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Veröffentlicht am 26.07.2021

Urlaub zwischen zwei Buchdeckeln

Wie Träume im Sommerwind
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Emilias Schwester Clara erleidet einen Autounfall und liegt im Koma. Dies veranlasst Emilia postwendend in die Heimat an den Rosenhof ihrer Eltern auf Usedom zurückzukehren, auch wenn sie diesen seit ...


Emilias Schwester Clara erleidet einen Autounfall und liegt im Koma. Dies veranlasst Emilia postwendend in die Heimat an den Rosenhof ihrer Eltern auf Usedom zurückzukehren, auch wenn sie diesen seit Jahren tunlichst meidet. Vor Ort findet sie heraus, dass ihre Schwester nach Kent reisen wollte, um dort nach neuen Rosensorten zu suchen, um die insolvente, familiengeführte Rosengärtnerei zu retten. Gemeinsam mit ihrer 13-jährigen Nichte und Claras bestem Freund Josh macht sie sich auf den Weg, um in dieser hilflosen Situation etwas Nützliches zu tun. Vor Ort entdeckt sie jedoch nicht nur wunderbare Rosen, sondern auch ein lang gehütetes Familiengeheimnis…

„Wie Träume im Sommerwind“ ist mein erster Sommerroman von Katharina Herzog. Die Autorin hat bereits mehrere Romane geschrieben, die unabhängig voneinander zu lesen sind.

Die Geschichte wird aus Sicht der Protagonistin Emilia geschrieben. Intermittierend gibt es Rückblicke mit Einsicht in Claras Reise nach Südengland, nachdem sie ihr Abitur gemeistert hatte. Der Roman ist wunderbar leicht zu lesen und verbreitet Urlaubsstimmung. Die Protagonisten sind durchweg sympathisch und liebenswert. Auch an Humor mangelt es nicht. Auf jeder Buchseite wird sommerliches Flair entfacht, insbesondere die Reise nach Südengland und das Umherwandern der Figuren an den Urlaubsorten lässt in Urlaubsträumen schwelgen. Die sich anbahnende Romanze zwischen Emilia und Josh war für mich sehr vorhersehbar, das große Familiengeheimnis hatte ich in der Art jedoch überhaupt nicht vermutet! Insgesamt hat mich der Roman sehr gut unterhalten und in Urlaubsstimmung versetzt. Dazu beigetragen hat vor allem auch der angenehme und luftig leichte Sprachstil der Autorin. Eine perfekte Lektüre für den Strandkorb!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.07.2021

Keeping Secrets

Keeping Secrets
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Klappentext:
Schlimm genug, dass Tessa Thorns neuer Film an der Faerfax University - und damit in ihrem Heimatort - spielt. Doch kurz nach ihrer Ankunft erfährt die junge Schauspielerin auch noch, dass ...

Klappentext:
Schlimm genug, dass Tessa Thorns neuer Film an der Faerfax University - und damit in ihrem Heimatort - spielt. Doch kurz nach ihrer Ankunft erfährt die junge Schauspielerin auch noch, dass ein Journalismus-Student die Dreharbeiten für ein Portrait über sie begleiten soll. Cole Williams ist nicht nur attraktiv und scharfsinnig, er kommt bei der Recherche zu Tessas Vergangenheit auch ihrem tiefsten Geheimnis gefährlich nahe - dabei darf niemand erfahren, was vor acht Jahren bei ihr zu Hause passiert ist! Am allerwenigsten Cole, wenn sie ihn nicht verlieren will, bevor ihre Liebe überhaupt eine Chance hatte ...

„Keeping Secrets“ ist Band 1 einer neuen New-Adult-Reihe von Autorin Anna Savas. Dies war mein erster Roman von Anna Savas und ich bin sehr begeistert. Der Auftakt ist sehr gelungen, die Geschichte bringt alles zum Mitfühlen mit. Von Sehnsucht über Romantik bis hin zu Leidenschaft birgt der Roman alle Facetten, die ich in einem Liebesroman erwarte. Darüber hinaus ist die Geschichte auch inhaltlich ausgereift und hat das Thema „häusliche Gewalt“ im Fokus. An manchen Stellen hätte Tessas Vorgeschichte für mich allerdings noch tieferschürfender sein dürfen, auch ihre charakterliche Veränderung - besonders zum Ende hin - hätte für mich noch mehr herausgearbeitet werden können. Nichtsdestotrotz hat mich der Roman sehr gut unterhalten und ab Seite 1 an das Buch gefesselt. Dies lag auch am ausgewogenen und facettenreichen Sprachduktus, der mir abgesehen von wenigen sich wiederholenden Ausdrücken sehr gut gefallen hat. Darüber hinaus gab es mehrere Handlungsstränge neben der Hauptgeschichte, die für angenehme Abwechslung gesorgt haben.

Fazit: Ein sehr unterhaltsamer, fesselnder New-Adult-Roman, der nur schwer wieder aus den Händen gelegt werden kann. Ich freue mich schon auf Band 2.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2021

Jede(r) hat die Möglichkeit, sein eigener Held zu werden

Heldinnen werden wir dennoch sein
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Klappentext: Freundinnen fürs Leben: Susanne, Helma, Ellie, Ute und Marie kennen sich seit ihrer Jugend, sind zusammen erwachsen geworden und bis heute eng verbunden. Als Frank, ein Freund von damals, ...

Klappentext: Freundinnen fürs Leben: Susanne, Helma, Ellie, Ute und Marie kennen sich seit ihrer Jugend, sind zusammen erwachsen geworden und bis heute eng verbunden. Als Frank, ein Freund von damals, plötzlich stirbt, kehren Erinnerungen an einen Abend zurück, den sie alle vergessen wollten ...

„Heldinnen werden wir dennoch sein“ ist der neue Roman von Christiane Wünsche. Er setzt sich mit den verschiedensten Themen auseinander, die jedem schon mal begegnet sind und sicherlich auch immer wieder begegnen werden: primär Freundschaft, Loyalität, Vergebung, Ausgrenzung, Rassismus und Vertrauen. Er stellt damit die Frage: Wer bin ich? Und wer will ich sein?

Die Geschichte wird aus der Sicht der Protagonistinnen aus der Gegenwart erzählt. Innerhalb der einzelnen Abschnitte der jeweiligen Protagonistin gibt es Rückblicke in die Vergangenheit, die nach und nach ein gemeinsam gehütetes Geheimnis aufdecken und mehr Einblick in die individuellen Handels- und Denkweisen bieten. Der Aufbau ist damit sehr gelungen und unglaublich spannend gemacht. Ab Seite 1 klebte ich gefesselt ans Buch. Die verschiedenen Charaktere sind sehr individuell und unterschiedlich gestaltet. Obwohl ich bei den vielen Namen und Figuren zunächst Bedenken hatte, alle auseinander halten zu können, fiel es mir letztendlich überraschend leicht. Das lag einerseits an der Personenübersicht am Anfang des Einbandes, zu der man sehr einfach zurückblättern konnte, andererseits an den wirklich sehr unterschiedlichen Charakteren, die sehr gelungen und gut gezeichnet und ausgearbeitet wurden.

Obwohl ich oft ahnte, was passieren würde, wurde ich stets gut unterhalten und inhaltlich sehr gefesselt. Die Geschichte ist nicht nur sehr spannend gemacht, sie bietet dem Leser auch jederzeit die Möglichkeit zur Selbstreflexion. Die Figuren begegnen diversen, meist alltäglichen Situationen, auf die Jede auf ihre eigene Weise reagiert. Dies führte dazu, dass ich mich als Leserin entweder mit der Figur identifizierte oder genau das Gegenteil oder sogar Entsetzen bei mir hervorrief. Hierdurch habe ich durchgehend meine eigene Meinung und Einstellung zu den einzelnen Themen und Situationen hinterfragt! Ein wirklich großartiges Werk, um sich über die oben genannten Themen und seine eigene Einstellung dazu zu hinterfragen und vielleicht sogar, dazuzulernen. Ich persönlich finde es immer toll und wichtig, sich selbst zu hinterfragen. Bedauerlicherweise hat der letzte Abschnitt bzw. das Ende mich nicht ganz überzeugen können. Es wirkte auf mich etwas zu glatt und „zu heile Welt“, wenn auch einiges noch offen verbleibt.

Der Sprachstil ist sehr wortgewandt, leicht zu folgen und flüssig. Er unterstütz das bunte Bild der Protagonistinnen und hat mich sehr in seinen Bann gezogen!

