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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.12.2025

Toller zweiter Band

Winterwölfe
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Meinen Fan Status zu Dan Jones kennt ihr ja inzwischen schon, kurz vorm Jahreswechsel habe ich aber noch ein Highlight aus dem Hause C.H. Beck. Mit „Winterwölfe“, dem zweiten Band der Essex-Dogs-Trilogie, ...

Meinen Fan Status zu Dan Jones kennt ihr ja inzwischen schon, kurz vorm Jahreswechsel habe ich aber noch ein Highlight aus dem Hause C.H. Beck. Mit „Winterwölfe“, dem zweiten Band der Essex-Dogs-Trilogie, geht es nach der Schlacht von Crécy direkt weiter. Die Engländer haben gesiegt, der Boden ist noch klatschnass vom Blut und trotzdem ist das Schlimmste noch lange nicht vorbei. Die erschöpften Söldner werden nicht nach Hause geschickt, sondern weiter nach Norden. Ziel: die reiche Hafenstadt Calais. Was folgt, ist kein schneller Feldzug, sondern monatelanges Ausharren im Dreck, im Hunger und in der Kälte.

„Winterwölfe“, erzählt den Hundertjährigen Krieg erneut konsequent aus der Sicht der einfachen Soldaten. Es gibt dabei keine Helden: Die Essex Dogs sind kaputt, körperlich wie seelisch. Süchtig, abgestumpft, teilweise einfach nur widerlich. Krieg macht hier niemanden edel, sondern frisst jeden Menschen auf. Jones verzichtet komplett auf Romantisierung und zeigt Männer, die durch ihre ganz persönliche Hölle gehen.

Im Vergleich zum ersten Band ist „Winterwölfe“ weniger actionreich, dafür deutlich intensiver. Der Fokus liegt stärker auf den Figuren und dem, was der Krieg aus ihnen macht. Die Belagerung von Calais ist dabei das bedrückende Zentrum des Romans: Hunger, Krankheit, Kanonenfeuer, sinnlose Befehle und das Leid der Zivilbevölkerung. Das Elend kennt keine Seiten und keine Grenzen.

Historisch ist das Ganze hervorragend erzählt. Die Kluft zwischen Adel und einfachem Soldaten, die völlige Austauschbarkeit menschlichen Lebens und das Ausgeliefertsein gegenüber absolut sinnlosen Befehlen ziehen sich durch das gesamte Buch.

Düster, brutal und stellenweise schwer auszuhalten, aber genau deshalb so beeindruckend. „Winterwölfe“ ist für mich eine konsequente Weiterentwicklung zum ersten Band und macht sehr neugierig auf das Finale der Reihe, „Löwenherz“ der im Frühjahr 2026 beim Verlag erscheinen wird.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Gelungen

Hiobs Brüder
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Rebecca Gablé gehört für viele zu den festen Größen der historischen Romane. Wer ihre Bücher kennt, weiß, was einen erwartet: sorgfältige Recherche, große Zeitläufe, starke Figuren. Hiobs Brüder bildet ...

Rebecca Gablé gehört für viele zu den festen Größen der historischen Romane. Wer ihre Bücher kennt, weiß, was einen erwartet: sorgfältige Recherche, große Zeitläufe, starke Figuren. Hiobs Brüder bildet da keine Ausnahme, geht aber erzählerisch einen etwas anderen Weg als Das zweite Königreich.

England, 1147. Nicht Könige oder Schlachten stehen zunächst im Mittelpunkt, sondern eine Gruppe von Ausgestoßenen, weggesperrt in einer verfallenen Inselfestung: Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen, mit Schuld, Wahn und verlorener Identität. Und mittendrin Losian, ohne Erinnerung, aber mit der Angst, einst Schreckliches getan zu haben. Als eine Sturmflut ihnen die Freiheit öffnet, beginnt eine Reise durch ein vom Krieg zerrüttetes Land und für Losian die Suche nach seiner Vergangenheit. Dieser Einstieg ist richtig stark und konnte mich auch sehr fesseln.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil lebt vom Zusammenhalt der Ausgestoßenen, von Angst, Hoffnung und vorsichtigem Vertrauen. Gerade der soziale Blick auf Behinderung, Ausgrenzung und religiösen Fanatismus hebt den Roman positiv von vielen anderen historischen Romanen ab. Hier zeigt Gablé große Stärke.

