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Veröffentlicht am 14.10.2023

Leider war das Buch nicht wirklich meins

Stepbrother Dearest
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Für Greta ist es durchaus seltsam, dass plötzlich der Sohn ihres Stiefvaters bei ihnen einzieht, aber sie versucht, das Beste daraus zu machen und Elec mit Freundlichkeit zu begegnen, vor allem, weil ihr ...

Für Greta ist es durchaus seltsam, dass plötzlich der Sohn ihres Stiefvaters bei ihnen einzieht, aber sie versucht, das Beste daraus zu machen und Elec mit Freundlichkeit zu begegnen, vor allem, weil ihr Stiefvater kein gutes Haar an ihm lässt. Doch Elec will Gretas Freundlichkeit nicht, im Gegenteil, er hasst sie aus Prinzip, weil sie die Tochter ihrer Mutter ist und die ja die Ehe seiner Eltern zerstört hat. Er macht Greta immer wieder das Leben zur Hölle, doch da sind auch andere Gefühle zwischen ihnen, Gefühle, die nicht sein dürfen.


Greta mochte ich von Anfang an sehr gern. Sie ist einfach ein normales, nettes Mädchen. Elec dagegen gibt sich die allergrößte Mühe ein unsägliches A… zu sein. Wirklich, er macht Greta das Leben zur Hölle – ich finde sein Verhalten ist eindeutig Mobbing. Immer wieder habe ich ihn dafür echt gehasst.
Man erfährt immer mehr, warum er so ist, wie er ist und dass sein Verhalten zu einem großen Teil nur Fassade ist, hinter der er zu verstecken sucht, wie sehr ihn das Verhalten seines Vaters verletzt. Der scheint Elec regelrecht zu hassen. Er ist echt unglaublich fies, geradezu bösartig ihm gegenüber, will aber auch nicht mit der Sprache herausrücken, warum er sich so benimmt.

Obwohl Elec jeden Grund hat verletzt über das Verhalten seines Vaters zu sein und in Greta vor allem die Tochter der zweiten Frau seines Vaters sieht, der er die Schuld für die Trennung gibt, ist sein Verhalten in meinen Augen dadurch absolut nicht zu rechtfertigen. Davon abgesehen fand ich seine vulgären Witze alles andere als witzig, sondern nur extrem kindisch.

Der zweite Teil der Handlung spielt in der Gegenwart und hier haben beide Protagonisten bei mir teils gewonnen, teils verloren. Elec spielt immer noch gern den A… - weswegen ich mich mehrfach über ihn aufgeregt habe, aber man erfährt auch noch mehr über sein Leben und seine Gründe. Ja, manchmal tat er mir echt leid, aber wirklich warm wurde ich mit ihm trotzdem nicht.
Greta hat bei mir unter anderem deswegen verloren, weil sie als Erwachsene ihn und seine blöden und teils gemeinen Aktionen rückblickend „lustig“ fand. Ich weiß, das soll zeigen, dass sie „erwachsen“ geworden ist, aber ich finde das falsch. Er ist zu weit gegangen und er hat sie damals teilweise echt verletzt. Punkt.
Aber Greta ist leider die Art Protagonistin, die IHM sofort immer alles vergibt, sobald er in ihre Richtung lächelt.


Fazit: Leider war das Buch nicht meins. Ich mochte Elecs Verhalten die allermeiste Zeit des Buches nicht. Das Ende war schön, aber der Rest war mir einfach zu drüber. Greta hat ihm immer viel zu schnell alles vergeben, Elec meist erst gehandelt und dann gedacht und meist war seine Reaktion immer erst mal verbal zuzuschlagen, bevor er über irgendetwas nachgedacht hat.
Die Idee fand ich gut, die Umsetzung aber leider nicht. Mich konnte das Buch nicht wirklich packen. Daher bekommt es von mir 1,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 14.10.2023

Manches mochte ich sehr, anderes hat mich dafür sehr gestört

Selbst in dunkelster Nacht
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Achtung: Band 1 einer Reihe mit Cliffhanger!

Triggerwarnung: Verlust, Trauer, Schuldgefühle, Mobbing.

Liora hat ihre beste Freundin verloren und leidet noch immer darunter. Egal worum es geht, sie fehlt ...

Achtung: Band 1 einer Reihe mit Cliffhanger!

