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Veröffentlicht am 06.05.2019

Das Unergründliche schwingt immer mit

Das Lied der Wächter - Der Gesang
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Die Protagonisten und ihre Geschichte

Felix war gerade ein paar Monate alt, als der Schwarzwald nach einem verheerenden Atomunfall evakuiert und abgesperrt wurde. Angeblich ist die ganze Region unbewohnbar. ...

Die Protagonisten und ihre Geschichte

Felix war gerade ein paar Monate alt, als der Schwarzwald nach einem verheerenden Atomunfall evakuiert und abgesperrt wurde. Angeblich ist die ganze Region unbewohnbar. An seinem 16. Geburtstag hat er erfahren, dass die Frau, die er bisher für seine Mutter hielt, seine Tante ist und dass seine Eltern sich zum Zeitpunkt des Unfalls auf einer Wanderung befanden, von der sie nie mehr zurückgekehrt sind.

Es erhält einen Hinweis darauf, dass seine Eltern noch leben und so macht er sich auf Spurensuche in der Sperrzone, wo er auf eine unheimliche Kraft stößt, die alles Lebendige gefährdet.

Meine Gedanken zum Buch

In diesem zweiten Band der Trilogie, der dort beginnt, wo Band 1 geendet hat, dringt Felix immer weiter in den Schwarzwald vor. Erneut trifft er auf Menschen, die ihm gut gesonnen sind, aber auch auf Menschen, von denen Gefahr ausgeht. Auch die unheimliche Kraft, der berauschende Gesang und gefährliche Gewässer sind nach wie vor eine Bedrohung für ihn. Doch Felix kann immer besser damit Gefahren umgehen.

Ich habe diesen zweiten Band als unaufgeregter empfunden, als den ersten Band, was daran liegen könnte, dass mir die Gefahren und die Situation im Schwarzwald nun schon bekannt waren. Dennoch ist der zweite Band nicht weniger packend, schon alleine, weil es noch so viele offene Fragen gibt, die geklärt werden wollen.

Während ich „Das Erwachen“ eher als mystisch wahrgenommen habe, hat mich „Der Gesang“ mehr an eine Geschichte erinnert, bei der der Protagonist von einem Abenteuer ins nächste stolpert -wobei das Unergründliche im Hintergrund immer mitschwingt. Nachdem die Handlung auf den ersten Seiten eher vor sich hin geplätschert ist, hat sie Fahrt aufgenommen und konnte mich erneut mitreissen.

Nach wie vor fasziniert mich diese Trilogie natürlich auch, weil ich im Südschwarzwald aufgewachsen bin. Obwohl ich mir eingebildet habe, dass mir meine Heimat bekannt ist, lerne ich durch Thomas Erle nochmal Ecken kennen, die ich noch nie besucht habe. Hin und wieder google ich Orte oder Plätze und stellte fest, wie nah der Autor an der Realität bleibt. Daher bin ich nicht nur gespannt darauf, wie meine offenen Fragen in Band 3 beantwortet werden, sondern auch darauf, wohin Felix Reise noch führen wird.

Ich ziehe 1/2 Sterne ab, weil Band 1 mich noch einen Ticken mehr begeistern konnte.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Konnte mich begeistern

GIER - Wie weit würdest du gehen?
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Die Protagonisten und ihre Geschichte

Die Menschen gehen auf die Straße, denn es droht eine neue Weltwirtschaftskrise. Nur ein paar einzelne Menschen, die schon ein stattliches Vermögen besitzen, bekommen ...

Die Protagonisten und ihre Geschichte

Die Menschen gehen auf die Straße, denn es droht eine neue Weltwirtschaftskrise. Nur ein paar einzelne Menschen, die schon ein stattliches Vermögen besitzen, bekommen den Hals nicht voll genug. Bei einem Gipfeltreffen will ein Nobelpreisträger ein Konzept vorstellen, mit dem jedem geholfen wäre, doch er stirbt kurz zuvor bei einem Autounfall.

Der Altenpfleger Jan Wutte hat gesehen, dass es sich um keinen Unfall sondern um Mord handelt. Als die Polizei ihm nicht glaubt und ihn sogar selbst verdächtigt, flüchtet er – verfolgt von der Polizei und einer Reihe von Männern, die ihn, den einzigen Zeugen ihrer Tat, ausschalten wollen.

Meine Gedanken zum Buch

Marc Elsberg hat mir in den bisherigen Büchern zunächst immer das Gefühl vermittelt, was er schreibt, ist reine Fiktion. Beim Lesen wurde mir nach und nach klar, dass viel zu viel Realität hinter den Geschichten steckt. „Gier“ spielt mit der Aussage, dass die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden und auch das ist in der heutigen Zeit eher Realität, als Fiktion.

Der Autor arbeitet auch in diesem neuen Buch mit mehreren Handlungssträngen. Während die Reichen auf einer Konferenz hinter vorgehaltener Hand Deals abschließen, um sich noch mehr zu bereichern, kommt es zu erstklassig organisierten Demonstrationen, die weltweit für Aufsehen sorgen. Zur gleichen Zeit ist Jan Wutte auf der Flucht und der Leser kann die Ermittlungen der Polizei, sowie die Recherchen von Wuttes Jäger verfolgen.

Marc Elsberg füttert seine Leser mit Details über Wirtschaft und Mathematik, um ihnen den Lösungsansatz des verstorbenen Nobelpreisträgers näher zu bringen. Er behilft sich dabei seines Protagonisten Jan Wutte. Der junge Altenpfleger hatte bislang wenig Interesse an der Mathematik und muss sich im Roman alles Wissens erarbeiten, so dass das komplexe Thema auch dem Leser verständlich wird, der sich bislang noch nicht mit Mathematik und Ökonomie auseinander gesetzt hat.

Marc Elsberg hat ein Geflecht aufgebaut, dass sich nach und nach entwirrt. Dabei setzt er nicht nur auf tatsächliche Ereignisse, wie zum Beispiel die Arbeit von Ole Peters am London Mathematical Laboratory, sondern auf eine bunte Mischung von Menschen, die sich nach und nach um seinen Protagonisten gruppiert. Der wissenschaftlichen Lösungsansatz wird übrigens auf der Seite http://bauernfabel.org/ erörtert.

Der Autor konnte mich erneut begeistern. Der Thriller ist äußerst spannend und erstklassig konstruiert. Die Details sind sehr gut recherchiert und die komplexen Erläuterungen werden so heruntergebrochen, dass jedem Leser, unabhängig von seinem Kenntnisstand, das notwendige Wissen vermittelt wird, um die Geschichte zu verstehen. Einmal mehr gibt Marc Elsberg mit seinem Thriller einen Denkanstoss. Was ist heute schon Realität? Was könnte uns noch erwarten? Und wie weit sind die Menschen bereit, zu gehen?

Veröffentlicht am 06.05.2019

Konnte mich gut unterhalten

Fake-Freundin
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Die Protagonisten und ihre Geschichte

Der Schauspieler Joseph Allen lebt in London. Als „Dr. Shaw“ erobert er in der Serie „Central Hospital“ die Herzen des Fernsehpublikums. Zusammen mit seinem besten ...

Die Protagonisten und ihre Geschichte

Der Schauspieler Joseph Allen lebt in London. Als „Dr. Shaw“ erobert er in der Serie „Central Hospital“ die Herzen des Fernsehpublikums. Zusammen mit seinem besten Freund und Manager Lennart Jeffreys genießt er seinen Urlaub in Oberbayern. Während einer Radtour fahren die beiden außerhalb der beschilderten Radwege und Joseph prallt mit Lucie zusammen.

Die Zahnarzthelferin Lucia „Lucie“ Braun hatte zum wiederholten Mal eine Auseinandersetzung mit der neuen Zahnärztin. Um sich zu beruhigen, ist sie auf einer Joggingrunde, als sie von einem rücksichtslosen Radfahrer über den Haufen kollidiert.

Sie leistet erste Hilfe und zum Dank lädt Joseph sie zu einem Abendessen ein. Im Laufe des Abends macht er Lucie ein ungeheuerliches Angebot: er will sie auf ein Jahr als Fake-Freundin engagieren, ein Ansinnen, auf das Lucie nicht eingehen will. Doch der Ärger mit der neuen Zahnärztin verschärft sich und die Vermieter kündigen ihr wegen Eigenbedarfs die Wohnung, so dass Lucie sich kurze Zeit später in London wiederfindet.

