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Veröffentlicht am 17.07.2018

Atemberaubende Handlungen !

Racheopfer
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Atemberaubende Handlungen !
Jede Zeile, jede Seite – ein Genuss für alle Thriller- Fans!
Das Feuer in den Wörtern RACHE und OPFER auf dem Cover glüht und lodert zugleich. Die dunkelrote Farbe zeigt als ...

Atemberaubende Handlungen !
Jede Zeile, jede Seite – ein Genuss für alle Thriller- Fans!
Das Feuer in den Wörtern RACHE und OPFER auf dem Cover glüht und lodert zugleich. Die dunkelrote Farbe zeigt als Signalfarbe, welche ungeheure Energie in dieser Emotion steckt: Wie kann RACHE so stark werden? Die Antworten finde ich auf den 158 Seiten, die mich so gefesselt haben, dass ich diesen Kurzthriller von Ethan Cross direkt noch einmal gelesen habe.
Die erste Zeile beginnt mit “Francis Ackerman junior“ und lässt somit die enorme Präsenz dieser Person erahnen: ein Wesen voller Finsternis mit überdurchschnittlicher Intelligenz und einer inneren Tragik, die in seiner Biografie begründet ist. Ackerman verfügt über eine extreme Beobachtungsgabe im Hinblick auf seine Mitmenschen, die er so blitzschnell berechnen und einschätzen kann, um sich dann wie auf einer Bühne im Theater als lebende Legende in Szene setzen zu können, um zu quälen, zu töten oder sie in die Welt „seiner Spiele“ zu führen. Dabei sieht es für den Leser so aus, als wäre seine eigene Gedankenwelt an manchen Stellen durchbrochen von total überraschenden Überlegungen und augenscheinlichen Emotionen. Bisher hat er seine Ziele immer erreicht…
In der Strafvollzugsbehörde in Lansing findet eine Konferenz statt, in der u.a. Dr. Jennifer Kelly, der Chef Dr. Stewart Kendrick, Direktor der psychiatrischen Klinik Cedar Mill, David McNamara, der Sicherheitschef und der Gouverneur von Michigan teilnehmen.
Kendrick will seine Studie für eine bahnbrechende, neue Therapie bei Gewalttätern vorstellen und erbittet in einem sprachstrategisch geschickt aufgebauten Dialog mit dem Gouverneur um die Aufnahme von Ackerman in seine Klinik, quasi als Prüfstein für die entscheidende Schlussphase seiner Tests. Eine absolut sichere Unterbringung im „Eisernen Kreis“, in seiner Klinik, betrachtet er als gewährleistet.
Kendrick hat Erfolg, obwohl unterschwellig zu erkennen ist, dass er nicht nur von wissenschaftlichen Motiven angetrieben ist. Der Wahnsinn beginnt: Ackerman, DER Ausbrecherkönig, DER Experte auf allen Gebieten im „Umgang“ mit Menschen wird in den „Sicheren Kreis“ verlegt.
Ackerman genießt die Vorfreude auf „sein“ Theaterstück, in dem er die Brillianz seiner Intelligenz in Szene setzen kann – nach seinen ureigenen Vorstellungen. – Das Team in der Klinik ist gewarnt, Ackermans Akte und seine extremen Fähigkeiten sind bekannt. ABER bereits in der ersten Nacht gelingt es dem Monster, aufgrund einer nicht geahnten“ Sollbruchstelle“, sein Schauspiel zu beginnen. Jenny muss Rache an Ackerman ausüben für das, was er ihr vor Jahren angetan hat. Verlangen nach Rache, eine Emotion von verheerendem Ausmaß, die Jenny mit aller Wucht in ihrer Persönlichkeit entstellt, so dass eine gewisse Parallele zu Ackerman entsteht. Dieser hat so auf „seiner“ Bühne Personen gefunden für seine ureigenen Spiele.
Biografieauszüge dienen als Erläuterung und lassen zu, dass ich Antipathien und Sympathien entwickeln kann. Die handelnden Personen und ihre Charaktere entstehen vor meinem geistigen Auge: Jenny hat ihre Emotionen überhaupt nicht mehr im Griff; David McNamara imponiert mir, da er immer wieder den Verstand einschaltet.
Ein lebensbedrohliches Katz – und – Maus-Spiel hat begonnen, bei dem ich mich abwechselnd frage: Wer ist die Maus? Und wer ist die Katze? Ackerman kämpft auf seine brutalste Art in immer wieder überraschenden Weise. Es entsteht somit der Eindruck, dass die Handlungen geradezu explodieren.
Cross verwendet hier verkürzte Sätze – sprachtechnisch für mich interessant – und zeigt so das rasende Tempo der aufeinander folgenden Geschehnisse. Ackermans Gedanken werden an manchen Stellen eingeblendet; so dass Vorausdeutungen entstehen und die Spannung an keiner Stelle nachlässt. Gedanken, Befindlichkeiten, Emotionen der handelnden Personen werden ausführlich geschildert; der Wortreichtum von Cross imponiert mir immer wieder.
Bei der Raubtiermetaphorik am Schluss geht mir wegen des Bildreichtums das Herz auf… und es bleibt heftiges Herzklopfen.
Dieser Kurzthriller ist für mich die ideale Einstiegslektüre für die weiteren Bücher von Ethan Cross: Er hat als Autor hier handwerklich ein Meisterstück geschaffen, für das ich nur die uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen kann.

