätte. Mein Vater würde sich freuen." Seite 43

Meinung:

Daniel ist ein hochintelligenter Junge, der ein ziemlich hartes Los zu tragen hat. Nicht nur, dass er als "Streber" ein Außenseiter ist, er leidet auch unter Zwangsneurosen, Panikattacken und Angstzuständen. Wie ihr euch vorstellen könnt, versucht er das natürlich mit aller Macht vor seinen Mitschülern, Eltern und seinem besten Freund Max zu verheimlichen, denn er schämt sich, da er sich selbst für verrückt hält. Aber ist es überhaupt möglich so etwas auf Dauer zu verheimlichen??
Abhilfe kann er sich eigentlich nur verschaffen, indem er schreibt. Aber das kann man ja auch nicht rund um die Uhr tun... Alles was er will, ist normal zu sein und sich nicht so einsam zu fühlen.
Als dann plötzlich mehrere Dinge zusammenkommen -der Schulball, ein Gespräch mit dem Mädchen, in das er seit Ewigkeiten verliebt ist und eine geheimnisvolle Nachricht in seinem Rucksack- droht sein Leben völlig aus dem Ruder zu laufen. Ob er dem gewachsen ist? Lest selbst :)

Der Schreibstil ist sehr jugendlich und leichtgängig, passt also perfekt zu Daniels Geschichte -gerade am Anfang schweift er auch immer wieder mal ab, was ihn nervös und somit noch authentischer wirken lässt. Erzählt wird aus seiner Perspektive, was der Tiefe des Charakters natürlich gut tut, einen aber auch ab und an schwer schlucken lässt! Er hat zum Beispiel sein "Zu-Bett-geh-Programm", bei dem seine Panikattacken und Zwangsneurosen voll zur Geltung kommen. Oft dauert es Stunden, bis er tatsächlich schläft, meistens weint er dabei, weil er denkt, er sei komplett verrückt. Aber er muss da durch, denn die Angst, dass er -oder jemand der ihm nahe steht- sonst stirbt, sitzt zu tief.
Die Kombination der Symptome zusammen mit seinem fehlenden Selbstwertgefühl machen seine Verzweiflung nahezu greifbar und lassen mich sehr nachdenklich zurück. Zwar wird das Ganze durch Daniels Witz und Humor wie durch andere Charaktere -die trotz seiner Andersartigkeit zu ihm stehen, sich als wahre Freunde herausstellen und somit helfen- aufgelockert, aber es wird einem wirklich bewusst, wie schwer so ein Leben sein kann.
Ich hoffe sehr, dass, falls ein Betroffener diese Geschichte lesen sollte, er sich diese zu Herzen nimmt und das Buch ihm vielleicht dabei hilft zu erkennen, dass er mit seinem Problem nicht alleine ist.
Sehr schön fand ich zu diesem Thema auch das Nachwort des Autoren, der selbst betroffen ist und sich erst mit knapp 30 Jahren Hilfe gesucht hat. Entsprechende Anlaufstellen werden auch genannt.

Für mich ist "Daniel is different" ein gelungenes, bewegendes Kinder-/Jugendbuch mit vielen tollen Themen wie Freundschaft und dem Umgang mit Andersartigkeit, das trotz -oder gerade wegen- seines ernsten Themas witzig, liebevoll gestaltet und wirklich lesenswert ist!

Veröffentlicht am 29.12.2017

Ein Leseereignis der ganz besonderen Art!

Illuminae. Die Illuminae Akten_01
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Zitate:
"Einige schriftliche Materialien wurden von der TZV zensiert und mussten von unseren KommTechs wiederhergestellt werden, Flüche und Kraftausdrücke bleiben auf Ihren Wunsch hin jedoch geschwärzt. ...

Zitate:
"Einige schriftliche Materialien wurden von der TZV zensiert und mussten von unseren KommTechs wiederhergestellt werden, Flüche und Kraftausdrücke bleiben auf Ihren Wunsch hin jedoch geschwärzt. Schließlich möchten wir ja nicht, dass in der Geschichte, obwohl sie mit dem Tod Tausender Menschen beginnt, unflätig geflucht wird, oder?" Seite 1
"Kurz gesagt, meine Damen und Herren: Wir bluten aus vielen Wunden und ringsum sind Haie im Wasser. Wir haben zu wenig Personal, sind unterbewaffnet und über ein halbes Jahr von einem realistischen Fluchtpunkt entfernt." Seite 20
"Nein, ich will noch nicht sterben. Ich habe noch zu viel zu tun. Und ich lasse mich auf keinen Fall verarschen." Seite 197

