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Veröffentlicht am 05.04.2021

Geheimtipp

Blütengrab
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„Blütengrab“ von Ada Fink ist für mich ein echter Geheimtipp. Geheimtipp deswegen, da ich bisher nahezu keine Werbung für den Thriller auf den einschlägigen Plattformen gesehen habe. Dabei ist dies ein ...

„Blütengrab“ von Ada Fink ist für mich ein echter Geheimtipp. Geheimtipp deswegen, da ich bisher nahezu keine Werbung für den Thriller auf den einschlägigen Plattformen gesehen habe. Dabei ist dies ein wahnsinnig spannendes Buch, an dessen Seiten ich nur so geklebt habe.
Der Klappentext selbst klingt wenig spektakulär, was mich allerdings direkt angesprochen hat, war dass diese Geschichte in den neuen Bundesländern kurz nach der Wende spielt.
Ada Fink lässt auch immer wieder 90er Vibes aufkommen, in dem sie Sachen wie zum Beispiel ISDN, mobile Telefonnummern an denen man sofort erkennen konnte, ob jemand bei D1 oder D2 war oder fehlendes Kleingeld für Telefonzellen einbaut. Trotz dem Ernst des Falles musste ich an diesen Stellen manchmal schmunzeln, weil es mich so an die damalige Zeit erinnert hat.
Abgesehen von diesen Details hätte die Geschichte allerdings genauso in der Gegenwart spielen können. Auch der von mir vermutete Ost-West Konflikt blieb aus. Der neue Westkollege fügt sich schnell in das Ostteam ein. Nachdem sie sich anfgänglich etwas misstrauisch beäugt haben, bilden die Ermittler Ulrike Bandow und Ingo Larssen schnell ein gutes Team, die sowohl was den Humor als auch die ethischen Einstellungen angeht auf einer Wellenlänge liegen. Ich hoffe sehr, dass es weitere Fälle mit diesen beiden geben wird. Auch wurde die Sache mit der Tochter von der „Knarzechse“ Ingo (toller Spitzname!) nur angerissen, ich denke, dies wäre auf jeden Fall Stoff für ein weiteres Buch.
„Blütengrab“ ist vollgepackt mit verschiedensten Themen. Der Kriminalfall selbst ist sehr brutal. Junge Mädchen, fast noch Kinder, werden schwer missbraucht, ermordet und mit germanischen Runen gekennzeichnet. Dies allein wäre schon genug Material für ein Buch gewesen, insbesondere, da es wahnsinnig viele Verstrickungen bis zu höchsten Ebenen gibt.
Zusätzlich kommen aber auch noch Themen wie Neonazis, Zigarettenschmuggel und Zustände in DDR Kinderheimen zur Sprache, um nur ein paar Stichworte zu nennen.
Dieser Thriller ist also sehr komplex und bietet ein konstant hohes Erzähltempo.

Die Autorin verzichtet gänzlich auf die Unterteilung in Kapitel. Stattdessen wird nach Tagen erzählt. Die Abschnitte sind verhältnismäßig lang und betragen schon mal 50 Seiten und mehr. Insgesamt spielt sich der komplette Fall innerhalb von 9 Tagen ab, die Ereignisse überschlagen sich also nahezu. Innerhalb dieser Abschnitte wechselt die Erzählperspektive zwischen verschiedenen Charakteren hin und her. Überwiegend wird aus Sicht von Ulrike bzw. von Ingo erzählt. Es gibt aber auch immer wieder kurze Abschnitte­ aus der Perspektive von Ulrikes Bruder Marc. Der junge Mann ist gerade einmal 18 Jahre alt und dabei, sich selbst zu finden. Sein Erzählton ist sehr schnoddrig und authentisch für einen jungen Mann mit seinem Hintergrund. Zusätzlich kommt noch das Mädchen Ingrid zu Wort, die neu in der Gegend ist und mit dem sehr sonderbaren Erziehungsstil ihrer Eltern zu kämpfen hat.
Auf den ersten Seiten hat mich der schnelle Wechsel und die vielen Personen etwas verwirrt. Nachdem ich mir einen Überblick über die Charaktere verschafft hatte, bin ich dann ohne Probleme mitgekommen.

Innerhalb von nur drei Tagen hatte ich „Blütengrab“ verschlungen und empfehle es sehr gerne weiter. Wie bereits erwähnt hoffe ich sehr auf ein Wiedersehen mit den Ermittlern und dem kleinen Ort Wussnitz, in dem sicherlich noch weitere Verbrechen auf uns warten.

