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Veröffentlicht am 30.11.2020

In diesem Buch steckt so viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde

Only One Song
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Achtung: Triggerwarnung (leider kann ich nicht konkret werden sonst wäre der zentralste Punkt verraten) und Warnung für Tierliebhaber, in diesem Buch wird das Einschläfern von Tieren „gezeigt“!

Theo hat ...

Achtung: Triggerwarnung (leider kann ich nicht konkret werden sonst wäre der zentralste Punkt verraten) und Warnung für Tierliebhaber, in diesem Buch wird das Einschläfern von Tieren „gezeigt“!

Theo hat zwei Jobs, sie arbeitet in einer Tierklinik und abends in einer Bar. Dort lernt sie eines Abends Winston kennen, den sie nur Instagram nennt. Sie hält ihn für die Aushilfskraft, dabei ist er der Schlagzeuger und Songwriter der Band, die an diesem Abend auftritt. Es funkt gewaltig zwischen den beiden, doch können sie ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe unter einen Hut kriegen oder ist ihre Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt?


Eigentlich hatte ich ein ganz anderes Buch erwartet. Ein New Adult Roman, süß, romantisch, ab und an auch etwas leidenschaftlich und vielleicht noch mit einem Plädoyer für Tierliebe. Aber in diesem Buch steckt sehr viel mehr.

Natürlich geht es um Theo und Winston und darum, wie zwei komplett unterschiedliche Menschen versuchen aus gegensätzlichen Leben irgendwie ein gemeinsames zu formen. Wobei nicht nur ihre Persönlichkeiten und ihre Jobs und Zukunftspläne für Schwierigkeiten sorgen, sondern auch Verletzungen und Probleme, von denen sie gar nicht wissen, dass sie ihr Leben und ihre Entscheidungen beeinflussen.
Mehrmals hätte das Buch Situationen klischeehaft lösen können, hat es aber zum Glück nicht.

Was ich am allerbesten fand, kann ich leider nicht sagen, weil ich sonst spoilern würde. Ich hatte irgendwie diese Sache schon deutlich früher im Kopf, bevor sie angedeutet oder angesprochen wurde, keine Ahnung warum, weil eigentlich nichts darauf hingedeutet hat. Ich fand dieses traumatische Ereignis sehr gut umgesetzt, vor allem aber auf menschlicher Ebene. Anne Goldberg hat ihre Protagonisten unter Schock stehen lassen, anstatt aus ihnen Superhelden zu machen, sie hat sie traumatisiert sein lassen, anstatt sofort darüber hinwegzukommen. Es gibt einfach Ereignisse, die man nicht einfach so hinter sich lässt, die Narben hinterlassen und die man vielleicht nie ganz los wird. Genau darum geht es. Aber auch darum, dass es nichts bringt sich deswegen zu verkriechen. Man muss versuchen sich irgendwie sein Leben zurückzuerobern, aber es dauert und es geht nicht so schnell, wie einen das Fernsehen und auch einige Bücher gern glauben machen wollen. Ich fand es wirklich super, wie einfühlsam das Thema behandelt wurde und die Folgen. Vor allem der Fokus war toll gewählt.

Abgesehen von diesem riesigen Pluspunkt hat mir auch der Umgang mit den Tieren sehr gut gefallen. Wie wichtig sie für beide Protagonisten waren, wie engagiert vor allem Theo stets war und dass es eben Lebewesen sind, kein Spielzeug und nichts, das man einfach wegwirft nur weil es nicht perfekt ist. Ebenso wurde deutlich, dass kein Tier „verloren“ ist, nur weil es traumatisiert ist. Dass Tieren ebenso geholfen werden kann wie Menschen, indem man das Problem angeht.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings. Ab und an hat mich das Buch zwischendrin mal verloren. Ich weiß nicht, wie das genau zu Stande kam, nur dass es so war. Meistens eher bei den ruhigeren Passagen mit Theos Großeltern, wobei ich das an sich echt toll fand, wie das Verhältnis zwischen Theo und ihnen war und wie das Thema Altersdemenz/Alzheimer behandelt wurde. Ich weiß wie gesagt nicht, warum ich da immer wieder etwas abgedriftet bin, aber es war wirklich nicht viel und auch nicht lang.


Fazit: Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Allerdings hatte ich wirklich ein ganz anderes Buch erwartet. Ich hatte mit einem „typischen“ New Adult Roman gerechnet, süß, romantisch, leidenschaftlich, etc. niemals hätte ich am Anfang damit gerechnet, das so viel mehr in diesem Buch steckt. Es behandelt ein Trigger-Thema aber was ich besonders toll fand war der Umgang mit dem Trauma, wie einfühlsam das geschah und vor allem, dass eben nicht alles über Nacht wieder gut ist – ich übertreibe ein wenig – sondern, dass die Protagonisten „normale“ Menschen sind und es eben Zeit braucht, um das zu verarbeiten.

Zwischendrin hat es mich ab und an verloren, obwohl ich nicht wirklich festmachen kann, woran es gelegen hat. Allerdings immer nur kurz.

Von mir bekommt das Buch 4,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 24.11.2020

Genauso gut, wie Band 1, aber ein mega fieser Cliffhanger!

Cassardim 2: Jenseits der Schwarzen Treppe
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Achtung: Band 2 einer Reihe mit richtig fiesem Cliffhanger!

Amaia und Noar haben scheinbar den Kampf gegen den Kaiser gewonnen und Amaias Vater befreit. Doch ist er Freund oder Feind? Und was ist mit ...

Achtung: Band 2 einer Reihe mit richtig fiesem Cliffhanger!

Amaia und Noar haben scheinbar den Kampf gegen den Kaiser gewonnen und Amaias Vater befreit. Doch ist er Freund oder Feind? Und was ist mit Noars Familie? Wird Amaia im Schattenreich überleben? Von Feinden umzingelt haben die beiden nur einander und ihre treuen Verbündeten. Doch um Amaia zu beschützen müssen sie und Noar den anderen eine Show gegenseitiger Abneigung bieten. Ist ihre Liebe stark genug oder ist sie der Preis, den sie für Amaias Überleben bezahlen müssen?


Band 2 der Cassardim-Reihe steht Band 1 in nichts nach. Das Buch packt einen von Seite 1 an und lässt einen einfach nicht mehr los. Ich konnte es nur unter Zwang beiseitelegen.

Amaia und Noar müssen wieder diversen Gefahren ins Auge blicken. Nicht nur gefährliche Kreaturen, Intrigante und offen feindselige Cassarden machen ihnen das Leben schwer, auch ihre Familien sind eine tödliche Gefahr.
Und als wäre das nicht schon schlimm genug muss Noar ständig fürchten, dass die Maske, die er der Welt zeigt, all die Lügen und Gemeinheiten Amaias Liebe für ihn zerstören könnten. Dabei ist Amaia alles für ihn, oder ist seine Liebe letztlich doch nur gespielt?

Die beiden, vor allem aber Noar haben mir so oft das Herz gebrochen! Er tut mir so schrecklich leid! Man spürt wie tief seine Liebe ist und wie sehr ihn die Angst beherrscht, Amaia zu verlieren. Dann passiert wieder etwas, ein Geheimnis wird gelüftet und schon fragt man sich wieder, ob man nicht naiv ist an ihn und seine Liebe zu glauben. Man schwankt hin und her und man merkt einfach, wie schwer das auch für Amaia sein muss. Ich meine, wenn man als Leser schon manchmal zweifelt, was soll dann Amaia tun, wenn sie doch mittendrin steckt.

Mein Liebling in diesem Buch ist aber ein anderer – auch wenn ich mich Noar sofort an den Hals werfen würde! – nämlich ein kleines Tierchen namens Flummel. Er ist so unbeschreiblich niedlich und süß und ich will auch einen!
Jaaaaa, Nox ist mega cool – und so viel verrate ich: in diesem Band treffen wir auch auf Baby-Shendais! – aber Flummel ist so putzig und niedlich und lieb, da kann man einfach nicht anders als ihn anzuschmachten.

Jetzt zur Kritik: – ich hab keine. Ihr wisst, wie selten das ist! Gut, der Cliffhanger ist mega fies, passt aber perfekt zum Buch. Ich jedenfalls kann Band 3 schon jetzt nicht mehr erwarten! Und jetzt kommt die schlechte Nachricht: wir müssen noch 1 Jahr warten! Bis November 2021, zumindest, wenn alles nach Plan läuft… Ich hoffe wirklich das klappt! Ich MUSS Band 3 einfach ganz bald lesen!

Ihr wisst, ich habe immer wieder so meine Probleme mit Fantasy, mittlerweile achte ich auch darauf High Fantasy aus dem Weg zu gehen. Cassardim ist für mich eine Mischung aus Urban und High Fantasy. Aber der Grund, warum ich Cassardim liebe, während ich mit vielen anderen Fantasy Büchern Probleme habe ist die Art, wie Julia Dippel ihre Welt erklärt. Da Amaia eine Fremde in dieser Welt ist, hat sie keine Ahnung und indem ihr alles erklärt wird, lernen wir mit ihr. Aber auch hier unterscheidet sich das Buch von einigen anderen, indem es langsam geht. Man wird nicht mit seitenlangen Infos bombardiert und muss sich das alles schnellstmöglich einprägen, sondern es gibt Stück für Stück immer wieder mal eine Erklärung und dazwischen hat man Zeit das alles zu verarbeiten. Mich hat Cassardim zu keinem Zeitpunkt abgehängt oder überfordert.

Fazit: Ich liebe das Buch! Es steht Band 1 wirklich in nichts nach. Ich liebe die Charaktere, die Wesen, die Art zu erzählen und die Handlung selbst. Für mich ist Band 2 wieder ein Highlight des Jahres und ich kann Band 3 schon jetzt kaum erwarten! Aber Achtung: es gibt einen echt fiesen Cliffhanger! Ihr braucht also starke Nerven.

Von mir ganz klar: 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 23.11.2020

Leider ist in meinen Augen nur der letzte Teil wirklich richtig gut

Das Gerücht
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Eigentlich ist Joanna zufrieden mit ihrem Leben. Sie hat einen Job, ein Dach über dem Kopf, einen besten Freund und einen wundervollen Sohn. Sie ist erst vor kurzem wieder in ihr Heimatdorf gezogen, nachdem ...

Eigentlich ist Joanna zufrieden mit ihrem Leben. Sie hat einen Job, ein Dach über dem Kopf, einen besten Freund und einen wundervollen Sohn. Sie ist erst vor kurzem wieder in ihr Heimatdorf gezogen, nachdem ihr Sohn in seiner Londoner Schule wegen seiner Hautfarbe gemobbt worden war. Es sollte ein Neuanfang werden. Doch damit ist es bald vorbei, als Joanna ein Gerücht erfährt, dass sie seitdem nicht mehr los lässt: in ihrem Dorf soll die berüchtigte Kindermörderin Sally McGowan leben! Als 10-jährige hatte sie einen erst fünf Jahre alten Jungen ermordet. Kaltblütig. Und diese Frau lebte unter falschem Namen in ihrem Dorf! Wer könnte es wohl sein? Joanna verdächtigt bald beinahe jede Frau, die ihr begegnet. Doch nicht nur das, sie trägt das Gerücht auch versehentlich weiter und bald darauf verwandelt es sich in eine Lawine, die alles mit sich reißt.


Ich fand die Idee faszinierend, zu erleben, wie ein Gerücht entsteht und verbreitet wird und dadurch ein kleines Dorf ordentlich durchgerüttelt wird. Doch insgesamt konnte mich das Buch leider nicht überzeugen. Es hat mich weder gefesselt noch konnte es bei mir Spannung erzeugen. Aber der letzte Teil des Buches hat mir deutlich besser gefallen, wie der ganze Rest.

Joanna war mir nicht unsympathisch, aber auch nicht wirklich sympathisch. Irgendwie fand ich keinen rechten Zugang zu ihr.

Was mir sehr gut gefallen hat, waren die vereinzelten Seiten in kursiver Schrift, die die Gedankengänge von Sally McGowan zeigen. Diese Angst, entdeckt zu werden, die Paranoia und die Frage, ob es nicht leichter wäre, einfach aufzugeben. Sie weiß, wie Gerüchte funktionieren und dass sie tödlich enden können, die Frage ist nur, ob das hier auch der Fall sein wird.

Sehr schnell wird nicht nur das Gerücht verbreitet, Sally McGowan lebe in dem kleinen Ort, sondern es kursieren auch erste Theorien wer es sein könnte. Das eskaliert schon bald und immer mehr Gerüchte über immer mehr Einwohner machen die Runde.

Ich fand das Buch teilweise etwas sehr konstruiert und einiges wirkte auf mich unglaubwürdig. So zum Beispiel die Tatsache, dass Joannas Sohn in seiner Londoner Schule gemobbt worden war, wegen seiner dunklen Hautfarbe. Gerade London ist doch so Multi-Kulti, da sollte es doch normal sein jede Menge Kinder verschiedenster Hautfarbe in einer Klasse zu haben? Ich hätte da eher im Dorf Mobbing erwartet. Oder, dass Joannas Freund ausgerechnet Journalist ist. Es sind teilweise einfach zu viele „Zufälle“.

Der letzte Teil des Buches hat mir deutlich besser gefallen, als der ganze Rest. Die Enthüllung und das, was darauf folgte war sehr interessant, vor allem aber das letzte Kursive, das ist heftig und stimmte mich doch noch versöhnlich mit dem Buch.


Fazit: Ich bin lange nicht wirklich mit dem Buch warm geworden. Mir waren es zu viele „Zufälle“ und manches wirkte auf mich etwas unglaubwürdig. Was toll gezeigt wurde war, wie Gerüchte die Runde machen und was für Folgen das haben kann. Bis kurz vor Schluss kam bei mir keine Spannung auf, erst der letzte Teil war in meinen Augen so richtig gut. Der hat mir wirklich gefallen. Es lohnt sich also dran zu bleiben und das Buch bis zum Ende zu lesen. Es zeigt, dass Gerüchte eine zerstörerische Kraft haben, ebenso, wie Geheimnisse, der Wunsch nach Rache, die Wahrheit und vor allem, dass es mehrere Varianten der Wahrheit geben kann und was für Auswirkungen das haben kann.

Von mir bekommt das Buch, dank des wirklich guten letzten Teils 2 Sterne.

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Veröffentlicht am 23.11.2020

Eher für Halloween geeignet, als für den Valentinstag, aber richtig gut!

Daddy, Be Mine
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Achtung: Splatter-Film in Buchform und wirklich sehr blutig!

Bailey ist verdammt gut in ihrem Job. Auch wenn sie weiß, dass Trash zu produzieren nicht gerade die Welt rettet, es zahlt ihre Rechnungen. ...

Achtung: Splatter-Film in Buchform und wirklich sehr blutig!

Bailey ist verdammt gut in ihrem Job. Auch wenn sie weiß, dass Trash zu produzieren nicht gerade die Welt rettet, es zahlt ihre Rechnungen. Ihr aktuelles Projekt: Eine Datingsendung. Auf einer Insel werden die Kandidatinnen versuchen bei einem Junggesellen zu landen – Daddy. Bailey hat zwar selbst keine Erfahrungen mit dem Daddy-Kink, aber er ist aktuell in Mode, also warum nicht?
Tja dumm nur, dass „Daddy“ keine Ahnung hat, was für eine Rolle er spielen soll, es zwischen ihm und Bailey heftig funkt, was absolut gegen die Regeln verstößt und ein Massenmörder versucht während eines Sturms alle Menschen auf der Insel zu ermorden.
Happy Valentine‘s Day!


Okay, man mag ja vom Valentinstag halten was man will, aber: ein Massenmord an einem Fernsehteam plus Einheimischen am Valentinstag? Das ist schon ziemlich krass – selbst wenn man diesen Tag hassen sollte.
Aber genau das passiert hier.

Ich finde es echt klasse, wie man zuerst in Sicherheit gewogen wird und dann plötzlich die Morde beginnen. Es geht wirklich Schlag auf Schlag, man hat keine Sekunde Zeit zum Luftholen. Das Buch ist wirklich eine Mischung aus (Erotik-)Roman und Horrorfilm.
Mich persönlich hat es von der Stimmung her, nicht von der Handlung, an die Serie „Harper’s Island“ erinnert. Der Mörder ist auch hier ziemlich brutal, listig und einfach gemein. Er ist verdammt gut vorbereitet und seine Opfer total überfordert. Aber ganz ehrlich: wer rechnet schon damit?

Ja, es klingt total nach Klischee, aber das ist es wirklich nicht! Es ist spannend – sogar sehr spannend! – überraschend, blutig, heftig, witzig, gruselig, heiß und noch so einiges mehr. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen!

Bailey und Nash – wie Daddy eigentlich heißt – sind sehr sympathisch, auch wenn man nur wenig über sie erfährt. Aber sie führen einen gut durch die Geschichte, man erlebt mit ihnen die Angst, die Hilflosigkeit, den Schock und die Panik. Der Täter scheint haushoch überlegen. Aber wie hat er das in den wenigen Stunden geschafft, die er vor Einbruch der Dunkelheit zur Verfügung hatte, geschafft? Wie schafft er es scheinbar überall gleichzeitig zu sein?


Fazit: Ich fand das Buch richtig gut und richtig spannend. Es war mal wieder etwas ganz anderes! Klar es ist sehr blutig und auch manchmal eklig, aber die jeweiligen Szenen sind sehr kurze Momentaufnahmen und dadurch nicht ganz so heftig, wie wenn absätzeweise alles en detail beschrieben worden wäre.
Das Buch ist einfach ein Splatter-Film, ein Horrorfilm, in Buchform. Es ist sehr, sehr schnell, es gibt einen Haufen Leichen, die alle ziemlich blutig ums Leben kommen, ein Geheimnis, diverse Schockmomente und die ein oder andere Überraschung.

Mir hat das Buch wirklich richtig gut gefallen. Von mir bekommt es 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 22.11.2020

Die tragische Geschichte einer Frau, die live dabei war, als Geschichte geschrieben wurde

Teatime mit Lilibet
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Marion ist eine ganz normale Frau. Sie wuchs in einem normalen Haushalt auf, weder besonders privilegiert, noch arm. Ihr großer Traum ist es, eines Tages Lehrerin in den Slums von Edinburgh zu werden. ...

Marion ist eine ganz normale Frau. Sie wuchs in einem normalen Haushalt auf, weder besonders privilegiert, noch arm. Ihr großer Traum ist es, eines Tages Lehrerin in den Slums von Edinburgh zu werden. Doch das Leben meint es anders mit ihr und so wird sie die Gouvernante der Prinzessinnen Elizabeth und Margaret. Für die junge Schottin ist das Leben im Palast ein Kulturschock. Doch sie nimmt die Herausforderung an und macht es sich zur Aufgabe den Prinzessinnen neben dem üblichen Unterrichtsstoff auch etwas über das „normale“ Leben beizubringen, das Leben, von dem sie hinter ihren Palastmauern nicht die geringste Ahnung haben. Aber das ist alles andere als erwünscht und dann überstürzen sich die historischen Ereignisse auch noch.


Eine kleine Anmerkung vorneweg. Das Buch ist relativ dick, was mich nicht stört. Was ich dafür als störend empfunden habe war die sehr kleine Schrifttype. Mir war die Schrift ein bisschen zu klein, um noch als angenehm empfunden zu werden. Vielleicht geht es damit nur mir so, aber mich hat es etwas gestört, weil ich dadurch relativ leicht verrutscht bin beim lesen.


Ich finde es faszinierend die Romanbiografie einer Frau zu lesen, die dabei war, als ein Stück neuerer britischer Geschichte geschrieben wurde. Die Autorin füllt dabei, wie sie selbst im Nachwort erklärt, die Lücken der Quellenlage auf, wodurch sie ein umfassendes Bild zu zeichnen hofft.
Man merkt immer wieder, wie Marion aus allen Wolken fällt. Das Leben der Royals ist so weit weg von ihrem eigenen und auch die Hierarchie innerhalb der Dienerschaft überrascht die junge Frau.
Als Gouvernante gehört sie nirgendwo dazu, doch sie sitzt in der ersten Reihe, als Geschichte geschrieben wird. Wie aus der kleinen Prinzessin Elizabeth, Tochter des Duke of York plötzlich die zukünftige Königin wird.

Doch es geht nicht nur um Geschichte, sondern auch um eine junge Frau, die ihr Leben einer Aufgabe widmet, die sie nie haben wollte. Ihr Leben nimmt eine komplett andere Richtung und das wirbelt alles durcheinander. Hinzu kommt noch ihr Privatleben, das ein einziges Chaos ist – dank ihres lausigen Männergeschmacks.
Marion versteht sich als aufgeklärte, selbstständige, moderne Frau, doch sie sieht in Männern immer nur das, was sie sehen will und das sorgt für Probleme.

Das Buch zeigt, wie weltfremd die Royals damals gelebt haben. Was ihnen wichtig und unwichtig war und wie komplett gegensätzlich die Prioritäten waren. Man lernt durch Marion die Royals persönlich kennen, die Menschen hinter den Titeln. So sieht Marion in Wallis Simpson nicht das, was alle Welt in ihr sieht, sondern eine gefangene Frau.

Marions Geschichte – und die damit auch die Romanbiografie weicht in einigen Bereichen von dem ab, was man bislang zu wissen glaubte. Das macht sie interessant, wirft aber auch wieder die Frage danach auf, wie viel von dem, was man hier liest wahr ist.


Fazit: Das Problem an einer Romanbiografie ist für mich, dass man nicht weiß, welche Teile „verbrieft“ sind und welche nur der Fantasie der Autorin entspringen. Das macht es einem schwer, alles was man liest zu „glauben“. Man weiß einfach nicht, was davon wirklich so passiert ist.
Aber selbst wenn man das nicht mit Sicherheit sagen kann, ist das Buch auf jeden Fall sehr interessant.

Ich fand es allerdings schade, dass das gesamte Buch über so eine gewisse Melancholie über allem lag. Ich weiß nicht genau weswegen, aber man spürt irgendwie den ständigen Druck, den Zwang, der auch auf die Royals ausgeübt wurde. Man hatte zu funktionieren und ein gewisses Bild nach außen zu tragen. Vielleicht ist es das, ich bin mir da nicht ganz sicher.

Zudem hat das Buch einige Längen und verliert sich manchmal in der seitenweisen Schilderung von Nichtigkeiten.

Es ist interessant über das Leben der Frau zu lesen, die so viele Jahre an der Seite der späteren Queen stand und später in Ungnade gefallen war. Doch letztlich bleibt eine zentrale Frage unbeantwortet: wie viel von dem, was in der Romanbiografie behauptet wird, entspricht der Wahrheit? Besonders in Bezug auf den Grund wegen dem Marion letztlich in Ungnade fiel.

Von mir bekommt das Buch 3,5 Sterne.

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