Zu kurz und doch so vollständig, wie es nur sein kann
Die Stille meiner WorteMeinen Leseeindruck in Worte zu fassen, ist gar nicht so einfach. Das Buch ist so bewegend, so melancholisch, gleichzeitig traurig und hoffnungsvoll, so voller Stille und doch mit so einfühlsamen Worten ...
Meinen Leseeindruck in Worte zu fassen, ist gar nicht so einfach. Das Buch ist so bewegend, so melancholisch, gleichzeitig traurig und hoffnungsvoll, so voller Stille und doch mit so einfühlsamen Worten geschrieben, dass es nur schwer zu beschreiben ist.
Hannah ist 17 und sie ist stumm, seit ihre Zwillingsschwester tödlich verunglückt ist. Was genau geschehen ist, erfahren wir erst im Verlauf der Geschichte, was auch dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Man möchte immer wissen, wie es weitergeht, bzw. wie es angefangen hat.
Hannahs einziger Freund und Vertrauter ist Mo, der Kater ihrer Schwester Izzy, der ihr auf Schritt und Tritt folgt und ihr immer nahe ist. Sie ist unglücklich, voller Hoffnungslosigkeit und Schuldgefühle – sie ist kaputt, wie sie es selbst beschreibt. Von ihren Eltern fühlt sie sich unverstanden und abgelehnt. Sogar abgeschoben, als ihre Eltern beschließen, sie in ein Internat für Kinder mit Problemen zu schicken.
Bevor das Internatsleben beginnt, fahren die Schüler und zwei Betreuerinnen jedoch erst mal zu einem dreiwöchigen Camp. Sollte das der Ort sein, an dem kaputte Dinge wieder heil werden können? Doch wie soll ein Ort etwas heilen, das man nicht sehen kann, fragt sich Hannah. Und doch entwickelt sich an diesem Ort ein gegenseitiges Verständnis der Jugendlichen füreinander und die Betreuerinnen sind ganz besonders verständnisvoll. Und doch liegt Pia, eine der Betreuerinnen, daneben, als sie Hannah vorstellt als diejenige, die im Moment ihre Worte verloren hat. Denn Hannah hat Worte, tausende davon, doch sie finden den Weg nach draußen nicht.
Mit im Camp ist auch Levi, der früher schon als Mitarbeiter mit im Camp war, dieses Jahr aber als Gast mitkommt. Der gerade nicht weiß, wo er steht. Auch aus seiner Ego-Perspektive wird das Buch miterzählt. Levi und Hannah kommen sich näher, es entsteht eine tiefe Beziehung zwischen den Beiden, ohne dass sich eine Romanze in den Vordergrund drängt. Nein, was zwischen Levi und Hannah passiert geht viel tiefer. Er wird zu einem Anker für sie und vermittelt ihr Hoffnung.
Ich möchte das Buch gern noch viel besser beschreiben, doch hier finde ich auch die Worte nicht. Es ist einfach unendlich intensiv, voller Gefühl und auch die Spannung kommt nicht zu kurz. Jedoch keine Action-Spannung, sondern man will einfach immer weiterlesen, will wissen, wie sich Hannah weiter entwickelt, ob sie ihre Sprache wiederfindet, ob sie wieder heil werden kann.
Ein sehr gelungener Jugendroman mit viel Tiefgang und Melancholie ohne kitschig zu sein. Vielen Dank, Ava Reed! Noch lange werde ich an dieses Buch denken und kann es nur wärmstens weiterempfehlen.