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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.05.2021

Vorhersehbarer Fall und eine Beziehung zum Davonlaufen

Liebe auf Bewährung
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Steve Solomon und Victoria Lord sind wieder da! Der charmant chaotische Rechtsanwalt und die unwiderstehliche Staatsanwältin bekriegen sich wie eh und je, während sie einen höchst delikaten Mordfall in ...

Steve Solomon und Victoria Lord sind wieder da! Der charmant chaotische Rechtsanwalt und die unwiderstehliche Staatsanwältin bekriegen sich wie eh und je, während sie einen höchst delikaten Mordfall in der High Society zu lösen haben. Eine äußerst komplizierte Aufgabe für die beiden, zumal bei jeder Begegnung die Funken nur so sprühen. (Klappentext)
Wo soll ich bei diesem „Gerichtsthriller“ bloß anfangen? Ich hatte mich auf witzige Unterhaltung und eine interessante Geschichte gefreut, zumal die Chicago Sun-Times (damals) von „ein[em] außergewöhnliche[n], mitreißenden und unglaublich witzigem Gerichtsthriller spricht.
An diesem Buch ist nichts mitreißend oder witzig. Die Geschichte plätschert so dahin, der Fall ist eher durchschaubar und die Dialoge so krampfig, dass man sich beim Lesen fremdschämen muss.
Am schlimmsten fand ich aber die „Beziehung“ die Solomon und Lord da führen: sie sollen wohl als eine Art explosives Pärchen dargestellt werden, dabei zanken sich die beiden wie fünfjährige. Beide scheinen dem Partner kein Stück zu vertrauen – weder privat noch beruflich – und Steve Solomon ist kein charmanter Chaot, wie es der Klappentext versucht zu beschrieben sondern ein Chauvinist, der seinesgleichen sucht. Seine einzigen positiven Attribute sind sein Aussehen und seine Führsorge für seinen Neffen, aber was Lord an ihm findet, wird im ganzen Buch nicht klar. Victoria Lord dagegen ist, obwohl sie als intelligente Frau gelten soll, so oberflächlich, dass sie nicht nur das Äußere von Steve über alle schlechten Eigenschaften hinwegtrösten kann, sondern auch sofort dem nächsten schönen Mann mit vielen Muskeln verfällt.
Der Witz, vor dem diese Geschichte nur so sprühen soll, beschränkt sich auf den Humor eines 13jährigen Jungen, es gibt viele zweideutige Anspielungen und eindeutige Sprüche, die aber weder besonders originell noch passend sind.
Dieses Buch ist schon einige Jahre alt (erschienen 2006) und ich frage mich, ob ich mit dem heutigen Blick auf die Genderdiskussionen nur überempfindlich reagiere, aber für mich geht diese Beziehung gar nicht!
Das Buch dümpelt auch schon einige Jahre in meinem Bücherregal vor sich hin (aus gutem Grund wie ich jetzt weiß!) und wäre besser direkt ungelesen in den nächsten Bücherschrank gewandert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.04.2021

Witzig, bissig, tiefgründig, authentisch!

Tausend kleine Lügen
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Tausend kleine Lügen – Liane Moriarty
Jane ist neu in der Küstenstadt Pirriwee und freundet sich durch ihren Sohn schnell mit anderen Müttern an: Sie lernt Madeleine und Celeste kennen, die beide Kinder ...

