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Veröffentlicht am 12.05.2019

Lektüre mit Ohrwurmgefahr

Marina, Marina
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Obwohl ich gerade erst von einer Urlaubsreise zurück gekehrt bin, wollte ich schon nach wenigen Seiten von „Marina, Marina“ am liebsten sofort nach Italien aufbrechen.
Mit ihren Beschreibungen von Landschaften ...

Obwohl ich gerade erst von einer Urlaubsreise zurück gekehrt bin, wollte ich schon nach wenigen Seiten von „Marina, Marina“ am liebsten sofort nach Italien aufbrechen.
Mit ihren Beschreibungen von Landschaften und Klima gelingt es Grit Landau perfekt, die Urlaubssehnsucht zu wecken. Die erwähnten italienischen Songs tun ihr übriges. Den Titelsong „Marina, Marina“ hatte ich fast während der gesamten Lektüre im Ohr. Auch die anderen Lieder haben mich neugierig gemacht, so dass ich sie mir in der Zwischenzeit sogar angehört habe.

Die Geschichte ist hauptsächlich in den 60er Jahren angesiedelt und begleitet eine Vielzahl von Protagonisten. Diese haben zunächst einmal wenig bis keine Berührungspunkte, so dass „Marina, Marina“ auf mich eher wie eine Sammlung mehrerer längerer Geschichten als wie ein zusammenhängender Roman wirkte. Auch die Perspektivenwechsel scheinen völlig willkührlich und verwirrten mich teilweise in ihrer Sprunghaftigkeit.
Eins hatten sie jedoch gemein: jede dieser Geschichten war auf ihre Art interessant und ich wollte mehr über die Menschen erfahren.
Im Zentrum stehen die drei Freunde Nino, Matteo und Beppe, die versuchen ihren Weg im Leben zu finden. Insbesondere liegt der Fokus auf Nino und seiner Familie.
Auch Marina, die Frau des Friseurs, bekommt ziemlich viel Raum.

„Marina, Marina“ kommt zunächst einmal wie ein typischer Urlaubsroman daher. Italien, Schlager und erste Liebe.
Im letzten Drittel schlägt die locker, leichte Stimmung dann plötzlich um. Die Handlung gewinnt zunehmend an Dramatik. In einem schockierenden Rückblick ins Jahr 1944 erfahren wir mehr, über die Situation in Italien Ende des zweiten Weltkrieges und über das furchtbare Gebahren der Deutschen. Dieser Teil der Geschichte war gleichermaßen tragisch wie auch ein wenig langatmig.

Ich vergebe hier 3,5 Sterne, da gerade die erste Hälfte des Buches mir wirklich gut gefallen hat und der Unterhaltsungswert hoch war.
Es handelt sich hier um einen Debütroman. Grit Landau hat in jedem Fall Talent, Situationen und Personen lebensecht zu schreiben.
Was mir gefehlt hat war eine größere Verbindung der einzelnen Kapitel. Das Gefühl, dass hier Geschichten wahllos aneinader gereiht wurden, erhielt sich leider bis zum Schluss. Manche Charaktere, wie zum Beispiel die Touristin Reni, deren erster Urlaub in einem Unfall endet, wurden fallen gelassen und kamen nicht mehr weiter zur Sprache.
„Marina, Marina“ versucht meiner Meinung nach zuviele Themen aufeinmal zu behandeln. Soll es ein Urlaubsroman sein oder ein historischer Roman, eine Liebesgeschichte oder eine Tragödie?
Es hätte nicht geschadet, sich auf eine Richtung festzulegen. Ich möchte das Ende nicht spoilern, aber hier wäre weniger in jedem Fall mehr gewesen. Es war dann doch ein Schicksalsschlag zu viel um realistisch zu bleiben.

Veröffentlicht am 29.03.2018

Solider Serienauftakt

Zu nah
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Die optische Aufmachung von Olivia Kiernans Thriller „Zu nah“ ist sehr simpel und hinterlässt deswegen nicht wirklich einen bleibenden Eindruck. Generell ist dies kein Krimi, der mich von der ersten Seite ...

Die optische Aufmachung von Olivia Kiernans Thriller „Zu nah“ ist sehr simpel und hinterlässt deswegen nicht wirklich einen bleibenden Eindruck. Generell ist dies kein Krimi, der mich von der ersten Seite an abgeholt hat. Ich musste ungefähr 70 bis 80 Seiten lesen, bis mich der Fall packte. Ab dann fand ich „Zu nah“ ziemlich spannend. Das Dark Net ist ein Begriff, den ich aus den Medien kenne, aber so richtig Gedanken habe ich mir dazu noch nicht gemacht. Ich hatte auch noch keinen Krimi gelesen, in dem das Dark Net thematisiert wurde, somit hatte dieses Buch durchaus etwas innovatives für mich.