Conny62

Veröffentlicht am 28.06.2018

Lesefieber garantiert ! Nina Ohlandt "Eisige Flut"

Eisige Flut
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Der Krimi beginnt bei Minus 27 Grad, die Öde aus der Sicht der Bohlenwege auf Amrum auf dem Cover geben die undurchsichtige, nebulöse Stimmung wieder. Die völlig erschrockene Möwe mit dem weit aufgerissenen ...

Der Krimi beginnt bei Minus 27 Grad, die Öde aus der Sicht der Bohlenwege auf Amrum auf dem Cover geben die undurchsichtige, nebulöse Stimmung wieder. Die völlig erschrockene Möwe mit dem weit aufgerissenen Schnabel im Vordergrund zeigt mir,dass hier schier Unglaubliches geschehen ist und lässt erahnen, dass das erst der Anfang von ebenso außergewöhnlichen Ereignissen ist.

Elke Derling und ihr Mann erleben in ihrer Sorge und Verzweiflung um die vermisste Tochter Anja eine erschütternde Überraschung, als die Tageszeitung hereingeholt wird: Anja steht vor der Haustür, als wolle sie die Klingel betätigen.Erfroren in einem Eisklotz! - Ein genialer Auftakt, der den Leser urplötzlich in das Geschehen hineinkatapultiert.

Nina Ohlandt hat diese Geschichte subtil und leise bereits im Buch "Sturmläuten" vorbereitet. Sie ist aber auch ohne vorherige Lektüre dieses Buches schlüssig nachvollziehbar.

Das Kripo - Team aus Flensburg ist von der skurrilen Tötungsweise und der speziellen Drapierung und Inszenierung der Leiche trotz jahrelanger Routine fast ebenso schockiert wie die Eltern. Insbesondere Hauptkommissar John Benthien, Oberkommissar Tommy Fitzen und die Oberkommissarin Lilly Velasco zeigen in ihrer speziellen Figurenkonstellation, dass dieser und die weiteren Morde mehr als ihren gesamten Einsatz fordern werden.

Die weitaus überdurchschnittliche Intelligenz des Täters und seine messerscharfe Voraussicht werden zu einem Gegner, der das Kripoteam zu einem Kampf herausfordert, bei dem der Sieger über 400 Seiten durch immer neue Wendungen und spannende Überraschungen nicht erahnt werden kann.

Geschickt legt Nina Ohlandt irreführende, aber auch zunächst ohne erkennbaren Zusammenhang Indizien und Spuren aus, sodass der Leser atemlos wie einem Regisseur in einem Film folgt und die Entwicklung des Geschehens durch kurzfristiges Weglegen des Buches auf keinen Fall unterbrechen möchte bzw. kann !

Durch die anschaulichen Beschreibungen der Handlungsorte an der Nordsee, speziell auf der Insel Amrum, identifiziert sich der Leser mit den Stimmungen, die sich widerspiegeln: Z.B. Eiseskälte, Einsamkeit und Nebel am Meer als Vorbereitung auf das nächste Ereignis, das sich in einem scheinbar noch intelligenterem Mord manifestiert. Die Möglichkeiten und Kompetenzendes Kripoteams scheinen zeitweise am Ende zu sein, aber das ist ein Trugschluss: Das Team wächst an den Schwierigkeiten der bizarren Mordfälle, das Potenzial steigert sich durch spezielle Beziegungsgeflechte und dem unglaublichen Ehrgeiz, der durch die Geschehnisse immer wieder angestachelt wird.
Eingeblendet werden Tagebuchaufzeichnungen eines anonymen Schreibers, die die Spannung steigern und den Leser mit Herzklopfen mitfiebern lassen. Die dabei entstehende Biografie lässt Böses ahnen. Bis zum Schluss scheint das Rätsel unlösbar.

Die geschickte Erzähltechnik von Nina Ohlandt hat zumindest mich bis zum Ende des Buches in Atem gehalten. Außerdem bleiben die Handlungsstränge logisch, sehr ausgefallen und überdurchschnittlich phantasiereich. - Der Sprachstil ist auf die Handlung abgestimmt, sodass der Leser sich unausweichlich mit den Gefühlen der Protagonisten identifiziert.

Der Nordsee - Krimi "Eisige Flut" von Nina Ohlandt ist als ausgereifte, überdurchschnittliche Leistung einer Autorin zu bezeichnen, die es schafft, den Leser in eine Welt zu führen, die völlig aus dem Ruder gelaufen zu sein scheint...
Deshalb kann ich hier nur meine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen!

Veröffentlicht am 15.06.2018

Ostfriesenfalle Klaus-Peter Wolf

Fischer Taschenbibliothek / Ostfriesenfalle
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Der fünfte Fall der Ann-Kathrin-Klaasen-Serie.Ein Krimi, der sich an der Nordsee nähe Norddeich abspielt. Die Lektüre ist voller Nordsee-Feeling, voller Intelligenz.Ein vermeintlich Toter wird beobachtet, ...


Der fünfte Fall der Ann-Kathrin-Klaasen-Serie.Ein Krimi, der sich an der Nordsee nähe Norddeich abspielt. Die Lektüre ist voller Nordsee-Feeling, voller Intelligenz.Ein vermeintlich Toter wird beobachtet, wie er in New York agiert, obwohl er von den eigenen Eltern vor drei Jahren eindeutig identifiziert wurde. Klaus-Peter Wolf hat wieder mal sehr sauber recherchiert und einen phantasiereichen, aber sehr schlüssigen Krimi inszeniert,der keinerlei Längen aufweist. Das Ende ist - typisch für Wolf - völlig überraschend UND logisch.