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Veröffentlicht am 23.04.2021

Powerfrauen in Berlin der 20er Jahre

Das Leben, ein ewiger Traum
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Der Roman: „Die Polizeiärztin“, von Helene Sommerfeld, aus dem dtv Verlag ist ein wunderbarer historischer Roman, der ein authentisches Bild Berlins in den 20er Jahren zeichnet und Powerfrauen in den Mittelpunkt ...

Der Roman: „Die Polizeiärztin“, von Helene Sommerfeld, aus dem dtv Verlag ist ein wunderbarer historischer Roman, der ein authentisches Bild Berlins in den 20er Jahren zeichnet und Powerfrauen in den Mittelpunkt rückt, die sich in einer Männerwelt behaupten müssen.
Inhalt:

Berlin 1920: Als frischgebackene Polizeiärztin lernt Magda Fuchs zunächst nur die Schattenseiten der glitzernden Metropole kennen. Schon bald stellt sie jedoch fest, dass dies die Zeit von Frauen ist, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen. So wird ihr die Fürsorgerin Ina eine Freundin, die sich ebenso wenig um Konventionen schert wie Rechtsanwältin Ruth. Einen regelrechten Kampf gegen die Tradition führt auch Celia, die sich aus einer erzwungenen Ehe zu befreien sucht. Die blutjunge Doris jedoch träumt davon, berühmt zu werden. Inmitten der kaltherzigen Millionenstadt muss sich Magda behaupten.


Meinung:
Der Roman hat eine interessante Grundstory, mal etwas ganz anderes und ist spannend aufgebaut. Er fällt an vielen Stellen sehr düster aus, denn die Schattenseiten Berlins der 20er Jahre sind keine leichte Kost.
Es wird ein authentisches Abbild eines bestimmten Milieus dargestellt und schonungslos die Realität dieser Bevölkerung vorgestellt. Neben der bitteren Armut, Vergewaltigung, Hunger und Mord, ging es auch viel um Kinderhandel.
Zum Beispiel wurden Frauen schwanger, um danach das Kind verkaufen zu können, um ihre anderen Kinder überhaupt ernähren zu können. Oder hübsche, blonde Kinder sind von der Straße verwunden, weil man mit ihnen viel Geld machen konnte.
Auch die Korruption des gesamten Staatsapparates wird sehr deutlich und authentisch im Roman dargestellt und macht wütend.
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Hoffnungsschimmer ist die junge Polizeiärztin Magda Fuchs, die mit Leidenschaft ihren Job ausübt und den Frauen und Familien wirklich helfen will. Es war schön, ihre Entwicklung und emotionale Reise zu beobachten. Man kann sie nur für ihre Stärke bewundern. Auch andere starke Frauen werden im Verlauf des Buches immer wieder erwähnt wie Celia, die wahrscheinlich die größte Charakterentwicklung im Roman hinlegt und mir nach anfänglicher Abneigung, immer sympathischer wurde. Sie wird sogar in ein Tötungsdelikt verwickelt, landet vor Gericht und droht alles zu verlieren, sehr aufregend!
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Ihr wollt wissen, was es damit auf sich hat? Wie Magda sich in der Männerwelt in Berlin rumschlägt und die junge Anwältin Ruth für das Recht der Frauen kämpft? Und ob Doris wirklich berühmt wird?
Dann lest diesen wunderbaren, historischen Roman, voller Frauenpower, Realitätsnähe, der auch die Schattenseiten der 20-er Jahre zeigt und berührt.

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Veröffentlicht am 16.04.2021

Starke Frauen in den Sixtees

Die Wunderfrauen
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Heute stelle ich euch ein echtes Herzensbuch, von einer super Autorin vor! Es geht um die „Wunderfrauen 2“ von Stephanie Schuster, die uns dieses Mal in die 60er Jahre entführt. Ich hätte nie gedacht, ...

