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Veröffentlicht am 04.06.2021

Kein Märchen aus Tausendundeiner Nacht

Arabische Nächte
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Wer den Titel liest und ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht erwartet, liegt falsch.
Wer das Cover - eine blonde Frau am Strand vor der Wolkenkratzer-Silhouette Dubais - vordergründig betrachtet und ein ...

Wer den Titel liest und ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht erwartet, liegt falsch.
Wer das Cover - eine blonde Frau am Strand vor der Wolkenkratzer-Silhouette Dubais - vordergründig betrachtet und ein Urlaubsmärchen mit einem Scheich erwartet, liegt falsch.
Wer eine Urlaubsromanze erwartet im Stil von ‚Dame reiferen Alters findet die reine Liebe zum jungen einheimischen Animateur‘ liegt (glücklicherweise) ebenfalls falsch.
Wer jedoch eine ganz und gar ungewöhnliche Liebesgeschichte erwartet, liegt richtig.
Wobei für mich die eigentliche Liebesgeschichte hinter der Haupthandlung verborgen ist. Doch dazu später.
Zwei Freundinnen verbringen eine gemeinsame Urlaubswoche in Dubai. Britta, überzeugter Single und stets flirty aufgelegt, und die solide Inga, seit vielen Jahren mit Tom nicht unglücklich, aber ereignisarm verheiratet (Stichwort: Hausmannskost).
Wie es immer so ist: der tolle Mann interessiert sich für die Brave, die gar nicht auf ein Abenteuer aus ist. Britta ist keinesfalls eifersüchtig, sondern bestärkt ihre Freundin, die Treffen mit dem gutaussehenden Paul wahrzunehmen und den Urlaub auch in dieser Hinsicht zu genießen.
Ganz nebenbei wird Dubai und Umgebung mit seinen vielen Attraktionen ausgiebig besichtigt und für den Leser beschrieben.
Nach einigen gemeinsamen Tagen sowie heißen (arabischen) Nächten am Stand oder in Pauls Luxusappartement, kommt viel zu schnell der Abschied. „Wenn du willst, dass es hier endet, endet es hier“, verspricht man einander, bevor Inga den Flug nach Hause und in ihre Ehe antritt.
Anfangs versucht sie noch, die gewohnte Routine wieder aufzunehmen, merkt aber von Tag zu Tag deutlicher, dass es eben mehr war als ein Urlaubflirt. Da sie nicht „zweigleisig“ fahren kann, macht sie reinen Tisch und besucht Paul erneut in Dubai. Nun könnte eigentlich das happy End folgen – tut es aber nicht. Nur Märchen enden mit „Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute“.
Es gibt etwas, das dem gemeinsamen Glück entgegensteht, und auch durch die Liebe nicht besiegt werden kann.
Nun würde das Märchen aus Tausendundeiner Nacht tragisch zu Ende gehen, wäre dahinter nicht die andere Liebesgeschichte. Tom, der Noch-Ehemann, vormals gleichgültig gegenüber seiner Frau, der Routine verfallen und im Alltagstrott, wächst plötzlich über sich hinaus und unterstützt Inga auf eine Weise, wie sie wohl nur selten vorkommt. Dies ist seine Art der Liebe, die an ein Bibel-Zitat aus dem „Hohelied“ erinnert: “Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht…, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit…, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.“
Und vielleicht ist dies auch eine Botschaft.

Veröffentlicht am 29.04.2021

Wandelröschen und Maßliebchen

Männertreu und Sonnentau
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Es gibt Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben...
Vicki, erfolgreiche Marketingexpertin, findet statt dessen ihren Beinahe-Ehemann darin vor - leider in eindeutiger Stellung mit einer anderen. Apropos ...

Es gibt Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben...
Vicki, erfolgreiche Marketingexpertin, findet statt dessen ihren Beinahe-Ehemann darin vor - leider in eindeutiger Stellung mit einer anderen. Apropos Stellung, die hat die arme Vicki kurz vorher unverschuldet verloren, und das ist der Grund, warum sie so buchstäblich überraschend (!) früher nach Hause kommt und ihren Bräutigam in flagranti erwischt. Mit dem Job ist das Geld weg, mit dem Verlobten die Wohnung, hinzu kommen die Storno-Kosten für Hochzeitsfeier und -reise. Was also tun? Statt zu verzweifeln, verbündet sich Vicki mit ihrer gleichfalls schmerzlich mit dem Thema vertrauten Freundin zur Anti-Betrugs-Einheit und gründet eine "Treuetest-Agentur". Doch kaum verbucht das Startup erste Erfolge, kommen auch schon die Schwierigkeiten. Auch Treue-Testerinnen sind nämlich nicht gegen die Liebe gefeit...
Der Roman beginnt mit Schwung sowie vielen unerwarteten Wendungen, witzigen Charakteren und absurden Situationen. Der Ductus ist knackig und lässt die Seiten beim Lesen förmlich fliegen. Im Laufe der Story ebbt das Tempo jedoch etwas ab, manches wirkt allzu konstruiert und unnötig in die Länge gezogen, wie zum Beispiel das Wiedersehen von Vicki und Alex. Der Email-Briefwechsel zwischen Alex und Rolf ist zwar gut geschrieben, aber in dieser Form eher unglaubwürdig. Zumindest könnte ich mir nicht vorstellen, dass zum Beispiel unser Zahnarzt und Freund früh in der Praxis vor den ersten Patienten seitenlange Mails über sein Sexualleben verfassen würde. Bei der nächsten Zahnreinigung werde ich mich mal danach erkundigen...
Insgesamt eine unterhaltsame Story, die witzig erzählt wird und nach einigen Irrungen-Wirrungen auch ein Happy End bereit hält.

Veröffentlicht am 20.04.2021

Ein neues Team in der Stadt der Punkte

Nasses Grab (Zwischen Mord und Ostsee, Küstenkrimi 1)
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Mit "Nasses Grab" startet eine neue Reihe von Küstenkrimis, die zwischen den Meeren, das heißt zwischen Nord- ("=Mord", daher der Titel) und Ostsee, also in Schleswig-Holstein, spielen. Mittelpunkt ist ...

Mit "Nasses Grab" startet eine neue Reihe von Küstenkrimis, die zwischen den Meeren, das heißt zwischen Nord- ("=Mord", daher der Titel) und Ostsee, also in Schleswig-Holstein, spielen. Mittelpunkt ist die Stadt Flensburg, die wir alle - mehr oder weniger - von unserem Punktekonto kennen. Die dortige Polizeidirektion, vertreten durch Kriminaldirektor Karsten Bruhn, hat gerade ein neues Ermittlerteam zusammen gestellt: Carina Drews, 43, genannt Ina, und erst seit zwei Wochen in Flensburg und Jörn Appel aus Bochum, zufällig Inas Ex-Schwager und Vater ihrer Nichte Dini (Nadine). Das verheißt allerlei Spannungen und private Reibereien, so dass Handlung und Dialoge - zumindest für meine Begriffe - allzu oft ins Private abdriften. Erschwerend kommt hinzu, dass Ina mit ihrem neuen Chef ein Stückchen gemeinsamer Vergangenheit teilt und es zu klitzekleinen Eifersüchteleien kommt, die einem professionelles Arbeitsverhältnis abträglich sind. Dennoch schmeißt sich das neue Ermittlerteam zusammen und klärt investigativ, warum Peter Nissen sterben musste (wobei sich in dieser Person später auch der Zusammenhang zwischen Nord- und Ostsee auf makabre Weise auftut). Das Flensburger Punktekonto der Protagonisten sollte sich bei der beschriebenen Fahrweise im Lauf der Handlung gefüllt haben; sie sind ständig in Action, und auf Mördersuche nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern auch in Dänemark unterwegs.
Insgesamt ist es ein spannender Krimi mit aktuellem Bezug und ein paar überflüssigen Klischees. Auch die privaten Querelen stören manchmal die Handlung. Dennoch denke ich, dass das Team sich finden und auf den Erfolgen dieses Kriminalfalls aufbauen wird. Daher bin ich gespannt auf weiter Folgen aus dem Land zwischen den Meeren.

