"Die Chartanalyse ist ein hervorragendes Instrument für die Marktprognose"
Technische Analyse – schnell und einfach erklärtJeder Anfänger glaubt das gerne, denn die Dinge werden schließlich bestens erklärt. Alles sieht aus wie eine unzweifelhafte Wissenschaft. Da entsteht dann schnell mal das Gefühl, dass der Reichtum ganz ...
Jeder Anfänger glaubt das gerne, denn die Dinge werden schließlich bestens erklärt. Alles sieht aus wie eine unzweifelhafte Wissenschaft. Da entsteht dann schnell mal das Gefühl, dass der Reichtum ganz nahe liegt. Spätestens wenn eigenes Geld eingesetzt wird, kann es passieren, dass alles ganz anders kommt. Denn Anfänger fallen gerne auf den Trick herein, der stets mit der Darstellung der Technischen Analyse einhergeht:
Es heißt ja nicht umsonst "Analyse". Die Technische Analyse stellt keine Handlungsanweisungen dar, und schon gar nicht ist sie eine Trading-Strategie. Dazu nämlich gehört viel mehr. Nehmen wir einmal an, die Kurse bewegen sich in einem Kanal und dessen oberer Rand ist erreicht. Folgt nun daraus, dass man fleißig short gehen soll? Und wenn ja, wo bitte schön? Was macht man, wenn es nicht nach unten geht, sondern der Kanal nach oben durchbrochen wird? Wo steigt man aus? Kann man ein solches Verhalten vorher eventuell ahnen? Fragen über Fragen, auf die die Technische Analyse keine Antworten gibt.
Was in Büchern über die Technische Analyse gerne und oft verschwiegen wird, ist die einfache Tatsache, dass sie keine sicheren Aussagen liefert, sondern allenfalls Möglichkeiten, deren Eintrittswahrscheinlichkeiten unbekannt sind. Und das ist die Crux beim Trading, über das in solchen Büchern (auch hier nicht) geschrieben wird. Das Denken in Wahrscheinlichkeiten ist jedoch bei den meisten Menschen gänzlich unterentwickelt.
Neben diesem Defizit, das gerne unbeschrieben bleibt, gibt es eine zweite Falle, die die Wahrnehmung des Lesers in eine falsche Richtung lenkt. Man nimmt Charts her und erklärt an ihnen bestimmte Dinge, die in der Vergangenheit liegen. Da dann die Zukunft bekannt ist, sieht alles glasklar aus. Doch die Realität beim tatsächlichen Handeln ist eine ganz andere. Man ist an einer bestimmten Stelle eines Charts und kennt dessen Zukunft eben nicht. Nun muss man eine Entscheidung treffen, die immer ein Risiko einschließt, dass alles ganz anders kommt als man sich das ausgemalt hat. Das wird im Buch natürlich ebenfalls nicht thematisiert.
Tatsächliche Trading ist einfacher und komplexer zugleich. Man braucht dazu eine Handelsstrategie, die oft weit über Mittel der Technischen Analyse hinausgehen und von der man weiß, dass sie profitabel ist. Das findet man in solchen Büchern nicht.
Was bringt nun dieses Büchlein. Es ist eine Zusammenfassung eines viel dickeren Werkes des Autors. Für eine erste Bekanntschaft ist diese Broschüre hervorragend geeignet, wenn man weiß, dass dieses Rüstzeug allenfalls elementar ist. Alle Grundkonzepte dieser Herangehensweise werden kurz und natürlich richtig erklärt. Murphy ist schließlich einer der ganz großen Experten auf dieser Strecke. Man sollte die Technische Analyse kennen, aber dann verstehen lernen, wo ihre Grenzen liegen. Und das kann mitunter teuer werden.
Wie man diese Broschüre bewerten soll, ist mir ein Rätsel. Natürlich ist nichts falsch in ihr. Das Büchlein legt maximal einige grobe Handwerkszeuge auf den Tisch. Wie man damit umgeht, erklärt es nicht.