Spannend, informativ, unterhaltsam
Hexen sind tief in der (Kultur-)Geschichte Südtirols verankert, erkennbar nicht zuletzt an den bis heute erhaltenen Bezeichnungen, u.a. am Ritten (Hexenbödele) oder dem Puflatsch (Hexenstühle). So ist ...
Hexen sind tief in der (Kultur-)Geschichte Südtirols verankert, erkennbar nicht zuletzt an den bis heute erhaltenen Bezeichnungen, u.a. am Ritten (Hexenbödele) oder dem Puflatsch (Hexenstühle). So ist nur konsequent, dass Simone Dark im neuen Südtirol Krimi diese Tradition aufgreift und einen spannenden wie unterhaltsamen lokalen Kriminalroman daraus entwickelt.
Im Mittelpunkt auf der Ermittlerseite wieder Magnabosco und Pasqualina, jetzt sogar als Eheleute und Ermittlerteam. Die Hochzeit wird jedoch jäh gestört, als eine Leiche am Ritten gefunden wird, aufgebahrt und gefoltert wie zu Zeiten der Hexenverfolgung. Das Opfer war ein Mitglied der Bozner Gruppe von Hexern und soll nicht die einzige Leiche bleiben, die den Ermittlern Rätsel aufgibt.
Als Verdächtige wird ein bunter Kreis von Persönlichkeiten eingeführt, von einer jungen Frau, die dem Hexenkult anhängt, einem reichen Urenkel Sigmund Freuds bis hin zu Dominikaner Mönchen.
Besonders macht diesen Roman auch der Perspektivwechsel. Neben den Ermittlungen sind immer wieder Passagen einer mysteriösen Ich-Erzählerin eingefügt, deren Mutter vermeintlich eine 400 Jahre alte Hexe ist. Die Identität bleibt lange unklar, sodass diese Passagen zusätzlich zum Spannungsaufbau beitragen.
Aber dieser Krimi unterhält nicht nur, sondern vermittelt auch kurzweilig geschrieben historisches Wissen zur Hexenverfolgung in der Region, das die Autorin sorgfältig recherchiert hat.
Auch sprachlich kann der Krimi überzeugen, ich hatte das Gefühl, dass die Autorin ihre Ermittler nun noch besser kennt und sie dadurch noch nahbarer wirken in ihrem Agieren und Sprechen. Besonders der Humor in der Kommunikation ist mir hier aufgefallen und hat mich mehrfach während der Lektüre laut auflachen lassen.
Ich habe den vorherigen Fall gelesen, und bin in diesen ohne Vorkenntnisse gut reingekommen, sodass ich denke, auch dieser Teil ist gut für sich zu lesen ohne Vorkenntnisse der Reihe.
Ich mochte schon den vorherigen Fall sehr und muss sagen, dass mir dieser sogar noch besser gefallen hat. Toll, wie Simone Dark historisches Wissen erlebbar macht und in einen spannenden Krimi einbaut. Alle Figuren sind liebevoll mit ihren Eigenheiten gezeichnet und es macht einfach Spaß dem Team um Pasqualina, Magnabosco und auch dem Pathologen Gruber bei ihrer Arbeit im schönen Südtirol über die Schulter zu schauen. Etwas gestört haben mich nur kleine Logikfehler, die jedoch nicht die Kriminalhandlung betreffen. Insgesamt fällt dies für mich bei der sehr guten Gesamtqualität jedoch nicht ins Gewicht.
Im Genre Lokalkrimi sticht die Autorin für mich sehr positiv heraus, sie schreibt sehr eingängig und unterhaltsam, die Fälle sind gut recherchiert und konstruiert und binden die lokalen Eigenheiten und Gegebenheiten stets authentisch ein und das alles trotz der lockeren Unterhaltung stets mit einem gewissen Anspruch und klugen Gedanken.
Gerne noch viel mehr von diesem Ermittlerduo aus Südtirol und Simone Dark!