Triggerwarnung: Verlust, Trauer, Schuldgefühle, Mobbing.

Liora hat ihre beste Freundin verloren und leidet noch immer darunter. Egal worum es geht, sie fehlt einfach. Doch Liora gibt sich und das Leben nicht auf. Sie kämpft und findet immer wieder Gründe, das Leben zu lieben. Vor allem wegen der Mutter ihrer besten Freundin, die gleichzeitig ihre Chefin und Zweitmutter ist und die jeden Tag für Liora da ist und ihr mit ihrem Blumenladen ihren Traumjob geschenkt hat.
Kieran ist aus seinem Heimatort geflohen. Er hat alle Brücken abgebrochen und versucht, einfach nur zu vergessen, was passiert ist. Niemand kennt die Wahrheit und dabei soll es auch bleiben. Er will niemanden an sich heranlassen, doch seine neue Arbeitskollegin Liora gibt einfach nicht auf. Dabei weiß Kieran doch, dass er alles andere als gut für sie ist.


Ich mochte den Schreibstil sehr. Ich kam ziemlich schnell in das Buch rein und wurde auch mit den Protagonisten warm – obwohl ich ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen konnte. Allerdings gibt es auch Dinge, die mir weniger gut gefielen.

Ein Problem war für mich Kierans „Geheimnis“. Das halbe Buch ging es darum, nur Andeutungen zu machen, aber bloß nichts Konkretes zu verraten, obwohl schon sehr früh klar war, was in etwa passiert sein musste. Als dann die Auflösung kam und verraten wurde, was es damit wirklich auf sich hat, muss ich sagen, war ich ein bisschen enttäuscht. Ich hatte da so einen richtigen „und DESWEGEN führt er sich so auf?!“-Moment. Ich fand seine Reaktion darauf total übertrieben. Ja, es war schlimm und ich kann verstehen, dass ihn das nicht loslässt, aber bei seiner Reaktion hätte ich gedacht, dass er da deutlich stärker involviert gewesen wäre.

Mein anderes Problem betraf die Handlung bzw. vor allem die Wendung kurz vor Schluss. Auch hier empfand ich Kierans Verhalten, also seine Reaktion auf diese Wendung als extrem übertrieben. Leider nimmt er da einige Klischees mit, die ich persönlich nicht mag.

So einfühlsam und sensibel das Buch auch mit ihrer beider Traumata und Verlusten umging, so toll ich den Umgang mit Lioras Mobbingvergangenheit auch fand, diese zwei Punkte haben mich leider gestört, weil das Buch hier in meinen Augen von seinem Weg abgewichen ist.

Zu Lioras Mobbingvergangenheit muss ich auch noch sagen, dass ein Punkt davon mir auch ein wenig quer gegangen ist. Sie wurde in der Schule wegen ihres Gewichts gemobbt, jetzt ist sie aber deutlich schlanker und es klingt fast, als wäre das nichts gewesen. So ist es aber für viele Menschen mit Übergewicht eben nicht. Abnehmen ist nicht „leicht“ – hier wird aber der Eindruck erweckt, Liora hätte bloß die Entscheidung treffen müssen und schon sei es passiert.


Fazit: Ich habe den Anfang des Buches echt geliebt, es war so sensibel und einfühlsam und einfach schön zu lesen. Ich mochte auch den sensiblen Umgang mit den emotional heftigeren Themen wie Verlust und Mobbing, aber ich habe eben auch Kritikpunkte, die mich persönlich leider schon arg gestört haben.
Zum einen, fand ich Kierans Geheimnis nicht all das Herumgedruckse wert, das darum gemacht wurde. Man ahnt schon relativ bald, was es sein könnte, aber die Auflösung dazu ließ seine Reaktion übertrieben auf mich wirken.
Auch bei der Wendung fand ich seine Reaktion einfach sehr drüber, sehr klischeehaft und unreif. Zu sehr „typisch New Adult“, was auf mich störend gewirkt hat, gerade weil das Buch sonst so toll mit schwierigen Themen und Momenten umging. Aber hier war es mir einfach viel zu viel gewolltes Drama.
Mein dritter Kritikpunkt zielt auf Lioras Veränderung ab, die geschieht, bevor die Handlung überhaupt einsetzt. Sie wurde wegen ihres Übergewichts heftig gemobbt in ihrer Schulzeit, doch jetzt ist sie deutlich schlanker und es wird der Eindruck erweckt, dass sie sich einfach nur dafür entscheiden musste, schlank sein zu wollen, damit das Abnehmen klappt und so funktioniert es einfach für die ganz große Mehrheit nicht. Da schwingt wieder unterschwellig für mich das Vorurteil mit, übergewichtige Menschen seien nur deswegen übergewichtig, weil sie zu faul seien, etwas dagegen zu tun – was einfach nicht stimmt.

Was ich außerdem schade fand war, dass es sich im Rückblick irgendwie nach „zu viel“ angefühlt hat. Beide Protagonisten sammeln gefühlt Traumata und Verluste, als ginge es darum, dass sie sich gegenseitig überbieten. Über die verlorenen Angehörigen und Freunde erfährt man allerdings nur sehr wenig, was ich echt schade fand. Dadurch wirkten diese Verluste irgendwie „leblos“ auf mich.

Wie gesagt, ich mochte das Buch teilweise echt sehr, aber meine Kritikpunkte haben mich halt auch ziemlich gestört, deswegen bekommt das Buch von mir 2,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 26.09.2023

Mir hat es richtig gut gefallen, aber ein kleines bisschen Kritik gibts trotzdem

Ihr zweiter Tod
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Vor vier Jahren veränderte ein Telefonanruf Zachs Leben für immer. Der Footballstar war gerade im Urlaub, als er darüber informiert wurde, dass seine Ex-Frau im Koma lag und er darüber entscheiden sollte, ...

Vor vier Jahren veränderte ein Telefonanruf Zachs Leben für immer. Der Footballstar war gerade im Urlaub, als er darüber informiert wurde, dass seine Ex-Frau im Koma lag und er darüber entscheiden sollte, ob man sie gehen lassen oder am Leben erhalten sollte. Er entschied, die Verantwortung ihren Eltern zu überlassen, die ihn in der Öffentlichkeit fertig gemacht haben. Jetzt, nach all der Zeit muss sich Zach erneut entscheiden, denn die Staatsanwältin Kate will den Mann, der für Rebeccas Zustand verantwortlich ist, erneut vor Gericht stellen, nicht wegen Körperverletzung, sondern wegen Mordes, doch dafür muss Rebecca sterben. Entweder auf natürlichem Wege, wobei niemand weiß, wann das sein wird und die Gefahr besteht, dass sich der reiche Eban bis dahin abgesetzt hat, oder indem man sie gehen lässt. Das allein ist schon eine heftige Situation, doch sie wird noch brisanter, als Eban erfährt, was ihm blühen könnte und er hat keine Lust noch einmal im Knast zu landen …


Das Buch behandelt ein umstrittenes Thema und stellt viele, teils unangenehme Fragen. Die wenigsten von uns setzen sich in jungen Jahren damit auseinander, was mit uns geschehen soll, sollte der Fall eintreten, dass wir mit minimalen Gehirnfunktionen vor uns hinvegetieren. Doch die wenigsten würden sich das wünschen. Das Problem ist, wenn Glaube, Liebe und die persönlichen Wünsche aufeinandertreffen. Darf man jemandem das Leben nehmen unter diesen Umständen, oder wäre das Mord? Darf man es tun, um in letzter Konsequenz für Gerechtigkeit zu sorgen? Und wenn man selbst derjenige ist, der entscheiden soll, wie trifft man so eine Entscheidung? Kann man das überhaupt?

Es stecken viele schwierige Fragen in dem Buch, die allen Beteiligten zu schaffen machen. Brisant wird es dadurch, dass man auch denjenigen kennenlernt und Kapitel aus seiner Sicht liest, der für den vegetativen Zustand von Rebecca verantwortlich ist. Eban zeigt keinerlei Reue, er verspürt keine Schuldgefühle, sondern ärgert sich nur darüber, dass ihm seiner Meinung nach unrecht getan wurde. Man wünscht sich, dass er „richtig“ bestraft wird, man will, dass er für immer im Gefängnis verrottet, vor allem, weil er ja auch nichts daraus gelernt hat. Andere Menschenleben bedeuten ihm nicht das Geringste.

Zachs Leben ging seit diesem einen Anruf den Bach runter – zumindest in bestimmten Bereichen. Seine Footballkarriere ging deswegen zu Ende und er musste einigen Mist von der Presse ertragen, aber ansonsten ist sein Leben ganz okay, bis Kate bei ihm vor der Tür steht und ihn in diesen moralischen Konflikt katapultiert. Zudem ist diese kleine zierliche Frau auch die erste, die ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen will, obwohl er sie auch ein bisschen dafür hasst, dass sie seinen Frieden zerstört hat.

Kate lebt dafür, anderen Gerechtigkeit zu verschaffen, doch in diesem Fall geht es um mehr als das. Aber es ist ein Drahtseilakt und Kate weiß, wie schnell alles zu Bruch gehen kann, wenn sie nur einen falschen Schritt macht, oder Eban davon erfährt, dass sie hinter ihm her ist. Sie darf Zach nicht heiß finden und sie darf sich definitiv nicht vorstellen, wie es wohl wäre, von ihm geküsst zu werden! Trotzdem sind diese Gedanken hartnäckig.


Fazit: Ich fand das Buch viel besser, als die letzten von Sandra Brown. Ich mochte den moralischen Konflikt und die vielen kontroversen Fragen die aufgeworfen wurden. Die menschlichen Abgründe und auch so ein bisschen der erhobene Zeigefinger, sich um diese Dinge selbst rechtzeitig zu kümmern.
Ich mochte Zach und Kate sehr gern, sie waren mir echt sympathisch, obwohl ich stellenweise meine Probleme mit Zach hatte. Ja, es ist eine sehr schwierige Situation für ihn – das kann man sehr gut nachvollziehen, genauso wie, dass Zach einfach nur seine Ruhe will, trotzdem reagiert er gerade am Anfang oft wie ein bockiges Kleinkind mit Wutanfall. Da konnte ich mehrmals nur die Augen über ihn verdrehen.
Kate brennt für ihren Job und ihre damit einhergehende Mission für Gerechtigkeit zu sorgen. Manchmal wirkt sie besonders am Anfang deswegen recht kalt und kalkuliert, aber man merkt schon recht bald, dass sie eigentlich ganz anders ist.
Eban war ein unglaublich egoistisches A… – das wurde direkt klar. Er lebt nur fürs Geldausgeben, das Leben und die körperliche Unversehrtheit anderer ist ihm total egal.

Ja, das Buch war vorhersehbar aber auch gut. Es wurde zum Ende hin sehr spannend und beide Protagonisten wuchsen mir ans Herz. Mit Eban hatte man auch jemanden, den man aus voller Seele hassen konnte. Durch die moralischen Fragen und Konflikte wurde das Buch für mich erst richtig interessant und ich fand es toll, wie das herausgearbeitet wurde.

Von mir bekommt das Buch 4,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 26.09.2023

Sehr glaubwürdig, aber auch sehr heftig

The way I used to be
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Achtung: Band 1 einer Reihe, aber man kann mit dem Ende leben.

Triggerwarnung: Vergewaltigung, Trauma.

Von einem Moment auf den anderen teilt sich Edens Leben in ein Davor und Danach. Ein Davor, in dem ...

Achtung: Band 1 einer Reihe, aber man kann mit dem Ende leben.

Triggerwarnung: Vergewaltigung, Trauma.

Von einem Moment auf den anderen teilt sich Edens Leben in ein Davor und Danach. Ein Davor, in dem sie bloß eine junge Frau war, fast noch ein Kind, langweilig, durchschnittlich, unsichtbar. Und ein Danach, in dem nichts mehr so ist, wie es vorher war und vor allem nicht Eden.
Nichts ist mehr normal, aber für die Welt da draußen hat sich nichts verändert. Niemand sieht, dass sie nicht mehr die Eden ist, die sie gestern noch war, niemand deutet ihr Verhalten richtig und Eden kann das, was geschehen ist, einfach nicht in Worte fassen, zu sehr ist das, was ER ihr in dieser Nacht sagte, in ihren Verstand eingedrungen: „Niemand wird dir glauben“ und „wenn du etwas sagst, bringe ich dich um“.
Eden sagt nichts, sie wird nur eine andere Eden – Eden 2.0.


Was Eden passiert ist, ist schrecklich und grausam und passiert viel zu vielen Mädchen und Frauen auf der Welt. Und doch sind die Gedanken unmittelbar nach der Tat immer dieselben: Warum habe ich es nicht kommen sehen? Warum habe ich es nicht verhindert? Warum habe ich nicht dieses oder jenes getan, dann wäre es nicht passiert. Und wie so oft bei Opfern in Edens Alter, ist der Täter jemand, dem sie vertraute, der ein Teil ihres Lebens, ihrer Welt war, Kevin, der beste Freund ihres großen Bruders und für Eden praktisch ein zweiter großer Bruder. Und das macht es für sie nur noch schwieriger.

Man erlebt an ihrer Seite die unterschiedlichen Stadien der Bewältigung bzw. des Traumas. Zuerst der Schock, dann die Vorwürfe an sich selbst. Warum hat sie nicht die Tür abgeschlossen? Andererseits, warum sollte sie, wenn sie es sonst nie tut? Wie hätte sie es ahnen können oder sollen, dass Kevin ihr das antun wollte? Sie konnte es nicht wissen, sie konnte es nicht verhindern. Aber die Stimme in ihrem Kopf sieht das anders.

Ihr Umfeld bemerkt, dass etwas los ist, findet aber lauter „simple“ Gründe dafür. Ihre Mutter sieht das Blut in ihrem Bett – also muss Eden ihre Tage bekommen haben. Eden will Kevin nicht mehr begegnen, also ist sie eifersüchtig auf ihn – oder noch schlimmer, in ihn verknallt, was auch Kevin als Story in Umlauf bringt. Eden verändert sich, verhält sich anders – sie ist eben ein launischer, schwieriger Teenager. Für alles werden Erklärungen gefunden, niemand kommt auf die Idee, dass etwas geschehen sein könnte und je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es für Eden, selbst noch daran zu glauben, dass ihr etwas passiert ist und nicht sie das Problem ist.

Eden verändert sich auch in ihrer Erzählweise, sie wird distanzierter, kühler, geht mehr auf Abstand zum Leser, wie sie auch auf Abstand zu allen in ihrem Umfeld ging. Verzweifelt versucht sie, mit dem Geschehenen klar zu kommen, durch Verleugnen und Verdrängen und später auch, indem sie versucht, die Kontrolle über ihren Körper zurückzubekommen.


Fazit: Toll dargestelltes Trauma, aber teilweise echt hart zu lesen. Leider bleibt man lange recht auf Distanz zu Eden, wie auch sie sich von ihrem Trauma und allem anderen distanziert. Da wird das toll auf die Erzählweise übertragen, sorgt aber auch dafür, dass man sich schwerer damit tut, bei Eden zu bleiben.
Niemand sieht was mit ihr los ist, alles wird auf die Hormone geschoben oder sie als „schwierig“ oder „Bitch“ abgestempelt. Sie zeigt deutliche Anzeichen aber niemand weiß sie zu deuten. Das finde ich vor allem auch deswegen wichtig, damit man selbst einen Einblick bekommt, welche Verhaltensmuster oder Verhaltensänderungen vielleicht ein Hinweis bzw. Warnzeichen sind. Es passiert so vielen Mädchen, dass sie zu Opfern werden und die meisten von ihnen schweigen darüber aus unterschiedlichen Gründen. Aber wenn das potenzielle Umfeld lernt, worauf es achten kann, vielleicht kann dann dieses Buch nicht nur den Opfern eine Stimme geben, sondern auch das potenzielle Umfeld schulen, worauf es achten kann und sollte, um vielleicht einem betroffenen Mädchen oder einer Frau, die Gelegenheit zu geben, ihr Schweigen zu brechen und wenn es nur für sie ist, damit sie nicht mehr mit diesem Geheimnis leben muss, das ihr durch die Tat eines anderen aufgezwungen wurde.
Das Ende hätte ich persönlich mir mit mehr Ausblick auf die Zukunft gewünscht, aber da ich mittlerweile erfahren habe, dass es ein zweites Buch geben wird, denke ich, wird das deswegen so sein.

Das Buch ist heftig, aber auch richtig gut. Man wird lange auf Distanz gehalten, aber auf mich wirkte das wie ein Stilmittel, um Edens Distanz zu allem und jedem deutlich zu machen. Von mir bekommt es volle 5 Sterne und ich werde definitiv auch Band 2 lesen.

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Veröffentlicht am 26.09.2023

Wie Märchen unsere Sprache beeinflussten - ich fand es total interessant!

Ach, wie gut, dass niemand weiß ...
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„Spieglein, Spieglein an der Wand …“, „Kreide fressen“ oder das „hässliche Entlein“ – unseren Märchen verdanken wir bis heute viele Redewendungen und geflügelte Worte. Man könnte sagen: „Und weil sie nicht ...

„Spieglein, Spieglein an der Wand …“, „Kreide fressen“ oder das „hässliche Entlein“ – unseren Märchen verdanken wir bis heute viele Redewendungen und geflügelte Worte. Man könnte sagen: „Und weil sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.“

Ja, dieses Intro passt, wie die Faust auf’s Auge. Man könnte das Buch aber auch wie folgt beschreiben: Die Wahrheit über „Es war einmal“.

In diesem Buch geht es um unsere Sprache und darum, wie Märchen aller Art sie geprägt haben. Bei manchen Redewendungen wissen wir, dass sie aus Märchen stammen, bzw. uns dank Märchen im Gedächtnis geblieben sind, wie „Spieglein, Spieglein an der Wand …“ oder das „hässliche Entlein“, ebenso „Es war einmal“ – aber es gibt noch zahlreiche mehr, die so tief in unserem Sprachgebrauch verwurzelt sind, dass wir keine Ahnung haben, wo sie eigentlich mal herkamen.

Ich als Lektorin, Buchbloggerin und begeisterte Leserin liebe Sprache. Ich spiele gern mit ihr, haben einen recht großen Wortschatz und liebe alles, was mit Sprache und deren Entwicklung zu tun hat. Daher war für mich klar, dass ich dieses Buch lesen muss.

Rolf-Bernhard Essig klatscht einem hier nicht einfach bloß hin, dass diese oder jene Redewendung aus einem Märchen stammt, er erklärt uns ganz genau wo sie herkommt, wo ihre Wurzeln liegen, wie sie sich vermutlich entwickelt hat.

Ursprünglich hatten Märchen den Zweck Lehren zu vermitteln und Wissen weiterzugeben. Die Märchen, die wir heute aus unserer Kindheit kennen, sind stark zensierte Fassungen, die Originale sind weitaus brutaler und blutiger und zahlreicher. Nicht nur die Gebrüder Grimm haben Märchensammlungen zusammengetragen, auch andere taten dies, allerdings sind ihre Namen heute weitaus weniger bekannt.

Märchen haben heute den Hauptzweck zu unterhalten, aber die erhalten auch einige Worte und Redewendungen, die wir heute so sonst nicht mehr verwenden. Sprache ist lebendig, sie entwickelt sich ständig weiter und genauso wie immer wieder Begriffe hinzukommen, gibt es auch welche, die verloren gehen und von der Realität des Sprachgebrauchs ausgemustert werden.

Heute finden sich in klassischen Fassungen der Märchen, die also nicht dem modernen Sprachgebrauch angepasst wurden, immer noch Redewendungen und Begriffe, die einem so kaum noch im Alltag begegnen. Trotzdem finde ich sie faszinierend, ebenso wie ihre Herkunft. Oder hättet ihr gewusst, dass die berühmteste Märcheneinleitung „Es war einmal“ eigentlich gar nicht so oft im Original vorkam, wie sie es heute tut? Heute fängt gefühlt jedes Märchen mit dieser Einleitung an, bei den Grimmschen Hausmärchen nur ein Viertel. Dennoch hat sie sich uns allen als DIE Einleitungsformulierung für Märchen eingeprägt.


Fazit: Ich fand das Buch unheimlich interessant. Ich liebe Sprache und finde es so spannend, wie sie sich entwickelt hat. Gerade in diesem Zusammenhang gab es einige Überraschungen. Bei manchen Redewendungen wissen wir, dass sie mit Märchen in Verbindung stehen, aber es gab hier zahlreiche, bei denen mir das nicht klar war, oder auch wie sehr Märchen die Bedeutung eines Begriffes prägen können.

Ich fand das Buch sehr gut und übersichtlich aufgebaut, die Informationen keineswegs langweilig oder trocken formuliert. Ich habe die Lektüre echt genossen und möchte das Buch jedem ans Herz legen, der sich für Sprache oder Märchen interessiert.

Von mir bekommt es volle 5 Sterne.

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