Hauptfigur ist Detective Frankie Sheehan, die bei der Polizei in Dublin arbeitet. Nach dem sie bei ihrem letzten Einsatz verwundet wurde, ist sie nun zurück an ihrem Arbeitsplatz. Gleich der erste Fall gibt ihr und ihrem Team Rätsel auf. Eine erhängte Frau, der Ehemann und die Geliebte ebenfalls ermordet. Wie hängt das zusammen? Immer wieder stößt Frankie auf das Pigment Preußischblau und ominöse Foren im Internet.

Ich mochte sehr die Vielschichtigkeit des Falles. Scheint die Lösung am Anfang noch so nah zu sein, rückt sie mit jeder Seite weiter weg. Auf den letzten 100 Seiten erreicht die Spannungskurve ihren Höhepunkt und ich konnte das Buch nicht mehr weglegen. Die Enthüllung des Täters war überraschend, wirkte jedoch sehr überstürzt.

Obwohl in der Ich-Form aus der Sicht von Frankie erzählt wurde, blieb mir diese dennoch über das komplette Buch hinweg fremd. Außer ihrem Beruf und dass sie kürzlich angegriffen wurde, ist nichts über sie bekannt. Welche Beziehungen gibt es in ihrem Leben, was sind ihre Hobbies... Für den nächsten Band würde ich mir wünschen, dass die Autorin die Person Frankie Sheenan ein wenig lebendiger werden lässt und auf mehr Details zu ihrer Privatperson eingeht. Auch einen größeren Fokus auf die Stadt Dublin würde ich begrüße. Diese Geschichte hätte sich theoretisch überall so abspielen können. Boston, Hamburg oder Barcelona, außer dass der Fluss namentlich genannt wird, konnte ich nichts typisch irisches finden.

Fazit: diese Serie hat durchaus Potenzial. Der Plot war in jedem Fall gelungen und alles in allem war „Zu nah“ ein solider Krimi für mich.

Veröffentlicht am 19.01.2018

Weckt die Sehnsucht nach Schottland

Die Rückkehr der Wale
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Aufgefallen ist mir Isabel Morlands Roman „Die Rückkehr der Wale“ durch das schöne Cover, welches eine romantische Geschichte suggeriert.

Ich mochte den Schauplatz Schottland mit seinem unberechenbaren ...

Aufgefallen ist mir Isabel Morlands Roman „Die Rückkehr der Wale“ durch das schöne Cover, welches eine romantische Geschichte suggeriert.

Ich mochte den Schauplatz Schottland mit seinem unberechenbaren Wetter sehr gerne und fand all die Mythen und Sagen, die die Autorin gekonnt in die Handlung eingeflochten hat, sehr faszinierend.
Isabel Morland schreibt sehr stimmungsvoll und ich bekam beim Lesen Sehnsucht, selbst auf einer abgelegenen Insel zu leben und durch den Regen zu laufen.

Im Mittelpunkt des Romans steht Kayla, die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist, ihre Situation aber mit einer ruhigen Akzeptanz angenommen hat. Bis zu dem Tag, als der attraktive Brannan auf der Insel auftaucht und sie sich Hals über Kopf in ihn verliebt.

Mir haben viele Sachen an diesem Buch gefallen und so habe ich auch die Beziehung zwischen Kayla und Brannan mit großem Interesse verfolgt. Jeder Moment zwischen den beiden ist sehr romantisch und „Die Rückkehr der Wale“ hatte großes Potenzial, ein bewegender Liebesroman zu werden.

Leider wurde mir die Begeisterung für das Paar durch Brannans „Es ist mir wichtiger den Walen zu folgen als bei meiner großen Liebe zu sein“ Einstellung ruiniert. Das und Kaylas Akzeptanz für dieses Verhalten kam mir völlig hirnrissig vor, so dass ich ab einem bestimmten Punkt leider nichts besonderes mehr in diesen beiden sehen konnte. Nur zwei weitere Personen, die in einer mittelmäßigen Beziehung stecken. Auch die Art und Weise, mit der sich die Autorin Kaylas Ehemann Dalziel entledigt hat, war mir zu einfach.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieser Roman einige gute Komponente mitbringt, aber im letzten Drittel stark an Überzeugungskraft verliert, so dass die Geschichte mit einem negativen, unerfüllten Beigeschmack endet.

Veröffentlicht am 27.11.2017

Verwirrende Erzählweise

TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?
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Auf das Erscheinen von Megan Mirandas Debütroman war ich sehr gespannt. Das Cover sticht mit seinen pinken Buchstaben auf dunklem Untergrund ins Auge. In den Lesepausen habe ich immer wieder über den Buchdeckel ...

Auf das Erscheinen von Megan Mirandas Debütroman war ich sehr gespannt. Das Cover sticht mit seinen pinken Buchstaben auf dunklem Untergrund ins Auge. In den Lesepausen habe ich immer wieder über den Buchdeckel gestrichen, da sich die Buchstaben in den verschiedenen Farben unterschiedlich anfühlen.

Die Geschichte handelt von Nicolette, die in ihre Heimatstadt zurück kehrt um das Haus ihres Vaters auszuräumen, da er in ein Pflegeheim umgezogen ist. In der Kleinstadt scheinen an jeder Ecke Gespenster der Vergangenheit zu lauern. Vor 10 Jahren ist hier Nicks beste Freundin Corinne verschwunden und dies scheint sich nun mit einem anderen Mädchen zu wiederholen.

Nach einem kurzen Einstieg, der in der Gegenwart spielt, wird die Geschichte rückwärts erzählt, dass heißt, am Ende eines jeden Kapitels springt die Handlung einen Tag zurück. Diese Erzählweise ist einerseits originell, da sie mir bisher in noch keinem Buch begegnet ist, überzeugen konnte sie mich jedoch nicht. Die umgekehrte Reihenfolge macht es sehr schwer, der Handlung zu folgen. Ich hatte ständig das Gefühl, beim Lesen geträumt und etwas verpasst zu haben. Zudem wurde mein Lesefluss immer wieder unterbrochen, wenn ein neues Kapitel begann. Ich musste mich immer wieder erinnern, dass wir nun einen weiteren Tag zurück sind und dass das bereits Gelesene in der Chronologie der Ereignisse erst später passiert.

Trotz dieser Schwierigkeiten war ich dennoch von Anfang an sehr interessiert, was es mit dem Verschwinden von Corinne und Annaleise auf sich hat. Auf den letzten 100 Seiten – je näher wir dem Tag 1 kommen – nimmt die Handlung immer mehr an Fahrt auf und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass in den letzten beiden Kapiteln im Grunde die komplette Geschichte erzählt wird und der Rest rückblickend überwiegend Seitenfüller ist. Das fiel mir allerdings erst auf, als ich „Tick Tack“ beendet hatte, während des Lesens fühlte ich mich gut unterhalten.

Die Charaktere sind im Großen und Ganzen allesamt ziemlich naiv. Mit Ende 20 agieren sie immer noch genauso irrational wie mit 18 Jahren. Alles was geschieht beruht auf einer Verkettung von Ereignissen, die man hätte vermeiden können, wenn die Teenies und Nics Vater damals ein erwachseneres Verhalten an den Tag gelegt hätten.

Nichts desto trotz scheint die Gruppe in ihrem Kokon aus Intrigen und Geheimnissen glücklich zu sein.
Mitleid hatte ich mit Everett, Nics hilfsbereiten Verlobten, der sich vermutlich gefühlt hat, als sei er in ein Irrenhaus geraten.

„Tick Tack – wie lange kannst Du lügen“ ist meiner Meinung nach zwar nicht das versprochene Krimi Highlight, aber dennoch ein Buch, welches ich gerne gelesen habe.

Veröffentlicht am 06.11.2017

Weniger seicht als erwartet

Sommer unseres Lebens
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Genau 25 Jahre ist es her, dass Hanne, Miriam und Claude sich zufällig kennen lernten und einen unvergesslichen Sommer in Portugal verbrachten. Damals gaben sie sich das Versprechen, diese Reise in genau ...

Genau 25 Jahre ist es her, dass Hanne, Miriam und Claude sich zufällig kennen lernten und einen unvergesslichen Sommer in Portugal verbrachten. Damals gaben sie sich das Versprechen, diese Reise in genau 25 Jahren zu wiederholen.
Nach einigem Zögern machen sich die mittlerweile 50-jährigen Damen tatsächlich auf den Weg nach Portugal.
Was folgt ist eine Situation zwischen Fremdheit und Vertrautheit. Ein halbes Leben ohne Kontakt ist eine lange Zeit, die jeder auf eine andere Art verbracht hat. Dennoch sind Claude, Hanne und Miriam im Grunde ihres Herzens die selben wie früher und so dauert es nicht lange, bis die Freundschaft von damals wieder auflebt.

Allein vom Klappentext und Cover des Buches hatte ich nicht allzu hohe Erwartungen an „Sommer unseres Lebens“ und habe eine seichte Strandlektüre erwartet. Deswegen war ich positiv überrascht, dass das Buch doch ein wenig mehr Tiefgang bieten konnte. Geplatzte Träume, Existenzangst und gescheiterte Beziehungen sind nur einige Themen, mit denen sich die drei Frauen konfrontiert sehen.
Dazu kam noch eine große Mischung an Pleiten, Pech und Pannen in Form von defekten Handys, gestohlenen Kreditkarten und einem kaputten Auto. In der Häufung ist es zwar nicht wirklich wahrscheinlich, trägt aber dazu bei, das Chaos komplett zu machen sowie mehr als einen Wutausbruch zu provozieren.

Dieser Trip ist für die Freundinnen nicht nur eine Reise in die Vergangenheit sondern auch eine Reise zu sich selbst, an deren Ende jeder mit neuen Erkenntnissen zurück kommt.

Bis auf eine Länge im vorderen Drittel des Romans lies sich „Sommer unseres Lebens“ sehr kurzweilig lesen. Land und Leute sind sehr gut beschrieben, wodurch die Handlung lebendig wurde.