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ColleenF

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2025

Göttlich!

Monstergott
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Caroline Schmitt did it again - mit ihrem neuen Roman „Monstergott“ zeichnet sie eine kritische Auseinandersetzung der Freikirche durch die Augen der Protagonist*innen: das Geschwisterpaar Esther ...

Caroline Schmitt did it again - mit ihrem neuen Roman „Monstergott“ zeichnet sie eine kritische Auseinandersetzung der Freikirche durch die Augen der Protagonist*innen: das Geschwisterpaar Esther und Ben.

Esther und Ben sind in ständiger Bemühung, ihre Beziehung zu Jesus Christus und ihrer Gemeinde zu bewahren und zu verbessern. Doch beide tragen Geheimnisse, Angst und Wut in sich. Wie lange wird dieser große Druck, der auf ihnen lastet, noch standhalten? Wie sollen sie Lust und Sünde widerstehen, um Gottes Willen zu folgen?

Der Roman hat mir wirklich gut gefallen. Das Buch übt durch eine fiktive Erzählweise Kritik an der Freikirche, ohne aber respektlos über Religionen an sich zu sprechen. Die Figuren waren unperfekt, ihre Ängste und Zweifel haben sich sehr echt angefühlt. Es werden unglaublich viele sensible Themen behandelt, ohne zu viel oder fehl am Platz zu sein! Besonders Esthers Wut hat mich bewegt, davon hätte ich mir sogar noch mehr gewünscht.

Eine große Empfehlung!
Ingesamt: 4,5 von 5

Veröffentlicht am 29.08.2025

Intim und wild!

Auf allen vieren
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Was passiert, wenn man sich in einer wirklich langen Ehe mit Kind befindet, doch plötzlich ein neues Begehren hat? So geht es der Protagonistin in „Auf allen Vieren“ von Miranda July (deutsche Übersetzung ...

Was passiert, wenn man sich in einer wirklich langen Ehe mit Kind befindet, doch plötzlich ein neues Begehren hat? So geht es der Protagonistin in „Auf allen Vieren“ von Miranda July (deutsche Übersetzung von Stefanie Jacobs).

Ursprünglich sollte die namenslose Künstlerin eine Art Road-Trip nach New York machen, den sie sich selbst geschenkt hat. Doch nach ungefähr 30 Minuten Fahrtweg von ihrem Haus, ihrem Mann, ihrem Kind, hält sie an und mietet sich ein Motelzimmer. Sie verliebt sich in einen Mann namens Dawey, der zufällig an der Tankstelle ihre Autoscheibe geputzt hat. Ganz zufällig lässt sie sich außerdem von eine Raumdesignerin ihr Motelzimmer umgestalten - nämlich von Daweys Frau. Sie verbringt die 14 Tage im Motel, nur ihre beste Freundin Jordi weiß davon. Während ihres Aufenthaltes entwickelt sich eine aufreibende Beziehung zu Dawey, die unsere Protagonistin in ein Hinterfragen ihres bisherigen Lebens und eine Angst vor den Wechseljahren und Veränderungen stürzen. Sie weiß: Sie muss zurück und etwas muss sich ändern.

Der Roman wird wirklich durch die Entscheidungen, Gefühle und Gedanken der Protagonistin bestimmt. Man fühlt sich, als würde man an einem ganz fremdem Leben teilnehmen. Vor allem Sexualität und Lust spielen eine große Rolle, was immer wieder deutlich zum Ausdruck kommt. Es passiert nicht immer super viel, aber das war hier auch passend, Was ich besonders mochte ist, wie über Queerness im Buch gesprochen wurde. Die Protagonistin selbst ist queer, sie hat ein nicht-binäres Kind und generell wird in der Geschichte so unfassbar echt darüber berichtet.

Ein Buch für alle, die sich auf eine intime Reise einer spannenden Figur begeben wollen, ohne zu wissen, was sie erwartet.

Insgesamt: 4 von 5⭐️

Veröffentlicht am 27.08.2025

Große Empfehlung!

Die schönste Version
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Ihr wisst nicht, wie sauer ich bin, dass ich dieses Buch nicht schon viel früher gelesen habe. Ehrlich gesagt, hatte ich sogar etwas Angst, da auf Bookstagram wirklich viel viel Positives über „Die schönste ...

Ihr wisst nicht, wie sauer ich bin, dass ich dieses Buch nicht schon viel früher gelesen habe. Ehrlich gesagt, hatte ich sogar etwas Angst, da auf Bookstagram wirklich viel viel Positives über „Die schönste Version“ von Ruth-Maria Thomas geschrieben wird - aber ich werde hier auch nur Positives schreiben!

Der Roman dreht sich um Jella und ihre Beziehung zu ihrer eigentlich „großen Liebe“ Yannick. Warum eigentlich? Yannick hat sie gewürgt und geschlagen. Angekommen im Haus ihres Vaters beginnt Jella, ihre Beziehung zu Yannick und ihr weibliches Aufwachsen im Patriarchat zu hinterfragen. Wir lesen von ihrer besten Freundin Shelly, ihrem ersten Crush, von ihrem ersten Mal, von Übergriffigkeit, von Schmerz, von all dem, was sicher vielen Flinta*-Personen selbst bekannt ist.

