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Veröffentlicht am 19.09.2025

Zu viel Gott ist auch keine Lösung

Monstergott
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griseldis2000
Mein erster Roman von der Autorin, aber sicher nicht mein letzter. Ich fand es sehr eindrücklich wie sie es vermochte, mich mitzunehmen in eine Glaubenswelt der Anbetung ( Lobpreisung) und ...

griseldis2000
Mein erster Roman von der Autorin, aber sicher nicht mein letzter. Ich fand es sehr eindrücklich wie sie es vermochte, mich mitzunehmen in eine Glaubenswelt der Anbetung ( Lobpreisung) und Verehrung. Die Geschwister Ben und Esther, deren Eltern sie zu diesem „ seligen“ Leben erzogen haben, tun sich aus unterschiedlichen Gründen schwer mit der „heiligen Gemeinschaft“ der Freikirche. Ben hadert mit einer Sexualität, die er so nicht haben sollte und Esther spürt deutlich die zugrundeliegende zutiefst frauenfeindliche Haltung der Kirche, die es ihr nicht ermöglicht, sich frei zu entfalten.
Dazu noch ein Instagram-Prediger (den ich mir vorstelle wie Ken von Barbie) wie er bigotter nicht sein könnte.
Es ist wirklich quälend, wie gut Gehirnwäsche wirkt, vor allem auf junge Menschen. Dennoch konnte ich nachempfinden, dass exzessives Gebet und klare Regeln zu tranceartigen Erlebnissen, Endorphinausschüttung und enger Gemeinschaft führen können. Aber der Preis ist viel zu hoch. Besonders gruselig fand ich Hannah, Esthers Busenfreundin, die anscheinend direkt dem Roman „ Die Frauen von Stepford“ entsprungen ist.
„Monstergott“ hat eine klare Sprache und eine Botschaft: Vertrau dir selbst!
Ich fand das sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 16.09.2025

Etwas klamaukig

Über die Toten nur Gutes
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Ich kenne von Andreas Izquierdo den Dreiteiler über die drei Freunde, die die Wirren der beginnenden Nazizeit und des Krieges zusammen durchstehen. Das hat mir sehr gut gefallen. Bei diesem Krimi jedoch ...

Ich kenne von Andreas Izquierdo den Dreiteiler über die drei Freunde, die die Wirren der beginnenden Nazizeit und des Krieges zusammen durchstehen. Das hat mir sehr gut gefallen. Bei diesem Krimi jedoch finde ich die Figuren überzeichnet, der Humorfaktor ist mir etwas zu dick auf Kosten der Charaktertiefe und einer glaubwürdige Story. Ich kaufe dem konservativen Mads den Trauerredner nicht ab, er wirkt auf mich außerdem eher wie ein Fünfzigjähriger, als ein Endzwanziger. Der Bösewicht ist dann wiederum gar zu diabolisch, der Showdown superkrass im Verhältnis zur eher cosycrimemäßig dahinplätschernden Krimihandlung davor. Insgesamt passt für mich nicht alles zusammen. Dennoch gibt es witzige Szenen beim Bingo, ich mochte den eifersüchtigen Hund und sicherlich goutieren Ortskundige den Flensburger Lokalkolorit. Meinen Geschmack traf der Krimiausflug leider nicht so ganz, aber ich bin mir sicher, dass ich damit wenig Gesellschaft habe. Mein Fazit : kann man lesen, muss man aber nicht.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Mit oder lieber ohne Katze?

Junge Frau mit Katze
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Daniela Dröschers „Lügen über meine Mutter“ hat mich voll mitgerissen. Ich empfand es gut geschrieben, authentisch und sehr originell. Ein Highlight des letzten Jahres. Deshalb war ich natürlich gespannt ...

Daniela Dröschers „Lügen über meine Mutter“ hat mich voll mitgerissen. Ich empfand es gut geschrieben, authentisch und sehr originell. Ein Highlight des letzten Jahres. Deshalb war ich natürlich gespannt auf die Fortsetzung. Mutterthemen haben wir ja alle und dieses schien mir lange nicht ausgereizt. Die Geschichte der Tochter aber, die zutiefst neurotisch, hypochondrisch bis fatalistisch-depressiv, hochgradig psychosomatisierend und dann wieder lebensgefährliche Symptome ignorierend, ihren unzähligen, gar aberwitzigen Symptomen frönt, wollte ich alsbald nicht mehr gar so gerne folgen. Es ist leidig, wenn zu viel literarisch gewollt wird, finde ich. Die Form zulasten des Inhalts übergewichtet wird ( schlechtes Wortspiel, ich gebe es zu)Kein Zweifel, die Autorin kann schreiben. Sie hat Humor und originelle Ideen, die Grimm‘schen Wörterbuchzitate allein sind köstlich. Aber ich war dennoch enttäuscht. Ich hatte irgendwie mehr Tiefe und weniger Kapriziosen ( gibt es das Wort?) erwartet. Aber wie sagt doch die Protagonistin über sich selbst irgendwo im Text : ich wollte eben das Schöne. Zu schön ist nicht mehr schön. Finde ich.
Dennoch gut lesbar und unterhaltsam.