Tausend kleine Lügen – Liane Moriarty
Jane ist neu in der Küstenstadt Pirriwee und freundet sich durch ihren Sohn schnell mit anderen Müttern an: Sie lernt Madeleine und Celeste kennen, die beide Kinder im selben Alter wie ihr Sohn haben und mit denen sie eine Art „Dreier-Clique“ bildet. Es stellt sich schnell heraus, dass das Städtchen Porriwee nicht so idyllisch ist, wie es sich am Anfang präsentiert und während man als Leser schon ganz zu Anfang den Ausgang der Geschichte erfährt ohne das auf Details eingegangen wird, erschließen sich erst nach und nach die kleinen und großen Dramen, mit denen die drei Freundinnen (und zum Teil auch andere Personen in der Geschichte) zu kämpfen haben und wie sie ins Gesamtbild einzuordnen sind.
Liane Moriaty schafft es in diesem Roman einerseits, die Verstrickungen und das Gerede in dem Kleinstadtmilieu perfekt einzufangen und andererseits ein komplexes Beziehungsdrama aufzubauen und auf so auf einen Höhepunkt zulaufen zu lassen, das es sich so liest, als könnte es jederzeit und überall auch in der eigenen Umgebung so passieren. Die Charaktere sind zum Teil natürlich überzeichnet dargestellt, vor allem die Nebenpersonen, die gewisse Rollen der Gesellschaft repräsentieren, aber die drei Hauptcharaktere sind sympathisch und nachvollziehbar gestaltet. Jede der drei Frauen ist auf ihre Art stark und kämpft um ihren Platz im Leben und in der Gesellschaft in Pirriwee, in der es ziemlich schwer zu sein scheint irgendetwas richtig zu machen. Alle Eltern an der Schule scheinen ständig alle und alles mit Argusaugen zu beobachten, nur um selber besser dazustehen. Dieser Aspekt ist schön jeweils am Ende der einzelnen Kapitel in die Geschichte mit eingewebt, da dort jeweils verschiedene Mitglieder dieser Kleinstadt zu Wort kommen und Teile der Geschichte aus ihrer Sicht erzählen dürfen, sodass man als Leser ganz unterschiedliche Einblicke bekommt.
Der Schreibstil der Autorin ist so flüssig und der Humor zum Teil so treffend und bissig, dass ich das Buch mittlerweile wiederholt (gern!) gelesen habe. Die Beschreibung der Eltern und ihres Verhaltens untereinander sind absolut authentisch und witzig dargestellt, das man meint, den ein oder anderen Charakter aus dem eigenen Leben wiederzufinden. Wirklich schön ist auch die Freundschaft der drei Frauen dargestellt, die es allen dreien ermöglicht, an den Herausforderungen zu wachsen und damit fertig zu werden – immer natürlich mit ein klein bisschen Hilfe der Freundinnen. Absolute Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2021

Der sarkastische und urkomische Schreibstil des Autors machen dieses Buch auf jeden Fall lesenswert!

Jagdtrieb
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Paul Colossa muss sich beweisen: Nach dem Tod seines Onkels erbt er dessen Kanzlei in der bayrischen Provinz und mit ihr auch einige seltsame Fälle. Besonders zu schaffen macht ihm dabei eine junge Frau, ...

Paul Colossa muss sich beweisen: Nach dem Tod seines Onkels erbt er dessen Kanzlei in der bayrischen Provinz und mit ihr auch einige seltsame Fälle. Besonders zu schaffen macht ihm dabei eine junge Frau, für die er ein Kontaktverbot von ihrem früheren Liebhaber erwirken soll, der sie mutmaßlich stalkt. Paul setzt sich für sie über die ein oder andere Regel hinweg und bekleckert sich hierbei nicht unbedingt mit Ruhm.

Das Cover und der Titel versprechen einen sehr spannenden Kriminalroman, doch schon der Klappentext vermittelt ein etwas anderes Bild: „ Ein abgründiger Kriminalroman voll skurriler Figuren und Situationskomik.“ Abgründig wird es nun nicht gerade, dazu gibt die Geschichte um Paul und seinen Fall nicht genug Spannung und Aktion her, und auch die Beschreibung Kriminalroman ist mit Vorsicht zu genießen, was man bei diesem Roman aber auf jeden Fall bekommt, sind skurrile Figuren, die von einem Fettnäpfchen ins nächste springen, allen voran Paul Colossa selber und satirische Situationskomik. Über die Charaktere muss man oft einfach schmunzeln, manchmal möchte man sie aber auch mal schütteln, weil sie sich so unbeholfen verhalten.

Gegliedert ist das Buch in sehr kurze Kapitel – für meinen Geschmack etwas zu kurz, um einen richtigen Lesefluss aufkommen zu lassen – die mit Worterklärungen aus der Jägersprache überschrieben sind. Zunächst fand ich die Idee noch ganz gut, als dann im Lauf der Geschichte immer klarer wurde, dass die Jagd insgesamt eine eher geringe und auch nur übertragene Rolle spielt, habe ich mich oft gefragt, was das Ganze soll.

Beim Lesen entsteht kein „Sog“, dazu fehlt die Spannung, es fällt nicht besonders schwer, das Buch auch mal auf die Seite zu legen aber es macht auch so viel Spaß, dass man es danach bald wieder zur Hand nimmt, um wieder ein paar kurze Kapitel zu lesen.

Glanzstück dieses Romans sind ganz klar die Charaktere und ihre Weltanschauung: Wenn sich Paul in den unpassendsten Momenten Gedanken darüber macht, dass es super unmännlich rüber kommt, wenn man(n) sich beim Schuhe aufbinden hinknien muss und diese Überlegungen dann noch dazu so schön formuliert sind, wirkt das Buch eher wie eine Satire denn wie einen Roman. Der sarkastische und urkomische Schreibstil des Autors machen dieses Buch auf jeden Fall lesenswert!

Der Autor Hendrik Esch, der selbst als Anwalt arbeitet, lässt Hintergrundwissen und Anekdoten aus dem Anwaltsalltag einfließen, ohne in irgend einer Weise belehrend zu wirken, was dem Ganzen aber noch mal eine gewisse Authentizität gibt (auch wenn zu hoffen bleibt, dass man, sollte man tatsächlich mal einen Anwalt brauchen, nicht gerade an einen wie Paul gerät ;) )

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2021

Solider Krimi

Cold Case – Das gezeichnete Opfer
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Zwei Fälle, die so gar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, zwischen denen 15 Jahre liegen und deren einziger Zusammenhang seltsame Lehmspuren sind, die an beiden Tatorten gefunden wurden: Aus ...

Zwei Fälle, die so gar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, zwischen denen 15 Jahre liegen und deren einziger Zusammenhang seltsame Lehmspuren sind, die an beiden Tatorten gefunden wurden: Aus dieser Ausgangslage heraus öffnet Tess Hjalmarsson den Mord an Max Lund wieder. Während sie und ihr Team versuchen, Verbindungen zwischen den beiden Mordopfern herzustellen und sich mit alten Akten herumschlagen, müssen sie gleichzeitig dagegen ankämpfen, dass ihre Abteilung gestrichen werden soll.
Für mich war es das erste Buch von Tina Frennstedt, und obwohl es sich um den zweiten Band der Reihe um Tess Hjalmarsson handelt, wurden keine Informationen aus dem Vorgängerband vorausgesetzt, sodass sich dieser Krimi auch gut unabhängig lesen lässt. Es wird zwar, vor allem im Privatleben der Ermittler, hin und wieder auf den Vorgängerband verwiesen, aber nichts davon ist fallrelevant. Wer Krimis, in denen das Privatleben der Ermittler einiges an Platz einnimmt nicht mag, sollte diese Reihe aber nicht unbedingt lesen. Dieser Teil ist meiner Meinung nach auch am schwächsten gestaltet: Viele Zufälle, die da aufeinandertreffen und auch einiges, dass sich aus der Situation nicht so richtig erschließt.
Da der Fall aber sehr gut gestrickt ist und man beim Lesen miträtseln kann, kann ich den Krimi durchaus empfehlen. Ich wusste bis zum Ende nicht, wer der Täter ist und wie alles zusammenhängt. Im letzten Abschnitt wird dann alles zusammengeführt und alle Fragen zufriedenstellend (und vor allem auch nachvollziehbar!) geklärt. Für mich hätten es gern noch etwas mehr Hinweise geben dürfen, sodass ich zumindest einen Verdacht in die richtige Richtung entwickeln hätte können, ich hatte zwar im Laufe des Buches immer jemandem im Verdacht, aber das hat sich während der Geschichte auch ständig geändert, ohne dass ich einmal auf der richtigen Fährte gewesen wäre…
Der Spannungsbogen ist während des ganzen Buches immer relativ hoch, ohne dass es nervenaufreibend aufregend ist. Durch den flüssigen Schreibstil und die eingeflochtenen Rückblicke wird es nach den ersten paar Kapiteln schwer, das Buch wieder aus der Hand zu legen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2021

Hätte Potential gehabt, war aber bloß unlogisch, undurchdacht und leider zum Teil auch etwas zu vorhersehbar.

