Mitreißendes Zeitportrait der Sechziger in Berlin
Das Ende vom LiedDer namenlose Protagonist ist zwölf Jahre alt, seine Mutter stark durch Krieg und Flucht traumatisiert, der Vater einbeinig aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt. Als Leser erfahren nie den Namen, ...
Der namenlose Protagonist ist zwölf Jahre alt, seine Mutter stark durch Krieg und Flucht traumatisiert, der Vater einbeinig aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrt. Als Leser erfahren nie den Namen, aber der Vergleich mit „Daniel in der Löwengrube“ beschert ihm zumindest zeitweise den Nickname Dänni. Für mich ergab sich im immer fiebriger werdenden Lesefluss der Eindruck, ich hätte es in Körschi, einer dominanten, kraftvollen Bandenführer-Gestalt im Roman, mit einem Franz Bieberkopf der Sechziger Jahre zu tun. Natürlich ist Dieter Korschakowski viel gewitzter als Franz. Dennoch lassen sich gewisse Parallelen ziehen. Seine Freundin Alina, von Dänni heiß begehrt, aber schwer erreichbar, gibt die „Mieze“ im Ensemble, auch sie deutlich klüger und manipulativer, eben modern. Die eindringliche Sprache, wechselnde Perspektiven, Zeitsprünge und eine immer dramatischere Handlung, nehmen mich als Leserin gefangen. Ein wirklich eindrucksvolles Zeitportrait der wilden Sechziger aus Sicht eines Westberliners auf der Schwelle zum Erwachsenwerden.