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Veröffentlicht am 23.05.2020

Der Kampf gegen den Höllenhund

Höllenhund
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Hansgar lebt als Bettler in der mittelalterlichen Stadt Ingelspfort. Sein Leben ist eigentlich nicht mehr lebenswert bis er dem Ritter Ronald begegnet der sich nicht nur Hansgar annimmt sondern felsenfest ...

Hansgar lebt als Bettler in der mittelalterlichen Stadt Ingelspfort. Sein Leben ist eigentlich nicht mehr lebenswert bis er dem Ritter Ronald begegnet der sich nicht nur Hansgar annimmt sondern felsenfest überzeugt ist das Hansgar der Auserwählte ist um wieder der Kriegsgöttin Zolora zu dienen...doch kann dies sein...kann und will Hansgar sein Leben in den Dienst der Göttin stellen?

Zur gleichen Zeit ist Hans, eher schüchtern und ohne Selbstbewusstsein, dabei die Ratschläge des Vaters seiner Freundin Elisa zu befolgen – meditieren und sein Selbst finden. Anfangs noch skeptisch verändert sich Hans und konzentriert sich voll und ganz auf seine Leidenschaft – Comics zeichnen, was ihm sehr gut gelingt...Doch die Comics entwickeln plötzlich eine eigene Dynamik und das Leben von Hans und Hansgar steht auf dem Spiel...

Ich bedanke mich bei Lovelybooks und dem Autor für das Rezensionsexemplar und die dazu stattgefundene Leserunde.

Wo fange ich an?

Das Buch spricht soviel auf einmal an dass man es fast sehr schwer in Worte fassen kann.
Der Schreibstil ist sehr außergewöhnlich, doch äußerst passend zur Geschichte, gerade wenn man in die Welt von Hansgar eintaucht. Auch besitzt der Autor eine sehr bildhafte Beschreibung welches es dem Leser leicht macht sich Umgebungen, Freund und Feind, Orte und die ganzen Begebenheiten einzuprägen, ein Kopfkino entsteht dem man sich nicht mehr oder sehr schwer entziehen kann.

Die Beschreibung des Buches gibt nicht sonderlich viel her, auch war ich zu Beginn sehr gespannt wohin es eigentlich gehen soll, was ist der Kern der Geschichte? Kommt der erhobene Zeigefinger, die göttliche Weissagung oder ist es eher eine fantastische Geschichte zur Meditation? Nein, dieses Buch ist soviel mehr und auch wenn es der Klappentext und Coverbild nicht hergeben, dieses Buch geht viel tiefer und berührt den Leser in so vielen Facetten.

Hansgar war mir von Beginn an sehr sympathisch, seine Geschichte nicht sonderlich bekannt, im Laufe der Zeit ändert sich dies, man erhält mehr Einblick in die Vergangenheit von ihm. Seine Wandlung fand ich sehr interessant, weil er doch nicht an seine Bestimmung glaubte und doch versucht ist sein Leben in das einer Kriegsgöttin zu stellen, kann dies gelingen? Wo hört die eigene Freiheit auf, wo beginnt sie?
Mit der Zeit vollzog Hansgar Züge die ich nicht immer gutgeheißen hatte, aber ich glaube, dies soll auch Sinn dieser Geschichte sein.

Hans...ach je, also als ich den ersten Satz von ihm gelesen hatte war ich erstmals etwas zurückhaltend, denn der Autor schafft es gekonnt den Hans als einen sehr schüchternen Jungen darzustellen, der eigentlich ständig über die eigenen Füße stolpert. Ich gebe zu, zu Beginn war ich bei diesem Protagonisten sehr skeptisch. Aber auch hier vollzieht der Autor eine unglaublich tolle Wendung die man Hans abnimmt, die nicht übertrieben oder überdramatisiert wirkt, auch ist die Sache der Meditation und die Findung seiner Selbst eine interessante Begebenheit.

Die Verknüpfungen von Hansgar und Hans, ihre Geheimnisse, ihre Gemeinsamkeiten, ihre Begleiter aber auch Feinde, das Rätseln was denn hier nun passiert hat mich unglaublich gefesselt und begeistert.

Und warum sollte man dieses Buch nun lesen?