Insgesamt ist dies ein wahrer Pageturner, der mit seinem Potpourri an Themen einen vielschichtigen und zur Diskussion anregenden Roman darstellt, der so viele alltägliche und zugleich doch auch wichtige Themen anspricht, die einem im Leben bereits begegnet sind und vermutlich auch immer wieder begegnen werden. Auch, wenn das Ende nicht ganz meinen Geschmack getroffen hat, hat mich der Roman insgesamt sehr berührt und beschäftigt. In Kombination mit einem sehr wortgewandten und zugleich flüssigen Sprachduktus ist dieser Roman für mich eine echte Entdeckung 2021!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2021

Von einem Land, das ins Koma fiel

Der ehemalige Sohn
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Eigentlich sollte der junge Franzisk Cello üben fürs Konservatorium, doch lieber genießt er das Leben in Minsk. Auf dem Weg zu einem Rockkonzert verunfallt er schwer und fällt ins Koma. Alle, seine Eltern, ...

Eigentlich sollte der junge Franzisk Cello üben fürs Konservatorium, doch lieber genießt er das Leben in Minsk. Auf dem Weg zu einem Rockkonzert verunfallt er schwer und fällt ins Koma. Alle, seine Eltern, seine Freundin, die Ärzte, geben ihn auf. Nur seine Großmutter ist überzeugt, dass er eines Tages wieder die Augen öffnen wird. Und nach einem Jahrzehnt geschieht das auch. Aber Zisk erwacht in einem Land, das in der Zeit eingefroren scheint.

„Der ehemalige Sohn“ ist ein Roman von Sebastian Filipenko über das Leben der Belarussen unter dem aktuell herrschenden politischen Regime. Die Geschichte rund um den jungen Franzisk steht dabei sinnbildlich für die Ohnmacht und Schockstarre eines diktatorisch geführten Landes.

Im Zentrum stehen dabei die verschiedenen Charaktere, die als Stellvertreter ihrer jeweiligen Gruppe (z.B. Opportunisten, Mitläufer, Opposition, Resignierte etc.) ein Abbild der Gesellschaft zeichnen. Hierdurch steht die jeweilige Rolle der Figur und nicht ihre individuelle Persönlichkeit im Vordergrund, was Distanz beim Leser hervorruft. Dennoch habe ich mit einzelnen Charakteren intensiv mitleiden oder mich auch in viele Handlungen hineinversetzen können. Hauptaugenmerk liegt jedoch stets beim politischen Hintergrund.

Der Roman ist gespickt von Schicksalsschlägen, erschreckenden Ereignissen, genauso wie lähmender Furcht, Schockstarre und seltenen Glücksgefühlen. Ich habe die Geschichte daher als anrührend, eindrucksvoll, erschreckend, interessant und spannend empfunden. An vielen Stellen lässt der Autor zudem Interpretationsspielraum, so auch bei seinem offenen Ende, was mir sehr gut gefallen hat.

Der Sprachstil ist teilweise eher brachial und wirkt etwas brüchig, woran ich mich zunächst gewöhnen musste. Ferner werden einzelne Situationen mit einer Wortgewalt bildhaft und eindrücklich geschildert. Darüber hinaus herrscht das Mitteilen der Figuren über Monologe vor. Anhand wiederholt überspitzter Darstellungen der Ereignisse und sarkastischer Einwürfe entsteht trotz schwerwiegender Thematik und grausamer Schicksalsschläge immer wieder eine spritzige Leichtigkeit. Das Buch las sich für mich wie von selbst und die Seiten flogen nur so dahin.

Die Kombination aus Roman und Aufarbeiten politischer Ereignisse im Kontext eines bis dato diktatorisch geführten Regimes und dessen Auswirkungen auf die Menschen empfand ich als unglaublich interessant und sehr gelungen. Reizvoll ist dies sicherlich insbesondere für diejenigen, die sich mit dieser Thematik bisher noch nicht intensiv auseinandergesetzt haben. Andernfalls könnte der Roman als redundant oder mit zu wenig Tiefgang empfunden werden. Grundlegend für das Verständnis sind für mich die Anmerkungen der Übersetzerin am Ende des Buches gewesen, die vorab gelesen werden sollten.