Meinung:

Mein Gott, kann es bitte noch schlimmer werden? Erst die Trennung von Ezra, dann der Angriff auf ihren Planeten durch BeiTech, bei dem tausende Menschen starben!
Öööhm ja, es kann! Und es wird…
Nach ihrer Rettung befinden sich Kady und Ezra auf unterschiedlichen Schiffen. Die großen Verluste zwingen die Besatzung zu drastischen Maßnahmen. So wird quasi jeder, der eine entsprechende Eignung aufweist, zwangsrekrutiert.
Obwohl Kady eine begnadete Hackerin ist, kann sie sich auf der Hypatia erfolgreich um ihre Rekrutierung drücken, Ezra hat auf der Alexander jedoch weniger Glück.
Aber das ist noch nicht das größte ihrer Probleme. Bei dem Angriff wurden nicht nur die Wassertanks beschädigt, sondern auch der Wurmlochgenerator zerstört, was eine Flucht beinahe unmöglich macht. Die nächste Möglichkeit auf Rettung befindet sich 6-7 Monate entfernt und die Lincoln, das Schiff von BeiTech, ist ihnen dicht auf den Fersen! Die Überlebenschance bei einen Zusammentreffen beträgt gerade einmal 22,7%!
Und plötzlich wird auch noch das 3. Schiff der Flotte -die Copernicus- angegriffen und zerstört. Aber war das wirklich die Lincoln, wie alle behaupten? Wer bislang noch nicht gefesselt war, wird es spätestens jetzt sein ;)

OMG, wo fang ich an, wo fang ich an??? Das war mit Abstand eines der außergewöhnlichsten Bücher, das ich je in den Fingern hatte! Ich weiß gar nicht, ob ich dem gerecht werden kann Oo

Beginnen wir mit dem Titel, denn „Illuminae-Akten“ ist im wahrsten Sinne des Wortes Programm! Wir haben es als Leser nämlich nicht mit einem normalen Erzählstil zu tun, sondern tatsächlich einer dicken, fetten Akte!
Die Geschichte setzt sich aus vielen Einzelstücken zusammen, was, entgegen dem, was man sich im ersten Moment darunter vorstellt, eine absolut gelungene und auch runde Geschichte ergibt! Klar ist das auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig, aber sobald ich erstmal angefangen hatte, fand ich es einfach nur noch genial!
Ausschnitte aus Befragungsprotokollen, psychologische Gutachten, Chatverläufe, Tagebucheinträge, Opferlisten, geheime Militärmemos, technische Zeichnungen, zensierte Berichte, und, und, und…
Es ist absolut phänomenal, was sich die beiden Autoren da alles haben einfallen lassen, um der Geschichte Leben einzuhauchen!

Wie ihr euch natürlich vorstellen könnt, ist dementsprechend auch der Schreibstil fernab von dem Gewohnten. Vieles ist im Chat- oder Berichtstyle gehalten, aber dennoch wirkt es nie trocken oder gar langweilig. Dafür ist der Humor -teilweise recht nerdig-, der den Unterhaltungen innewohnt, einfach zu genial! Ich muss zugeben, dass er stellenweise schon recht schwarz und sarkastisch ist, aber auch so richtig schön derb ist keine Seltenheit. Die Blicke meines Mannes sprachen wirklich Bände, da ich oft lauthals lachen musste! Aber jetzt mal ehrlich, weiß von einer von euch was „Sacktauchen“ ist? Also ich wusste es nicht!!! XD

Ihr seht, meine Begeisterung ist groß! Und obwohl die genannten Punkte alleine schon reichen würden, gibt es noch etwas, das ich unheimlich gelungen fand. Nämlich das Verlaufs-, Spannungs- und Atmosphärebundle. Alleine die Ausgangslage -gefangen im Weltall-, verursacht bei mir ja alleine schon ein beklemmendes Gefühl. Hinzu kommen die allgegenwärtige Gefahr in der sie sich befinden, sowie die vielen zumeist unerwarteten Wendungen, die die Spannung zusätzlich anheizen. Zusätzliche Komponenten wie die Stille des Alls, Dunkelheit, Tod/Zerstörung und Schreie (!!) verursachten mir nicht selten eine gehörige Gänsehaut. (An-)Spannung garantiert!

Für mich sind „Die Illuminae-Akten
01“ ein absolutes Highlight! Stimmung, Atmosphäre und Kreativität sind einfach grandios und haben mir ein Leseereignis der besonderen Art verschafft. Sci-Fi vom Feinsten!

Veröffentlicht am 27.12.2017

Jeder an seinem Platz! Eine gut durchdachte, sozialkritische und vor allem düstere Zukunftsvision!

Die Optimierer
1

Zitate:
"Er wusste, wie schrecklich das Leben zu Beginn des Jahrhunderts gewesen war. Wie hatten die Menschen das nur ausgehalten?" Pos. 751
"Aber ich will frei sein, Samson." Pos. 1096

Meinung:

Samson ...

Zitate:
"Er wusste, wie schrecklich das Leben zu Beginn des Jahrhunderts gewesen war. Wie hatten die Menschen das nur ausgehalten?" Pos. 751
"Aber ich will frei sein, Samson." Pos. 1096

Meinung:

Samson ist ein Vorzeigebürger. Er lebt die Optimalwohlgesellschaft wie kein Anderer und ist somit der perfekte Beamte für die Agentur der Lebensberatung.
Als regelkonformer Staatsdiener macht sich das für ihn natürlich bezahlt, und schon jetzt freut er sich auf seine baldige Beförderung. Aber kennt ihr das, wenn es eigentlich nicht besser laufen könnte und es dann urplötzlich so gar nicht mehr läuft?
Nein? Glück gehabt! Denn Samson lernt es kennen und glaubt mir, das ist absolut kein Zuckerschlecken für ihn!

Wie ihr wisst, bin ich ja ein sehr interessierter Leser, wenn es um Dystopien und düstere Zukunftsvisionen geht. Vor allem, wenn man immer wieder auf Details trifft, deren Entwicklung man sich sehr gut vorstellen kann.
Theresa Hannig konnte mit ihren Ideen sehr bei mir punkten, denn einiges empfand ich als sehr gut vorstellbar und glaubwürdig.
So hat im Jahr 2052 fast jeder eine einsetzbare Linse im Auge, mit der er nicht nur Dinge aufzeichnen, Mails verschicken und Dinge nachschlagen kann, sondern man kann auch den Status der Menschen gegenüber einsehen. Sozialpunkte, Gesundheitszustand und vieles mehr.
In Anbetracht der Tatsache, wie "verwachsen" viele bereits heutzutage mit ihren Handys sind, könnte ich mir so ein Szenario tatsächlich sehr gut vorstellen. Und ehrlich gesagt, finde ich diese und viele weitere Ideen, die die Autorin in ihrem Buch aufgreift, sehr beklemmend und beängstigend. Generell lässt mir eigentlich alles, was das Thema "gläserner Mensch" anschneidet, einen Schauer den Rücken hinunterlaufen und diese Dinge werden für meinen Geschmack in der Geschichte sehr gut umgesetzt. Das hängt natürlich auch sehr mit dem Schreibstil zusammen.
Zum einen empfinde ich alle erdachten Details als sehr leichtgängig lesbar, gut erklärt und nie zu technisch. Zum anderen gefällt es mir auch sehr gut, dass diese düstere und beklemmende Atmosphäre immer wieder durch witzige Szenen und Gedanken aufgelockert wird. Toll gemacht!

Ein weiterer gelungener Aspekt ist die "Optimalwohlökonomie" für mich. Die Idee, dass es für jeden den perfekten Platz gibt, klingt natürlich auf den ersten Blick gut. Aber kann man das ganze Leben wirklich auf Wahrscheinlichkeiten und Statistiken aufbauen? Der Leser merkt schnell, an wie vielen Ecken diese neue Welt krankt, selbst wenn sie erdacht war, um heutige Missstände -wie die Verschwendung von Ressourcen, das Ausnehmen von menschlichem Kapital, usw.- auszumerzen.
Faszinierend fand ich hierbei, dass man durchaus gute Ansätze entdecken kann, obwohl Regeln und Verbote, sowie die nahezu absolute Kontrolle des Staates über das Individuum und Aspekte wie Hilfsroboter das Gute schnell zunichte machen.

Wer also Lust auf eine gut durchdachte, sozialkritische und vor allem düstere Zukunftsvision mit dem Antiheld Samson hat, dem kann ich diese Lektüre nur wärmstens empfehlen.
Für mich war es ein gelungene Debut, beklemmend, erschreckend und dennoch menschlich!

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