Weil es viele Dinge anspricht, viele Dinge die sich verlieren, die aus „der Mode“ kommen und die doch so wichtig sind für unser Selbst, aber auch für unsere Freiheit, für die Freiheit von jedem Mitmenschen, die uns ausmachen – dass wir an unsere Stärken und Schwächen glauben, aber auch an die Freiheit, an die Menschlichkeit und Herzlichkeit, das sich Menschen ändern können, das gewisse Züge nie aus der Mode kommen dürfen.

Dieses Buch berührte mich einfach und entwickelte einen Sog dem ich mich dann gar nicht mehr entziehen konnte.

Ich kann nur sagen - lest dieses Buch!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2020

Träume, lache, liebe, lebe!

Lichter auf dem Meer
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Harold und Mary Rose Grapes haben schon einiges erlebt, nicht immer Gutes.
Nun wird ihnen noch ihre letzte Liebe genommen – sie müssen aus ihrem Haus an der Teufelsklippe ausziehen.
Denn dieses Haus ist ...

Harold und Mary Rose Grapes haben schon einiges erlebt, nicht immer Gutes.
Nun wird ihnen noch ihre letzte Liebe genommen – sie müssen aus ihrem Haus an der Teufelsklippe ausziehen.
Denn dieses Haus ist zu nahe am Abgrund, nach neuen Verordnungen darf man dort nicht mehr wohnen... beiden zerbricht es das Herz.
Doch in der Nacht vor der Zwangsräumung geht ein Gewitter über San Remo de Mar nieder und ein Blitz schägt in das Haus von dem Ehepaar Grapes ein... als beide am nächsten Morgen erwachen steht ihr Welt Kopf...denn ihr Haus schwimmt auf dem Meer und beiden wissen nicht was passiert ist, wie sie jetzt überleben sollen und ob überhaupt jemand nach ihnen sucht...

Goodreads meint: Was für ein Buch! Was für eine unglaubliche Geschichte!
Und diesen Worten möchte ich mich auf jeden Fall anschließen, denn sie ist so ungewöhnlich und doch zauberhaft in ihrem Aufbau, dem was geschieht und was man mit dem Ehepaar Grapes alles erleben und entdecken wird.

Der Schreibstil war schon von Beginn an ziehend, interessant und einnehmend, es geschieht ganz schnell dass man dieses Buch gar nicht mehr aus der Hand legen kann.
Auch hat der Autor einen sehr schönen und unglaublich intensiven Schreibstil, alleine wie er das Meer, die Sonnenaufgänge und Untergänge beschreibt ist so lesenwert und man hat als Leser das Gefühl immer weht einem eine frische Meeresbrise um die Nase, man sieht und fühlt alles was auch die Grapes sehen und fühlen.

Beide müssen mit einem Schicksalsschlag klar kommen der sie nun schon über 35 Jahre begleitet, dieser Schicksalsschlag hat sie auseinander gebracht, von heute auf morgen haben sie ihre Träume, Wünsche und Hoffnungen schlichtweg begraben, sich zurückgezogen und die Bewohner aus dem Dorf eher gemieden.
Alleine hier fühlt man den Schmerz von Harold und Mary Rose und kann dies so gut nachvollziehen, auch die Veränderungen von beiden sind realistisch und schon so oft gehört, gelesen, selbst erlebt.

Doch ist es richtig ein Leben mit Träumen und Hoffnungen zu begraben wenn das Schicksal zuschlägt?
Was macht uns aus?
Was macht uns besonders?
Was treibt uns eigentlich an?
Sind wir wirklich verpflichtet auf die Menschen in unserer Umgebung zu hören, zu achten was sie mögen und was nicht und uns darüber hinaus selbst vergessen, aufgeben, klein machen?

Wie andere Völker mit Tod, Verlust, Schuldzuweisung oder eben nicht umgehen beschreibt der Autor hier in dieser Geschichte und ich glaube, man kann sich von anderen Bevölkerungen eine große Scheibe abschneiden wenn es um die Trauer geht, den Verlust und dass es doch eigentlich keinen Sinn macht sich ständig zu verkriechen, aufzugeben und überlegen wem man eine Schuldzuweisung zukommen lässt.

Ein Buch das klar macht dass Träume nicht nur Schäume sind sondern man gut daran tut sie zu verwirklichen, dass mein sein Bestes gibt um vor allem so zu leben wie man es möchte, ohne dass man sich reinreden , sich Schuld oder Zwang aufbinden lässt, dass man eben dieses eine Leben hat und da sollte man doch einfach versuchen glücklich zu sein, das Recht hat jeder Mensch.

