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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.05.2019

Ich garantiere die Sucht nach Hartmann

Blondes Gift
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Privatdetektiv Christian Hartmann aus Düsseldorf langt dieses Mal dermaßen in den Dreck, dass man beinahe glauben möchte, da kommt er nicht wieder raus. Aber Hartmann wäre nicht Hartmann, wenn er nicht ...

Privatdetektiv Christian Hartmann aus Düsseldorf langt dieses Mal dermaßen in den Dreck, dass man beinahe glauben möchte, da kommt er nicht wieder raus. Aber Hartmann wäre nicht Hartmann, wenn er nicht im letzten Moment die Kurve kriegen würde. Das geht jedoch nicht ohne blaue Augen und angeknackste Rippen. Doch wie kam es dazu?

Hartmann soll für einen alten Kumpel einspringen, um dessen Blind-Date wahrzunehmen. Dieser Kumpel will seine Frau betrügen, doch die hat was spitzgekriegt. Deshalb bittet er Hartmann, den Termin wahrzunehmen. Mit zwei Tageshonoraren ist er dabei. Hartmann denkt: Das ist schnell gemachtes Geld. Ja. Nee. Ist schon klar 'ne? Hartmann verknallt sich beim Date mit Jenny alias Blondes Gift im Zug von Münster nach Paderborn total. Doch bevor er mit seiner Beziehung zu Jenny so richtig durchstarten kann, ist Jenny verschwunden. Spurlos. Und dann …

Weiter möchte ich hier nicht vom Inhalt schreiben. Der Krimi-Cop aus Düsseldorf lässt seinen Helden in gewohnter Weise mit humorvoller Sprache alles das machen, was sonst nur Magnum machen darf. Mit der schnoddrigen Sprache wirft er den Lesern Sätze an den Kopf, dass dessen Zwerchfell dermaßen durchgerüttelt wird und ihm Tränen in den Augen stehen. Dabei kommt die Spannung nie zu kurz. Das kommt aber auch daher, dass Hartmann alles selbst klären will, ohne die Polizeikumpels einzuweihen. Als Leser kneift man nur ein Auge zu und denkt: Das kann nicht gut gehen.

Was neben den Dialogen, die zu fast 90% den Roman ausmachen, ebenfalls gefällt, ist das Figurenensemble. Wer Stickelbroeck vorhergehende Krimis kennt, trifft alte Bekannte wieder. Wer mit diesem Krimi in die Welt um Christian Hartmann einsteigt, wird aber keinerlei Verständnisprobleme haben. Man lernt alle Figuren so kennen, dass man jeden noch so zweideutigen Witz verstehen kann. Und ich garantiere demjenigen, der mit „Blondes Gift" anfängt, dass er anschließend zu den Vorgängern greift.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 03.05.2019

Conrad hat einen unterhaltsamen und spannenden Roman geschrieben

Letzte Spur Algarve
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Die deutsche Journalistin Anabela Silva hat es an die Algarve gezogen. Sie lebt nun im Dorf ihre Eltern. Schnell ist der Leser im Stoff und ermittelt wie die Protagonisten in zwei verschiedenen Fällen, ...

Die deutsche Journalistin Anabela Silva hat es an die Algarve gezogen. Sie lebt nun im Dorf ihre Eltern. Schnell ist der Leser im Stoff und ermittelt wie die Protagonisten in zwei verschiedenen Fällen, wo bei einer gar kein richtiger Kriminalfälle ist. Eine Tierschützerin wird tot im Stall Ihres Pferdes gefunden. Offenbar wurde sie von ihrem Pferd zu Tode getrampelt. Doch schnell kommen dem portugiesischen Kommissar Zweifel. Deshalb bittet er Anabela um einen Gefallen: Sie soll für ihn undercover im Tierheim schnüffeln.

Der zweite Strang ist die Suche nach der Spur eines Cousins Anabelas, der als Kind verschwunden war. In der Familie hieß es, er wäre tot. Hartnäckig macht sie sich auf die Spurensuche. Und, ach ja, der Kommissar ist ihr noch etwas schuldig. Da hilft er ihr gerne.

Conrad hat einen unterhaltsamen und spannenden Roman geschrieben, der in einer Urlaubsregion spielt, die für Deutsche immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die beiden Stränge sind gut miteinander verflochten und geben noch Raum für eine romantische Geschichte zwischen der Journalistin und dem Kommissar. Genügend Stoff, um an der Geschichte dran zu bleiben.

Angenehm und total unkompliziert sind die Perspektivwechsel und die unterschiedlichen Erzählerstimmen. Einerseits erzählt die Journalistin über das, was ihr passiert. Da ist der Leser ganz nah dran. Die Geschehnisse um die polizeilichen Ermittlungen, an denen sie nicht selbst zugegen ist, werden in der dritten Person von einem auktorialen Erzähler geschildert. Auf diese Weise erfährt der Leser, was unter Umständen zur gleichen Zeit geschieht, obwohl an verschiedenen Orten handelt.

Gerne empfehle ich diesen Krimi für alle, die nach einem spannenden und schnörkellosen Krimi schauen, der zudem in Regionen außerhalb Deutschlands führt.

Veröffentlicht am 23.04.2019

entlegener Landstrich am Rande Deutschlands

Spreewaldwölfe (Ein-Fall-für-Klaudia-Wagner 4)
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Mittels dieses Kriminalromans führt die Autorin in einen entlegenen Landstrich am Rande Deutschlands, der durch seine Landschaft unvergleichbar ist. Thematische Grundlage bilden die bereits im Titel genannten ...

Mittels dieses Kriminalromans führt die Autorin in einen entlegenen Landstrich am Rande Deutschlands, der durch seine Landschaft unvergleichbar ist. Thematische Grundlage bilden die bereits im Titel genannten und nach Mitteleuropa zurückgekehrten Wölfe. Seitdem diese Tiere wieder durch die deutschen Landen ziehen, sind Bauern aufgebracht und bangen um ihre Existenz. Schäfer und Tierschützer gehen nicht mehr freundlich miteinander um. Hitzig wird es, als ein Junge tot auf einer Weide gefunden wird. Die Leiche ist kaum erkennbar, Bisswunden haben sie extrem zugerichtet. Bleibt die Frage, ob der Junge an diesen Bissen starb oder ob sich ein Wolf lediglich am „Aas" bedient hat. Während die Schäfer behaupten, dass ein Wolf der Killer war, beginnt Polizeiobermeisterin Klaudia Wagner daran zu zweifeln. Je weiter man beim Lesen voranschreitet, umso unwahrscheinlicher wird ist, dass es sich um einen Unfall gehandelt haben kann.

Zunächst einmal hat mich dieser Krimi durch seine Szenerie in den Bann gezogen. Dörflich, kleinstädtisch, jeder kennt jeden, aber doch nicht wirklich. Und über andere wird eh nicht freizügig erzählt, besser man hält den Mund. Die Spannung im Kriminalfall hält sich zu Beginn etwas zurück, zieht dann aber ab Mitte des Romans gehörig an und lässt den Leser am Ende das Buch nicht aus der Hand legen. Er kann sich auf einige Überraschungen gefasst machen.

Was mich anfangs etwas zurückgehalten hat, voller Begeisterung in das Geschehen einzutauchen, waren die vielen Figuren. Eindeutig zu viel Personal für einen Kriminalroman. Auch wenn dieses nicht der erste Spreewaldroman der Autorin ist, muss ich als Leser nicht von jeder Figur die Vorgeschichte kennen, zumal diese rein gar nichts mit der aktuellen Handlung zu tun hat. Und die vielen Freunde, Bekannte und Randfiguren hätten nicht unbedingt einen Namen gebraucht. Bis man die Spreu vom Weizen getrennt hatte und wusste, auf wen man sich konzentrieren sollte, war das Figurenensemble verwirrend.

Dennoch bleibt „Spreewaldwölfe" für mich ein lesenswerter und empfehlenswerter Roman, dem ich ohne Zögern gute vier Sterne geben kann.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 07.04.2019

Freches Mundwerk, aber Sensibelchen in der Seele: Fiona Griffith

Fiona: Wo die Toten leben
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In der letzten Woche habe ich die Bekanntschaft mit der wohl sympathischsten Ermittlerin der letzten zehn Jahre gemacht. Ich kannte Detective Sergeant Fiona Griffith bislang noch nicht. Doch ich wurde ...

In der letzten Woche habe ich die Bekanntschaft mit der wohl sympathischsten Ermittlerin der letzten zehn Jahre gemacht. Ich kannte Detective Sergeant Fiona Griffith bislang noch nicht. Doch ich wurde überaus positiv überrascht. Dabei verblasst beinahe hinter dieser ungewöhnlichen und jungen Ermittlerin, die man einfach lieben muss, der Schöpfer von ihr: Harry Bingham. Seine Figur überstrahlt alles.

Zur Handlung möchte ich gar nicht viel sagen: In einer kleinen Kirche in Wales wird die Leiche eines jungen Mädchens, aufgebahrt und zur Totenmesse gekleidet, gefunden. Doch sie ist nicht eines unnatürlichen Todes gestorben. Es gibt keine Vergewaltigungs- oder Gewaltspuren. Und dennoch spürt Fiona, die die Leiche eine ganze Nacht lang bewacht, dass es einen Zusammenhang zu einem Verbrechen gibt.

Doch was macht Fiona zu einer so besonderen Figur? Nicht nur die Tatsache, dass sie an einer Krankheit leidet, bei der sie sich selbst als eine Leiche fühlt. Es ist vielmehr zunächst das frische und freche Mundwerk, mit dem Fiona ihre Geschichte erzählt. Und ja, das ist schon die zweite Besonderheit: Sie ist Polizistin und erzählt in der ersten Person im Präsens. Diese Erzählperspektive ist nicht jedem Schriftsteller gegeben, sie erfordert ein besonderes Geschick. Davon abgesehen, dass der Ich-Erzähler in Kriminalromanen eigentlich den Privatdetektiven vorbehalten ist. Doch Fiona ist Polizistin. Sie erzählt in abgehackten, nicht vollendeten Sätzen. Ein bis zwei Worte reichen manchmal aus, um als Leser zu wissen, was sie denkt, was sie meint. Außerdem hat sie ihre Karriere in der Polizei eigentlich noch vor sich, verspürt aber keinerlei Ambitionen zu Höherem. Dafür möchte Fiona immer nur eines: ihren Willen durchsetzen. Höchst amüsant wirken deshalb ihre Gespräche mit den Vorgesetzten, denen sie einerseits schmeichelt und dem Leser bei jedem „Jawohl, Sir!" mitteilt, was sie dabei denkt. Bei so manchem Gesagten „Jawohl, Sir!" scheint sie hinter ihrem Rücken den Mittelfinger einer Hand hoch zu strecken. Doch die Besonderheiten dieser Figur nehmen damit noch kein Ende. Gegen ihren Vater, der tatsächlich ein Verbrecher ist, hat sie ermittelt. Außerdem ist sie die Freundin der Tochter eines Mörders, den sie ins Gefängnis gebracht hat. Und sie verspricht dem Vater eines verschwundenen Mädchens, dass sie ihm seine Tochter zurück bringen will. Genau genommen nicht, dass sie das Mädchen zurück bringt, wohl aber dass sie es versuchen wird. Dafür organisiert sie eine Putzkolonne für den depressiven Vater, damit dessen Haus wieder einladend aussieht. Und sie organisiert auch eine inneneinrichterin für ihn.

Man muss beim Lesen des Romans nun aber nicht vor lauter Ermittlungsarbeit in Rätselraten verfallen. Es gibt genügend Action und turbulente Szenen, in denen sich Fiona wegen ihrer Dickköpfigkeit in Gefahr begibt. Dadurch bekommt sie hinreichend Gelegenheit, ihre Schlagkraft und Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich nicht verstehe, warum Harry Bingham mit seiner Fiona-Reihe bislang an mir vorbei gegangen ist. Er ist einer der besten Schriftsteller, die das Vereinigte Königreich zu bieten hat. Und er verlagert mit der Fiona-Reihe die Schauplätze von Schottland und England nach Wales. Aber es passt und jeder Krimiliebhaber sollte zugreifen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 31.03.2019

Vergnügliche Spannung

Am Ende nur ein kalter Hauch
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In diesem Roman lässt Avanzini ihre Kette rauchende Ermittlerin Carla Bukowski sich erneut in einen Fall verbeißen. Er zieht sie in ihre Heimat.

Der Fall den sie in ihrem Wiener Kommissar zu klären hat, ...

In diesem Roman lässt Avanzini ihre Kette rauchende Ermittlerin Carla Bukowski sich erneut in einen Fall verbeißen. Er zieht sie in ihre Heimat.

Der Fall den sie in ihrem Wiener Kommissar zu klären hat, scheint bald gelöst. Außerdem setzt ihr eine Erkältung extrem zu. Bei einem unerfreulichen Familientreffen hat sie nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder Kontakt zu ihren Brüdern und lernt dabei auch ihren aufgeweckten Neffen kennen, der bereits 20 Jahre alt ist. Der Streit in der Familie bleibt nicht aus und doch bekommt sie von einem ihrer Brüder die Information, dass dessen Sohn verschwunden ist. Dies ist verbunden mit der Bitte, zu helfen, da sie doch bei der Polizei wäre. Obwohl sie bereits vor Jahren ihre Eltern und Geschwister verlassen hatte, um einen eigenen Weg zu gehen, mag sie sich nicht ganz verschließen und willigt ein, bei der Suche nach ihrem Neffen zu helfen. Carla holt sich Hilfe vom Innsbrucker LKA und gemeinsam machen sich alle auf die Suche nach dem Neffen und Sohn und der Jagd nach dem Erpresser und dessen Motive.

Neben der Spannung in den Ermittlungen hat die Autorin ein extrem kompliziertes Familiengeflecht gesponnen, in dem sich nicht nur die Fäden, sondern auch die Leser verfangen können. Stück für Stück kommt die düstere Vergangenheit von Carlas Familie zum Vorschein, die Gründe, warum sie bereits vor Jahren mit ihrer Familie abgeschlossen hatte. Geschickt sind Kapitel eingestreut, die als Rückblenden in Carlas Vergangenheit zeigen, dann aber auch wieder Schnipsel von einem Blog, den der verschwundenen Neffe betrieben hat. Schließlich gibt es Kapitel aus der Gedankenwelt eines Menschen, di darauf schließen lassen, dass er gefangen gehalten wird.

Die Protagonistin hat ein widersprüchlichen Charakter und wird deshalb nicht von jedem Leser geliebt werden. Sie ist ziemlich spröde und hat gefühlt den ganzen Roman über einen Glimmstengel zwischen den Lippen. Damit hebt sie sich von allen smarten Figuren der heutigen Romanwelten ab, in denen gesellschaftlich korrekt fitnessbetonte Veganer das Sagen haben. Ich mochte sie gerade deshalb.

Spannend, unterhaltsam, aufrecht - klare Empfehlung.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2019