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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.10.2025

Kann man diesen Roman als Graphic Novel herausbringen?

Verstand und Gefühl - die Graphic Novel nach Jane Austen
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Natürlich kann man das, aber insbesondere bei Jane Austen sind die Hürden hoch. Ihre Romane beleuchten vielschichtig und dicht immer eine Kernfrage, die jedem irgendwann einmal begegnet. Hier ist es der ...

Natürlich kann man das, aber insbesondere bei Jane Austen sind die Hürden hoch. Ihre Romane beleuchten vielschichtig und dicht immer eine Kernfrage, die jedem irgendwann einmal begegnet. Hier ist es der ewige Kampf zwischen Vernunft und Gefühl. In unserer Kultur dominiert die Vernunft. Meistens hören wir nicht auf unser Bauchgefühl, obwohl es in der Regel intelligenter ist als der Verstand. Denn in dieses Bauchgefühl beruht auf gesammelten und verarbeiteten Erfahrungen, auch wenn wir das meist nicht erklären können. Wir setzen lieber auf unseren Verstand, der aber die Dinge nicht immer rational sieht, denn er enthält auch jede Menge von Konventionen und Regeln, an die wir uns halten sollen.

In Jane Austens Roman, der dieser Graphic Novel zugrunde liegt, trennt die Autorin Verstand und Gefühl, obwohl natürlich beides in jedem Menschen wohnt. Nach dem Tod ihres Vaters wird der Landsitz an ihren Bruder vererbt, weil das Gesetz das so vorschreibt. Die beiden Schwestern ziehen weit weg von ihrem Geburtsort und treffen dort auf das andere Geschlecht. Marianne vertraut ihrem Gefühl, sie ist impulsiv und glaubt, dass es die große Liebe nur einmal geben wird. Elinor macht es genau andersherum. Sie ist zurückhaltend und unterdrückt ihre Gefühle. Beide verlieben sich. Die eine will es nicht wahrhaben, und die andere ist Feuer und Flamme. Wie das Ganze bei den beiden Schwestern ausgeht, weiß man, wenn man den Roman kennt.

Tut man das aber nicht, dann hat man es bei dieser Graphic Novel schwer. Erstens kann man mit dieser Kunstform nach meiner Ansicht eine solche tiefe Auseinandersetzung in Menschen nicht darstellen, zweitens untergräbt man mit einer visuellen Darstellung die eigene Phantasie, die sich beim Lesen des Romans entwickelt, und drittens hat diese spezielle Darstellung einen gewissen Mangel, der mich ziemlich verwirrt hat. Die Zeichnerin ist in der Darstellung von Gesichtern offenbar limitiert, was alle Figuren sehr ähnlich aussehen lässt. Man muss sich ziemlich konzentrieren, wenn man erkennen will, wer nun eigentlich auftritt, was vom eigentlichen Geschehen ablenkt.

Ich empfand diese Graphic Novel deshalb als etwas anstrengend, was natürlich ein subjektiver Eindruck ist.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

„… plötzlicher Ausbruch von Hexenwahn in Südtirol“

Teufel, tanz mit mir!
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Die Zeit der Hexenverbrennungen ist lange vorbei. Heute gibt es subtilere Methoden, doch abstrakt gesehen hat sich nicht viel geändert. Massen in einen Wahn zu versetzen, ist leicht. Man muss nur genügend ...

Die Zeit der Hexenverbrennungen ist lange vorbei. Heute gibt es subtilere Methoden, doch abstrakt gesehen hat sich nicht viel geändert. Massen in einen Wahn zu versetzen, ist leicht. Man muss nur genügend Angst erzeugen. Warum sich die Autorin die Zeit der Hexenverbrennungen als Thema ausgesucht hat, bleibt ihr Geheimnis. Da dieser Krimi in der Gegenwart spielt, musste sie eine Verbindung zwischen mehreren Jahrhunderten herstellen. Und da beginnt der ganze Krampf dieses Krimis. Denn wie soll eine solche Verbindung aussehen?

Die Autorin erfindet eine Frau, die in ihrem etwas abseitig gelegenen Haus ihre Mutter pflegt, die angeblich 400 Jahre alt sein soll. Das kann nur eine Geisteskranke glauben. Andere Herrschaften fühlen sich als Nachfahren von damaligen Hexenmeistern, was auch schon ein Fall für die Psychiatrie ist. Und dann geschehen grausame Morde, die wie Nachstellungen der Geschichte inszeniert werden. So etwas kann nur ein Psychopath machen.

Kurz: Die ganze Geschichte ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Sie wirkt künstlich erzeugt und besitzt keinen Bezug zur Realität.

Obendrein vermag es die Autorin nicht irgendeine Spannung zu erzeugen. Nur am Ende kommt es zu einer scheinbaren Überraschung. Aber auch hier kann man sich vorher überlegen, wie die wohl aussehen wird. Natürlich muss oder müssen der oder die Mörder Figuren sein, die vorher eingeführt wurden. Und nach der schlichten Dramaturgie kommt eine Überraschung nur zustande, wenn es jemand ist, auf den nicht alles hinausläuft. Viele bleiben da nicht übrig.

Das Buch hat nur einen geringen Unterhaltungswert und überzeugt wenig.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Spinnen, Würmer, Wanzen, Asseln und ähnlich sympathische Lebewesen

Im Schatten von Giganten
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Vermutlich gehen die meisten Menschen den in diesem wunderbaren Buch beschriebenen Viechern gerne aus dem Weg. Die Autorin vermutet dabei ein Sympathieproblem. Schließlich erzeugen diese Winzlinge keinen ...

Vermutlich gehen die meisten Menschen den in diesem wunderbaren Buch beschriebenen Viechern gerne aus dem Weg. Die Autorin vermutet dabei ein Sympathieproblem. Schließlich erzeugen diese Winzlinge keinen Niedlichkeitsanfall bei einigen Zeitgenossen wie etwa ein Igel oder ein kleines Rehlein. Aber sie gehören nun einmal zu unserer Welt. Und ohne sie wäre das natürliche Gleichgewicht erheblich gestört. Zum Beispiel würden dann nur noch Bakterien für so manche Entsorgung in Wald und Feld übrigbleiben. Oder Vögel weniger Nahrung finden.

Wir wissen nicht viel über die Welt der Winzlinge, die in diesem Buch gezeigt und erklärt werden. Mit ihrem Buch versucht die Autorin das zu ändern. Und nach meinem Empfinden gelingt ihr das auch sehr gut. Manchem Insektenliebhaber unter uns geht das Buch nicht genug ins Detail, was die einzelnen Tiere anbelangt. Doch die Autorin hatte ein anderes Prinzip zur Strukturierung ihres Buches. Das Habitat ist immer der Ausgangspunkt. Sie gliedert ihren Text nach dem Leben unter Steinen, im Totholz, im Kraut, im Baum, im Moospolster, in der Blüte, in der Pfütze und anderen Orten. Um mit ihr zu sprechen: "Klingt vielleicht etwas eklig, ist aber superspannend."

Mit Ekel hat die Autorin, anders als vielleicht so mancher Betrachter oder Leser, offenbar seit Kindesbeinen kein Problem. Anders wäre sie auch nicht zu ihren wunderbaren Aufnahmen und ihren Beschreibungen gekommen. Der Ekel hat aber auch einen funktionalen Hintergrund. Wir wissen ganz von selbst, wem oder was wir besser aus dem Weg gehen. Das sind genetische Informationen aus einer langen Reihe unserer Vorfahren. Insekten stechen oder beißen, was sie nun mal nicht sympathisch macht. Und sie sind eben sehr klein, nicht immer gleich sichtbar, aber eben auch nicht ungefährlich.

Das Buch ist also kein Führer durch diese Welt, sondern eine Aufforderung, einmal nachzusehen, wer sich so in den von der Autorin beschriebenen Habitaten aufhält und welche Funktionen dabei erfüllt werden. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wer sich für ein solches Buch interessiert, denn schließlich beschreibt es nicht gerade unsere Lieblingstiere. Aber offenbar besitzt die Autorin zahlreiche Fans, was mich verblüfft. Wenn man jedoch ihr Buch liest, versteht man das. Sie kann sehr gut erklären und eröffnet vielleicht manchem Leser Welten, an denen er vorher achtlos vorbeizog.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Wenn ein Auto einen Nerv trifft: Die Geschichte des Porsche 911

Porsche 911
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Will man eine Automarke erfolgreich am Markt platzieren, dann sollte man wissen, wie dieser Markt funktioniert und nicht an ihm vorbei entwickeln oder gar produzieren. Das zeitlose Design des Porsche 911, ...

Will man eine Automarke erfolgreich am Markt platzieren, dann sollte man wissen, wie dieser Markt funktioniert und nicht an ihm vorbei entwickeln oder gar produzieren. Das zeitlose Design des Porsche 911, entwickelt vom Porsche-Enkel Ferdinand Alexander, ist ein Beispiel für einen solchen Erfolg. In diesem Text-Bild-Band kann man die Geschichte dieses außergewöhnlichen Autos von 1963 bis in die Gegenwart detailliert verfolgen.

Merkwürdigerweise scheint den Managern von Porsche des Gefühl für den Automarkt abhandengekommen zu sein, denn anders kann man ihren Schwenk zum E-Porsche nicht verstehen. Als der Markt sie abstrafte, kam nun die Rückbesinnung auf den Verbrenner. Mit ein wenig gesundem Menschenverstand und weniger ideologischem Gehorsam wäre diese sehr teure Dummheit ihnen erspart geblieben. Hätten sie dieses Buch ausgiebig betrachtet, wären sie wahrscheinlich auch nicht auf diesen Unfug gekommen, denn die Geschichte des 911 zeigt sehr genau, wie man erfolgreich ein Modell weiterentwickelt.

Wer sich für eine detailreiche Darstellung dieser Modellentwicklung interessiert, ist bei diesem Buch genau richtig. Besser kann man das eigentlich kaum in Text und Bild darstellen.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Wir sind nicht alle, würden aber gerne über alle bestimmen

Wir sind nicht alle
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Über diesen merkwürdigen Text kann man auch lachen, aber vermutlich werden es nur wenige Menschen tatsächlich tun. Es ist ein wenig mühsam, die innere Komik des Buches zu verstehen. Irgendwie haben die ...

Über diesen merkwürdigen Text kann man auch lachen, aber vermutlich werden es nur wenige Menschen tatsächlich tun. Es ist ein wenig mühsam, die innere Komik des Buches zu verstehen. Irgendwie haben die Autoren zwar verstanden, dass der Westen in der Welt nicht mehr agieren kann, wie er es gerne möchte, denn dazu sind viele Länder des sogenannten Globalen Südens inzwischen zu mächtig geworden. Allen voran China.

Auf der anderen Seite folgen sie aber, ohne dass sie es wirklich merken, der traditionellen Linie des Westens: Wir sagen euch, was ihr gefälligst zu tun habt. Dieses dümmliche Überlegenheitsgefühl, das in einem inzwischen offensichtlichen Kontrast zur Realität steht, können sie einfach nicht ablegen. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass sie lange diskutieren, wie man mit „autokratischen Regimen“ umgehen sollte. Das betrifft dann vor allem China und Russland. In einer multipolaren Welt anderen vorzuschreiben, wie sie sich organisieren oder wie sie „das Klima retten“ sollten, ist nichts weiter als ein Ausdruck kolonialen Denkens. Die meisten Staaten des Globalen Südens besitzen eine koloniale Vergangenheit und dürften deshalb darauf empfindlich reagieren.

Immerhin aber erkennen beide Autoren, dass der Westen ständig Doppelstandards anwendet, einen für sich und einen für den Rest der Welt. Auch solche Begriffe wie zum Beispiel „regelbasierte Ordnung“, die auch die Autoren benutzen sind ein Ausdruck dieses Denkschemas. Denn eigentlich ist das Völkerrecht die geltende Regel. Da braucht es keine zweite „regelbasierte Ordnung“, von der man nicht weiß, um welche Regeln es eigentlich geht und wer sie festlegt. Oder man weiß es doch: Es ist der Westen, der die Regeln vorgibt. Es sind seine Regeln, die er ausschließlich zu seinem Vorteil nutzt.

Kurz gesagt: Das ist eigentlich ein sehr lehrreiches Buch, in dem die Autoren zwar die Wirklichkeit der westlichen Doppelmoral ganz gut beschreiben, aber selbst nicht merken, wie auch sie ihr folgen.

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