Heute stelle ich euch ein echtes Herzensbuch, von einer super Autorin vor! Es geht um die „Wunderfrauen 2“ von Stephanie Schuster, die uns dieses Mal in die 60er Jahre entführt. Ich hätte nie gedacht, dass der erste Band noch zu toppen wäre, aber dieser gefällt mir aufgrund der Charakterentwicklung und den ernsten, gesellschaftlichen und feministischen Themen noch besser!

Inhalt:

Zu Beginn der 1960er Jahre, den Swinging Sixties, ist viel zu tun in Luise Dahlmanns kleinem Laden, er ist ihr ganzer Stolz.
Die Regale sind prall gefüllt mit allem, was das Herz begehrt: frische Waren aus dem Umland und Feinkost aus der ganzen Welt. Luise möchte mit der Konkurrenz mithalten, die Kunden wünschen sich plötzlich Selbstbedienung, suchen nach Angeboten und fragen nach dem Rezept für das Sonntagsessen.
Drei Frauen sind in diesem Jahrzehnt voller Umbrüche an ihrer Seite: Die alleinerziehende Helga, die nun als Ärztin arbeitet, ihre Schwägerin Marie, die inzwischen vier Kinder hat und Annabel, deren Familie nach einem Schicksalschlag zu zerbrechen droht. Das Leben hat die vier Frauen in den letzten Jahren enger verbunden als sie dachten. Und sie merken: Gemeinsam kann man aus Träumen Echtes erschaffen.

Meinung:

Luise, Helga, Marie, Annabel sind großartige, starke und bewundernswerte Heldinnen, mit denen man durchweg mitfühlt und mitfiebert, da sie einige Herausforderungen und Schicksalsschläge überstehen müssen. Die Autorin hat es sogar geschafft Figuren wie Helga und Annabelle, die mir im ersten Band nicht so symphytisch waren, symphytisch zu machen. Ihre Charakterentwicklung ist so authentisch und großartig.

Ein Unsympath ist geblieben und hat noch zugelegt: Hans. Aber es hat aber richtig Spaß gemacht sich über ihn aufzuregen.
In diesem Sinne, fand es auch grandios wie Luise sich entwickelt hat. Ihre persönliche Entwicklung hat mir am besten gefallen. Wie mutig und rebellisch sie geworden ist, wie selbstbewusst und eigenständig toll! Auch die Rock'n'roll Szenen haben viel Spaß gemacht und perfekt die Zeit wiedergegeben.
Einige Wendungen habe ich wieder nicht kommen sehen und der Roman hat einen waren Sog entfacht. Besonders gut haben mir auch wieder die eingeschobenen Auszüge aus Luises Ladenkunde-Album mit den vielen Rezepten und Anekdoten und Tipps gefallen. Die Autorin hat den Zeitgeist der Swinging Sixties wunderbar eingefangen.

Die damaligen historischen Hintergründe sind wieder sehr fundiert und authentisch dargestellt und werden mit den mit den Schicksalen der Frauen verwoben. Es stehen neue technische Errungenschaften (z.B. eine Waschmaschine), die medizinischen Entwicklungen brisante gesellschaftliche Themen und den gesellschaftspolitischen Umbruch in Deutschland.
Die Frauen wirken hier noch stärker, halten noch mehr zusammen und die Konzentration auch viele wichtige feministische Themen hat mir sehr gut gefallen.


Alles endet mit einem dramatischen Cliffhanger. Oh Stefanie, dass kannst du doch nicht machen! Wie soll ich warten.

Dieser Roman bietet feinste Unterhaltung mit Tiefgang, der perfekt den Zeitgeist einfängt. Man ist von der ersten Seite an bis zur letzten Seite begeistert und lässt einen mit einem guten Gefühl zurück. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 22.03.2021

Eine bezaubernde Welt voller sprachlicher Wunder

Die Erfindung der Sprache
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In dem Roman „Die Erfindung der Sprache“ von Anja Baumheir,
begibt man sich auf eine sprachgewaltige Reise mit einem ganz besonderen Protagonisten

Inhalt:

Adam beginnt erst mit zwei Jahren zu sprechen. ...

