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Veröffentlicht am 24.04.2022

Sehr cooles Konzept mit Schwächen in der Ausgestaltung

Die Wächterinnen von New York
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"Die Wächterinnen von New York" ist das neuste Werk von N. K. Jemisin. Wie auch in ihren anderen Büchern, die ich bisher von der Autorin gelesen habe, hat "Die Wächterinnen von New York" ein ganz besonderes ...

"Die Wächterinnen von New York" ist das neuste Werk von N. K. Jemisin. Wie auch in ihren anderen Büchern, die ich bisher von der Autorin gelesen habe, hat "Die Wächterinnen von New York" ein ganz besonderes Konzept, das der Geschichte zu Grunde liegt. Wir befinden uns in New York, wo auf einmal seltsame und teils sehr zerstörerische Kräfte zutage kommen - denn die vollständige Geburt von der Statd New York soll verhindert werden. In dieser Welt, die Jemisin geschaffen hat, ist eigentlich alles wie bei uns. Mit einer Ausnahme: Städte werden zum Leben erwacht und durch sogenannte Avatare verkörpert. Doch eine Böse macht will dies verhindern, sodass sich New York mit seinen Wächterinnen, die die Stadteile verkörpern, zusammentun und die Stadt retten muss.

Dieses Konzept ist meiner nach wirklich interesant und Einzigartig. Allerdings hatte die Geschichte für mich leider auch ein paar Schwächen, die ich nachfolgend kurz ausführen möchte, aber immer mit dem Gedanken im Kopf, dass das Buch keinesfalls schlecht war. Es hat bei mir einfach nur nicht "Klick gemacht", weil mich ein paar Details immer wieder aus der Geschichte rausgezogen haben.

Ein Problem, welches ich hatte, war tatsächlich der Weltenaufbau. So toll ich das Konzept auch finde, es hat einfach zu lange gedauert, bis dass ich richtig verstanden habe, wie das alles überhaupt funktioniert und auch im Nachhinein habe ich das Gefühl, die Geschichte vielleicht nicht vollständig verstanden zu haben. Für mich gab es ein bisschen zu wenig Action, die die Gefahr realer gemacht und wahrscheinlich zu mehr Verständnis der Situation geführt hätte.

Ein weiterer Punkt waren die Figuren, wobei mein Ausgangswissen dabei auch mit hineinspielt. Wir haben wirklich grundverschiedene Figuren in der Geschichte, da jeder beziehungsweise jede einen anderen Stadtteil New Yorks verkörpert. Ich glaube, wenn ich vorab mehr über did verschiedenen Stadtteile und was diese ausmacht gewusst hätte, wäre ich vielleicht besser in die Geschichte reingekommen und hätte mehr Verständnis für die Figuren. So muss ich leider sagen, dass ich zu allen eine gewisse Distanz hatte und mich mit niemandem wirklich identifizieren und die Denk-/Handlungsweise richtig nachvollziehen konnte.

Zu guter letzt sei nochmal der Schreibstil angesprochen. N. K. Jemisin hat immer einen sehr besonderen Schreibstil, der die Geschichte in der Erzählweise unterstützt. Dies ist hier beispielsweise auch bei den Ausdrucksweisen der verschiedenen Stadtteile herausgekommen. Allerdings hat die Sprache mich immer wieder aus der Geschichte rausgezogen. Mir fällt es etwas schwer das zu erklären, aber ich glaube auf Englisch hätte mich das ganze weniger gestört als jetzt auf Deutsch. Es ist nunmal so, dass Amerikaner anders sprechen als Deutsche und sich anders verhalten. Und wenn ich manche Sätze auf Englisch hören beziehungsweise sehen würde, wäre es wahrscheinlich normal gewesen, aber auf Deutsch hat es für mich dann einfach nicht gepasst, weil in meinem Umfeld nicht so redet, andere Ausdrucksweisen benutzen würde. Das ganze hat also keinesfalls mit der Ünersetzung zu tun, sondern mit meiner Wahrnehmung des allgemeinen Tons, der nicht so richtig in meine Sicht der deutschen Sprache gepasst hat.

