Kann man diesen Roman als Graphic Novel herausbringen?
Verstand und Gefühl - die Graphic Novel nach Jane AustenNatürlich kann man das, aber insbesondere bei Jane Austen sind die Hürden hoch. Ihre Romane beleuchten vielschichtig und dicht immer eine Kernfrage, die jedem irgendwann einmal begegnet. Hier ist es der ...
Natürlich kann man das, aber insbesondere bei Jane Austen sind die Hürden hoch. Ihre Romane beleuchten vielschichtig und dicht immer eine Kernfrage, die jedem irgendwann einmal begegnet. Hier ist es der ewige Kampf zwischen Vernunft und Gefühl. In unserer Kultur dominiert die Vernunft. Meistens hören wir nicht auf unser Bauchgefühl, obwohl es in der Regel intelligenter ist als der Verstand. Denn in dieses Bauchgefühl beruht auf gesammelten und verarbeiteten Erfahrungen, auch wenn wir das meist nicht erklären können. Wir setzen lieber auf unseren Verstand, der aber die Dinge nicht immer rational sieht, denn er enthält auch jede Menge von Konventionen und Regeln, an die wir uns halten sollen.
In Jane Austens Roman, der dieser Graphic Novel zugrunde liegt, trennt die Autorin Verstand und Gefühl, obwohl natürlich beides in jedem Menschen wohnt. Nach dem Tod ihres Vaters wird der Landsitz an ihren Bruder vererbt, weil das Gesetz das so vorschreibt. Die beiden Schwestern ziehen weit weg von ihrem Geburtsort und treffen dort auf das andere Geschlecht. Marianne vertraut ihrem Gefühl, sie ist impulsiv und glaubt, dass es die große Liebe nur einmal geben wird. Elinor macht es genau andersherum. Sie ist zurückhaltend und unterdrückt ihre Gefühle. Beide verlieben sich. Die eine will es nicht wahrhaben, und die andere ist Feuer und Flamme. Wie das Ganze bei den beiden Schwestern ausgeht, weiß man, wenn man den Roman kennt.
Tut man das aber nicht, dann hat man es bei dieser Graphic Novel schwer. Erstens kann man mit dieser Kunstform nach meiner Ansicht eine solche tiefe Auseinandersetzung in Menschen nicht darstellen, zweitens untergräbt man mit einer visuellen Darstellung die eigene Phantasie, die sich beim Lesen des Romans entwickelt, und drittens hat diese spezielle Darstellung einen gewissen Mangel, der mich ziemlich verwirrt hat. Die Zeichnerin ist in der Darstellung von Gesichtern offenbar limitiert, was alle Figuren sehr ähnlich aussehen lässt. Man muss sich ziemlich konzentrieren, wenn man erkennen will, wer nun eigentlich auftritt, was vom eigentlichen Geschehen ablenkt.
Ich empfand diese Graphic Novel deshalb als etwas anstrengend, was natürlich ein subjektiver Eindruck ist.