In dem Roman „Die Erfindung der Sprache“ von Anja Baumheir,
begibt man sich auf eine sprachgewaltige Reise mit einem ganz besonderen Protagonisten

Inhalt:

Adam beginnt erst mit zwei Jahren zu sprechen. Menschliche Beziehungen sind für ihn ein Mysterium. Beim Heranwachsen auf der ostfriesischen Heimatinsel wird er liebevoll von seiner Familie umsorgt, allen voran von seiner Großmutter Leska und seinem Vater Hubert. Dieser richtet seinem Sohn im alten Leuchtturm einen Weltrückzugsort ein, der nur ihm gehört. 
Doch dann bricht die Katastrophe über Platteoog herein: Kurz nach Adams 13. Geburtstag verschwindet sein Vater spurlos, seine Mutter verstummt unter der Last ihrer Trauer. Viele Jahre später, Adam ist nun Dozent für Sprachwissenschaften, fällt ihm ein Buch in die Hände: „Die Erfindung der Sprache“, welches Hinweise auf seinen Vater enthält. Adam begibt sich auf die Suche nach ihm, die ihn quer durch Deutschland, nach Prag, in die Bretagne und bis ans Ende der Welt führt.

Meinung:

Es ist ein Roman über die Magie der Sprache, die Kraft der Gemeinschaft und eine ganz besondere Familie. Darin werden parallel zwei berührende Handlungen erzählt und man taucht tief ein in eine komplizierte Familiengeschichte und durchleuchtet ihre Geheimnisse und ihre Familienbande.

Primär geht es um Literatur und die verschiedenen Arten von Sprache. Die Sprache der Menschen, die verstummt, die Sprache der Tiere, fremde, melodische Sprachen, geschriebene und gedichtete Sprache, taube und stumme Menschen und jene Menschen, die die Sprache neu entdecken. Es ist wunderbar, wie das Thema des Buches mit der sprachlichen Ausgestaltung verschmilzt – sich ergänzt und zu einer Symbiose wird.
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Die Charaktere sind ausgefeilt, herrlich skurril und sehr liebenswert.
Adams erlebnisreiche Reise, die fast schon eine Art Heldenreise ist, ist äußerst humorvoll und berührend. Genau das, was wir gerade gebrauchen können.

Außerdem ist der Roman wahnsinnig sprachgewaltig, voller Magie und Sprachfantasie, versehen mit einem malerischen Schreibstil. Man muss sich auf die Geschichte einlassen, aber wenn man dafür offen ist, entfaltet sich einem eine bezaubernde Welt voller sprachlicher und menschlicher Wunder.

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Veröffentlicht am 06.03.2021

Literarische Reise durchs 20. Jahrhundert

Was wir scheinen
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Im Sommer 1975 reist Hannah Arendt ein letztes Mal von New York in die Schweiz, in das Tessiner Dorf Tegna, umgeben von Wasser und wundervollen Gebirge. Von dort fliegen ihre Gedanken zurück nach Berlin ...

Im Sommer 1975 reist Hannah Arendt ein letztes Mal von New York in die Schweiz, in das Tessiner Dorf Tegna, umgeben von Wasser und wundervollen Gebirge. Von dort fliegen ihre Gedanken zurück nach Berlin und Paris, New York, Israel und Rom. Und sie erinnert sich an den Eichmann-Prozess im Jahr 1961. Die Kontroverse um ihr Buch Eichmann in Jerusalem forderte einen Preis, über den sie öffentlich nie gesprochen hat.