Fazit: Es handelt sich hierbei um einen bewegenden Roman, der die politische Lage in Belarus sehr gut verarbeitet und dennoch erstaunlich leicht zu lesen ist. Er gewährt einen Einblick in eine fremde Welt, bei dem die erschreckende Realität in eine anrührende Geschichte und Fakten in spitzfindigen, fast sarkastischen Humor verpackt werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.04.2021

Eine düstere, märchenhafte Trilogie, die nicht mehr aus den Händen gelegt werden kann

Winters zerbrechlicher Fluch
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„Winters zerbrechlicher Fluch“ ist eine düstere Adaptation des klassischen Cinderella-Märchens. Im Vordergrund steht dabei die Protagonistin Mary aus Athos, die mit dem Kronprinzen Duncan von Maywater ...

„Winters zerbrechlicher Fluch“ ist eine düstere Adaptation des klassischen Cinderella-Märchens. Im Vordergrund steht dabei die Protagonistin Mary aus Athos, die mit dem Kronprinzen Duncan von Maywater verheiratet werden soll. Auf dem Ball, an dem die Verlobung öffentlich gemacht werden soll, taucht jedoch plötzlich ein geheimnisvolles Mädchen in einem wunderschönen Kleid auf. Der Kronprinz ist sofort verzaubert und würdigt die am Boden zerstörte Mary keines Blickes. Am Ende der Nacht ist die schöne Unbekannte, namens Cinderella, jedoch verschwunden und hinterlässt nur einen gläsernen Schuh. Entschlossen, dem Schicksal Einhalt zu gebieten, versucht Mary diesen zu zerstören. Der erste Versuch verläuft jedoch erfolglos und so bleibt Mary nichts anderes, als den Schuh zu stehlen und damit zu verschwinden, womit sie den Lauf der Geschichte behindert und nachfolgend erschütternde Ereignisse auslöst...
„Winters zerbrechlicher Fluch (1)“ ist mit „Frühlings Tod (2)“ und „Herbst im Blut (3)“ eine zusammenhängende Trilogie einer hochspannenden und faszinierenden Neuinterpretation des Cinderella-Märchens. Erwartet habe ich ein Märchen rund um die Person, die der Prinz im Anblick von Cinderella verschmäht. Stattdessen wurde ich von einer völlig neuen und andersartigen Version in den Bann gezogen, in der viele weitere Märchen zu einem Gesamtbild verwoben werden, sodass eine völlig eigenständige für sich stehende Geschichte mit einer eigenen mystischen Fantasiewelt entsteht.
Hierbei steht Protagonistin Mary stets im Vordergrund und der Leser wird zunächst vorwiegend in ihren Wissensstand eingeführt. Stilistisch gibt es von Beginn an jedoch sehr viele Perspektivenwechsel zu den verschiedensten Handelnden, wodurch der Leser nach und nach Einblicke in die Sichtweisen und Ziele der weiteren Parteien erhält. Obwohl ich die Perspektivenwechsel grundsätzlich als sehr lebhaft und spannend empfunden habe, hatte ich zu Beginn noch Probleme diesen zu folgen, da man die Charaktere noch zu wenig kennt und die Geschichte hierdurch teilweise unruhig wirkte. Somit verlor ich als Leser von Beginn an den roten Faden. Dies milderte sich aber mit Fortschreiten der Geschichte und zuletzt habe ich es sehr genossen, die Handlung aus den verschiedensten Blickwinkeln zu erhalten. Hierdurch wurden mir einzelne Figuren auch sehr viel nähergebracht als es eine Geschichte aus nur einer Perspektive schaffen kann.
Insgesamt dauert es sehr lange, bis es zur Auflösung der vielen Handlungsstränge und Motive kommt. Erst ab der Hälfte der Trilogie wird der Leser stückchenweise mit Informationen gefüttert, wer gut/böse ist bzw. welches Ziel verfolgt und was sich hinter allem verbirgt. Obwohl man sich sehr schnell mitten im Geschehen befindet und die Dramatik immens ist, verbleibt durch die mangelnde Kenntnis an Hintergrundinformationen und das "im Dunkeln gelassen werden" lange ein großes Fragezeichen. Bei mir entstand dabei das Gefühl, sich vom Wissenstand her eigentlich noch in der Vorgeschichte/dem Prolog/im Aufbau der Geschichte zu befinden. Gleichzeitig erhöht dies aber den Nervenkitzel und man hat das Gefühl, unbedingt weiterlesen zu müssen. Oft konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen legen. Durch die vielen Charaktere und ihre Handlungen findet sich in diesem Werk ein Potpourri an Emotionen (Spannung, Thrill, Sehnsucht, Trauer, Chaos, Ekel, Melancholie, aber auch Hoffnung und Romantik), sodass ich als Leser immer wieder erneut ans Buch gefesselt wurde.
Der Sprachstil ist sehr flüssig und angenehm und hat mich ab Seite 1 in den Bann gezogen. In die Protagonistin Mary konnte ich mich sehr gut hineinversetzen. So habe ich mit ihr mitgelitten als der Prinz sie verschmäht hat und um ihr Leben im Laufe der Geschichte immer wieder sehr gebangt. Mary vollzieht im Laufe der Geschichte eine große Wandlung. Diese wird von der Autorin sehr authentisch beschrieben und ich habe mich sehr gefreut als Mary von der passiven Marionette zur aktiven, mutigen Protagonistin wurde, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Mary wirkte wie verwandelt und hat damit der Geschichte zuletzt noch eine neue Facette gegeben. Besonders verliebt habe ich mich aber in den Jäger, der eine sehr tragische Rolle einnimmt und nicht nur mein Herz im Sturm erobert hat. Insgesamt habe ich immer wieder mit meinen Lieblingsfiguren (zu denen auch Tarek/Phillip und Susann gehören) mitgefiebert und mitgelitten.

