Im Jahr 1987 muss sich Cora entscheiden, wie sie ihren neugeborenen Sohn nennen soll: Gordon (der Wunsch ihres gewalttätigen Mannes), Julian (ihr eigener Favorit) oder Bear (der Vorschlag der Schwester).
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Im Jahr 1987 muss sich Cora entscheiden, wie sie ihren neugeborenen Sohn nennen soll: Gordon (der Wunsch ihres gewalttätigen Mannes), Julian (ihr eigener Favorit) oder Bear (der Vorschlag der Schwester).
Die Geschichte verfolgt den Sohn dann in drei möglichen Lebensvarianten. In verschiedenen Etappen werden die Leben parallel erzählt. Das ist einerseits faszinierend, andererseits auch recht anspruchsvoll. Es wird gezeigt, wie eine kleine Veränderung wie die Namenswahl für den Sohn nicht nur dessen eigenes Leben sondern auch das der gesamten Familie verändert.
Themen wie Häusliche Gewalt, Tradition und die Frage, wie sehr Identität durch Erwartungen von außen beeinflusst wird, werden anschaulich dargestellt. Besonders Coras innere Zerrissenheit ist sehr emotional dargestellt.
Insgesamt ist "Die Namen" kein leichter Roman, aber ein bewegendes Was-wäre-wenn, das sehr beeindruckt.
Jessica Berger Gross befasst sich in "Hazel sagt Nein" mit dem aktuellen und schwierigen Thema sexueller Machtmissbrauch in der Schule und dem Mut, sich dem zu widersetzen.
Die achtzehnjährige Hazel zieht ...
Jessica Berger Gross befasst sich in "Hazel sagt Nein" mit dem aktuellen und schwierigen Thema sexueller Machtmissbrauch in der Schule und dem Mut, sich dem zu widersetzen.
Die achtzehnjährige Hazel zieht mit ihrer Familie von New York in eine Kleinstadt in Maine. Gleich an ihrem ersten Schultag wird sie vom Schuldirektor in sein Büro gerufen. Er suche sich jedes Jahr eine Schülerin aus dem Abschlussjahrgang für eine sexuelle Beziehung aus und dieses Jahr sei Hazel an der Reihe. Hazel sagt Nein. Dieses Nein ist der Beginn einer Kette von Ereignissen, die nicht nur Hazels Leben, sondern das ihrer gesamten Familie und der Kleinstadt verändert.
Die Geschichte wird nicht ausschließlich aus Hazels Sicht erzählt, sondern auch aus der ihrer Eltern und ihres jüngeren Bruders Wolf. Dadurch werden die Folgen für alle besonders deutlich. Vor allem Wolf bereichert enorm die Dimension des Romans.
Das Buch beginnt sehr direkt und aufwühlend. Die klare, eher nüchterne Schreibweise verstärkt den Eindruck der ersten Seiten. Die Resonanz nach dem Bekanntwerden des Vorfalls, insbesondere die Schuldumkehr, wird nachvollziehbar dargestellt. Die zentrale Botschaft, dass ein Nein legitim und richtig ist, wird deutlich.
Später verliert der Roman jedoch für mich an Prägnanz. Die Handlung driftet immer mehr ab, der eigentliche Machtmissbrauch verwässert. Stattdessen werden zahlreiche weitere Themen angerissen. Vieles davon ist relevant, doch die Masse führt dazu, dass kaum ein Aspekt wirklich vertieft wird. Der Roman wirkt stellenweise überladen und thematisch zerrissen.
Hinzu kommt, dass die Geschichte gegen Ende immer konstruierter wirkt und durch den übertrieben positiven Drive nicht mehr glaubwürdig erscheint. Einige Wendungen wirken unwirklich und stehen in Kontrast zum anfänglichen Realismus.
Trotz dieser Schwächen bleibt "Hazel sagt Nein" ein durchaus wertvolles Buch, das Mut macht. Sein großes Potenzial schöpft der Roman allerdings nicht vollständig aus.
"Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte" von Sabine Weiß ist das erste Buch einer neuen Krimireihe. Protagonistin ist die DNA-Forensikerin Dr. May Barven, die sich als Strafverteidigerin selbstständig ...
"Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte" von Sabine Weiß ist das erste Buch einer neuen Krimireihe. Protagonistin ist die DNA-Forensikerin Dr. May Barven, die sich als Strafverteidigerin selbstständig gemacht hat. Das Buch verbindet klassische Krimi-Spannung mit der Frage nach der Aussagekraft von DNA-Beweisen.
In einer Ahnenforschungsdatenbank wird ein Treffer zu einem 18 Jahre alten Mordfall ausgegeben. Die Polizei sieht die Schuld des Betreibers durch den DNA-Beweis als erwiesen an und rollt den Fall wieder auf. May Barven sieht die Grenzen des Verfahrens und will dessen Unschuld beweisen. Gerade dieses wissenschaftliche Nebenthema um die Beweiskraft der DNA macht das Buch über den Krimi hinaus sehr interessant.
Die Handlung selbst entwickelt sich eher ruhig. Durch Rückblenden und verschiedene Blickwinkel baut sich die Spannung immer mehr auf. Die Auflösung ist schlüssig und überraschend.
Die Figur der May Barven ist eine engagierte, fachlich überzeugende Hauptfigur. Ihr leben zwischen Beruf und Familie nimmt viel Raum ein und lässt sie menschlich wirken, auch wenn es manchmal stark vom Fall ablenkt. Unterstützt wird sie vom Privatdetektiv Tarek, mit dem sich eine glaubwürdige Arbeitsbeziehung entwickelt.
Der Schreibstil ist flüssig und der forensisch-wissenschaftliche Hintergrund wirkt sowohl fundiert als auch nachvollziehbar.
Insgesamt ist "Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte" ein gelungener Einstieg in eine neue Reihe, von der ich auch gern den nächsten Band lesen werde.
In "Hustle" erzählt Julia Bähr die Geschichte von Leonie, einer Biologin, die nach einer Racheaktion ihren Job verliert und in München neu anfängt. Doch mit einem normalen Gehalt ist das Leben dort kaum ...
In "Hustle" erzählt Julia Bähr die Geschichte von Leonie, einer Biologin, die nach einer Racheaktion ihren Job verliert und in München neu anfängt. Doch mit einem normalen Gehalt ist das Leben dort kaum bezahlbar. Sie findet Anschluss an eine Gruppe von Frauen, die sich mit fragwürdigen Methoden über Wasser halten. Gegen Bezahlung beginnt sie, kreative Racheaktionen durchzuführen.
Der Schreibstil ist sehr flüssig und zeitgemäß, teils zynisch und recht humorvoll. Die Grundidee ist originell und die gesellschaftliche Kritik an Kapitalismus, Wohnungsmangel und Erfolgsdruck trifft den Nerv der Zeit. Auch die Frauenfreundschaften sind überzeugend und angenehm frei von Konkurrenzdenken dargestellt.
Gleichzeitig bleibt vieles oberflächlich. Leonies moralische Einstellung und ihre persönliche Entwicklung bleiben für mich schwer greifbar, die Handlung wirkt eher episodisch. Eine Wendung oder ein größeres Dilemma bleiben aus. Das Ende kommt abrupt und lässt viele Fragen offen.
Insgesamt ist "Hustle" eine unterhaltsame Lektüre mit Witz, die ihr Potenzial jedoch nicht vollständig ausschöpft, da sie erzählerisch zu unverbindlich ist, um mich nachhaltig zu überzeugen.
"I know where you buried your husband" von Marie O'Hare klang nach genau der Art Buch, die ich gern lese: schwarze Komödie, düstere Geheimnisse, weibliche Freundschaft und ein Hauch Thriller. Die Grundidee ...
"I know where you buried your husband" von Marie O'Hare klang nach genau der Art Buch, die ich gern lese: schwarze Komödie, düstere Geheimnisse, weibliche Freundschaft und ein Hauch Thriller. Die Grundidee ist ohne Frage stark mit den fünf Frauen, dem toten Ehemann, einer gemeinsamen Vertuschung und Jahre später einer Erpressung. Leider konnte mich die Umsetzung nicht wirklich überzeugen.
Der Roman startet unterhaltsam mit der Extremsituation rund um Sophias toten Mann. Auch der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Kapitel wechseln zwischen den fünf Freundinnen, wodurch man Einblicke in ihre Leben erhält. Vielleicht sogar ein wenig zu viele. Denn schnell wird klar, dass der Fokus weniger auf dem Kriminalfall oder der Erpressung liegt, sondern stark auf den Lebenskrisen und Problemen der Frauen. Das ist grundsätzlich interessant, nimmt der Geschichte für mich aber zu viel Tempo und Spannung.
Die Figuren sind nicht nur positiv angelegt, was ich an sich schätze. In diesem Fall blieben sie mir jedoch überwiegend unsympathisch und emotional schwer zugänglich. Zudem werden sehr viele Themen gleichzeitig angefangen (psychische Belastungen, gesellschaftlicher Druck, unglückliche Beziehungen) ohne dass eines davon wirklich die Tiefe bekommt, die es verdient hätte. Auch der angekündigte schwarze Humor ging für mich größtenteils unter oder blieb so dezent, dass er kaum Wirkung entfalten konnte.
Der Krimi- und Thrilleranteil, den Titel und Klappentext suggerieren, spielt letztlich nur eine untergeordnete Rolle. Die Auflösung ist vorhanden, konnte mich aber weder überraschen noch wirklich überzeugen. Schade, denn hier hätte deutlich mehr Spannung entstehen können. Positiv hervorheben möchte ich trotzdem das hübsche Cover und die gute Lesbarkeit, die mich zumindest bis zum Ende getragen hat.
Insgesamt bleibt für mich das Gefühl von verschenktem Potenzial. "I know where you buried your husband" hat eine starke Idee und interessante Ansätze, verliert sich aber in zu vielen Baustellen und setzt seine Schwerpunkte unglücklich. Für mich ist es zwar kein Totalausfall, aber auch kein Buch, das mich nachhaltig begeistern konnte.