Killing November
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November, die von sich selber behauptet, eine eher normale Kindheit und Jugend gehabt zu haben wird ganz plötzlich von ihrem Vater auch ein sehr seltsames Internat geschickt – und da fangen für mich die ...

November, die von sich selber behauptet, eine eher normale Kindheit und Jugend gehabt zu haben wird ganz plötzlich von ihrem Vater auch ein sehr seltsames Internat geschickt – und da fangen für mich die Probleme mit dieser Geschichte schon an: So seltsam die Vorgänge in dem Internat auch sind, November hinterfragt wenig, nimmt alles so hin und versucht auch gar nicht, z.B. mit ihrem Vater Kontakt aufzunehmen, mit dem sie eigentlich ein gutes Verhältnis hat. Auch als Leser erfährt man bei einigen Gegebenheiten den Sinn nicht, sodass es ein bisschen willkürlich wirkt. Zum Beispiel gibt es in dem Internat scheinbar keinen Strom (ohne dass ein Grund genannt wird), was aber für keinen der Schüler ein Problem zu sein scheint, obwohl es in der Gegenwart (Handy- und Fernsehzeitalter!) spielen soll. Man wird als Leser lange im Unklaren darüber gelassen, wie Dinge in dem Internat laufen und wie alles zusammenhängt, sodass man zusammen mit November versucht, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Das ist zu Beginn noch ganz spannend, zieht sich dann aber sehr lange hin, sodass die eigentlichen Ereignisse der Handlung irgendwie nebenher passieren. Das wird zum Ende hin wieder etwas besser, aber da war es für meinen Geschmack schon zu spät.
Dafür, dass November von den Abläufen an der Schule so gar keine Ahnung hat, kommt sie erstaunlich gut zurecht, kommt von Anfang auch an die richtigen Mitschüler, die ihr helfen. Unlogisch ist auch, wie sie die anderen, die schon jahrelang genau darauf trainiert werden, in beinahe allem (nicht nur in einem! Unterrichtsfach) so einfach überflügeln kann. Da kommen mir die Talente der anderen ein bisschen zu kurz..
Novembers Charakter fand ich zu Beginn noch ganz nett, als sie noch als „normal“ dargestellt wurde, bald aber hat sich herausgestellt, dass diese Einschätzung vom Anfang nicht so ganz zu ihrem Auftreten passt. Ihre offene Art wurde besonders betont, was aber ab der Mitte des Buches nur darin geendet hat, dass sie zu den unpassendsten Momenten ihren Mund nicht halten konnte, obwohl sie es zu der Zeit schon längst besser hätte wissen müssen, sodass ich nur noch genervt war von ihr. Die Nebencharaktere blieben alle eher blass, einige waren so klischeehaft, dass man sich ihrer Rolle schon vom ersten Auftreten ab bewusst war, andere nur so kurz beschrieben, dass sie für mich völlig austauschbar waren, die einzige Ausnahme dabei stellt vielleicht Alyssa dar, der zumindest mehr als ein Attribut zugeordnet werden kann – die anderen haben ganz feste Rollen: beste Freundin, Feind, Liebschaft ect, da bleibt wenig Spielraum für Widersprüchlichkeiten. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Charakteren ist zum Teil auch eher gezwungen, gerade die Flirterei ist gar nicht bei mir angekommen, was einerseits absolut verständlich ist, weil die Autorin ihr nicht zu viel Raum in der Handlung einräumen konnte, andererseits war sie auch so unnötig, dass man sich diesen Teil der Handlung auch einfach hätte sparen können.
Gut geschildert ist die Atmosphäre in dem Internat, man kann sich beim Lesen das Gemäuer super vorstellen, da aber viel zu wenig Gedanken in den gedanklichen Überbau und die Hintergründe gesteckt wurden, bleibt so vieles vom Setting unrund, dass das auch nicht mehr viel ändert. Wenn man dann noch bedenkt, dass es sich um ein Jugendbuch handelt und die moralischen Werte, die in dieser „Gesellschaft“ beschrieben werden (die als eine Elite dargestellt wird!), mehr als fragwürdig sind, bleibt nicht mehr viel übrig, das diesem Buch Pluspunkte einbringen könnte.

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