Leider verliert die Geschichte für mich danach spürbar an Zug. Sobald Losian sein Gedächtnis zurückerlangt und wieder Alan wird, geht viel von der Figur verloren. Der frühere Alan hatte Ecken, Kanten und fragwürdige Einstellungen, der neue handelt fast durchgehend edelmütig. Das nimmt Spannung und Tiefe, auch weil die Gruppe zunehmend in den Hintergrund rückt.

Im dritten Teil kehrt der Roman ins politische Fahrwasser zurück: Machtkämpfe, Fronten, ein neuer König. Solide erzählt, routiniert, aber auch erwartbar. Neue Wege werden hier nicht mehr beschritten. Stark bleibt Hiobs Brüder vor allem dort, wo es um gesellschaftliche Ausgrenzung geht. Schwächer dort, wo Antagonisten blass bleiben und Konflikte zu eindeutig gezeichnet sind. Und trotzdem: Der Roman ist durchgehend unterhaltsam, mit starken Szenen, interessanten historischen Details und vertrauten Figuren aus Das zweite Königreich.

Ein guter historischer Roman mit einem großartigen Anfang und einem wichtigen sozialen Fokus, der hinten raus an Tiefe und Spannung verliert, mir persönlich gefiel Das zweite Königreich etwas besser. Lesen werde ich den Abschluss Rabenthron aber auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ganz ok

Das Jahr voller Bücher und Wunder
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Was habe ich mich im Vorfeld auf „Das Jahr voller Bücher und Wunder“ gefreut. Doch am Ende muss ich sagen, es war einfach nicht meins.

Tilly erhält an ihrem Geburtstag einen überraschenden Anruf aus einem ...

Was habe ich mich im Vorfeld auf „Das Jahr voller Bücher und Wunder“ gefreut. Doch am Ende muss ich sagen, es war einfach nicht meins.

Tilly erhält an ihrem Geburtstag einen überraschenden Anruf aus einem kleinen Buchladen. Ihr verstorbener Ehemann Joe hat dort ein Geschenk hinterlegt: ein Jahr voller Bücher, jeden Monat ein Titel, der sie begleiten soll. Fünf Monate nach seinem Tod steckt Tilly in der Trauer fest. Diese Bücher sollen sie wieder hinaus in die Welt schicken: nach New York, Paris, in die Toskana und bis nach Bali.

Klingt eigentlich nach einer Geschichte, die genau meins sein müsste. Ist sie aber nicht. Die Story ist nicht schlecht und handwerklich passt alles, doch emotional hat es mich nicht interessiert. Ich konnte auch zu Tilly und den Nebenfiguren keine Verbindung aufbauen. Vieles wirkte auf mich eher zu distanziert. Das ist schade, denn genau solche Geschichten leben davon, dass man mitfühlt.

Einige Passagen erinnern zudem an P.S. Ich liebe dich, und auch wenn das sicher für viele ein Pluspunkt ist, war es für mich eher ein Minuspunkt. Mit diesem Film konnte ich schon damals wenig anfangen, daher hat’s mir auch hier nicht gefallen. Vielleicht ist es auch einfach eines der Bücher, für die man in der exakt richtigen Stimmung sein muss. Ich war es offenbar nicht.

Das ist natürlich meine rein persönliche Einschätzung. Der Roman ist solide geschrieben, die Idee nicht schlecht und viele werden genau das bekommen, was sie suchen: eine warmherzige Geschichte über Verlust und das Wiederentdecken des Lebens. Für mich war’s allerdings nix.

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Veröffentlicht am 22.11.2025

Toller historischer Roman

Der Zauber der Edelsteine
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Man hat bei historischen Romanen ja oft sofort die üblichen Bilder im Kopf: alte Berufe, ein bisschen Herzschmerz, ein bisschen Drama, weite Landschaften. Aber Johanna von Wild zeigt, dass da noch viel ...

Man hat bei historischen Romanen ja oft sofort die üblichen Bilder im Kopf: alte Berufe, ein bisschen Herzschmerz, ein bisschen Drama, weite Landschaften. Aber Johanna von Wild zeigt, dass da noch viel mehr geht. Sie nimmt einen in „Der Zauber der Edelsteine“ mit in eine Welt, die so detailreich und lebendig erzählt ist, dass man sich selbst dabei erwischt, wie man gern mal einen Blick in die Werkstatt eines Edelsteinschleifers werfen würde.