Veröffentlicht am 06.04.2021

Ein zu kurzer Badewannenkrimi

Der Schatz im Schacht
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Es gibt zwei Kategorien von Menschen - die Nur-Duscher und die Liebhaber des ausgedehnten Vollbades. Letztere greifen dabei gern zur Lektüre. Ein jeder, dem dabei sein Buch schon mal ins Wasser gefallen ...

Es gibt zwei Kategorien von Menschen - die Nur-Duscher und die Liebhaber des ausgedehnten Vollbades. Letztere greifen dabei gern zur Lektüre. Ein jeder, dem dabei sein Buch schon mal ins Wasser gefallen ist, wird die "Edition Wannenbuch - Das wasserfeste Buch" zu schätzen wissen. Und so habe ich mir am Wochenende ein heißes Bad eingelassen und den "Schatz im Schacht" zur Hand bzw. mit in die Wanne genommen. Das Buch ist tatsächlich wasserfest; was jedoch die zweite Ankündigung "gelesen in 15 Minuten" betrifft, muss ich entschieden widersprechen. Vielleicht benötigen Grundschüler so lange; ich war leider schon in fünf Minuten durch. Ein richtiger Krimi ist der "Schatz im Schacht" ohnehin nicht. Vielmehr geht es um eine Autorin, die auf der Suche nach Anregung für ihren neuen historischen Krimi auf Flohmärkten herumstöbert, ein Bergbau-Relikt erwirbt und dadurch auf eine wahre Geschichte aus dem Erzgebirge stößt, die von Liebe und Leid handelt, jedoch nicht wirklich ein Krimi ist. Insofern finde ich die Idee des Wannenbuches gut, die Umsetzung allerdings noch verbesserungswürdig. Vielleicht haben ja die anderen Bücher der Edition mehr Inhalt. Als ausgefallenes Geschenk z. B. zusammen mit einem exotischen Schaumbad, kann ich ich mir ein Wannenbuch allemal vorstellen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.03.2021

Was MACHT die Akademie?

Die Macht der Akademie
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Titel, Cover und Ankündigung "Schwedenkrimi" hatten meine Phantasie beflügelt, so dass ich mich voller Vorfreude diesem Buch widmete.
Verwundert war ich dann, dass dieser Schwedenkrimi zur Hälfte in ...

Titel, Cover und Ankündigung "Schwedenkrimi" hatten meine Phantasie beflügelt, so dass ich mich voller Vorfreude diesem Buch widmete.
Verwundert war ich dann, dass dieser Schwedenkrimi zur Hälfte in Bremen spielt (wobei ich nichts gegen Bremen habe).
Weiterhin hätte ich mir unter "Akademie" ein diabolisches Gegenstück zur Königlich Schwedischen Akademie vorgestellt und weltweite Verbrechen oder Verschwörungen statt Mädchenentführungen erwartet. Die eigentlichen Strukturen der Akademie blieben für mich und in diesem Buch im Dunkeln.
Die Handlung ist flüssig und gut lesbar geschrieben, hilfreich sind auch die Zeit- und Ortsangaben über den (kurzen) Kapiteln, so dass das Hin- und Herspringen und die wechselnden Protagonisten nicht allzu verwirrend wirken. Ganz klar Kritik gibt es für den Korrekturleser; das geht besser!
Bei der dilettantischen "Entführung" von Izabel und den sich daraus ergebenden Ereignissen vermisse ich an vielen Stellen die Logik. Auch die Auflösung der alten Fälle befriedigt mich nicht.
Und nun zum "Personal": Lüder Jenke, Thorben Bannies, Boris Peters, Axel Griesenbeck, Brigitte Fischer, Mats Berglund, Sebastian Morland, Edda Valby. Viele Namen und wenig Profil. Leider sind die Frauen stutenbissig, unsympathisch und als miese Chefinnen dargestellt. Insbesondere Frau Valby ist unhöflich bis rüde unterwegs und kanzelt ihre Mitarbeiter derart ruppig ab, dass sich aus deren Mordgedanken auch ein eigener Fall hätte entwickeln können.
Fazit: Ein leicht lesbarer Krimi, der seinem Namen nicht ganz alle Ehre macht und Potential verschenkt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere