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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2021

Schwacher Spannungsbogen und zu vorhersehbar

Höllenkind
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Der Thriller “Höllenkind" von Veit Etzold ist der 8. Fall der Thriller-Reihe um die ermittelnde Patho-Psychologin Clara Vidalis. In diesem Teil ermittelt Clara Vidalis in Rom: Bei einer prunkvollen Hochzeit ...

Der Thriller “Höllenkind" von Veit Etzold ist der 8. Fall der Thriller-Reihe um die ermittelnde Patho-Psychologin Clara Vidalis. In diesem Teil ermittelt Clara Vidalis in Rom: Bei einer prunkvollen Hochzeit in der sixtinischen Kapelle bricht die Braut unter großen Schmerzen und blutüberströmt tot zusammen.
Vor allem der Klappentext aber auch die beiden Hauptcharaktere der Serie Clara Vidalis und ihr Mann McDeath versprachen gute Unterhaltung. Der Schreibstil des Autors ist flüssig und einfach zu lesen. Dementsprechend ist mir auch der Einstieg in das Buch gut gelungen, obwohl der Autor sehr viele Referenzen zum vorhergehenden Teil aufwirft, den ich bisher nicht gelesen habe. Allerdings führt er auch im weiteren Verlauf des Buches Referenzen auf andere Teile der Serie an und kennzeichnet diese sogar mit Fußnoten. Das hat meinen Lesefluss doch etwas gestört. Auch die ständigen etwas belehrend wirkenden Zusatzinformationen zu den unterschiedlichsten Themen wie dem Vatikan, Florenz, Kunst und Religion wirkten etwas ablenkend und ausschweifend. Erst als Clara ihren Urlaub in Florenz antritt wirken die Infos etwas glaubwürdiger, da es in Form touristischer Informationen verpackt sind.
Der Spannungsbogen ist leider etwas Thriller untypisch. Für mich persönlich kommt kaum Spannung auf und mit ca. der Hälfte des Buches wusste ich bereits, wie alles zusammenhängt und wie das Buch ausgehen wird. Es kam dann auch so, aber trotzdem ist das Ende immernoch offen und lässt mich als Leser etwas unbefriedigt zurück.
Zusammenfassend ist es eine leichte Lektüre, die streckenweise auch mal ziemlich brutal ist. Weiterempfehlen würde ich das Buch jetzt nicht unbedingt, es sei denn, man ist ein absoluter Fan der Serie. Ich hoffe einfach, dass die nächsten Teile wieder besser werden, denn die beiden Hauptcharaktere haben wirklich Potential!

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Veröffentlicht am 13.04.2021

Ruhig, sensibel und bildgewaltig

Der Klang der Wälder
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In “Der Klang der Wälder" von Natsu Miyashita entdeckt der junge Tomura durch Zufall den Beruf des Klavierstimmers, als er dem Klavierstimmer Itadori lauscht. Die Klänge, die Itadori dem Klavier entlockt, ...

In “Der Klang der Wälder" von Natsu Miyashita entdeckt der junge Tomura durch Zufall den Beruf des Klavierstimmers, als er dem Klavierstimmer Itadori lauscht. Die Klänge, die Itadori dem Klavier entlockt, lassen vor Tomuras innerem Auge die hohen, rauschenden Wälder seiner Kindheit entstehen und er entschließt sich, dieses Handwerk zu erlernen.
Bereits die ersten Seiten des Romans haben mich tief beeindruckt. Die sensible und ruhige Schreibweise der Autorin ist unaufdringlich und doch bewusst und bildgewaltig. Sie schafft es mit wenigen Worten Bilder und auch Gerüche zu vermitteln und den Lesenden so zum Träumen einzuladen. Dabei ist die Handlung selbst sehr ruhig. Die Entwicklung des Hauptcharakters Tomura zum Klavierstimmer steht im Vordergrund – es gibt kaum weitere Nebenschauplätze. Stattdessen geht es um den Prozess, in dem er lernt, dass Fleiß und Hingabe nicht alles sind, aber auch die Bewältigung von Selbstzweifeln. Das spannendste ist vermutlich das Treffen mit den beiden Zwillingsschwestern Kazune und Yuni, die in ihrem Klavierspiel nicht unterschiedlicher sein könnten.
Ansonsten begleitet man Tomura zu unterschiedlichen Terminen mit Kunden, bei denen Tomura auf der Suche nach dem perfekten Klang nicht nur lernt, wie unterschiedlich Klänge wahrgenommen und beschrieben werden. Sehr gern habe ich in diesem Rahmen die fast schon philosophischen Dialoge von Tomura und seinen Kollegen gelesen. Auch wenn es Vordergründig natürlich um den Beruf des Klavierstimmers geht, stehen insbesondere die Bodenständigkeit von Tomura und die Naturversiertheit immer wieder im Vordergrund.
Insgesamt lernt man aber nicht nur viele interessante Details über Klaviere und den Beruf des Klavierstimmers, sondern auch das Klavierspiel mit anderen Augen zu sehen, die Schönheit der Natur zu genießen und den Sinn des Lebens zu reflektieren.
Ich für meinen Teil bin weder Klavierspielerin noch sonderlich versiert, was Musik betrifft. Trotzdem habe ich die fast schon poetische Sprache und die Ruhe des Romans sehr genossen. Die Bilder- und Klanglandschaften, die die Autorin gezeichnet hat, bleiben mir vermutlich noch eine Weile in Gedanken. Ich kann dieses Buch also sehr empfehlen für Leute, die auch gern mal etwas ruhigeres lesen.