Eigentlich bin ich kein großer Fan von blutrünstigen Geschichten. In dieser werden die düsteren Abwege jedoch entweder nur angedeutet oder mit einer Nüchternheit und Distanz beschrieben, sodass ich mich gut mit dem brutalen Anteil abfinden konnte. Nichtsdestotrotz hätte ich auf einige Szenen und Elemente wie die hin und wieder auftauchenden „Splatterelemente“ z. B. die abgetrennten Pferdeköpfe auf der Stadtmauer, verzichten können, da sie auf mich eher überflüssig wirkten und den Eindruck von Chaos und Zerfahrenheit vermittelten, sodass ich hin und wieder den roten Faden verlor.

Um mich besser zurecht- und vor allem auch einzufinden, hätte ich mir von Beginn an ferner mehr direkte Beschreibungen gewünscht, um sofort tiefer in die mystische Fantasiewelt einzutauchen zu können. Örtliche Begebenheiten, die Landschaft, die verschiedenen Reiche und die Gesellschaftsstruktur werden nur portionsweise am Rande beschrieben und ich musste mir als Leser die Informationen gedanklich zusammentragen, was das Gesamtkonstrukt der neuartigen mystischen Fantasiewelt schmälert. Diese Szenen und Bilder hätten für mich daher intensiver ausgearbeitet und in mehr Abschnitten behandelt werden können. So wurde zu Beginn mein Eindruck noch verstärkt, in der Handlung der Geschichte außen vor gelassen zu werden. Im Laufe der Geschichte hat sich dies für mich aber gegeben und insbesondere im Teil „Herbst im Blut“ fühlte ich mich nicht nur bei den Charakteren, sondern auch in der Märchenwelt vollends angekommen.

Das Gesamtwerkt mündet zuletzt in einen faszinierenden und spannenden Showdown und bis zur letzten Seite bangte ich um meine Lieblingscharaktere. Die Geschichte erfährt bis zum Schluss so viele überraschende und spektakuläre Wendungen, dass ich mich vor der unglaublichen Fantasie der Autorin nur verneigen kann! Auch das für mich sehr emotionale Ende hinterließ bei mir einen bittersüßen Nachgeschmack und Tränen in den Augen.

Zusammenfassend handelt es sich um eine düstere, nahezu blutrünstige Version des Cinderella-Märchens, bei der die Spannung stets extrem hoch verbleibt und ab Seite 1 das Buch kaum noch aus den Händen gelegt werden kann. Auch wenn der Leser lange im Dunkeln tappt und für mich einzelne Szenen zugunsten des roten Fadens hätten gestrichen werden können:, sobald man sich an dies und die Erzählweise gewöhnt hat, bietet diese Romanreihe eine überraschende, fesselnde und fantasievolle Geschichte zum Mitfiebern, -zittern und -weinen, die so viel mehr ist als „nur“ eine Märchenadaptation! Außergewöhnlich, andersartig und damit absolut lesenswert!

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