Im Mittelpunkt steht Emilia, Tochter eines Edelsteinschleifers aus Waldkirch. Verliebt in Elias, den Lehrjungen ihres Vaters, aber gefangen in den Plänen der Erwachsenen. Der Vater steckt in Geldnöten und verspricht sie kurzerhand Paul Gabler. Als Elias das erfährt, bricht er auf, weil er spürt, dass er seinen eigenen Weg gehen muss. Seine Reise führt ihn bis nach Antwerpen, wo er bei einem jüdischen Diamantschleifer lernt, eine Welt, die ganz anders funktioniert als die Heimat, in der sich inzwischen politisch und handwerklich vieles verändert. Der Zusammenschluss der Steinschleiferbruderschaft mit den Freiburger Meistern sorgt für neue Spannungen und Umbrüche.

Auch Emilia erlebt Schicksalsschläge, trifft Entscheidungen, die sie nie treffen wollte, und heiratet schließlich Pauls Bruder. Während sie versucht, ihr Leben in neue Bahnen zu lenken, holt sie die Vergangenheit wieder ein, als Elias und Paul zurückkehren.

Was mich besonders überzeugt hat: Die Figuren wirken absolut authentisch. Die Orte sind atmosphärisch beschrieben und die Einblicke in die Welt der Edelsteinschleiferei sind nicht nur gut recherchiert, sondern auch spannend erzählt. Der Schreibstil ist locker und leicht, genau so mag ich es.

Im Nachwort zeigt die Autorin außerdem, welche Figuren und Ereignisse historisch belegt sind und wo die Fiktion beginnt. Solche Einordnungen geben dem Ganzen noch einmal richtiges Gewicht und zeigen, wie viel Arbeit und Recherche hinter dem Roman steckt.

Besonders gelungen fand ich, wie vielschichtig die Geschichte von Emilia und Elias erzählt wird. Neben den persönlichen Wegen bekommt man auch politische Entwicklungen, soziale Spannungen und die Bedeutung des Handwerks mit. Sogar die Käserei, ein Thema, das man hier vielleicht nicht erwartet hätte, fügt sich erstaunlich gut ein.

Am Ende bleibt für mich vor allem eins: ein Roman, der historische Atmosphäre, menschliche Schicksale und faszinierendes Handwerkswissen zu einer stimmigen und faszinierenden Geschichte verbindet. „Der Zauber der Edelsteine“ ist für mich eine klare Empfehlung für alle, die historische Romane mögen.

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Veröffentlicht am 14.11.2025

Toller Ratgeber

Yoshuku
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„Yoshuku – Die japanische Kunst, Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen“ von Azumi Uchitani ist ein interessanter Ratgeber, der sich mit Manifestationen beschäftigt. Es geht hier nicht darum, das Leben ...

„Yoshuku – Die japanische Kunst, Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen“ von Azumi Uchitani ist ein interessanter Ratgeber, der sich mit Manifestationen beschäftigt. Es geht hier nicht darum, das Leben von Grund auf zu verändern, sondern den Blick auf das zu lenken, was wir uns wünschen und wie wir diesen Wünschen Raum geben können. Yoshuku bedeutet dabei übersetzt so viel wie „im Voraus feiern“. Die Idee dahinter: Ein japanischer Brauch, ein wichtiges Ereignis im Leben, auf dessen Eintreffen wir hoffen, im Voraus zu feiern. Diese Haltung schafft Zuversicht, Leichtigkeit und Dankbarkeit.

Ich fand diesen Ansatz ganz interessant, weil er sich von der oft so rationalen westlichen Sichtweise unterscheidet. Statt etwas zu erzwingen, geht es darum, Vertrauen zu entwickeln, in das Leben, in die eigenen Schritte, in das, was kommen darf und was wir uns wünschen. Gerade für Menschen, die sich mit Mental Health beschäftigen, kann das ein interessanter Ratgeber sein.

Das Buch enthält kleine Übungen, die leicht umzusetzen sind, und Impulse, über die man länger nachdenkt, als man vielleicht erwartet. Natürlich kann man darüber streiten, ob Manifestation tatsächlich „funktioniert“. Aber vielleicht geht es gar nicht darum. Vielleicht ist Yoshuku eher eine Haltung, eine Art, bewusster durchs Leben zu gehen und den eigenen Fokus zu verändern.

Für mich war das Buch logischerweise kein Gamechanger, aber eine angenehme Erinnerung daran, dass wir nicht alles kontrollieren und erzwingen müssen. Manchmal reicht es, innezuhalten, dankbar zu sein und darauf zu vertrauen, dass gute Dinge ihren Weg in unser Leben finden. Wer sich gern mit Themen wie Achtsamkeit, innerer Ruhe und bewusster Lebensgestaltung beschäftigt, findet hier definitiv ein paar schöne Denkanstöße.

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