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Veröffentlicht am 15.10.2025

Der Sozialismus ist eine Falle – ein hoffentlich abschreckendes Lehrstück

Das falsche Leben
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Als glühender Sozialist ging Armin Raufeisen 1957 aus der DDR in den Westen. Sein Auftrag: studieren, Karriere machen in der Wirtschaft und dann Informationen an die Hauptabteilung Aufklärung der DDR-Staatssicherheit ...

Als glühender Sozialist ging Armin Raufeisen 1957 aus der DDR in den Westen. Sein Auftrag: studieren, Karriere machen in der Wirtschaft und dann Informationen an die Hauptabteilung Aufklärung der DDR-Staatssicherheit liefern. Alles lief nach Plan bis sich 1979 Oberleutnant Stiller aus dieser Abteilung in den Westen absetzte. Dutzenden DDR-Spionen, darunter auch Raufeisen drohte die Enttarnung. Also flüchtete Raufeisen sofort mit seiner Familie aus Hannover in die DDR. Ein Zurück gab es nicht mehr.

Raufeisens Söhne Michael und Thomas lebten bis dahin in völliger Ahnungslosigkeit über die Agententätigkeit ihres Vater ein völlig normales Leben westdeutscher Jugendlicher. Ihr Schock war nun enorm, und auf ein Leben in der DDR waren sie nicht vorbereitet.

Das Buch erzählt die weitere Geschichte aus der Sicht des jüngeren Bruders. Für ihn begann ein Albtraum. Jugendliche in der DDR kannten nichts anderes als ihre Wirklichkeit. Alles andere als sich damit mehr oder weniger zu arrangieren, führte in enorme Schwierigkeiten, denen man besser aus dem Wege ging. Zwar konnte man Westfernsehen schauen, aber einfach in den Westen zu fahren, war eine unerfüllbare Utopie, die ab 1961 zum DDR-Lebensgefühl gehörte.

Als Erstes gelangte die Familie Raufeisen nach ihrer Flucht in ein Gästehaus der Stasi in Berlin-Eichwalde. Für Leute aus dem Westen musste schon allein der triste DDR-Charme solcher Einrichtungen ernüchternd wirken. Die Familie bekam sofort DDR-Dokumente, womit sie auch dem Recht der DDR unterworfen wurde. Später zogen sie in eine für DDR-Verhältnisse luxuriöse Wohnung in einem der bekannten Bonzen-Häuser in Ostberlin. Thomas kam in eine Ostberliner Schule und erlebte, was für DDR-Jugendliche Alltag war. Für ihn jedoch war das alles ein einziger Schrecken, denn Sozialismus bedeutet Vereinheitlichung von allem. Wer aus der Reihe tanzt, ist verdächtig. Und natürlich hatten die Genossen der Stasi alles im Blick.

Für Vater Raufeisen begann dagegen die Zeit einer brutalen Ernüchterung. Offenbar hatte er keine Ahnung, wem er wirklich gedient hatte. Seine Naivität muss grenzenlos gewesen zu sein, was ihm, seiner Frau und seinem jüngeren Sohn später zum Verhängnis wurde. Er begriff seinen ursprünglichen Fehler relativ schnell, denn für einen im Westen erfolgreichen Mann muss alles, was nun auf die Familie einstürzte, einfach nur erschreckend gewesen sein. Man beschloss deshalb nach kurzer Zeit, wieder nach Hannover zurückzukehren, egal was dort drohte. Den älteren Sohn hatte die DDR bereits gehen lassen. Und der sollte die Sache von Hannover aus einfädeln.

Aber natürlich ging das mehrfach schief. Beim Vater mischten sich mehr und mehr Verzweiflung und grenzenlose Naivität. Schließlich wollte er auf einer Luftmatratze über die Ostsee nach Fehmarn zu gelangen. Die DDR-Strände und die anliegende Ostsee wurden jedoch lückenlos überwacht. Und so scheiterte auch diese aberwitzige Idee eines untrainierten übergewichtigen Alkoholikers bereits am Strand. Er hätte es besser wissen müssen.