Meinung:
Das Werk besticht durch profunde Kenntnisse über das Leben und dem Werk von Hannah Arendt und vermittelt einem wunderbar den besonderen Zeitgeist und die Atmosphäre der zahlreichen Orte, die wir durch den Roman bereisen.
Stück um Stück baut die Autorin ein Mosaik zusammen und beleuchtet das faszinierende und berührende Leben von Arendt.
Sie verdichtet ihre Geschichte zu einem stimmigen Bild einer Frau – einer der bedeutendsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts, deren Wünsche und Gefühle wir unmittelbar verstehen.
Man lernt Arendt von einer ganz anderen Seite kennen, eine Verfechterin des Totalitarismus, die ihr Leben lang für ihre Überzeugungen stark, tapfer und selbstbestimmt kämpfte.

Der Roman ermutigt einen dazu das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen und es nicht von anderen Mächten oder Personen bestimmen zu lassen – zu fühlen, handeln und leben wie man will.
Dabei gelingt ihr die Verbindung der beiden Handlungssträngen hervorragend. Gekrönt wird dies alles durch einen melodischen und fast schon poetischen Schreibstil, der beeindruckt und einen gefangen nimmt.

Fazit:
Ein grandioser Roman, der zu einer literarischen Reise durchs 20. Jahrhundert einlädt und behutsam und fundiert Hannah Arendts Leben nachspürt und sie dabei von einer ganz anderen Seite zeigt.

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Veröffentlicht am 01.03.2021

Spannend, sympathische Ermittlerin und eine starke Story

Cold Case - Das gezeichnete Opfer
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Der Thriller „COLD CASE- Das gezeichnete Opfer“, der schwedischen Kriminalreporterin Tina Frennstedt, übersetzt von Hanna Granz, im Lübbe Verlag erschienen, ist ein grandioser Thriller, der einen von der ...

Der Thriller „COLD CASE- Das gezeichnete Opfer“, der schwedischen Kriminalreporterin Tina Frennstedt, übersetzt von Hanna Granz, im Lübbe Verlag erschienen, ist ein grandioser Thriller, der einen von der ersten Seite an gefangen nimmt.


Inhalt
Nebel liegt über Südschweden, als bei einem Leuchtturm eine der provokantesten Künstlerinnen des Landes tot aufgefunden wird. An ihrer Leiche finden sich Spuren einer einzigartigen Sorte Lehm, der einen COLD CASE wieder in den Fokus rückt: Vor 15 Jahren wurde der junge Pianist Max Lund auf brutale Weise ermordet. Am Opfer fand man damals das gleiche Material. Tess Hjalmarsson ermittelt unter Hochdruck. Sie muss die Verbindung zwischen den Opfern finden, um einen nächsten Mord zu verhindern ...

Meinung

Was für ein hochspannender und atmosphärischer Thriller, der durch eine fantastische und symphytische Ermittlerin sowie eine starke, fundierte und verschachtelte Story besticht.
Ich wusste bis zum Schluss nicht, wer der/die Mörder*in ist.
Die Geschichte war durchweg sehr spannend, interessant, komplex und emotional. Das alles gelingt, ohne brutal und blutig Einzelheiten zu beschreiben, das finde ich super!
Die Erzählung ist nicht nur ein Kriminalfall, sondern behandelt viele wichtige Themen und ist gesellschaftskritisch.

Tess hat mir von allen Charakteren am besten gefallen. Ich mag es sehr wie Tess´Privatleben, die als lesbische und alleinstehende Ermittlerin mit unerfülltem Kinderwunsch einen interessanten Hintergrund mitbringt, immer wieder miteinfließt. Sie ist eine starke, intelligente, sympathische und vor allem eine emphatische Ermittlerin, die für ihren Job brennt und der das Schicksal der Opfer sowie das der Familien nicht egal sind. Eine willkommene Abwechslung im oft so stereotypen Ermittler-Einheitsbrei.

Der gute Schreibstil ist geprägt von Spannung, Tempo, Wortgewandtheit und Detailgenauigkeit sowie einem besonderen Erzählstil, voller Zeitsprünge und Rückblicke und Perspektivwechsel.


Fazit:
Ich kann ihn nur wärmstens empfehlen. Ein echter Page Turner! Der durch eine starke Protagonistin und einem interessanten Fall besticht.

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