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Veröffentlicht am 11.04.2021

Lädt zum Träumen ein und motiviert zum Chaos im eigenen Garten

Wildes Paradies
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Claudia Praxmayer beschreibt in “Wildes Paradies”, wie sie gemeinsam mit ihrem Mann auf ihrem Grundstück im Chiemgau, Lebensräume für Pflanzen und Tiere schafft und wiederentdeckt. Ihr lebhafter Schreibstil ...

Claudia Praxmayer beschreibt in “Wildes Paradies”, wie sie gemeinsam mit ihrem Mann auf ihrem Grundstück im Chiemgau, Lebensräume für Pflanzen und Tiere schafft und wiederentdeckt. Ihr lebhafter Schreibstil und viele tolle Fotos haben mich als Leserin nicht nur sehr unterhalten, sondern auch zu unterschiedlichen Projekten inspiriert. Auch wenn ihre Beschreibungen sich auf ein großes und weitläufiges Grundstück beziehen, sind einige ihrer Projekte und Anregungen auch im Kleinen anwendbar, z.B. auch auf einer Terrasse. Sie schreibt unter anderem von dem Anlegen von Totholzhecken, Gemüsebeeten oder auch Seen. Außerdem schreibt sie von ihren Beobachtungen der Tier- und Insektenwelt in ihren neu geschaffenen Lebensräumen und ihre Begeisterung ist wirklich ansteckend.
Das Buch selbst ist mehr eine Art Erfahrungsbericht, als ein Ratgeber. Zwar bekommt man als Lesender ein paar nützliche Hinweise z.B. in Form von Infoboxen, aber praktische Anleitungen oder umfassende Erklärungen findet man hier nicht. Das Buch ist in meinen Augen insbesondere eine Bestätigung, die Natur einfach mal machen zu lassen und die Ergebnisse hinterher zu genießen.
Für mich war es wirklich eine tolle Lektüre und ich hoffe, dass dieses Buch viele dazu inspiriert, einfach mal innezuhalten und die Natur auf sich wirken zu lassen – aber auch die Natur einfach mal machen zu lassen. Für Interessierte am ökologischen Gärtnern ist dieses Buch eine tolle Empfehlung. Damit kann man wirklich toll abschalten, sich inspirieren lassen und einfach ein bisschen träumen.

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Veröffentlicht am 21.03.2021

Leider zu viel verschenktes Potential

Fürchtet uns, wir sind die Zukunft
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In “Fürchtet uns, wir sind die Zukunft” von Lea-Lina Oppermann trifft der frisch gebackene Klavierstudent Theo auf die Mitstudentin Aida, die ihn sofort fasziniert. Zunächst ist es ihre Erscheinung selbst, ...