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Veröffentlicht am 02.08.2025

Fallende Blüten

Onigiri
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Tochter-Mutter-Geschichten gibt es viele. Hier spielen die Themen Heimat und Identität, Altern und Demenz eine tragende Rolle. Der Roman umfasst mehrere fast schwebende Zeitebenen und ist dennoch geradlinig ...


Tochter-Mutter-Geschichten gibt es viele. Hier spielen die Themen Heimat und Identität, Altern und Demenz eine tragende Rolle. Der Roman umfasst mehrere fast schwebende Zeitebenen und ist dennoch geradlinig erzählt. Tochter und Mutter kranken an schwer fassbaren Symptomen, resultierend aus einer Art Heimatlosigkeit. Die Japanerin Keiko, die Mutter, mittlerweile alt und immer mehr der Demenz verfallen, wirkt rührend kindlich und bedürftig. Die Tochter, nach mehreren Geburten, ausgebrannt und depressiv, möchte eigentlich nur fort von all den Problemen der Mutter, ist aber so stark mit ihr verbunden, dass es ihr selbst gar nicht mehr bewusst ist. Ungeduld, Ablehnung und Verschmelzung, bilden die Art Pattex- Beziehung, die toxisch wirken kann.
Auf ihrer Reise nach Japan, zurück in eine Vergangenheit, deren Bedeutung für die Tochter zunehmend als prägend erkannt wird, findet sich die Liebe wieder ein. Das ist es, was den Roman so berührend macht. Das Verständnis dafür, wie wir geworden sind, was wir sind. Und das Verzeihen.
Ein schöner Text, der in mir noch nachschwingt.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Ehrlich und ungeschönt

Die Frau des Farmers
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Helen Rebanks ist „ die Frau des Farmers“, eine Engländerin, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und Kunst studiert hat. Ihr Mann James, ebenfalls vom Lande, hat auch studiert, wollte sein ganzes ...

Helen Rebanks ist „ die Frau des Farmers“, eine Engländerin, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und Kunst studiert hat. Ihr Mann James, ebenfalls vom Lande, hat auch studiert, wollte sein ganzes Leben aber nie etwas anderes sein als Landwirt. Zusammen meistern sie das Leben als Farmer, haben 4 Kinder, Schafe, Kühe, Hunde und einen Hof, der nachhaltig bewirtschaftet wird. In diesem -ganzen Leben an einem Tag- beschreibt Helen sehr offen und wenig glamourös wie es ist, jeden Tag den Haushalt am Laufen zu halten, für die Kinder zu sorgen, zu renovieren, zu kochen, zu putzen und 1000 Kleinigkeiten auf einem Hof gleichzeitig zu jonglieren. Da bleibt kaum Zeit, um nachzudenken. Die Corona-Zeit gab ihr den Anlass, das, was sie jeden Tag tut zu hinterfragen und aufzuschreiben. Da sich viel im Leben einer Farmersfrau ums Essen dreht, hat sie ihren Bericht mit zahlreichen, deftigen und recht konservativ anmutenden Klassikerrezepten angereichert.
Ich fand die Lektüre sowohl interessant, als auch ermüdend. Die Autorin sagt einmal, sie möchte sich nicht dafür rechtfertigen, die Mutter von 4 Kinder zu sein und Hausfrau, bzw.“die Frau des Farmers“, aber dennoch klingt sie dabei etwas trotzig. Sie tut das, was ihr entspricht und es macht sie zufrieden. Dennoch klingt darin auch Erschöpfung, Frustration und mangelnde Würdigung ihrer selbst. Ganz sicher ist es hart in der heutigen Zeit, genau so zu sein. Umso schöner, wenn das eine Stimme bekommt.
Was mir fehlte, war eindeutig eine Prise Humor, ansonsten solides, sättigendes Lesefutter.

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