Der bisher schwächste Band
Onyx Storm – FlammengeküsstJetzt steht Xaden also als Veneni da – und ehrlich gesagt bleibt erst mal nur Fassungslosigkeit zurück. Wie die Autorin daraus noch ein rundes Ende bauen will, ist mir ein Rätsel. Zwar hat er seine neue ...
Jetzt steht Xaden also als Veneni da – und ehrlich gesagt bleibt erst mal nur Fassungslosigkeit zurück. Wie die Autorin daraus noch ein rundes Ende bauen will, ist mir ein Rätsel. Zwar hat er seine neue Natur in diesem Band größtenteils noch unter Kontrolle, doch das Finale zieht noch einmal ordentlich die Schraube an und endet in einem echten Paukenschlag. Band 4 wirkt damit fast schon überfällig, denn aktuell bleibt vor allem ein Gefühl von Unsicherheit und Frust zurück.
Ein großer Teil der Handlung ist diesmal als Reisegeschichte angelegt: Violet zieht mit ihren Verbündeten los, um Andarnas Familie aufzuspüren. Die Spur der verschwundenen Drachenart scheint der Schlüssel zu vielen offenen Fragen zu sein, weshalb die Gruppe quer durch verschiedene Stationen reist. Diese wirken allerdings stellenweise eher wie lose Episoden aneinandergereiht als wie ein durchgehender Handlungsbogen. Trotzdem bieten sie Violet Raum, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen – besonders ihre wachsende Klarheit, ihr Durchsetzungsvermögen und ihre zunehmende Verantwortung haben mir gut gefallen. Dass sie für ihre Entscheidungen auch die Konsequenzen tragen muss, verleiht dem Ganzen eine angenehme Portion Glaubwürdigkeit, auch wenn es nicht immer leicht zu lesen ist.
Auch auf Gegenseite wird es nicht ruhiger: Neue Antagonisten tauchen auf, einige nur kurz, andere bleiben bis zum Schluss relevant, und wieder andere verschwinden scheinbar spurlos – mit dem Gefühl, dass sie später noch einmal dramatisch zurückkehren könnten. Insgesamt steigert sich die Spannung Richtung Ende deutlich, fast schon überbordend.
Xadens Situation als Veneni bleibt dabei natürlich das große Fragezeichen. Was genau das langfristig bedeutet, wird weiterhin nur angedeutet – vielleicht gibt es in Band 4 endlich mehr Klarheit. Zusätzlich wird er in diesem Band auch noch zu Violets Lehrer, was ihre Beziehung zusätzlich verkompliziert. Trotzdem bleibt ihre Verbindung bestehen, wenn auch unter enormem Druck. Xaden selbst durchläuft dabei eine erstaunliche Entwicklung, fast schon eine Karriere auf mehreren Ebenen – ohne zu viel zu verraten: da passiert einiges.
Der Roman punktet erneut mit überraschenden Wendungen und starken Momenten, auch wenn nicht jede Entwicklung logisch oder sauber ausgearbeitet wirkt. Gerade im Zusammenspiel mit den Drachen gibt es immer wieder humorvolle Szenen, und Figuren wie Ridoc sorgen zuverlässig für Auflockerung.
Mit der Zeit wird es allerdings zunehmend schwierig, den Überblick zu behalten: Namen, Nachnamen, Siegelkräfte und Drachenzuordnungen verschwimmen schnell, zumal nicht alle Figuren konsequent geführt werden. Wenn plötzlich nur noch der Nachname fällt oder ein Drache auftaucht, ohne dass sofort klar ist, wer darauf sitzt, wird es unübersichtlich – hier wäre eine klarere Struktur hilfreich gewesen.
Gegen Ende gibt es dann noch einen Perspektivwechsel: Einige Kapitel zeigen die Ereignisse aus Sicht von Violets Freunden. Das liefert zwar interessante Einblicke in parallele Handlungsstränge und die Bindungen zu ihren Drachen, wirkt in der Umsetzung jedoch etwas holprig und nicht ganz ausgereift.