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Veröffentlicht am 13.10.2025

"Die Chartanalyse ist ein hervorragendes Instrument für die Marktprognose"

Technische Analyse – schnell und einfach erklärt
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Jeder Anfänger glaubt das gerne, denn die Dinge werden schließlich bestens erklärt. Alles sieht aus wie eine unzweifelhafte Wissenschaft. Da entsteht dann schnell mal das Gefühl, dass der Reichtum ganz ...

Jeder Anfänger glaubt das gerne, denn die Dinge werden schließlich bestens erklärt. Alles sieht aus wie eine unzweifelhafte Wissenschaft. Da entsteht dann schnell mal das Gefühl, dass der Reichtum ganz nahe liegt. Spätestens wenn eigenes Geld eingesetzt wird, kann es passieren, dass alles ganz anders kommt. Denn Anfänger fallen gerne auf den Trick herein, der stets mit der Darstellung der Technischen Analyse einhergeht:

Es heißt ja nicht umsonst "Analyse". Die Technische Analyse stellt keine Handlungsanweisungen dar, und schon gar nicht ist sie eine Trading-Strategie. Dazu nämlich gehört viel mehr. Nehmen wir einmal an, die Kurse bewegen sich in einem Kanal und dessen oberer Rand ist erreicht. Folgt nun daraus, dass man fleißig short gehen soll? Und wenn ja, wo bitte schön? Was macht man, wenn es nicht nach unten geht, sondern der Kanal nach oben durchbrochen wird? Wo steigt man aus? Kann man ein solches Verhalten vorher eventuell ahnen? Fragen über Fragen, auf die die Technische Analyse keine Antworten gibt.

Was in Büchern über die Technische Analyse gerne und oft verschwiegen wird, ist die einfache Tatsache, dass sie keine sicheren Aussagen liefert, sondern allenfalls Möglichkeiten, deren Eintrittswahrscheinlichkeiten unbekannt sind. Und das ist die Crux beim Trading, über das in solchen Büchern (auch hier nicht) geschrieben wird. Das Denken in Wahrscheinlichkeiten ist jedoch bei den meisten Menschen gänzlich unterentwickelt.

Neben diesem Defizit, das gerne unbeschrieben bleibt, gibt es eine zweite Falle, die die Wahrnehmung des Lesers in eine falsche Richtung lenkt. Man nimmt Charts her und erklärt an ihnen bestimmte Dinge, die in der Vergangenheit liegen. Da dann die Zukunft bekannt ist, sieht alles glasklar aus. Doch die Realität beim tatsächlichen Handeln ist eine ganz andere. Man ist an einer bestimmten Stelle eines Charts und kennt dessen Zukunft eben nicht. Nun muss man eine Entscheidung treffen, die immer ein Risiko einschließt, dass alles ganz anders kommt als man sich das ausgemalt hat. Das wird im Buch natürlich ebenfalls nicht thematisiert.

Tatsächliche Trading ist einfacher und komplexer zugleich. Man braucht dazu eine Handelsstrategie, die oft weit über Mittel der Technischen Analyse hinausgehen und von der man weiß, dass sie profitabel ist. Das findet man in solchen Büchern nicht.

Was bringt nun dieses Büchlein. Es ist eine Zusammenfassung eines viel dickeren Werkes des Autors. Für eine erste Bekanntschaft ist diese Broschüre hervorragend geeignet, wenn man weiß, dass dieses Rüstzeug allenfalls elementar ist. Alle Grundkonzepte dieser Herangehensweise werden kurz und natürlich richtig erklärt. Murphy ist schließlich einer der ganz großen Experten auf dieser Strecke. Man sollte die Technische Analyse kennen, aber dann verstehen lernen, wo ihre Grenzen liegen. Und das kann mitunter teuer werden.

Wie man diese Broschüre bewerten soll, ist mir ein Rätsel. Natürlich ist nichts falsch in ihr. Das Büchlein legt maximal einige grobe Handwerkszeuge auf den Tisch. Wie man damit umgeht, erklärt es nicht.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Von Warren Buffett lernen? Geht nur bedingt für kleines Geld

Die Deals von Warren Buffett - Vol. 2
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Wenn man sich die Mythen anhört, die über Warren Buffett gestrickt werden, dann helfen die vier Bände dieser Reihe sie zu entlarven. Der Grundmythos liest sich so: Man müsse nur die Regeln von Graham kennen, ...

Wenn man sich die Mythen anhört, die über Warren Buffett gestrickt werden, dann helfen die vier Bände dieser Reihe sie zu entlarven. Der Grundmythos liest sich so: Man müsse nur die Regeln von Graham kennen, sie strikt anwenden, und dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Wahr ist, dass Buffett mit ein paar Tausend Dollar angefangen hat. Schon im ersten Band kann man an seinen Geschäften genau verfolgen, was er wirklich gemacht hat. Statt sein Kapital zu diversifizieren, wie man das Kleinanlegern predigt, hat er stets alles auf eine Karte gesetzt und ganze Gesellschaften übernommen.

Mehrheitsbeteiligungen, die teilweise heute noch zu Berkshire gehören haben für einen stetigen Kapitalfluss gesorgt, mit dem immer neue Investments finanziert wurden, die wiederum ihren Gewinn an Berkshire abführen mussten. Dieses Spiel, oft genug erfolgreich wiederholt, führt zu einer rasanten Vermehrung des Ausgangskapitals. Natürlich darf dabei nicht viel schief gehen, vor allem nicht am Anfang. Und dass genau das nicht passierte, liegt am Genie von Buffett. Zusammen mit Munger hatte er ein untrügliches analytisches Geschick für ein erfolgreiches Einsteigen zu einem günstigen Zeitpunkt. Worin dieses analytische Vermögen besteht, wird in wenigstens zwei Kapiteln in diesem Band etwas deutlicher. Aber so ganz lässt sich Buffett nie in die Karten schauen.

Zwei Mal allerdings, bei GEICO und bei Salomon stand Berkshire am Rande eines riesigen Verlustes, der letztlich abgewandt wurde. Vielleicht war das Glück, vielleicht lag es auch an Buffetts Geschick.

Finanzjournalisten und andere selbsternannte Experten erklären Kleinanlegern gerne, dass sie genau das Gegenteil von Buffett machen sollen, nämlich ihr Risiko verteilen und einen langen Atem haben. Abgesehen vom Letzterem ist Buffett so nie vorgegangen. Und er wäre anders auch nicht so reich geworden. Kleinanleger sind in der Regel unterkapitalisiert und mehr oder weniger unwissend. Nur wenn man ausreichend Kapital in ein Investment steckt, das erfolgreich ist, weil man es vorher richtig verstanden hat, kann man eine hohe Rendite erreichen. Ständiger Kapitalfluss über Dividenden sichert dann die Wiederholung dieses Prozesses. Da Berkshire über einige Versicherungsgesellschaften verfügt, fließt auch außerhalb der Dividenden-Zeit reichlich Kapital über die Versicherungsprämien.

Und schließlich hatten sich Buffett und Munger irgendwann einen Namen gemacht, der sie zu weiteren Möglichkeiten führte, die sie reichlich nutzten. Auch das ist ein Prinzip, das sich für Kleinanleger nicht eröffnet, denn dazu sind sie zu unbedeutend.

Hinter dem stets freundlichen Buffett verbirgt sich ein knallharter Geschäftsmann mit ebenso knallharten Vorstellungen. Wer sich mit seinen Investments beschäftigt – und dazu sind diese Bücher eine einzigartige Quelle – kann sich diesem Eindruck nicht mehr entziehen. Lernen kann man von Buffett nicht viel, es sei denn man will genau so vorgehen wie er. Aber dazu muss man auch seine Fähigkeiten besitzen, von denen nicht alle übertragbar sind, weil sie zu seiner Persönlichkeit gehören.

Dieses Buch ist wie schon der erste Band ein Augenöffner, weil es offenbart, dass Buffett nicht wiederholbar ist. Und im Übrigen ist Buffett nicht der einzige erfolgreiche Investor, der selten sein Kapital diversifiziert hat, besonders nicht am Anfang. Die erste Million ist die schwerste, dann hat man genügend Kapital, um in verschiedene Projekte zu investieren. Am Kapitalmarkt besteht nur der, der genau weiß, was er tut.

In diesem Band werden folgende Investments sehr ausführlich erklärt: GEICO, The Buffalo Evening News, Nebraska Furniture Mart, Capital Cities, ABC, Disney, Scott Fetzer, Fechheimer Brothers, Salomon Brothers, Coca Cola, Borsheims, Gilette, Procter & Gamble, Duracell.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Wie heißt eigentlich die Maus?

Kater Klaus vermisst die Maus
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Obwohl in diesem Märchen die Maus der eigentliche Held ist, hat sie keinen Namen. Vermutlich liegt das an Großvater Vasilis, der sie nicht als Haustier anerkennt. Vasilis wohnt im Wald und ist offenbar ...

Obwohl in diesem Märchen die Maus der eigentliche Held ist, hat sie keinen Namen. Vermutlich liegt das an Großvater Vasilis, der sie nicht als Haustier anerkennt. Vasilis wohnt im Wald und ist offenbar ein Selbstversorger, der eventuell nötige Sachen im Tauschhandel erwirbt. Rente scheint er nicht zu bekommen.

So hat er nicht einmal genug Geld, um seinen Kindern und Enkeln ein Weihnachtspaket zu schicken. Das muss Kater Klaus nun mit Hilfe der Maus bewältigen. Klaus lässt seine Beziehungen in die wilde Tierwelt spielen, packt die Maus ins Paket und schickt sie per Tierkurier auf Reisen. Nach einigen Abenteuern kommen die Maus und ihr Paket auch tatsächlich in der Ferne an der richtigen Stelle an. Doch die Empfänger sind überraschend zu Vasilis gereist. Also alles rückwärts.

Warum die Geschichte, die hier kindgerecht und schön illustriert erzählt wird, in Griechenland spielt, bleibt das Geheimnis der Autorin. Fünfjährige wissen vermutlich nicht unbedingt, wo das liegt. Und sie kennen auch die griechischen Weihnachtsgerichte und Bräuche nicht. Hier lernen sie sie endlich kennen. Insofern bildet das Buch auch noch, wenn man es positiv sieht.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Völlig neue Ideen im Kampf gegen den Rechtspopulismus

Das Grab des Piraten
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Eigentlich, so denkt man bei diesem Titel, handelt es sich hier um eine Abenteuergeschichte. Das ist auch so, allerdings besitzt sie einen absurden politischen Hintergrund. Und der geht so: Im Vereinigten ...

Eigentlich, so denkt man bei diesem Titel, handelt es sich hier um eine Abenteuergeschichte. Das ist auch so, allerdings besitzt sie einen absurden politischen Hintergrund. Und der geht so: Im Vereinigten Königreich wächst der sogenannte Rechtspopulismus. Und da glaubt nun der Thronfolger eine famose Idee zu haben. Man solle das Grab von Sir Francis Drake finden und dessen Gebeine nach Hause holen. Dann würde sich die Lage im nationalen Überschwang wieder beruhigen.

Wie man als Autor auf eine solche Idee kommen kann, entzieht sich meinem Verständnis. Der so genannte Rechtspopulismus entstand als Folge ungelöster Probleme. Die herrschende Schicht in Europa glaubt ernsthaft, sie könne diese Entwicklung durch Restriktionen umkehren, etwa wie in Großbritannien durch eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, wie sie in anderen europäischen Ländern noch nicht bekannt ist. Damit beseitigt sie jedoch das Elend nicht, das sich im Land ausbreitet. Einen Nationalhelden nach Hause zu holen, ist eine völlig neue Idee, die noch absurder ist, denn auch sie löst keines der für diese Entwicklung ursächlichen Probleme.

Aus der Idee des Autors entwickelt sich nun eine leidlich spannende Geschichte mit einem akzeptablen Unterhaltungswert. Dafür gibt es die Sterne. Zwischendrin verliert sich die Story allerdings noch in ein paar anderen sonderbaren Widersprüchen. Wer Spannung erzeugen will, braucht einen Widersacher zu den Helden. Die findet der Autor in einem spanischen Diplomaten und natürlich in den nun auch noch militanten bösen Populisten, die schließlich den zurückgebrachten Drake in die Luft sprengen. Natürlich nicht wirklich, denn die Helden haben Vorsorge betrieben. Die Idee, dass britische Rechte, die eigentlich immer auch Nationalisten sind, ein Symbol des britischen Nationalismus vernichten wollen, ist ebenso absurd wie der vorgebliche politische Hintergrund der Geschichte.

Zur politischen Ausrichtung des Buches gehört natürlich auch die heraufbeschworene Gefahr, dass die Inseln, auf denen man nach Drakes Gebeinen sucht, demnächst überschwemmt werden. Andererseits beklagen sich diese Insulaner über korrupte Landsleute, die bösen Investoren erlauben wollen, dort Hotelanlagen zu bauen. Wie das zusammenpassen soll, habe ich nicht verstanden.

Nimmt man diese ganzen Ungereimtheiten einmal beiseite, dann hat man es mit einem Abenteuerroman zu tun, der einigermaßen gut unterhält.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Devil’s Breath

Nachtschattengewächse
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So heißt das Buch im Original, was wesentlich griffiger ist. Aber Devil’s Breath ist auch der Name eines Nachtschattengewächses, dessen Samen man zerreiben und Leuten ins Gesicht blasen kann, wenn man ...

So heißt das Buch im Original, was wesentlich griffiger ist. Aber Devil’s Breath ist auch der Name eines Nachtschattengewächses, dessen Samen man zerreiben und Leuten ins Gesicht blasen kann, wenn man sie gefügig machen möchte. Das spielt im Buch zwar keine Rolle, und diese Pflanze kommt auch nicht im Anhang vor, aber ihr Name eignet sich bestens für einen Titel. Jedenfalls besser als "Nachtschattengewächse", zu denen auch Tomaten gehören.

Gleich am Anfang macht man Bekanntschaft mit Professorin Eustacia Amelia Rose, ehemalige Leiterin des Instituts für Botanische Toxikologie am University College London.

Bevor ich weiterschreibe, möchte ich dem Verlag für seinen ungewollten Humor danken. Warum? Nun der ganze Text ist schwach gegendert. Es gibt also keine Studenten, sondern nur Studierende und den ganzen anderen sprachlichen Unfug. Immerhin aber keine Sterne oder andere dämlichen Zeichen mitten im Wort. Das Lustige an diesem Krampf findet man auf Seite 326. Da wird die gute Eustacia mit vollem Titel vorgestellt, so wie oben. Nur steht da eben nicht Professorin wie bei mir, sondern Professor. Herzlichen Glückwunsch.

Eustacia hat wegen eines Vorfalls in ihrem Labor ihren Job verloren. Was da genau vorgefallen war, bleibt wie so vieles andere in diesem Krimi absichtlich im Ungewissen. Nun sammelt Eustacia nur noch auf ihrem Dachgarten sehr giftige Pflanzen, die sie sich für viel Geld aus aller Welt als Setzlinge schicken lässt. In diesem Dachgarten steht auch ein modernes Objektiv zur Beobachtung von Himmelskörpern. Allerdings benutzt es Eustacia mehr zur Ausspähung ihrer Nachtbarn. Irgendwie muss sie schließlich am Leben der anderen teilnehmen, denn menschlichen Kontakten geht sie stets aus dem Weg.

So lernt sie aus der Ferne eine junge Frau kennen, mit der dann die weiteren Verstrickungen beginnen. Weil sie sich merkwürdig verhält und offenbar Verhältnisse der verschiedenen Art mit mehreren Männern hat, nennt Eustacia sie zunächst Psycho. Dann stellt sich heraus, dass sie mit einem Mann schläft den Eustacia sehr gut kennt und der ihr Schmerzen bereitet hat. Dieser Kerl wird die spätere Leiche werden, vergiftet mit den Samen einer Pflanze, die Eustacia in ihrem Dachgarten anbaut.

Wie die Dinge sich entwickeln, kann ich hier natürlich nicht verraten, aber dieser Krimi hat tatsächlich etwas Besonderes. Die Autorin reizt das Verwirrprinzip weitestgehend aus. Man wird in die Gedanken der Hauptfigur Eustacia versetzt, die zunächst von Psycho so angetan ist, dass sie sie verfolgt und gegen ihre gewöhnlichen Verhaltensweisen sogar eine Bekanntschaft mit ihr beginnt. Allerdings versteht man als Leser bis zuletzt die Zusammenhänge nicht wirklich. Aus Prinzip eben. Selbst die Frage, wer nun den Kerl vergiftet hat, bleibt offen. Man kann sich einen aus der Truppe der Rachsüchtigen aussuchen, die im Lauf der Handlung vorgestellt wird. Es geht dabei um ein Ereignis in Brasilien, das der Ermordete zu verantworten hatte.

Was das Buch natürlich noch interessanter macht ist Eustacia selbst, denn diese Figur liegt weit abseits jeder Normalität. Sie kleidet sich männlich mit den Klamotten ihres verstorbenen Vaters, kämmt sich die Haare männlich und grenzt sich von der Öffentlichkeit weitgehend ab. Na und dann eben diese Professur, entstanden aus einer Obsession für Gifte.

Das Buch ist flüssig geschrieben und liest sich schon allein wegen seiner ungewöhnlichen Konstruktion gut. Und dann gibt es natürlich diese komische Paradoxie. Menschen lieben außergewöhnliche Typen. Aber natürlich nur in Büchern und nicht etwa in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Ein sehr schöner und ziemlich ungewöhnlicher Krimi.

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