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Veröffentlicht am 02.04.2021

Packender 20er Jahre Roman

Polizeiärztin Magda Fuchs – Das Leben, ein ewiger Traum
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Nach zwei schweren Schicksalsschlägen wagt die junge Ärztin Magda einen Neuanfang in Berlin. Als Polizeiärztin betritt sie eine Domäne, in der vor allem Männer das Sagen haben und ihr lediglich zutrauen, ...

Nach zwei schweren Schicksalsschlägen wagt die junge Ärztin Magda einen Neuanfang in Berlin. Als Polizeiärztin betritt sie eine Domäne, in der vor allem Männer das Sagen haben und ihr lediglich zutrauen, sich um Frauen oder verwahrloste Kinder zu kümmern.
„Das Leben, ein ewiger Traum“ ist der Auftakt einer Trilogie mit der jungen Magda im Zentrum. Wiederkehrende Figuren, die ebenfalls eine größere Bedeutung in dem Roman bekommen sind die naive Doris, die unbedingt Schauspielerin werden will und Celia, die behütet aufgewachsen ist und deren arrangierte Ehe zum Fiasko wurde.
Dies ist eins dieser Bücher, welches den Leser in die Geschichte hineinsaugt, so dass man meint, die beschriebenen Ereignisse mit eigenen Augen zu sehen. Wie ein Film lief die Handlung vor mir ab und ich habe gerne längere Zeit am Stück in dem Roman gelesen.
Helene Sommerfeld (ein Pseudonym für ein Autorenehepaar) beschreibt anschaulich die harten Kontraste im Berlin der 1920er Jahre. Während einerseits die Leute wieder ihren Wohlstand genießen, auf dem Kurfürstendamm flanieren und shoppen gehen, gibt es auf der anderen Seite auch sehr viele Leute, die in Armut und Elend leben. Die Geschichte legt hier insbesondere den Fokus auf das Schicksal der Kinder. Manches Szenario hat mich sehr erschüttert. Kinder, die nur gezeugt wurden um an den Meistbietenden verkauft zu werden, Frauen, die gegen Bezahlung Säuglinge verhungern lassen oder Kleinkinder, die gezwungen werden, zu betteln bzw. Leute zu bestehlen. Diese Zustände machen sehr betroffen.
Magda ist kein übertrieben liebenswerter Charakter doch sie hat das Herz auf dem rechten Fleck. Sie setzt sich für Gerechtigkeit ein und versucht zu helfen, wo sie nur kann. Sie kommt als fremde in eine neue Stadt und schließt schnell neue Bekanntschaften, mit den sie ein Netzwerk aufbaut.
Die Anzahl der Personen, die in diesem Roman vorkommen, ist sehr hoch, wodurch die Geschichte über die kompletten 530 Seiten abwechslungsreich bleibt. Die Handlung bleibt ständig in Bewegung ohne Verschnaufpause. Auch neue Liebschaften spielen eine Rolle.
Für meinen Geschmack wurde allerdings zu viel berlinert. Es ist zwar alles gut verständlich, aber da ich nicht gerne Dialekt lese (oder höre) hat es mich stellenweise ein wenig genervt.
Es gibt immer wieder Ausflüge in die armen Wohngegenden zu Leuten, die um ihr Überleben kämpfen müssen. Ich hätte es schön gefunden, wenn wir der ein oder anderen sympathischen Person begegnet wären, mit der ich hätte Mitleid haben können. Die armen Leute wurden allerdings durch die Bank weg als skrupellos und frei von jeglichen Emotionen dargestellt. Das fand ich schade.
Von diesen Kritikpunkten einmal abgesehen hat mir „Das Leben, ein ewiger Traum“ gut gefallen. Der letzte Absatz ist ein fieser Cliffhanger und ich warte nun gespannt auf die Fortsetzung, die für Oktober angekündigt ist.

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Veröffentlicht am 27.03.2021

Dreiecksgeschichte

Sie weiß von dir
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Die alleinerziehende Louise ist oft einsam. Alles ändert sich, als sie einen neuen Chef bekommt. Sie fühlt sich sofort zu ihm hingezogen und es dauert nicht lange, bis eine Affäre ihren Lauf nimmt. Davids ...

Die alleinerziehende Louise ist oft einsam. Alles ändert sich, als sie einen neuen Chef bekommt. Sie fühlt sich sofort zu ihm hingezogen und es dauert nicht lange, bis eine Affäre ihren Lauf nimmt. Davids Ehefrau Adele wirkt auf Louise ebenfalls sehr sympathisch, hilfsbereit und scheint genauso einsam zu sein und so freunden sich die beiden heimlich an.
Zunächst wirkt Louise auf den Leser schäbig. Wer macht denn so was und sucht sich ausgerechnet die Frau des Liebhabers als neue Freundin aus? Schnell kristallisiert sich allerdings heraus, dass Louise nur eine Marionette ist. Eine Marionette in Adeles Spiel.
Sarah Pinborough lässt ziemlich schnell durchscheinen, dass Adele weit weniger ein Opfer ist, als man auf den ersten Blick denken mag. Für mich waren diese Einblicke der Motor, der meine Neugierde am Leben hielt. Davon mal abgesehen ist die Geschichte ziemlich ruhig, insbesondere, da es sich um einen Thriller handeln soll. Die erste Hälfte liest sich zwar ganz gut, aber es passiert im Grunde nichts spannendes. Es ist vor allem eine Dreiecksgeschichte. Louise trifft sich abwechselnd mit David und Adele. Außerdem spielen luzide Träume eine große Rolle in dem Buch. Die vielen Traumsequenzen fand ich ehrlich gesagt etwas langweilig und ich habe hier schneller gelesen bis wir wieder im Wachzustand angekommen waren.
Die interessanteste Figur für mich war definitiv Adele. Ich habe wirklich gegrübelt, was diese Frau zu verbergen hat und wie sie es anstellt, stets so genau über die Treffen von David und Louise im Bilde zu sein. Im letzten Drittel nimmt die Spannung dann doch noch etwas zu. Ich wollte unbedingt herausfinden, warum diese Ehe so sonderbar ist und welchen Plan Adele verfolgt.
Das Ende wird auf dem Klappentext groß angekündigt. Da ich mir tatsächlich keine wirkliche Auflösung ausmalen konnte, erwartete ich hier einen ganz besonderen Twist. Der Schluss war dann zwar tatsächlich ein WTF Moment, für mich allerdings im Negativen. Hätte ich gewusst, dass der Thriller in diese Richtung geht, hätte ich definitiv darauf verzichtet, ihn zu lesen.
Am Anfang von „Sie weiß von dir“ war ich so voller Erwartungen. Was am Ende übrig bleibt ist Enttäuschung und das Gefühl, Lesezeit verschwendet zu haben.

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Veröffentlicht am 21.03.2021

Tiefe Einblicke in die DDR

Geteilte Träume
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Voller Vorfreude habe ich zu „Geteilte Träume“ gegriffen, denn die auf dem Klappentext bereits thematisierte Zwangsadoption klang nach einem sehr erschütternden Schicksal. Ulla Mothes machte es mir allerdings ...

Voller Vorfreude habe ich zu „Geteilte Träume“ gegriffen, denn die auf dem Klappentext bereits thematisierte Zwangsadoption klang nach einem sehr erschütternden Schicksal. Ulla Mothes machte es mir allerdings wahnsinnig schwer, in die Geschichte hineinzufinden. Ich muss gestehen, dass ich sogar in Erwägung gezogen habe, das Buch auf die Seite zu legen. Gleich zu Beginn erfährt Protagonistin Ingke, ein junges Mädchen kurz vor dem Abitur, dass sie adoptiert ist. Sie beginnt Fragen zu stellen. Bei ihrer Odyssee wird sie von einem Verwandten zum nächsten geschickt und jeder hat einen Schwank anzubieten. Es sind tragische Erlebnisse, aus der DDR Zeit und auch aus dem Krieg, die Ingke hier erzählt werden, aber auf mich wirkte alles sehr verworren und zusammenhanglos. Die vielen Personen und Einzelschicksale überforderten mich und so waren die ersten 150 Seiten ein kleiner Kampf für mich.
Nach dem ersten Drittel gewann die Handlung sehr viel an Struktur, der Fokus lag auf weniger Personen und die Kapitel werden länger. Was ich nicht mehr zu hoffen gewagt hatte, trat doch noch ein, „Geteilte Träume“ packte mich und lies mich nicht mehr los.
Ulla Mothes taucht sehr tief in die DDR ein, beleuchtet Themen, die ich in dieser Form noch nicht wusste und zeichnet ein erschreckendes Bild. Insbesondere die Schilderung über die gewünschte Berufstätigkeit der Frauen und die Tagesabläufe in der Wochenkrippe, in der Babys betreut wurden, ging mir sehr nahe. Es wird heute gerne verherrlicht, dass es dort keine Arbeitslosen gab, durch diesen Roman habe ich erfahren, dass die Bürger quasi gezwungen waren, eine Stelle anzunehmen, notfalls eine Zugeteilte. Es machte mich sehr betroffen zu lesen, wie die junge Petra von der Fürsorgestelle als asozial abgestempelt wurde, nur weil sie ihren Säugling selbst betreuen und nicht abgeben wollte.

