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Veröffentlicht am 23.03.2026

Mitreißendes Zeitportrait der Sechziger in Berlin

Das Ende vom Lied
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Der namenlose Protagonist ist zwölf Jahre alt, seine Mutter stark durch Krieg und Flucht traumatisiert, der Vater einbeinig aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt. Als Leser erfahren nie den Namen, ...

Der namenlose Protagonist ist zwölf Jahre alt, seine Mutter stark durch Krieg und Flucht traumatisiert, der Vater einbeinig aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt. Als Leser erfahren nie den Namen, aber der Vergleich mit „Daniel in der Löwengrube“ beschert ihm zumindest zeitweise den Nickname Dänni. Für mich ergab sich im immer fiebriger werdenden Lesefluss der Eindruck, ich hätte es in Körschi, einer dominanten, kraftvollen Bandenführer-Gestalt im Roman, mit einem Franz Bieberkopf der Sechziger Jahre zu tun. Natürlich ist Dieter Korschakowski viel gewitzter als Franz. Dennoch lassen sich gewisse Parallelen ziehen. Seine Freundin Alina, von Dänni heiß begehrt, aber schwer erreichbar, gibt die „Mieze“ im Ensemble, auch sie deutlich klüger und manipulativer, eben modern. Die eindringliche Sprache, wechselnde Perspektiven, Zeitsprünge und eine immer dramatischere Handlung, nehmen mich als Leserin gefangen. Ein wirklich eindrucksvolles Zeitportrait der wilden Sechziger aus Sicht eines Westberliners auf der Schwelle zum Erwachsenwerden.

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Düster und blutig

Flut aus schwarzem Stahl
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Ein dicker Fantasy-Wälzer und -wie im Genre üblich- ein Mehrteiler. Im ersten Band der neuesten Reihe um Blut und Ehre lernen wir im bekannten Ascarlia-Universum vier Protagonisten kennen. Ruhlin, das ...

Ein dicker Fantasy-Wälzer und -wie im Genre üblich- ein Mehrteiler. Im ersten Band der neuesten Reihe um Blut und Ehre lernen wir im bekannten Ascarlia-Universum vier Protagonisten kennen. Ruhlin, das Feuerblut, der sich selbst das größte Rätsel ist, Thera, eine starke Frau, die für die Schwesternköniginnen für „Gerechtigkeit sorgen soll, Felnir ihr Bruder, ungestüm und verschuldet, als Söldner im Dienst seines ungeliebten Vaters und schließlich Elvine, die am wenigsten durchschaubar, einem alten Glauben anhängt und ebenfalls in den Dienst der Königinnen verpflichtet wird. Die Welt, die Anthony Ryan zeichnet ist gewalttätig und unerfreulich. Es gilt das Recht des Stärkeren, die Mythen und Gebräuche sind nah an derzeit populären Wikingerdramen angesiedelt. Natürlich gibt es auch Magie. Es dauerte lange, bis ich mich in diesem düsteren Universum zurechtgefunden hatte, denn bis zur Hälfte des Romans hat die Geschichte nicht so recht Fahrt aufgenommen. Dann aber ging es Schlag auf Schlag, es wurde richtig spannend und ich möchte nach 600 Seiten immer weiterlesen.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Nicht meins

Verbrenn das Negativ
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Ich mag gute Horrorstories, habe viele Filme gesehen. Hier werden viele Anspielungen gemacht auf Klassiker des Genres aber das hilft wenig. Weder war es komisch noch hat mich der Roman Stelle berührt, ...

Ich mag gute Horrorstories, habe viele Filme gesehen. Hier werden viele Anspielungen gemacht auf Klassiker des Genres aber das hilft wenig. Weder war es komisch noch hat mich der Roman Stelle berührt, gepackt oder abgeholt. Die Spannung blieb für mich konstant auf Nullinie. Worum geht es?
Die Heldin Polly Tremaine hat als Kinderstar in einem schlechten Horrorstreifen mitgespielt. Während der Dreharbeiten kam die halbe Crew auf mysteriöse Weise zu Tode. Der Film gilt als verflucht. Und nun, viele Jahre später wird ein Remake gedreht. Polly, die inzwischen ihren Namen geändert hat, nach England geflüchtet ist und dort als Film-Journalistin arbeitet, soll darüber berichten.
Wieder sterben Menschen, Polly leidet unter Absencen. Permanent agiert sie völlig sinnfrei, unlogisch bis vollkommen aberwitzig. Ein kettenrauchendes Medium, eine dümmliche Schwester und ein merkwürdiger Exfreund beleben die Szenerie kaum.
Ich habe mich gequält mit dem Text.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Angenehm altmodisch

Tod zur Teestunde
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Der Titel könnte von Agatha Christie stammen, aber natürlich ist das Absicht. Das beliebte Motiv vom „Buch im Buch“, die Verschachtelung von mehreren Mordfällen, Motiven und Alias-Personen, all das ist ...

Der Titel könnte von Agatha Christie stammen, aber natürlich ist das Absicht. Das beliebte Motiv vom „Buch im Buch“, die Verschachtelung von mehreren Mordfällen, Motiven und Alias-Personen, all das ist geschickt gemacht und es ist ein Genuss, eine Matrioschka-Story nach der anderen beim Lesen zu öffnen. Atticus Pünd, der Gentleman-Detektiv bleibt charakterlich blass im Gegensatz zu den unsympathischen Verdächtigen, die allesamt Dreck am Stecken haben. Niemand ist in diesem Reigen unschuldig, nicht einmal die Opfer. Und so ermittelt Susan Ryland, die es eigentlich besser wissen müsste, als sich noch einmal im Dunstkreis des zu Recht verstorben, diabolischen Autors Alan Conway aufzuhalten, erneut. Und diesmal ist sie selbst verdächtig. Wer hat Elliot Crane ermordet? Für LeserInnen, die gerne auf altmodische Art knobeln, Anagramme sexy finden und einen guten Plot zu schätzen wissen, sind die Marble Hall Murders ein Muss.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Raus in den Schnee

Wintern
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Ich liebe den Winter und ich hasse ihn. Als ich die Buchvorstellung zu „Wintern“ sah, fühlte ich mich direkt angesprochen. Das Cover wirkt heimelig, so richtig hygge und ein Sachbuch zur Änderung der Mindsets ...

Ich liebe den Winter und ich hasse ihn. Als ich die Buchvorstellung zu „Wintern“ sah, fühlte ich mich direkt angesprochen. Das Cover wirkt heimelig, so richtig hygge und ein Sachbuch zur Änderung der Mindsets zum Thema „dunkle Jahreszeit“ kam mir im November gerade recht. Leider ist es jedoch so, dass die Autorin nicht so recht auf den Punkt kommt und wenn sie es nach langen Ausführungen doch tut, dass ist es relativ banal und wird gebetsmühlenartig wiederholt. Ja, es liegt an der inneren Einstellung wie wir die Welt und somit den Winter erleben. Ja, rausgehen und Freund treffen und sich bewegen ist gut für die Seele. Dass das im Tiefschnee, nordischem Kulturprogramm und Langlaufskiern noch mehr Spaß macht, keine Frage. In unseren Breitengraden ist es wohl eher das graue, regenverhangene Klima, das uns das Leben schwer macht. Kerze an, schönes Buch. Ja. Hab ich schon geahnt. Insofern wenig Mehrwert. Dennoch ein entschleunigendes Sachbuch mit positiven Inhalten. Wäre es nicht so aufgebauscht, dann hätte es mir deutlich besser gefallen.

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