Alles in allem, ist die Idee hinter "Die Wächterinnen von New York" wirklich klasse, aber aud verschiedenen Gründen konnte ich persönlich keine wirkliche Beziehung zu der Geschichte aufbauen.

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Veröffentlicht am 12.03.2022

Eine Reise in die ganz besondere Welt von Fabula

Fabula - Das Portal der dreizehn Reiche
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In „Fabula – Das Portal der dreizehn Reiche“ von Akram El-Bahay entdecken die Zwillinge Will und Charlotte eine ihnen bisher verborgene Welt voller Fabelwesen. Sie begeben sich gemeinsam auf ein großes ...

In „Fabula – Das Portal der dreizehn Reiche“ von Akram El-Bahay entdecken die Zwillinge Will und Charlotte eine ihnen bisher verborgene Welt voller Fabelwesen. Sie begeben sich gemeinsam auf ein großes Abenteuer, in welchem sie sich selbst, ihre Freunde und die Menschheit vor der Dunkelheit bewahren müssen.
Das Buch ist nicht nur äußerlich wunderschön gestaltet, sondern auch der Inhalt ist wirklich lesenswert für junge Fantasy-Fans. Der Schreibstil ist sehr bildlich und märchenhaft, sodass man sich New York, wo die Zwillinge wohnen, und auch die Welt Fabulas sehr lebhaft vorstellen kann. Ein großer Pluspunkt der Geschichte ist meiner Meinung nach der Humor des Autors, der sich beispielsweise auch mit ein paar sehr gelungenen Running Gags durch die gesamte Geschichte hindurchzieht.
Und dann gibt es da noch all die Figuren, die dem Buch das richtige Leben einhauchen. Nicht nur Will und Charlotte, sondern auch all die Freundinnen und Freunde, die sie im Laufe ihres Abenteuers kennenlernen, sind mir wirklich schnell ans Herz gewachsen (ok, zumindest die Guten), weil alle ihre ganz eigene Persönlichkeit haben. Auch die Dynamik zwischen den Geschwistern mochte ich sehr, da die Beziehung sehr realistisch dargestellt wurde. Ich selbst habe ein Geschwisterkind und auch wenn man sich teilweise blind versteht und wenn es drauf ankommt immer für einander da ist, gibt es eben auch die Momente, in denen es zu kleineren Streitigkeiten kommt.
Wodurch sich das Buch von anderen Fantasy-Geschichten abhebt, ist für mich persönlich, dass einem zwar viele Fabelwesen begegnen, die man aus anderen Erzählungen oder Filmen kennt, aber der Autor ihnen in „Fabula“ seinen eigenen Anstrich verliehen hat. Es wird nicht mit den typischen Klischees gearbeitet, was wirklich eine schöne Abwechslung war und die Figuren hervorhebt.
Das Buch wird ab 10 Jahren empfohlen und da bin ich nun wirklich schon ein paar Jahre drüber, aber es hat mir trotzdem gut gefallen. Es konnte mich in meine Kindheit zurückversetzen, in der mich genau solche Bücher und Geschichten wie „Fabula“ zum Lesen gebracht und meine Liebe zum Fantasy-Genre entfacht haben.

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Veröffentlicht am 18.10.2021

Einblicke in ihr Leben – Für große Jane Austen Fans

Von ganzem Herzen ...
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Das Buch „Jane Austen ¬– Von ganzem Herzen…Die Briefe mit Illustrationen ihrer Zeit“ ausgewählt und eingeleitet von Penelope Hughes-Hallett beinhaltet genau das: eine Auswahl von Jane Austens Briefen, ...

Das Buch „Jane Austen ¬– Von ganzem Herzen…Die Briefe mit Illustrationen ihrer Zeit“ ausgewählt und eingeleitet von Penelope Hughes-Hallett beinhaltet genau das: eine Auswahl von Jane Austens Briefen, die eingerahmt sind von einigen Illustrationen. Dabei folgt das Buch chronologisch dem Leben von Jane Austen und ist aufgeteilt in die verschiedenen Lebensabschnitte, die Penelope Hughes-Hallett ausgemacht hat. Zu Beginn des Buches sowie zum jeweiligen Kapitelbeginn wird eine kleine Einleitung gereicht, die skizziert, was mit den Briefen vermittelt werden soll und einen knappen zeitlichen Rahmen des Lebens von Jane Austen gibt.
Auch wenn man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen soll (was sich im Laufe der Rezension auch nochmal bestätigen wird), ist dieses Exemplar wirklich gelungen. Es ist natürlich auch darauf ausgelegt schön anzusehen zu sein, stehen die Illustrationen doch sogar im Titel. Und davon gibt es zahlreiche, es gibt keine Seite, auf der es nicht auch was fürs Auge gibt. Dabei gibt es eine große Vielfalt an Motiven – Landschaftsbilder, Stadtpläne, Darstellungen der aktuellen Mode oder Kutschen, Alltagsmotive und Zeichnungen von Jane Austen selbst oder auch ihrer Schwester Cassandra, die die Familienmitglieder darstellen. Die Auswahl finde ich dabei durchaus gelungen, es gibt immer wieder Bezüge zu den jeweiligen Briefen und allgemein machte mir das Lesen mehr Freude, wenn ich durch ein paar hübsche Bilder in meiner Vorstellungskraft angeregt wurde. Allerdings gefällt mir persönlich die gewählte Schrift nicht so gut. Sie ist mir zu fett und dabei gleichzeitig zu kompakt, sodass es gepaart mit dem nicht so üblichen Format teilweise etwas anstrengend zu lesen war. Als Ergänzung der ganzen Illustrationsmittel hätte ich mir vielleicht noch einen Familienstammbaum gewünscht, der es einem einfacher gemacht hätte, sich schnell in der Familie Austen zurecht zu finden.
Nun aber zum Inhalt des Buches, an dem es sowohl Gutes gibt als auch ein paar Kritikpunkte meinerseits. Jane Austen scheint mir eine Autorin zu sein, über die man nicht so viel weiß, bei der das allgemeine Wissen zu ihren Büchern deutlich ausgeprägter ist als zu ihr als Person. Oft wird das Bild gezeichnet, dass sie sich die Geschichten Ihrer Protagonistinnen aus einem stillen Kämmerchen heraus ausgedacht und durch diese gelebt hat. Aber durch ihre eigenen Briefe bekommt man einen ganz anderen Eindruck. Man lernt eine Jane Austen kennen, die viele Kontakte pflegte und am gesellschaftlichen Leben teilnahm. Genau deswegen war es für mich persönlich so interessant aus erster Hand mehr über ihr Leben zu erfahren. Allerdings wurde meine Aufnahmefähigkeit dadurch gehemmt, dass ich mich zwar schon ein wenig mit ihrem Leben auseinandergesetzt habe, mich letztlich aber nicht richtig gut damit auskenne. Und dafür waren mir die Kommentare dann einfach zu kurz, oft hat mir der Kontext gefehlt, sodass ich nicht so viel aus dem Buch mitnehmen konnte, wie ich es mir erhofft hätte. Wie bereits erwähnt, gibt es zu Beginn von jedem Kapitel eine kurze Einleitung, die sich auf alle Briefe des Kapitels bezieht. Am Ende von manchen Briefen gibt es kurze Anmerkungen, die beispielsweise erklären, wer die erwähnte Person ist. Mir war das an vielen Stellen aber zu wenig. Hier hätte ich mir einen Kommentar zu jedem oder zumindest fast jedem Brief gewünscht, der erläutert, warum dieser Brief ausgewählt wurde und was man als Leser daraus mitnehmen kann. Dies würde es einem auch ermöglichen das Buch immer wieder mal aufzuschlagen und nur ein paar Briefe zu lesen, diese aber trotzdem gut verstehen zu können. Hinzu kommt, dass für mich oft der Kontext gefehlt hat, weil es zum einen nur eine Auswahl an Briefen war und man als Leser:in nicht erkennen konnte, ob die großen Lücken zwischen den Briefen entstanden sind, weil sie ausgelassen wurden oder weil es in der Zeit keine Korrespondenzen gab. Dies hätte man noch erläutern können. Zum anderen haben wir aber auch fast ausschließlich die Briefe von Jane Austen zu lesen bekommen. Dies macht natürlich insofern Sinn als dass es um ihre Briefe geht, aber auch hier muss ich wieder den Kontext als Stichwort nennen, der mir an einigen Stellen gefehlt hat, wenn sich Jane Austen beispielsweise auf Inhalte anderer Briefe bezog. Besonders interessant waren für mich persönlich die Briefe, die Jane Austen an ihre Nichten verfasste und in denen sie deren literarisches Schaffen beurteilte oder die kleinen Bemerkungen über ihre eigenen Werke, die einem einen besseren Eindruck der Autorin verschaffen konnten.
Alles in allem war das Buch für mich okay. Ich konnte einige neue Dinge lernen, bin aber in dem Gefühl zurückgeblieben, dass ich nicht genug Vorwissen hatte, beziehungsweise vom Buch nicht genug geleitet wurde, um das Maximum an Erfahrung und Wissen aus dem Buch mitnehmen zu können. Deswegen würde ich „Jane Austen ¬– Von ganzem Herzen…“ eher den großen Jane Austen Liebhaber:innen empfehlen, die ihre Sammlung um ein schönes Buch erweitern möchten, welches ihr Wissen über die weltberühmte Autorin durch Originaldokumente der Zeit erweitert.

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Veröffentlicht am 05.04.2021

Viel Potenzial, das leider nicht ausgeschöpft wurde

The Second Princess. Vulkanherz
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„The Second Princess – Vulkanherz“ von Christina Hiemer ist ein Fantasy-Einzelband, welcher mich durch Cover, Klappentext und auch Leseprobe sehr angesprochen hat. Letztendlich muss ich aber leider sagen, ...

„The Second Princess – Vulkanherz“ von Christina Hiemer ist ein Fantasy-Einzelband, welcher mich durch Cover, Klappentext und auch Leseprobe sehr angesprochen hat. Letztendlich muss ich aber leider sagen, dass ich eher enttäuscht bin, da das Potenzial der Geschichte meiner Meinung nach nicht ausreichend ausgeschöpft wurde.
Mir ist es aber immer wichtig zu betonen, dass es sich lediglich um meine ganz individuelle Meinung und Wahrnehmung handelt. Es ist also gut möglich, dass das Buch Dir sehr gut gefällt. Deswegen werde ich versuchen möglichst klar die Aspekte herauszustellen, die mir nicht so zugesagt haben. Im Zuge dessen sage ich auch gerne direkt vorweg, dass ich das Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen habe. Ich konnte mich also sehr gut mit vielen verschiedenen Leserinnen und Lesern austauschen. Von denen haben zwar viele in den Kritikpunkten mit mir übereingestimmt – aber es gab auch einige Stimmen, die da etwas anderer Meinung waren und denen das Buch sehr gut gefallen hat.
Wie gesagt, das Cover ist wirklich schön und edel gestaltet, ich bin dadurch sehr schnell auf das Buch aufmerksam geworden. Das ist zwar keinesfalls schlimm für mich, aber man hätte den Inhalt des Buches noch besser repräsentieren können, beispielsweise das Setting. Leider konnten mich die Handlungsorte nicht überzeugen. Es wurden sehr viele Elemente aus verschiedenen Welten zusammengefügt. So gab es eine Karibikinsel mit Dschungel, wir hatten eine eher mittelalterlich anmutende Monarchie samt altem Schlossgemäuer, aber auch moderne Elektronik und verweise auf Sänger der heutigen Zeit. An und für sich ist das ein interessanter Ansatz und hätte mich vielleicht nicht so gestört, wie es leider der Fall war. Voraussetzung dafür wäre aber gewesen, dass es ausführliche und kontinuierliche Beschreibungen gibt, sodass ich ein genaues Bild der Welt vor Augen habe. Das ist – zumindest in meinen Augen – aber nicht gelungen. Ich wurde oft aus meinem Lesefluss herausgerissen, weil die verschiedenen Elemente immer nach und nach hinzugefügt wurden, die dann nicht mehr in das Bild hineingepasst haben, dass ich mir bereits gemalt habe. Ich musste also mein Weltbild immer wieder umbauen und das teilweise sehr drastisch, wenn man von einem Setting von vor mehreren hundert Jahren ausgeht, weil die traditionsreiche Königsfamilie mit Schloss und Kleidungsstil darauf haben schließen lassen, und auf einmal ein Fernseher angeschaltet wird und ein Kamerateam vor Ort ist. Letzten Endes haben die Beschreibungen dazu geführt, dass ich mir die Geschichte nicht wirklich bildlich vorstellen konnte, was bei mir nur sehr selten vorkommt und mir ein wenig den Spaß nimmt.
Neben dem Cover fand und finde ich auch den Klappentext sehr überzeugend. Er hat bei mir den Eindruck einer dramatischen Geschichte mit viel Abenteuer, Verstrickungen, Schicksalserfüllungen und Gefühlen erweckt. Das ist bei mir persönlich aber nur in sehr reduzierten Ausmaßen angekommen. Und genau das beschreibt mein Problem mit der Handlung sehr gut – sehr viele Dinge wurden immer als so groß und schwer und gefährlich dargestellt, indem einfach gesagt wurde, dass es so ist, aber letztlich war es einfach nicht so. Aus den tatsächlichen Handlungen sind die Gefahr oder auch die Schwierigkeiten häufig kaum hervorgegangen, sodass es nicht wirklich glaubhaft war und ich eher wenige Emotionen beim Lesen gefühlt habe. Insbesondere der Anfang ging eher schleppender voran, weil nicht viel passiert ist. Die Action ging quasi erst nach circa der Hälfte des Buches los und war dann leider sehr kurz und nicht so tiefgründig. Die Tiefgründigkeit ist auch ein weiterer Kritikpunkt von mir. Nämlich in dem Sinne, dass die Geschichte für mich nicht genug Grundlagen aufgewiesen oder sie zumindest nicht richtig dargestellt hat. Die Insel und auch die Königsfamilie sollen schon eine sehr aufregende und lange Geschichte haben. So wurde es zumindest immer angedeutet, aber eben leider nicht weiter ausgeführt, was sehr schade war, weil ich so immer das Gefühl hatte, dass noch wirklich viele Informationen fehlen, die mir geholfen hätten, die Geschichte und Charaktere besser zu verstehen und mehr in sie einzutauchen. Informationen sind ein weiteres Stichwort, zu dem ich gerne etwas schreiben würde. Mir wurden zu wenig Informationen rausgegeben, als Leser war man zu lange unwissend. Für mich wirkte die Handlung inklusive der Informationsverteilung und somit ja auch der Spannungsaufbau einfach sehr unausgewogen. Manche Elemente und teilweise auch Figuren wurden erwähnt und dann einfach wieder für den Rest der Geschichte fallen gelassen, obwohl sie, meiner Meinung nach, das Potenzial gehabt hätten eine bedeutungsvollere Rolle einzunehmen. Tatsächlich habe ich eine Figur im speziellen komplett vergessen, weil sie nur Teil einer einzelnen Szene war, in der ich noch dachte, dass die Person im weiteren Verlauf zumindest eine kleinere Rolle spielen würde. Stattdessen wurde sie gar nicht mehr erwähnt, sodass die Funktion des Auftretens im Nachhinein nicht wirklich ersichtlich ist.
Dann würde ich gerne noch auf die Figuren eingehen. Auch über diese kann ich teilweise sagen, dass ich mir mehr Informationen zu ihnen gewünscht hätte, mehr Hintergrundgeschichte und vor allem mehr Konstanz. Vor allem bei unseren beiden Protagonisten hatte ich oft das Gefühl, dass sie sehr sprunghaft in ihren Meinungen und im Verhalten sind, sodass ich manchmal das Gefühl hatte, dass es zwei Seiten von ihnen gibt – ohne, dass ich hätte erkennen können, wann welche zum Vorschein kommt. Unsere Protagonistin Saphina war mir vor allem in der Leseprobe ziemlich sympathisch. Leider hat sich das im Laufe der Geschichte gewandelt, weil sie meiner Meinung nach sehr wenig gedacht und kaum die einzelnen Situationen und ihr eigenes Handeln reflektiert hat. Das Problem dabei war nicht nur, dass die Gedanken dem Leser einfach nur nicht mitgeteilt wurden, sondern, dass ich wirklich das Gefühl hatte, sie denkt nicht nach. Sie hat oft sehr impulsiv und unbedacht gehandelt, sich wie ein kleines Kind benommen und hatte kaum Weitsicht. Das mag zum Teil auch daran gelegen haben, dass sie nicht die passende Erziehung und Bildung erhalten hat – aber auch das fand ich als Prinzessin und in dem Beziehungsgefüge, in welchem sie sich bewegt hat, sehr seltsam und ich konnte nicht wirklich nachvollziehen, warum sie so unwissend ist. Irgendwie schien es einfach der Weg zu sein, um überhaupt die Probleme zu schaffen, die in der Geschichte gelöst werden sollten, was mir als (Hinter-)Grund nicht reicht. Zu den Figuren im Allgemeinen: viele waren sehr oberflächlich, die Beziehungen zueinander waren zum Großteil sehr schlecht, weil einfach nicht geredet wurde und es keine Informationen gab, was ich oft als sehr frustrierend empfunden habe. Und auch die Liebesgeschichte kam bei mir persönlich gar nicht rüber, weil ich die romantischen Gefühle zwischen den beiden Figuren einfach nicht gefühlt habe. Für mich wurde diese Richtung in der Beziehung nicht ausreichend beschrieben und konnte nicht wirklich wachsen. Man wusste, dass es dazu kommen würde, aber letztlich kam es dann doch total plötzlich – zu plötzlich. Deswegen würde ich das Buch auch nicht als Romantasy bezeichnen, dafür war die Liebesgeschichte nicht tiefgehend genug und wurde viel zu kurz abgehandelt.
Diese Rezension klingt jetzt erstmal wirklich negativ. Aber ich muss auf jeden Fall sagen, dass ich den Schreibstil als sehr flüssig empfunden habe und ich das Buch schnell lesen konnte. Mir haben die Idee dahinter und viele der eingebrachten Aspekte sehr gefallen. Aber letzten Endes reicht das Potenzial allein für mich eben nicht aus. Die Geschichte hat auf mich den Eindruck erweckt unausgewogen und noch nicht richtig ausgearbeitet zu sein, man hätte noch viel mehr aus ihr herausholen können. Ich habe schon zu viele Fantasybücher gelesen und es gibt noch so viele weitere, die ich gerne lesen möchte, sodass „The Second Princess“ vor allem im Vergleich sehr abfällt. Vielleicht hätte es mir zu einem früheren Zeitpunkt meines Leserinnenlebens besser gefallen, aber so hat es mich leider enttäuscht.

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Veröffentlicht am 19.10.2020

Ein gutes Buch mit einem potenziell sehr guten Folgeband

Ministry of Souls – Das Schattentor
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Ministry of Souls – Das Schattentor ist bereits das vierte Buch, welches ich von Akram El-Bahay gelesen habe. Zuvor habe ich schon die Bibliotheks-Trilogie verschlungen und finde es wichtig, das gleich ...

Ministry of Souls – Das Schattentor ist bereits das vierte Buch, welches ich von Akram El-Bahay gelesen habe. Zuvor habe ich schon die Bibliotheks-Trilogie verschlungen und finde es wichtig, das gleich zu Beginn zu erwähnen, da ich ganz automatisch auch immer Vergleiche zwischen den beiden Reihen gezogen habe. Deswegen gleich mal mein Fazit vorweg: Die Bibliotheks-Bücher konnten mich mehr überzeugen und für sich einnehmen als der erste Band von Ministry of Souls. Allerdings war dieser nichtsdestotrotz gut und die Geschichte hat vor allem großes Potenzial im Folgeband noch besser zu werden.
In Das Schattentor befinden wir uns im London von 1850 – eine sehr interessante Zeit für solch eine Geschichte. Einer unserer Protagonisten – Jack – ist angehender Soulman. Die Tatsache, dass er schon mitten in seiner Ausbildung ist, diese aber noch nicht abgeschlossen hat, war meiner Meinung nach ein sehr geschickt gewählter Einstiegspunkt in die Geschichte. Dadurch gab es kein Infodumping, um die Kenntnisse des Protagonisten schnell aufzuholen. Gleichzeitig musste man immer genau aufpassen, wenn es darum ging hinter die Aufgaben eines Soulman zu kommen, wobei man auch zeitgleich mit Jack dazugelernt hat. Allerdings darf man sich keine typische Schulausbildung oder ähnliches Vorstellen, bei der man ihn begleitet. Das Buch folgt vor allem dem Prinzip learning-by-doing, welches meiner Meinung nach mal mehr und mal weniger angebracht ist. Die Arbeiter des Ministeriums für endgültige Angelegenheiten helfen den Seelen der Verstorbenen in die Zwischenwelt zu gelangen, was vor der Bevölkerung geheim gehalten wird. Das Konzept des Ministeriums und dessen Aufgaben fand ich wirklich interessant, auch weil ich nicht wirklich in dem Geister-Thema bei Büchern drin bin und mich dementsprechend nicht damit auskenne, welche Ideen es sonst so auf dem Markt gibt bezüglich dessen, was mit den Seelen Verstorbener passiert. Als im Buckingham Palace tote arabische Gesandte gefunden werden, gerät Jack unverhofft an seinen ersten richtigen Auftrag als Soulman – und löst (unbeabsichtigt) ein Chaos in der Zwischenwelt aus, dessen volles Ausmaß uns erst im Laufe des Buches bewusst wird. Es heißt für ihn nun also dieses Chaos zu beseitigen, was mit einer Rettungsaktion, vielen Besuchen in der Zwischenwelt, neuen Freundschaften und noch mehr Chaos einhergeht. Die Grundhandlung verspricht also sehr viel Spannung und Abenteuer. Einhalten kann sie das zwar auch, aber letztendlich fehlen mir an der ein oder anderen Ecke doch ein paar Sachen.
Wie gesagt, die Handlung an sich ist wirklich interessant. Allerdings kamen für mich die Hinter- und Beweggründe – sowohl vom Ministerium und dem aktuellen „Zwischenfall“ den Jack ausgelöst hat als auch die der einzelnen Figuren – etwas zu kurz. Da hätte das Buch gerne etwas länger sein dürfen und an den Stellen, an denen angeteasert wurde, was die Figuren in ihrer Vergangenheit erlebt haben, dies auch weiter ausführen können. Denn natürlich befinden wir uns im hier und jetzt (beziehungsweise im Jahr 1850), aber wenn man die bisherigen Lebenswege der Figuren etwas besser gekannt hätte, hätte ich mich vielleicht auch etwas besser in diese einfühlen können. Denn das ist mein Hauptmanko an dem Buch – der letzte Funke ist bei mir einfach nicht übergesprungen, weil ich nicht die starke Bindung zu den Figuren aufbauen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte. Tatsächlich ist das aber vermehrt ein Problem bei den beiden Hauptfiguren. Die Nebencharaktere sind mir früher oder später wirklich sehr ans Herz gewachsen. Das liegt vor allem an dem Humor des Autors, den dieser so gekonnt in seine Bücher einbaut und der in diesem Fall vor allem bei den besagten Nebenfiguren zum tragen kam.
Ebenjener Humor ist ein großer Pluspunkt bezogen auf den Schreibstil. Die verbalen Schlagabtäusche zwischen den verschiedenen Figuren bringen einen – oder zumindest mich – zahlreich zum Schmunzeln. Gleichzeitig ist die Handlung und vor allem die Umgebung immer sehr gut beschrieben, sodass ich quasi einen Film vor Augen ablaufen hatte. Das führt in Kombination mit der ganzen Action dazu, dass das Buch wirklich schnell zu lesen ist.
Alles in allem kann ich das Buch durchaus empfehlen, es gibt in meinen Augen aber die kleineren Schwächen, dass ich die Figuren und ihre, oft planlosen, Handlungen nicht immer verstehen konnte und mir da noch etwas mehr Tiefe gewünscht hätte. Was der Autor allerdings schon für den zweiten Band angeteasert hat, lässt mich hoffen, dass genau diese Aspekte verbessert werden, zumal ich durch meine anderen Leseerfahrungen ja weiß, dass er es versteht eine vollständig fesselnde Geschichte zu schreiben.

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