Häufig ist es in Romanen, die in der DDR spielen so, dass die Helden der Geschichte diejenigen sind, die schon immer gegen das Regime gekämpft haben. In „Geteilte Träume“ ist dies grundsätzlich nicht der Fall. Ingkes Adoptivvater Kelle zum Beispiel vertritt auch nach der Wende noch viele Ansichten der DDR und findet es noch immer richtig, dass Ingkes Geburtsmutter das Sorgerecht verloren hat, nachdem sie wegen Republikflucht verhaftet wurde. Die Autorin bietet hier interessante und tiefgehende Einblicke in das Gedankengut mancher DDR Bürger und hilft dem Leser, sich die damalige Zeit besser vorzustellen. All das liegt noch gar nicht so lange zurück und trotzdem klingt es wie ein schlechter Alptraum.

Ich bin froh, dass ich mich durch den Anfang des Romans gekämpft und durchgehalten habe denn insgesamt war dies wirklich ein sehr bewegendes Buch, welches einem die deutsche Geschichte näher bringt.

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Veröffentlicht am 14.03.2021

Schöner Ausflug an die französische Küste

Die Frauen von der Purpurküste – Julies Entscheidung (Die Purpurküsten-Reihe 2)
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Vor ein paar Monaten hatte ich den ersten Teil von „Die Frauen von der Purpurküste“ gelesen. Ich fand das Buch in Ordnung, war allerdings nicht ganz überzeugt davon. Der Klappentext von „Julies Entscheidung“ ...

Vor ein paar Monaten hatte ich den ersten Teil von „Die Frauen von der Purpurküste“ gelesen. Ich fand das Buch in Ordnung, war allerdings nicht ganz überzeugt davon. Der Klappentext von „Julies Entscheidung“ klang so vielversprechend, dass ich mich entschloss, der Reihe eine zweite Chance zu geben.
Zum Glück – denn dieser Teil ist für mich ein klarer Fall von 5 Sternen. Ich bin sehr schnell in das Buch hineingekommen und habe mich in der Geschichte wohlgefühlt. Die Charaktere sind allesamt sehr liebenswert. Im Zentrum steht Lara, die mit Anfang 30 vor den Scherben ihres Lebens steht. Ihr Lebensgefährte hat sie mit ihrer besten Freundin betrogen, ihr Job wurde ihr wegen schlechter Auftragslage gekündigt und ihre geliebte Mutter ist an Leukämie gestorben. Als sie Hinweise erhält, dass ihr Vater, den sie nie kennengelernt hat, in Frankreich leben könnte, begibt sie sich zusammen mit ihrer Oma, einer sehr sympathischen, rüstigen 80-jährigen auf die Reise. Vor Ort angekommen stellt sich heraus, dass nicht nur Lara auf der Suche nach jemand ist, auch ihre Oma wünscht sich sehnlich, mehr über den Verbleib ihrer vor vielen Jahren verschwundenen Schwester herauszufinden.
Ich habe die beiden Frauen bei ihren jeweiligen Unterfangen wahnsinnig gerne begleitet. Die Geschichte spielt hauptsächlich in der Gegenwart und wird zwischendurch unterbrochen von Briefen von Julie, der Schwester von Laras Oma. Durch diese Briefe erfährt der Leser nach und nach, was damals geschah.
Das Ende des Romans hat mich sehr berührt und ich musste sogar ein paar Tränen verdrücken. Diese Familie hat so viele Jahre getrennt voneinander verbracht und ich kann ehrlich gesagt die Entscheidungen mancher Charaktere nicht ganz nachvollziehen. So viel Zeit ist unwiderruflich verloren gegangen.
Dazwischen lernt Lara auch noch den Meeresbiologen Felix kennen, der mich auch von Anfang an fasziniert hat.
Witzig fand ich, dass die Protagonisten sich scheinbar nur von Crepes ernähren, denn es wurden quasi jeden Tag welche gebacken.
Für mich war dieser Roman ein toller Ausflug an die französische Küste und ich konnte völlig in die Geschichte abtauchen.

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