Ein Buch, für das man bereit sein muss
Staying Was The Hardest Part (Hardest Part 1)Mir hat so viel an dem Buch gefallen, gleichzeitig ist es aber auch überwältigend, verdammt anstrengend und zäh.
Das Buch ist keine einfache Kost. Das liegt auch an den Themen die dort eine Rolle spielen.
Es ...
Mir hat so viel an dem Buch gefallen, gleichzeitig ist es aber auch überwältigend, verdammt anstrengend und zäh.
Das Buch ist keine einfache Kost. Das liegt auch an den Themen die dort eine Rolle spielen.
Es geht um (Alltags)Rasissmus, ungesunde Familiendynamiken, Verlust, Schuldgefühle, Trauer. Wie es ist zu den „falschen“ Ausländern zu gehören und wie viel Glück man hat, wenn man zu den „richtigen“ zählen darf. Wie schwierig das Leben im Sozialbau ist. In Armut. Die Zerissenheit zwischen der Liebe zum Herkunftsland und der neuen Heimat. Zwischen dem bewahren von Familien-Traditionen und dem Wunsch, dazuzugehören. Sich selbst aufzugeben, um akzteptiert zu werden. Es geht um Verantwortung. Darum für die Familie zu sorgen und sich in all dem Chaos nicht selbst zu verlieren.
Und genau das hat mir auch so gut gefallen. Es ist echt. Wahnsinnig realitätsnah, authentisch, ungefiltert.
Die Geschichte wird im Wechsel aus der Sicht von Tallah und Evren erzählt. Er, syrischer Kriegsflüchtling, der medizin studiert, augenscheinlich „integriert“ ist aber trotzdem immer der Ausländer bleibt. Sie, Kind einer türkischen Arbeiter-Familie, die alles dafür geben würde studieren zu dürfen, aber nach dem verschwinden von ihrem Bruder, die Rolle des ältesten Kindes übernehmen muss. Sie muss helfen, die Familie zu finanzieren. Als die Last für Evren zu viel wird, hört sie einfach auf zu sprechen.
Die Geschichte und insbesondere der Schreibstil der Autorin ist wahnsinnig emotional und fast schon poetisch. Sie schafft es die Geschehenisse so zu verpacken, das man kein Mitleid mit den Protagonisten bekommt, aber dennoch mitfühlt. Es geht nicht darum, zu zeigen, wie schrecklich das Leben von ihnen ist, sondern wie sie – trotz Päckchen – ihr bestes geben.
Wie schon beschrieben ist das Buch keine einfache Kost. Es ist nichts, was man mal eben liest. Nichts, bei dem man über die Seiten fliegen würde. Es ist anstrengend. Es ist kräftezerrend. Es ist wichtig aber man muss den Kopf dafür haben. Man muss für die Story bereit sein. Und sein wollen.