Thomas war in Berlin geblieben und wurde am nächsten Morgen ins Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen gebracht. Im Folgenden kann man nun nachlesen, wie es ihm in den nächsten drei Jahren im DDR-Knast erging, denn das war sein Strafmaß. Wofür? Dafür, dass er Bescheid wusste, was seine Eltern planten. Das ist erschütternd. Seine Mutter bekam sieben Jahre, sein Vater lebenslange Haft.

Allen, die immer noch glauben, dass Sozialismus irgendeine Alternative zum gegenwärtigen System sein könnte, sollten diesen Erlebnisbericht, der auf einer wahren Geschichte beruht, aufmerksam lesen. Sozialismus führt nicht nur in die Armut, sondern immer auch in ein totalitäres Regime, denn dieses System entspricht nicht menschlichem Verhalten. Weil Menschen nicht so sein wollen, wie es Sozialisten ihnen vorschreiben wollen, müssen sie umerzogen werden. Heute kommen Sozialisten in anderen Gewändern daher, doch ihr Wesen ist unverändert. Das man in der jüngsten Gegenwart gut beobachten. Haben sie erst einmal die Macht, dann wird der ganze Spuk von vorne beginnen.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

"Ein undurchsichtiges Netz aus Betrug, Korruption und organisierter Kriminalität“

Gaditanos
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Es ist doch richtig wundersam, dass so etwas immer woanders passiert, aber nie in Deutschland. Nun also Spanien, Andalusien, Cadiz. Wer schon einmal in dieser herrlichen Stadt war, wird sie immer in guter ...

Es ist doch richtig wundersam, dass so etwas immer woanders passiert, aber nie in Deutschland. Nun also Spanien, Andalusien, Cadiz. Wer schon einmal in dieser herrlichen Stadt war, wird sie immer in guter Erinnerung behalten. Sie liegt faktisch im Meer und besitzt alles, was der typische Tourist mag.

Dort wird ein amerikanischer Tourist von einem Taxi angefahren als er fluchtartig durch die engen Gassen zu rennen beginnt. Dieser Tod birgt Rätsel, denn der Flüchtende wurde verfolgt. Von einem Beobachter, der im übertragenden Sinne Schmiere stand, weil sein Kumpan das Hotelzimmer des Amerikaners durchsuchte, und von einem motorisierten Polizisten. Das allerdings weiß nur der aufmerksame Leser, nicht aber die Ermittler in diesem Todesfall.

Mit diesem Wissen sieht man als Leser die Dinge auch im Weiteren anders, zumal man in Figuren eingeweiht wird, die das Folgende immer mehr beschleunigen. Leider kann man darauf hier nicht weiter eingehen, will man die Handlung nicht verraten. Dem Autor jedenfalls gelingt es prächtig die Dinge am Laufen zu halten ohne zu viel zu verraten. Dieser Krimi ist kryptisch bis zum Ende, rasant, ziemlich brutal und hinreichend spannend. Offenbar versteht der Autor sein Fach, was Hoffnung auf weitere Folgen oder ähnliche Bücher macht.

Einzig das Cover und der Titel sind nach meiner Ansicht wenig gelungen. Die vorne eingefügte Karte von Cadiz ist nutzlos, weil man auf ihr rein gar nichts erkennen kann. Und der Titel hat nichts oder nicht viel mit der Handlung zu tun. Ähnlich verhält es sich mit dem Cover. Da ist noch Marketing-Luft nach oben. Ansonsten bleibt nichts zu wünschen übrig. Russenmafia, Korruption bis in höchste Kreise und organisierte Kriminalität sind ein dauerhaft belastbares Themengebiet. Abgesehen von den Russen gilt das wohl auch für Tatorte in Deutschland. Nur Mut.

Aber vielleicht ist Spanien schöner.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Tatsachen widerlegen gestreute Buffett-Mythen

Die Deals von Warren Buffett - Vol. 1
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Zu den vielen Mythen, die in Börsenzeitschriften und Büchern gepflegt werden, gehört, dass man Warren Buffet nachmachen könne. Man müsse nur von ihm lernen. Wenn man sich auch nur ein wenig ernsthaft mit ...

Zu den vielen Mythen, die in Börsenzeitschriften und Büchern gepflegt werden, gehört, dass man Warren Buffet nachmachen könne. Man müsse nur von ihm lernen. Wenn man sich auch nur ein wenig ernsthaft mit dem tatsächlichen Handeln dieses Mannes beschäftigt, dann entdeckt man, dass hier kräftig gelogen wird. Oder dass die Autoren solcher Märchen Buffett nicht wirklich verstanden haben.

Im ersten Band dieser vierbändigen Serie zeigt sein Autor, was Buffett am Anfang seiner unglaublichen Karriere wirklich gemacht hat, wie man es verstehen sollte und welche Lehren man daraus ziehen kann. Besonders seine Anfänge offenbaren nämlich die deutlichen Unterschiede zu sogenannten Kleinanlegern, die glauben, sie würden durch das Lesen von Börsenbüchern oder Börsenzeitschriften reich werden können.

Zunächst sieht es so aus, als wäre Buffett auch als ein solcher Kleinanleger gestartet. Denn sein Ausgangskapital war tatsächlich gering. Doch sofort beginnen die gravierenden Unterschiede. Den naiven Kleinanlegern wird gerne weisgemacht, dass man unbedingt seine Anlagen diversifizieren sollte. Wenn ich mich nicht irre, war es Buffett, der das nur Leuten empfiehlt, die nicht wirklich wissen, was sie tun. Er nämlich tat genau das Gegenteil. Zunächst durchforstete er Aktiengesellschaften nach günstigen Gelegenheiten. Er wollte stets zu einem Preis kaufen, der deutlich unter dem tatsächlichen Wert des Unternehmens lag. Daran scheitern bereits die meisten sogenannten Kleinanleger, weil sie gar nicht in der Lage sind, den tatsächlichen Wert eines Unternehmens zu ermitteln. Ihnen fehlen dazu einfach die Informationen und die entsprechenden Fähigkeiten.

Dann sollten diese Gesellschaften für Buffett klein genug sein, um eine Aktienmehrheit zu erwerben. Buffett setzte also alles oder sehr viel auf eine Karte. Ein Horror für Autoren von Börsenbüchern. Hatte Buffett dann die Aktien-Mehrheit, begann er seine Vorstellungen im Unternehmen durchzusetzen. Auch das liegt weitab von den Fähigkeiten üblicher Kleinanleger. Wurden die Unternehmen dann entsprechend profitabel, verkaufte er sie oder nutzte ihren Kapitalfluss für neue Investitionen.

Das wiederum ist eine weitere Besonderheit von Buffett, denn zu solchen Unternehmen gehörten in seinem Portfolio besonders Versicherungen, die einen ständigen Kapitalfluss über Prämien generierten. Auch das liegt weitab von Kleinanlegern. Erst im Zusammenspiel von Buffetts unnachahmlichen analytischen Fähigkeiten und der Struktur seines Portfolios ergeben sich die Möglichkeiten, die seinen Reichtum stetig vergrößerten. Er wusste genau, was er tat, während die meisten Kleinanleger das nicht wissen und Informationen aus zweiter oder dritter Hand nutzen.

Besonders dieser erste Band ist also überaus aufschlussreich, weil er Buffetts Einmaligkeit zeigt, die sich in seinen anfänglichen Deals deutlich ablesen lässt. Und natürlich zerstören sie dabei die über ihn gezielt verbreiteten Märchen. Buffett war nie ein Kleinanleger, sondern ein analytisches Genie, das den unbedingten Willen zum Reichtum hatte und dabei völlig anders vorging als ein unbedarfter Kleinanleger. Ein überaus erhellendes Buch.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Eine ganz andere Welt des Kochens und Backens

Die Küche von Andalusien
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Um die andalusische Küche zu verstehen, muss man ihre Geschichte kennen. Oder besser die Geschichte dieser Region. Römer, Juden vor allem aber die Mauren haben sie beeinflusst. Darüber hinaus spielten ...

Um die andalusische Küche zu verstehen, muss man ihre Geschichte kennen. Oder besser die Geschichte dieser Region. Römer, Juden vor allem aber die Mauren haben sie beeinflusst. Darüber hinaus spielten natürlich das lokale Klima und das Nahrungsangebot eine herausragende Rolle. Bis auf den oft sehr heißen Sommer liegen die Temperaturen eher im milden Bereich. Entsprechend reichhaltig ist das Angebot an frischem Obst und Gemüse. Da Andalusien eine lange Küste besitzt spielen auch Fische in der Küche dieser Region eine besondere Rolle. Darauf geht die Autorin bei vielen Gerichten ein.

Zunächst dreht sich alles um die berühmten Tapas, dann um Brot und Gebäck. Wie erwähnt kommt das im ganzen Jahr vorhandene Gemüse ins Spiel. Dann geht die Autorin auf typische Fisch- und Fleischgerichte der Region ein. Und zu guter Letzt kommen auch die Liebhaber von Süßspeisen auf ihre Kosten.

Alle Rezepte sind gut erklärt, jedenfalls ist das mein erst einmal rein theoretischer Eindruck. Meistens entstehen Fragen erst beim Zubereiten. Ob das hier auch so ist, kann ich noch nicht beurteilen.

Anders als bei so manchem modernen Kochbuch wird man keine Probleme haben die nötigen Zutaten zu erwerben. Falls manche Schinken- oder Fleischsorten nicht erhältlich sind, kann man deutsche Ersatzprodukte finden. Das ist aber nur in seltenen Fällen nötig.

Kurz gesagt: Hier findet man eine konservative, soll heißen traditionelle, Küche vor, die die Region, aus der sie stammt in vielerlei Beziehungen abbildet. Wer dort gerne Urlaub macht und die Küche mag, wird in diesem Buch zahlreiche Anregungen finden.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Kochen als Kunst, zum neunten Mal

Die Weltköche zu Gast im Ikarus
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Ob man als Normalsterblicher jemals mit den Produkten in Kontakt kommt, die jedes Jahr von Sterneköchen im Salzburger Restaurant Ikarus hergestellt werden, ist eher fraglich. Und natürlich kann man sich ...

Ob man als Normalsterblicher jemals mit den Produkten in Kontakt kommt, die jedes Jahr von Sterneköchen im Salzburger Restaurant Ikarus hergestellt werden, ist eher fraglich. Und natürlich kann man sich über diese Kochkunst streiten, auch wenn das keinen erkennbaren Sinn hat. Alltagstauglich ist sie jedenfalls nicht, weil Aufwand und nutzen in keinem Verhältnis stehen. Und über den Preis solcher Gerichte hüllt man besser den Mantel des Schweigens. Und so scheint mir dieser prächtige 9. Band aus dieser Reihe wie schon alle anderen vorher eher für Sterneköche gemacht als für gewöhnliche Menschen.

Denn klar ist wohl, dass niemand ohne die Tricks dieser Leute auch nur eines der im Buch mit Rezepten vorgestellten Gerichte nachkochen kann. Es sind eben Profis, die mehr können und mehr wissen als selbst ausgebildete Köche gewöhnlicher Restaurants. Nichtdestotrotz ist dieser Band für eben solche Profis eine Quelle von Erkenntnissen und Informationen. Satt wird man von den Gerichten mit Sicherheit nicht. Aber darum geht es gar nicht.

Es geht ums Zelebrieren von Kochkunst in einer gewissen Einmaligkeit, um Ideen für Leute gleichen Kalibers, um eine gewisse Eigendarstellung und natürlich ums Gehobene, das nicht für gewöhnliche Zeitgenossen gedacht ist.

Natürlich kann man das über jeden dieser Bände schreiben, weil es einfach keinen Sinn macht auf Einzelheiten einzugehen, denn sie sind zu außergewöhnlich. Man sammelt diese Bücher nur, wenn man aus ihnen etwas praktisch machen kann. Die Vielfalt der Gerichte ist auch in diesem Band wieder außerordentlich. Aber es ist eben Sterneküche. Nicht alltagstauglich, sondern Kunst, die ihren Preis hat und mit gewöhnlichem Essen nicht mehr viel zu tun hat.

Wen es interessiert: Gekocht haben: Spielman, Berger, Hagen-Wiest, Nuding und Gagnaire, Bowring, Takada, Bacquie, Molard, Gorostiza, Ho und Vildgaard. Alles Köche der besonderen Art, tätig rund um den Globus.

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