Was mich besonders bewegt hat, ist die Vielschichtigkeit von Jella. Sie war total nahbar und echt, womöglich ist dieses Buch deswegen auch viel intensiver. Es zeigt so viele Emotionen auf, die in weiblicher Perspektive oft unterdrückt werden: Wut, Angst, Zweifel, doch auch Liebe und Freude. Können all diese Gefühle gleichzeitig in Jella existieren? Ja, können sie!

„Die schönste Version“ ist kein leichtes Buch, doch das macht es umso wichtiger. Ruth-Maria Thomas schafft es, durch ihr Schreiben das eigene Leben und Aufwachsen zu betrachten, Situationen, in denen man selbst Jella war. Das Buch gehört nun definitiv zu meinen Lesehighlights. Große Empfehlung - trotzdem möchte ich eine Triggerwarnung festhalten!

Insgesamt: 5 von 5⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2025

Poetisch

Chimäre
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Dystopisch, naturalistisch und poetisch: Das trifft vollkommen auf Sarah Kuratles Roman „Chimäre“ zu.

In Chimäre kämpft eine kleine Inselgemeinschaft, bestehend aus Lehrinnen und Schülerinnen um den Erhalt ...

Dystopisch, naturalistisch und poetisch: Das trifft vollkommen auf Sarah Kuratles Roman „Chimäre“ zu.

In Chimäre kämpft eine kleine Inselgemeinschaft, bestehend aus Lehrinnen und Schülerinnen um den Erhalt der Artenvielfalt, da das Leben auf dem Festland immer weiter zerfällt. Die Kapitel werden aus den Sichtweisen von Alice und Gregor wiedergegeben. Alice, die sich auf der Insel als Alois ausgibt, verlässt die Insel, nimmt die Gefahren und die andere Welt des Festlandes auf sich. Gregor, gezeichnet von traumatischen Erfahrungen, versucht auf der Insel klarzukommen. Wie finden beide zurecht? Wie finden beide ihre Identität?

Der Roman drückt sich durch eine unfassbar poetische und intensive Schreibweise aus. Die Naturbeschreibungen sind einerseits total detailliert-beobachtend, andererseits so vielschichtig und mehrdeutig. Die Orte wirken mystisch und magisch. Auch die Beziehung von Alice und Gregor ist gekennzeichnet von dieser Vielschicht und Poesie.

Für mich war das ein Roman, der viel Deutung von der lesenden Person abverlangt. Manchmal war mir leider die Geschichte nicht ganz klar oder ich konnte dem Verlauf nicht ganz folgen. Größtenteils hat mich vor allem die Sprache berührt. Eine Empfehlung für alle, die Bücher mit beeindruckenden Naturbeschreibungen und einer dystopischen Welt suchen!

Veröffentlicht am 25.08.2025

Euphoria-Vibes

Top Girls
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Party und Glitzer treffen auf Individualitätsverlust und das Erwachsenwerden: In Ana Drezgas Debütroman begleiten wir Liv, die am Theater arbeitet und ihr Leben in Wien verbringt.

Livs aktuelles Leben ...

Party und Glitzer treffen auf Individualitätsverlust und das Erwachsenwerden: In Ana Drezgas Debütroman begleiten wir Liv, die am Theater arbeitet und ihr Leben in Wien verbringt.

Livs aktuelles Leben ist geprägt von Feiern, von Theaterproben und auch irgendwie von der Suche nach sich Selbst. Zusammen mit Nore und Dana wohnt sie in einer WG in Wien, alle arbeiten auf irgendeine Weise am Theater. Diese Arbeit nimmt alle Figuren ziemlich ein, denn „ER“ ist ein sehr herrischer und bestimmter Mensch, der seine Visionen genau umsetzen will. Kann Liv diesem Druck standhalten?

Im Roman befinden wir uns immer wieder in Livs Gedankenstrudel - sie beobachtet intensiv, schweift ab, holt Erinnerungen hervor und befindet sich wie in einer Schwebe. Durch diese Schreibweise lassen sich ihre Gedanken meist gut nachvollziehen, insbesondere der Trauerprozess und die Verarbeitung einiger traumatischer Ereignisse.

Besonders auffällig im Roman war für mich der Aspekt des Individualitäts- und Identitätsverlusts: So werden die Top Girls nur als Top Girls beschrieben, Rollen im Theater werden doppelt besetzt. Die Beziehungen, die Liv führt, sind geprägt von Unsicherheit, gleichzeitig Vertrauen und Unterstützung.

Der Schreibstil des Romans ist ziemlich poetisch und melancholisch. Teilweise findet man eine sehr organische und körperbezogene Teilweise. Manchmal hätte ich mir bei einigen Figuren, wie Dana, noch mehr Hintergrundgeschichte und Tiefe gewünscht. Trotzdem eine Empfehlung für alle, die sich in das schwingende Leben einer jungen Frau in einer Großstadt begeben wollen!