In “Fürchtet uns, wir sind die Zukunft” von Lea-Lina Oppermann trifft der frisch gebackene Klavierstudent Theo auf die Mitstudentin Aida, die ihn sofort fasziniert. Zunächst ist es ihre Erscheinung selbst, doch sehr schnell merkt er, dass Aida mit der ZUKUNFT gegen die Machtstrukturen der Akademie kämpft und die dortigen Missstände anprangert. Ihre feurigen Reden rütteln nicht nur wach, sondern motivieren auch zu waghalsigen Aktionen.
Das Buch beginnt wirklich großartig mit einer Klavierstunde bei Herrn Goldstein. Diese Stunde und auch alle weiteren bei Goldstein waren für mich das ganz große Highlight (neben den Szenen mit Panzer :)) des Buches. Das Setting des Buches ist also wirklich gut gewählt. Man bekommt beispielsweise einen sehr gut einen Eindruck von den alltäglichen Problemen von Theo, dem Konkurrenzdruck an der Akademie, etc. Doch leider sind diese Szenen eher der Nebenschauplatz. Das eigentliche Thema sind die Missstände in der Akademie und, dass man sich unabhängig von der Manipulation der Medien und dem Einfluss anderer Menschen machen solle. Diese Themen finde ich sehr gut gewählt und äußerst relevant, aber bei mir bleibt nach dem Lesen leider der Eindruck zurück, dass die Autorin das volle Potential des Themas leider nicht ausgeschöpft hat.
Die Aktionen der Gruppe ZUKUNFT werden meist durch die Reden von Aida motiviert. Allerdings finde ich die Reden nicht sonderlich feurig. Klar, es werden wichtige Themen angesprochen, denen ich auch durchweg zustimme, aber es gibt im Buch sehr viel bessere Stellen, die erahnen lassen, dass die Autorin hier noch viel mehr draus hätte machen können. Die Aktionen selbst wirken leider zudem etwas unreflektiert. Als Leser bekommt man keinen weiteren Eindruck, welche Auswirkungen die Aktionen überhaupt haben, ob die Gruppe etwas erreicht hat, etc.
Das meiste geht mir auch irgendwie viel zu schnell. Ich habe das Gefühl, dass Theo von Tag zu Tag gehetzt wird und ich als Leserin hatte echt das Problem den Überblick zu behalten, wieviele Tage überhaupt vergangen sind. Über die Aktionen der ZUKUNFT leiden leider auch die Klavierstunden… Theo scheint einfach zu fasziniert von Aida. Ob sich das allerdings auch auf ihre Überzeugungen bezieht, bleibt manchmal etwas unklar. Er scheint eher in einer rosaroten Wolke und daher leidet manchmal auch die Rationalität seiner Entscheidungen etwas.
Trotz der negativen Punkte hat mich das Buch wirklich angesprochen. Es war schnell zu lesen und hat mich gefesselt. Mein erster Eindruck als ich es dann beiseite gelegt hatte war, dass es sehr “intensiv” war – im Positiven. Wirklich schade, dass hier nicht das volle Potential ausgenutzt wurde, sonst wäre es wirklich ein großartiges Highlight.

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Veröffentlicht am 24.01.2021

Nicht nur für Fans der Töpferei

Die Kannenbäckerin
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Annette Spratte hat mit “Die Kannenbäckerin” im Francke-Buch Verlag einen historischen Roman geschrieben, der zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs spielt. Die Pest wütet und hat die komplette Familie der ...

Annette Spratte hat mit “Die Kannenbäckerin” im Francke-Buch Verlag einen historischen Roman geschrieben, der zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs spielt. Die Pest wütet und hat die komplette Familie der 13-jährigen Johanna getötet. Für eine Chance auf ihr Überleben rät ihr ihre Nachbarin, sich als Junge auszugeben und zu ihrem unbekannten Onkel ins Kannenbäckerland zu reisen. Als sich Johanna dafür entscheidet, auch ihrem Onkel vorzuspielen ein Junge zu sein um das Handwerk des Kannenbäckers zu lernen, beginnt sie ein gefährliches Spiel.
Ich bin eigentlich kein Leser historischer Romane, aber dieser Roman hat mir wirklich unwahrscheinlich gut gefallen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich das Töpfern als Hobby betreibe? Die Autorin beschreibt nicht nur das Töpferhandwerk als zeitgenössischen Beruf des Kannenbäckers auf sehr anschauliche Weise, sondern lässt uns als Lesende beim Tonabbau, Drehen, Bläuen, Verzieren sowie beim Brand und Verkauf teilhaben. Hier habe ich auch noch neue Dinge gelernt. Die Sprache der Autorin ist zudem sehr bildhaft, nicht nur, was das Kannenbacken angeht, sondern auch die Natur und die damaligen Verhältnisse. Außerdem schafft sie mit Johanna einen tollen Charakter und eine sehr starke Frau. Es macht wirklich Spaß Johanna in diesem Buch in ihrem Werdegang zu begleiten.
Das Buch handelt aber nicht nur vom Beruf des Kannenbäckers. Hier wird es wirklich nicht langweilig und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Für einen historischen Roman hätten vielleicht ein paar mehr Hintergründe des Dreißigjährigen Kriegs und der politischen Zusammenhänge eingearbeitet werden können. Aber mir gefällt es genau so wie es ist. Am Ende des Romans hatte ich das Gefühl, dass es eine Prise zu viel von Glaube und Religion handelte, aber das ist vermutlich für die damalige Zeit angemessen.
Zusammenfassend handelt es sich um einen tollen historischen Roman, den ich sehr gern weiterempfehle und der nicht nur für Liebhaber des Töpferns geeignet ist, sondern auch für alle anderen keine Langeweile aufkommen lässt.

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