Dass sie nun aller Welt vorgaukeln muss, Joseph zu lieben, fällt ihr von Tag zu Tag leichter und sie muss sich eingestehen, dass es mehr als Sympathie ist, was sie für den Schauspieler empfindet.

Meine Gedanken zum Buch

Pea Jung hat zwei sehr unterschiedliche Protagonisten geschaffen. Lucie ist liebenswert, eher zurückhaltend und leider frisst sie viel zu viel in sich hinein. Joseph ist rein äußerlich der selbstbewusste Serienstar, dass er mit seinem Können hadert, kann er nur wenigen Menschen gegenüber zugeben.

Die Geschichte konnte mich gut unterhalten. Sie ist teilweise humorvoll und überwiegend auch leicht. Die Autorin legt einen Fokus auf Lucies Problem, nach außen hin nicht für sich selbst einstehen zu können. Mir hat gut gefallen, wie Pea Jung ihre Protagonistin sich weiterentwickeln lässt und diese sich langsam zur Wehr setzt. Bis es soweit ist, muss Lucie aber einige Demütigungen über sich ergehen lassen. Natürlich sehe ich ein, dass das für die Handlung notwendig ist. Aber stellenweise war mir das zuviel, was Lucie – insbesondere von Joseph – einstecken muss.

Das Ende hätte ruhig etwas ausführlicher sein dürfen, das kam mir im Verhältnis schlichtweg zu kurz.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Konnte meine Erwartungen nicht ganz erfüllen

Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst.
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Die Protagonisten und ihre Geschichte

Beckford ist eine kleine Stadt in England. Seit vielen hundert Jahren ertrinken dort immer wieder Frauen an einer bestimmten Stelle im Fluss, die passenderweise ...

Die Protagonisten und ihre Geschichte

Beckford ist eine kleine Stadt in England. Seit vielen hundert Jahren ertrinken dort immer wieder Frauen an einer bestimmten Stelle im Fluss, die passenderweise „Drowning Pool“ genannt wird.

Danielle „Nel“ Abbott war schon immer fasziniert, nicht nur von den Geschichten, die man sich über diese Frauen erzählt, sondern auch vom Wasser selbst. Ihre Faszination ging soweit, dass sie an einem Buch über den Drowning Pool und dessen Vergangenheit geschrieben hat.

Ihre kleine Schwester Julia genannt Jules hat den Kontakt zu Nel vor Jahren abgebrochen, sie reagiert nicht auf Nels Anrufe und hatte auch nie vor, noch einmal nach Beckford zurückzukehren. Das hat sie durchgehalten bis zu dem Tag, an dem die Polizei ihr mitteilt, dass Nel im Drowning Pool ertrunken ist. Angeblich sei sie freiwillig ins Wasser gegangen.

Meine Gedanken zum Buch

Dieser Roman ist sehr vielschichtig und das meine ich wörtlich. Paula Hawkins lässt eine Vielzahl von Charaktere in ihre Geschichte eintreten, erzählt die Kapitel im Wechsel aus der Perspektive mehrerer Personen und arbeitet auf verschiedenen Zeitebenen.

Dabei beleuchtet sie nicht nur den Tod von Nel Abbott, sondern auch die Umstände, unter denen viele andere Frauen ums Leben gekommen sind, die Vergangenheit mehrerer Charaktere, die Familiengeschichten, berufliche Entwicklungen und anderes mehr. Dadurch hat sich die Geschichte unnötig in die Länge gezogen, weniger wäre hier vielleicht mehr gewesen.

Einzig die Lobeshymnen die ich über diese Autorin gelesen habe, haben mich dazu veranlasst, das Hörbuch nicht abzubrechen. Ich habe darauf gehofft, dass mich die Geschichte irgendwann abholen kann. Und tatsächlich, wenn man bereit ist, sich auf die oben dargestellten vielen Schichten einzulassen, kam bei mir der Punkt, ab dem ich das Hörbuch nicht mehr ausschalten wollte, weil ich wissen musste, was wem tatsächlich passiert ist und wie alles zusammen hängt.

Die Idee zum Plot gefällt mir gut und nach einiger Zeit ist das Potential hinter dieser Idee auch aufgeblitzt, aber die Umsetzung hat meine Erwartungen insgesamt nicht vollständig erfüllen können.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Konnte mich fesseln

Wolfsspiel
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Die Protagonisten und ihre Geschichte

Kommissar Florian Dreier ermittelt im Kreis Lippe in einem Mordfall. Auf seinen Partner Bernd Rohde kann er nicht zählen, da dieser aufgrund familiärer Umstände fast ...

Die Protagonisten und ihre Geschichte

Kommissar Florian Dreier ermittelt im Kreis Lippe in einem Mordfall. Auf seinen Partner Bernd Rohde kann er nicht zählen, da dieser aufgrund familiärer Umstände fast täglich zu spät zur Arbeit erscheint oder früher Feierabend macht. Doch Florian hat noch ein viel größeres Problem. Nach dem Tod seines besten Freundes fällt es ihm schwer, wieder regelmäßig in Kontakt zu dessen Witwe Tara zu treten. Auch zuhause fehlt ihm ein fester Halt, denn die Beziehung zu seiner Freundin steht – mal wieder – auf off.

Tara Wolf ist Strafrichterin. Auch nach vielen Jahren kann sie sich nicht damit abfinden, wenn ein Schuldiger auf freien Fuß gesetzt werden muss, deswegen ermittelt sie mit ihrem Nachbarn, dem Paläontologen Peter Falke, und der jungen Hackerin Lou Ritter auf eigene Faust. Der beste Freund ihres verstorbenen Mannes, Florian Dreier, ist davon zwar nicht begeistert, aber für den einen oder anderen Hinweis ist er dankbar. Seit Taras Mann kaltblütig erschossen wurde, arbeitet sie außerdem daran, auch seinen Mörder zu Fall zu bringen und dafür überschreitet sie nicht nur Grenzen, sondern bringt auch sich selbst in Gefahr.

Meine Gedanken zum Buch

Christian Jaschinski hat eine breitgefächerte Palette an Charakteren geschaffen, die von einem sympathischen Ermittlerteam über eine eine toughe Strafrichterin mit verlässlichen Freunden bis zu einem Staatsanwalt reicht, den ich vom ersten Satz an am liebsten auf den Mond geschossen hätte.

Zu Anfang des Buches hatte ich das Gefühl, dass mir Informationen zu Florian, Tara und den Menschen um sie herum fehlen. Nach und nach haben sich mir dann die Zusammenhänge erschlossen. Erst am Ende des Buches habe ich entdeckt, dass es tatsächlich eine Vorgeschichte in Form von elf Kurzgeschichten im Buch „Mörderisches Lipperland“ gibt. Doch keine Sorge, man kann „Wolfsspiel“ auch ohne Vorkenntnisse lesen, es wäre für mich anfangs nur etwas weniger irritierend gewesen, wenn ich von den Kurzgeschichten gewusst hätte.

Obwohl der Verlauf des Krimis eher unaufgeregt ist und ich bereits gegen Mitte des Buches eine Ahnung hatte, wer der Täter ist, hat das der Spannung keinen Abbruch getan. Das mag auch daran liegen, dass der Autor mehrere Handlungsstränge nebeneinander laufen lässt und ich mir trotz meines Verdachts lange Zeit nicht sicher sein konnte, ob ich richtig liege.

Wie es sich für einen Regionalkrimi gehört, spielt viel Lokalkolorit in die Geschichte mit ein. Da ich das Lipperland nur vom Hören-Sagen kenne, war ich dankbar, dass Christian Jaschinski auf seiner Seite eine Karte der Region zeigt, an der ich mich bei den Schauplätzen orientiert hat.

Das Buch konnte mich fesseln, manchmal hat mich der eine oder andere Charakter ziemlich auf die Palme gebracht, aber noch öfter haben mich die schlagfertigen Dialoge gut unterhalten. Mit dem Ende des Buches ist der Mordfall abgeschlossen; bleibt Taras Lebensgeschichte. Eine kurze Szene am Ende war für mich ein Hinweis darauf, dass hinter dem Mord an Taras Mann noch viel mehr steckt, als sich vermuten lässt und auch ohne einen ausgefeilten Cliffhanger hat Christian Jaschinski mich natürlich neugierig gemacht, wie es im Kreis Lippe weiter geht.