Mich hat dieses Buch, diese Geschichte um das Ehepaar Grapes sehr berührt und zum nachdenken gebracht und ich denke dass dieses Buch von so vielen Menschen noch gelesen werden sollte.
Es lohnt sich auf jeden Fall.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2020

Wichtige Themen realistisch und spannend verpackt

Dark Lines / Nachtwahn – Der Ruf der Vergeltung
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Emely und Tom haben beide die gleichen Anliegen, doch gehen sie damit unterschiedlich um.

Während Tom beim LKA 123 arbeitet die sich um Kindesmisshandlungen ohne sexuellen Übergriff beschäftigt, versucht ...

Emely und Tom haben beide die gleichen Anliegen, doch gehen sie damit unterschiedlich um.

Während Tom beim LKA 123 arbeitet die sich um Kindesmisshandlungen ohne sexuellen Übergriff beschäftigt, versucht die Kinder zu retten, aus ihren gewalttätigen Familien zu holen, ein sicheres Zuhause für sie zu finden - „arbeitet“ Emely ebenso gegen Kindesmisshandlungen, aber auf ihre eigene Art und Weise und immer mit Schmerz und Rache verbunden.

Beide tragen Geister der Vergangenheit mit sich herum und als beide aufeinandertreffen wissen beide noch nicht ob und wie gefährlich es für sie werden wird...


Dies ist das zweite Buch der Autorin und ich werde mir den ersten Band auf jeden Fall noch kaufen müssen, denn hier geht es um soviel mehr und ich persönlich möchte der Autorin auch meinen Respekt aussprechen.

Denn hier geht es bei vielen nicht um Fiktion sondern um das was sich Realität nennt, die Autorin verarbeitet hier vieles aus ihrer Kindheit (Quelle ist hier Amazon) und als Leser, nach diesem Buch, möchte man sich nicht ansatzweise vorstellen was die Autorin in ihrer Kindheit erleben musste.


Wie gesagt, ich kenne Buch Eins nicht, was dieser Geschichte aber keinen Abbruch tut denn es gibt viele Rückblicke, Emely zeigt dem Leser ihr Innerstes und ihre tiefsten Ängste und man bekommt auch so ein sehr genaues Bild was ihr widerfahren ist, warum sie so handelt.


Der Schreibstil ist flüssig, packend und nur mal „kurz reinlesen“ ist gar nicht möglich, denn ehe man es sich versieht steckt man schon mittendrin in der Geschichte von Tom und Emely und möchte nur wissen was weiter passiert, wie sich mit den Situationen umgehen und wie ihr Ende sein wird.


Auch möchte ich vorweg legen – dieses Buch geht an die Grenzen und auch darüber hinaus.

Ich war selbst hier und da so geschockt dass ich dieses Buch kurz auf die Seite legen musste.

Und doch bleibt die Geschichte, das Gelesene im Kopf und soll einen nicht abhärten sondern dazu auffordern genauer hinzusehen, hinzuhören und zu handeln.


Emely kämpft hauptsächlich jede Nacht mit den Dämonen ihrer Kindheit, ihr Vater war streng gläubig und hat sie körperlich wie seelisch „gezüchtigt“, ihr von Dämonen und Teufeln, Engeln und Gottheiten erzählt und sie mit den Geschichten und seinen Handlungen geängstigt, gefoltert, misshandelt.

Hingesehen hat keiner, auch für Emely war dieser „Zustand“normal, wer würde einem Kind schon glauben?


Tom möchte ebenso gegen die Kindmisshandlungen angehen, als LKA Beamter wird ihm aber sehr schnell klar – die Mühlen der Gesetzte mahlen sehr langsam und wenn es keine genügend Beweise oder Hinweise gibt dann können weder Polizei noch Gerichte an den Situationen etwas ändern.

Es fehlt an Personal, an neuen Gesetzen, an strengeren Umsetzungen und härteren Strafen.

Meist können den Kindern nicht geholfen werden.


Und gerade da schlägt die Realität des Buches erbarmungslos zu, denn auch wenn die Medien nicht täglich darüber berichten ist doch vielen in der Gesellschaft klar – es wird zu wenig für den Schutz der Kinder getan, allgemein mahlen die Mühlen viel zu langsam, man möchte die sehr höherer Dunkelziffer gar nicht erst erwähnen.


Jetzt sind 3 Kinder verschwunden und Emely erhält in ihrer Redaktion Hinweise in Briefform, tappt aber im Dunkeln und bekommt ihre Informationen von Tom der sich Emely anvertraut und auch Emely erkennt in Tom unschuldige und eine neue Art von Liebe an die sie nicht geglaubt hat.

Doch ist es hier keine Liebesschnulze oder dass die Themen die angesprochen werden untergehen – nein – man erfährt hier beide Seiten der Medaille.


Tom der auf der Seite des Gesetztes steht und versucht was möglich ist mit den Informationen die ihm zu Verfügung stehen.

Und Emely, die die dunkle Seite darstellt, die sich aufmacht um Kinderschänder, Kindermörder und Menschenhandel mit Kindern aufzudecken, ihnen ihre gerechte Strafe zuzuführen denn Gesetzte und Gesellschaft werden hier nicht handeln oder genauer hinsehen, Emely ist die Unbekannte die den Kindern zuhört und für sie handelt.


Ja, es ist Selbstjustiz, ein sehr heikles Thema, ein sehr schmaler Grad.

Und doch war ich auf der Seite von Tom wie auf der Seite von Emely, denn beide haben ihre Argumente dafür und dagegen.

Wer damit ein Problem hat sollte die Finger am Besten vom Buch lassen – ganz ehrlich!


Doch wäre es gelogen wenn ich als Mutter dastehe und sage – ja es wird genug zum Schutz der Kinder getan, es gibt Opferschutz vor Täterschutz, ich finde die Gesetze reichen aus.

Nein! So ist es eben nicht und wenn ich oft die Zeitung aufschlage, die Nachrichten verfolge dann bekommt man so eine Wut, einen Hass dass man doch, ehrlich gesagt, dasteht und sich wünscht einer würde diesen Unmenschen das Licht auspusten.

Man sollte hier schon ehrlich mit sich selbst sein und ja, ich konnte auch Emely ihre Seite sehr gut nachvollziehen und was sie zu dieser Person, mit diesen Handlungen, getrieben hat.


Ich persönlich finde dass die Autorin sehr gekonnt und vor allem realistisch die Thematik Kindmisshandlungen und seine Folgen aufzeigt, dass Missbrauch, egal in welcher Form, nicht verjährt, dass die Opfer ein Leben lang das Gefühl haben – sie werden immer ein Opfer bleiben, die Gesetzte sind zu lasch und langsam, es fehlt an allen Ecken und Kanten an der Umsetzung.

Auch werden hier die ein oder andere Überraschungen und Vorurteile eingebaut und geben nochmals zu denken.


Wir sollten einfach offener und gerade wachsamer sein, Kindern die Andeutungen machen, die blaue Flecke oder ähnliches aufweisen mehr Vertrauen, Gehör und Mut schenken/spenden damit es in die richtige Richtung geht.

Ich für meine Fälle kann dieses Buch nur empfehlen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2020

Der Schrecken des ersten Weltkrieges

Der Wintersoldat
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Der angehende und hochbegabte Medizinstudent Lucius hat in der Medizin seine Lebensaufgabe gefunden. Wie und was er nach dem Studium gedenkt zu tun weiß er noch nicht... denn der erste Weltkrieg ist ausgebrochen.

Auf ...

Der angehende und hochbegabte Medizinstudent Lucius hat in der Medizin seine Lebensaufgabe gefunden. Wie und was er nach dem Studium gedenkt zu tun weiß er noch nicht... denn der erste Weltkrieg ist ausgebrochen.

Auf Empfehlung von seinem Studienkollegen und Freund Feuermann meldet sich auch Lucius zum Sanitätsdienst, Ärzte und Personal werden händeringend gesucht.

Er landet in einem abgelegenen Dorf in den Karpaten und bekommt den ganzen Schrecken und Grausamkeiten des Krieges mit und merkt.. darauf war er nicht vorbereitet... zum Glück steht im die Krankenschwester Margarete zur Seite...


Bei dem Buch war ich im Allgemeinen sehr neugierig was mich hier erwarten wird, auch wie gewisse Themen vom Autor umgesetzt werden.

Wird es ein reines Gemetzels, ein eher medizinische Geschichte, authentisch, eine reine Liebesschnulze, packend oder langweilig?


Ich für mich muss sagen dass der Autor, in meinen Augen, eine sehr realistische und vor allem erdrückende Geschichte geschaffen hat, mit ihren Schrecken des Krieges, mit etwas Liebe zwischen Arzt und Krankenschwester, medizinisch sehr interessant und im Schreibstil sehr einnehmend, anfangs etwas ruhiger und eher hinplätschernd, aber trotzdem mit einem sehr guten Standpunkt in vielen Bereichen.


Ich würde fast sagen – man sollte sich für Medizin interessieren, vielleicht aus dem Beruf kommen oder zumindest kein Problem haben dass der Autor, der selbst Psychiater ist, diese Thematik groß anschneidet und thematisiert.

Denn für mich selbst waren diese Unterschiede von damals und heute sehr interessant dargestellt, gekonnt umgesetzt, die damalige Zeit und die Umstände hat der Autor sehr lebensnah niedergeschrieben.


Der Autor bedient sich einer sehr bildhaften Sprache, man hat das Kriegsgeschehen vor den Augen, wie auch die Soldaten, die Jahreszeiten in den Karpaten, kann sich ein Bild des Lazaretts machen, lernt die verschiedenen Protagonisten kennen und ist an ihrer Seite, bis zum Ende.


Lucius war mir sehr schnell sympathisch, er ist sehr engagiert, interessiert sich eigentlich nur für die Medizin und wünscht sich mehr Kontakt zu Patienten um besser und schneller zu lernen, zu verstehen.

Auch überlegt er, mit Professoren, gewisse Techniken zu verfeinern, aufzuwerten, neue Ansätze einzubringen.

Die Überlegungen zur damaligen Zeit waren einfach spannend zu lesen.


Mit dem Ausbruch des ersten Weltkriegs ändert sich alles, auch für Lucius, der eigentlich gar nicht vor hatte, sich zu melden, aber dadurch dass sein Freund Feuermann als Arzt agieren darf, möchte das auch Lucius.

Man begleitet Lucius zu seinem Lazarett und ist, wie er, erstmal mit der ganzen Situation überfordert, denn wie jeder Student wird man hier in eine Lage hineingeworfen, die man sehr schwer fassen und begreifen kann, es ist erschreckend gut beschrieben und nichts wirkt übertrieben oder überzeichnet.


Mit dem „Wintersoldat“ erhält das Thema Krieg, Traumatisierung und die richtige Behandlung einen neuen, unbekannten Fleck und schnell wird klar – was wir heute wissen, war damals in keinster Weise denkbar und stand eigentlich nicht zur Debatte.

Im Lazarett wird eines schnell klar – die Soldaten müssen einfach nur wieder stehen können, sie müssen so schnell und unverzüglich wie möglich zurück an die Front, eine andere Aufgaben haben Lucius und sein Team gar nicht.
Aber der „Wintersoldat“, wie er von ihnen genannt wird, ändert alles, auch die Dynamik im Team, die ganze Situation für das Lazarett.


Natürlich kommt die Liebe nicht zu kurz, aber sie ist klein und fein, geheim und verboten und doch ist sie der Farbtupfer zwischen all dem Schnee, dem Grauen, dem Blut und den Sorgen, Schrecken, Hunger, Angst, der Filter gegen den Krieg.


Doch natürlich ist zu dieser Zeit nichts einfach, nichts fliegt einem zu und auch Lucius muss sich noch mehr mit den Kämpfen, den Zuständen in seiner Heimat Wien und seiner Liebe auseinandersetzen.

Neue Grenzen, neue Möglichkeiten aber auch neue Ängste machen ihm schwer zu schaffen, der Krieg bekommt man so schnell nicht mehr aus dem Kopf...


Diese ganzen, verschiedenen und doch feinen Nuancen arbeitet der Autor gekonnt, authentisch und bewegend zu einer Geschichte zusammen, einem angehenden, studierenden Arzt in einem Lazarett in den Karpaten, überfordert, verängstigt, das erste Mal verliebt und mit dem ganzen Grauen des Kriegs konfrontiert was für alle nicht leicht zu fassen ist.


Mich konnte dieser Roman restlos begeistern und mitreissen, ich empfehle ihn daher dringend weiter.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.05.2020

Eine bewegende Familiengeschichte

Das Mädchen aus der Severinstraße
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Die 17jährige Maria Reimer sitzt nur daheim, ihr Vater möchte nicht dass sie die Schule weiterhin besucht und auch so soll sie sich lieber von der Strasse fernhalten.
Es ist das Jahr 1937 und seit der ...

Die 17jährige Maria Reimer sitzt nur daheim, ihr Vater möchte nicht dass sie die Schule weiterhin besucht und auch so soll sie sich lieber von der Strasse fernhalten.
Es ist das Jahr 1937 und seit der Machtergreifung von Adolf Hitler sind die Strassen und Umstände unruhiger und gefährlicher geworden.
Doch Maria hat ihren eigenen Kopf und möchte unbedingt Fotomodel werden, sie fährt ohne Erlaubnis nach Düsseldorf zu seinem Atelier welches junge Damen für die Mode sucht.
Dort lernt sie den Fotografen und Juden Noah kennen...

Jahrzehnte später entdeckt die Enkelin Sabine bei Maria unter dem Teppich ein Vermögen in alten D-Mark Scheinen, auch Maria entdeckt Goldbarren in der Bar von ihrem verstorbenen Ehemann Heinrich.
Seitdem ist Maria zugeknöpft und weigert sich mit Sabine über die Vergangenheit zu reden, über ihre Zeit als Fotomodel, als Star für die Nationalsozialisten.
Doch Sabine lässt nicht locker und will die Wahrheit erfahren...

In diesem Buch arbeitet die Autorin wahre Ereignisse ihrer Familie ab und dies ist sehr bewegend, erschreckend und eindrücklich geschehen.
Ich war von dieser Geschichte, den Wendungen, dem Schrecken und dem Grauen aus dieser Zeit gepackt, geschockt und wurde einfach nur mitgerissen.

Der Schreibstil ist packend, wirft einen in die Zeit zurück, in das Köln von 1937.

Maria Reimer ist ein Wirbelwind die ihren Weg schon gerne gehen möchte, aber von ihrem Vater regelrecht ausgebremst wird.
Auf der einen Seite konnte ich Maria verstehen, die mir sehr eigensinnig aber sympathisch war, auf der anderen Seite aber auch ihren Vater der Geheimnisse vor Maria hatte und diese nie an – oder aussprach um seine Tochter zu schützen.
Maria hält vom Nationalsozialismus nicht viel, hält mit ihrer Meinung nicht immer hinter dem Berg und ist auch sonst oft eher unvorsichtig mit dem Umgang von Juden und Mitmenschen, die in den Augen der Nazis, Abschaum sind.

Dann die aktuelle Zeit mit der Enkelin Sabine die sich fast die Zähne an Maria ausbeißt.
Der hohe Geld und Goldbarren Fund lassen das ein oder andere erahnen aber man kann sich nicht sicher sein was wirklich geschehen ist.
Sabine und Maria sind sich, trotz 2 Zeitebenen, sehr ähnlich was ich an Familiengeschichte und Charakter sehr interessant fand.
Sie sind mit sich selbst oft überfordert und halten sich zurück, aber wenn es um Mitmenschen geht die Hilfe brauchen, dann stehen sie für diese ein.
Auch hat die Familie im Allgemeinen einige Schicksalsschläge erlitten, viele Ansichten und Erziehungen aus der damaligen Zeit spielen unterschwellig noch eine Rolle.

Nicht nur Charaktere sind überzeugend sondern auch die Geschichte von Köln zur damaligen Zeit.
Man dachte oft dass gerade in Köln der Widerstand tobte, aber durch Zeitgeschichte, Aufzeichnungen und Augenzeugen wird nun ein ganz anderes, sehr erdrückendes Bild von Köln gezeichnet.
Die Stadt hat sich damals als Hochburg gesehen, wollte gegen Berlin konkurrieren, die Industrie erhielt Einzug und viel Aufmerksamkeit, aber auch hatte diese Stadt Gefangenenlager in der Stadt selbst, die Leute sind also an diesen „Untermenschen“ vorbeigelaufen, haben sie gesehen, gehört, haben das grausame Schicksal mitbekommen und kaum einer hat gehandelt.

Mich hat das Buch sehr bewegt, man ist mit beiden Damen auf den Spuren der Vergangenheit und hinterfragt vieles.
Die Situation bei Maria als junge Frau spitzt sich dann sehr zu und es kamen Geschehnisse auf mich zu die mir trotzdem den Boden unter den Füssen weggezogen haben, das Buch musste dann kurz ruhen und ich neu Luft holen.

Auf jeden Fall ein Buch was heute noch wichtiger erscheint, wie soviele Bücher mit diesem Thema, ein Buch gegen das Vergessen und ein Buch was geschichtlich einiges zu bieten hat mit zwei starken Protagonistinnen die mich überzeugen konnten und die ich ins Herz geschlossen habe.

Ich empfehle dieses Buch dringend weiter!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere