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Veröffentlicht am 26.09.2018

Das Glück fällt dir nicht in den Schoß - du kannst und musst dafür arbeiten.

Das Glück wohnt im Kopf
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Christine Wunschs Ratgeber „Das Glück wohnt im Kopf. DAS Trainingsbuch für mehr Glücksmomente im Alltag“ ist 2018 im Athesia-Verlag erschienen und umfasst 192 Seiten.

Das Buch stellt, wie der Titel schon ...

Christine Wunschs Ratgeber „Das Glück wohnt im Kopf. DAS Trainingsbuch für mehr Glücksmomente im Alltag“ ist 2018 im Athesia-Verlag erschienen und umfasst 192 Seiten.

Das Buch stellt, wie der Titel schon sagt, ein Training vor, mit Hilfe dessen es gelingen soll, sein Leben aktiv so umzugestalten, dass es eine/n glücklich(er) und erfüllt(er) macht. Dazu gibt die Autorin den Lesern neben fundiertem Fach- und Sachwissen über die Glücks- und Hirnforschung ein 30 Tage-Training mit verschiedenen Aufgaben und Übungen an die Hand, mit Hilfe dessen ebendieses Ziel greifbar nahe rückt.

Dem einleitenden Kapitel, in dem sich Wunsch damit auseinandersetzt, was Glücklichsein überhaupt bedeutet, was man von dem Buch erwarten kann und was nicht, folgen als Herzstück des Werkes 15 Lektionen mit gleichbleibendem Aufbau. Diese sollen die Leser im Zweitagesrhythmus durcharbeiten. Das Buch schließt mit einem Epilog, der das Erarbeitete noch einmal abschließend zusammenfasst, gefolgt von einer Danksagung und einer Literaturliste, anhand derer sich der interessierte Leser tiefer ins Thema einarbeiten kann. Im Anhang findet sich zudem ein „Dankbarkeitstagebuch“, das sich auf die Lektion vom elften und zwölften Tag bezieht.

Die einzelnen Lektionen folgen immer dem gleichen Aufbau, der das Lesen gleichsam zu einem Ritual werden lässt: Nach einer Doppelseite mit thematisch passendem Bild und Zitat erhält der Leser einen Input, in dem wissenschaftlich untermauert und mit Zitaten gespickt das jeweilige Thema der Lektion dargestellt und erarbeitet wird. Im Anschluss daran wird der Inhalt noch einmal unter „KURZ UND KNAPP“ zusammengefasst, gefolgt von der Einladung zu verschiedenen themenbezogenen Übungen und den Aufgaben „für heute und morgen“. Das Themenspektrum der einzelnen Einheiten ist breit gefächert: Es reicht von der Frage nach Geld und Familie über positives Denken, das Ausbrechen aus alten Denkmustern, Gebet und Meditation, Dankbarkeit bis hin zum Setzen eigener Ziele im Leben. Dabei wird in den späteren Kapiteln auch immer wieder Rückbezug auf vorangegangene genommen, was wiederum zeigt, wie sehr alles miteinander verzahnt ist.

Der Grundtenor des Buches ist, dass es glücklichen „Menschen gelingt (…), das Beste aus ihrem Leben herauszuholen.“ (S. 11) Es geht also nicht darum, dass überall nur eitel Freude und Sonnenschein herrschen. Auch unser Umfeld und die Welt können wir nur bedingt verändern. Genau das Gegenteil ist der Fall: Wir müssen unsere Leben mit Sinn füllen und aktiv an unserem Glücklichsein arbeiten, um ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Es geht also eher um eine positive Grundstimmung, und insbesondere Forschungen der letzten Jahre zeigen, dass wir als Menschen fähig und berufen sind, diese aktiv mitzugestalten.

Neben Bezügen zur Hirnforschung, unternimmt die Autorin auch immer wieder Ausflüge in andere Wissenschaften, wie z.B. Psychologie, Medizin, Philosophie und Religion, was das Buch zu einer wahren Fundgrube für Impulse und Denkanstöße werden lässt. Für jede/n dürfte also etwas Passendes zu finden sein.

Die Übungen und Aufgaben am Ende einer jeden Lektion ermöglichen es dem Leser, das Erfahrene ganz praktisch im Alltag umzusetzen, sie sind manchmal leichter, manchmal schwieriger, aber auf jeden Fall langfristig und nachhaltig.

Anhand der sich am Ende der Kapitel befindenden Zusammenfassungen kann sich der Leser bei Bedarf noch einmal informieren und schnell orientieren, sodass man das Buch bestimmt immer wieder gerne zur Hand nimmt und bei eventuellen Fragen nachschaut. Das macht das Buch im Idealfall zu einem immerwährenden Begleiter.

Christine Wunsch gebraucht eine geläufige, verständliche Sprache, auf Fachausdrücke verzichtet sie, weshalb sich das Buch flüssig lesen lässt und sich der Leser auf das Wesentliche, nämlich die Arbeit an seinem Glücklichsein, konzentrieren kann. Sie spricht die Adressaten direkt in der Du-Form an, was gleich zu Beginn eine vertraute Atmosphäre schafft, eventuell aber auch nicht jedermanns Geschmack ist. Man muss sich auf diesen Stil eben einlassen können. Weiter trägt zu dieser Vertrautheit bei, dass sie in der Regel ihre Anregungen und Aufgaben als Angebot formuliert („du darfst“); dieses gibt dem Leser das Gefühl, ein autonomer, ebenbürtiger Mensch zu sein – und als dieser angesehen zu werden.

Das Buch kommt mit einem professionellen Design und qualitativ hochwertiger Ausstattung daher. Selbst nach ausgiebigem Durcharbeiten sieht das Buch von außen noch aus wie neu. Schon beim Ansehen des orangefarbenen Covers breitet sich im Betrachter ein Glücksgefühl aus. Die Bilder und die immer wiederkehrenden bunten Farben versprühen ebenfalls ein Wohlgefühl und Freude, ohne dabei überladen zu wirken, und machen einfach Lust, das Buch immer wieder in die Hand zu nehmen.

Insgesamt handelt es sich bei Christine Wunschs „Das Glück wohnt im Kopf“ um ein sehr lesenswertes Trainings- und Ratgeberbuch, das sicher nicht alle Probleme des unglücklichen Menschen lösen kann, das aber auf jeden Fall viele Anregungen und Impulse zu einem glücklicheren und erfüllteren Alltag geben kann. Ich selber hatte beim Lesen nicht nur mich selbst, sondern auch immer wieder Menschen aus meinem Umfeld vor Augen, von denen ich dachte: „Oh ja, das sollten sie mal lesen.“ Und auch wenn ich schon vieles von dem, was im Buch geschrieben steht, kenne und wusste, tut es doch gut, immer mal wieder darauf hingewiesen zu werden. Nicht umsonst beginnt die Verfasserin ihren Epilog mit einem Goethezitat: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“ (S. 165)

Veröffentlicht am 26.09.2018

Ein Wolf gibt sich nicht mit einer toten Ziege zufrieden, und er kommt nicht allein.

Wölfe im Münsterland
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Sabine Gronovers Kriminalroman „Wölfe im Münsterland“ ist 2018 im KBV-Verlag erschienen und umfasst 359 Seiten.

Eines Nachts im Oktober begegnet ein Autofahrer im münsterländischen Oelde einem Wolf. Doch ...

Sabine Gronovers Kriminalroman „Wölfe im Münsterland“ ist 2018 im KBV-Verlag erschienen und umfasst 359 Seiten.

Eines Nachts im Oktober begegnet ein Autofahrer im münsterländischen Oelde einem Wolf. Doch es bleibt nicht bei dieser einen Begegnung: Kurz darauf reißt das Raubtier eine Ziege. Während das Auftauchen des Tieres bei der Oelder Bevölkerung gemischte Gefühle hervorruft, sieht Mirela Schulze Brinkhoff es als ein böses Omen - und sie soll Recht behalten: Kurz darauf wird ihre Schwiegertochter mit durchbissener Kehle auf einer Pferdekoppel gefunden. Erste Untersuchungen ergeben schon bald, dass ein skrupelloser Mörder seine Hände im Spiel hatte. Als noch weitere Verbrechen geschehen, laufen Schmitts und Kempers Ermittlungen auf Hochtouren und führen weit zurück in Mirelas siebenbürgische Vergangenheit.

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland - von Tierschützern und Naturliebhabern euphorisch gefeiert, von anderen kritisch und ängstlich beäugt. Ein Thema, das hierzulande immer wieder, wenn dieses Raubtier neue Reviere für sich erobern will, für heftige Kontroversen sorgt. Sabine Gronover ist es gelungen, die Argumente der Befürworter und Gegner in diesen Krimi informativ, spannend und unterhaltsam zugleich einzuflechten.

Als Mirela Schulze Brinkhoff dann auch noch die Prophezeiung „Ein Wolf gibt sich nicht mit einer toten Ziege zufrieden, und er kommt nicht allein. Die wirklich gefährlichen Wölfe folgen erst noch.“ (S. 27) ausstößt, baut sich ein Spannungsbogen auf, der den Leser bis zum Ende nicht mehr loslässt. Aufrechterhalten wird die Spannung nicht zuletzt dadurch, dass immer wieder neue Motive und Verdachtsmomente auftauchen, die Ermittler und Leser nicht zur Ruhe kommen lassen und jedes Mal neue Fragen aufwerfen. Dieses lässt diesen Roman zu einem rasanten Leseerlebnis werden.

Im Zentrum der Geschichte steht jedoch die Frage, welches Geheimnis Mirela Schulze Brinkhoff wohl hütet. Erscheint Mirela anfangs einfach nur als gut situierte Witwe eines Großbauern, die auf dem Hof ihren Lebensabend verbringt und – wie im Münsterland noch heute üblich - hilft, wo sie nur kann, rückt sie durch die allmähliche Preisgabe neuer Informationen aus ihrer persönlichen Geschichte mehr und mehr in den Fokus des Geschehens. Dadurch, dass dieses zum großen Teil durch die Wiedergabe ihrer Gedanken geschieht, ist der Leser auf weiten Strecken des Romans den Protagonisten an Wissen voraus. Dieses tut der Spannung trotzdem keinen Abbruch, lässt die Lösung des Rätsels doch nach einem dramatischen Finale bis zum Schluss auf sich warten.

Die im Titel erwähnten Wölfe begleiten den Roman in mehrerlei Hinsicht: Natürlich als das leibhaftige Raubtier, doch auch als Symbol für das Böse, was schon in Mirelas Vorhersage angedeutet wird. Darüberhinaus lässt Mirelas Herkunft aus den Karpaten, in denen Aberglaube noch heute weit verbreitet ist, natürlich auch den Wolf als mythisches Wesen nicht aus dem Blickfeld.

Dem Roman fehlt es zudem nicht an humoristischen Elementen, die zum großen Teil der Tierphobie des Kommissars Schmitt entspringen. Doch auch ansonsten konstruiert die Verfasserin immer wieder Szenen, die beim Leser ein Lächeln auf die Lippen zaubern.

Gronovers Sprache ist schnörkellos und leicht zu lesen. Von Zeit zu Zeit tauchen Nebenschauplätze auf, z.B. im Privatleben des Bürgermeisters Tillmann, die mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben. Sollte es von diesem Buch Nachfolgeromane geben, ist dieses ein meiner Meinung nach durchaus sinnvolles Vorgehen, sorgt es doch für eine durchgehende Handlungsebene. Bei einem Einzelband hätte die Autorin darauf meines Erachtens aber besser verzichten sollen, um so den Handlungsverlauf geradliniger verlaufen zu lassen, fehlt es ja ansonsten nicht an Überraschungsmomenten und Sackgassen in diesem Buch.

Das Cover des Buches ist im Vintage-Stil gehalten und zeigt einen großen Wolfskopf vor münsterländischer Landschaft, passt sich also sehr gut dem Inhalt des Buches an.

Dieses ist das erste Buch, das ich von Sabine Gronover gelesen habe, und ich bin wirklich angetan von Geschichte und Erzählweise. Einziger Wehrmutstropfen ist für mich persönlich die Einstellung der Charaktere zu Mirelas Geheimnis: Wie sie am Ende präsentiert wird, passt sie – ohne zu viel verraten zu wollen und zu dürfen – doch nicht so ganz in mein Weltbild. Aber das soll jeder Leser für sich entscheiden. Insgesamt ist dieser Kriminalroman ein Buch, das meiner Meinung nach Krimiliebhabern, die gleichzeitig auch ein Faible für das Münsterland, Wölfe und ungewöhnliche Geschichten besitzen, sicher ein paar spannende und vergnügliche Lesestunden zu bescheren vermag.

Veröffentlicht am 26.09.2018

Kleiner Mensch, hab Mut. Ich mache alles gut.

Hildegard von Bingen
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Die von Maria Regina Kaiser verfasste Romanbiografie „Hildegard von Bingen. Die mächtigste Frau des Mittelalters“ ist 2018 im Herder Verlag erschienen und umfasst 255 Seiten.

Die Autorin greift in ihrem ...

Die von Maria Regina Kaiser verfasste Romanbiografie „Hildegard von Bingen. Die mächtigste Frau des Mittelalters“ ist 2018 im Herder Verlag erschienen und umfasst 255 Seiten.

Die Autorin greift in ihrem Werk prägnante reale und fiktive Szenen aus Hildegard von Bingens Leben auf, verwebt sie zu einem einheitlichen Ganzen und kommt so Faszination und Geltung, die diese Nonne bis heute innehat, auf die Spur.

Gegliedert ist das Buch in ein „Vorspiel“, das ein Gespräch zwischen der Äbtissin Hildegard und ihrer Stellvertreterin Ida wiedergibt, in dem es um ein Interdikt geht, das über Hildegards Kloster verhängt wurde. Daran schließen sich drei „Bücher“ an, in denen Hildegards Leben mit ihrer Lehrerin Jutta von Sponheim, ihre eigene Tätigkeit als Magistra auf Disibodenberg und schließlich ihr Wirken als Äbtissin auf dem Rupertsberg beschrieben werden. Den Abschluss des Buches bilden historische Materialien und Grundlagen zur Biographie, eine Zeittafel, ein Register mit Personen und Orten, ein Glossar sowie Literaturangaben.

Als erstes fällt beim Lesen auf, dass ein anderes Bild von Hildegard von Bingen als das gängige gezeichnet wird. Ist Hildegard von Bingen heute in erster Linie als Kräuterfrau und Diätratgeberin bekannt, spielt dieser Aspekt hier nur eine nebengeordnete Rolle: Zwar tritt er als „Grünkraft“, was hier das Leben und Gottes Wirken auf Erden an sich umfasst, und in der Funktion Hildegards als Heilerin immer wieder auf, in der Mitte des Buches findet sich zudem eine Bildtafel mit Heilkräutern, jedoch nimmt die Verfasserin andere Aspekte des Hildegardschen Lebens in den Fokus:

Schon im einleitenden „Vorspiel“ wird Hildegard als selbstbewusste, willenstarke Frau dargestellt, die ihrem eigenen Weg folgt, sich sogar dem Willen der Obrigkeit widersetzt und entsprechend auch von ihren Mitstreiter/innen durchaus kritisch betrachtet wird. Dieses Motiv zieht sich durch den ganzen Roman, was allerdings ein sich Erinnern an die eigenen Grenzen und Unzulänglichkeiten durch Hildegard nicht ausschließt, wenn sie sich selbst immer wieder als „Asche und Moder“ oder „vergänglichen Staub“ beschreibt.

Dass Hildegards Visionen der Autorin sehr wichtig sind, kann man dem Einstieg in ihre Lebensgeschichte entnehmen, da hier gleich mit einer Vision, der Vorhersage des Todes des Onkels, begonnen wird. Diesen Visionen wird im ganzen Buch auch großer Raum eingeräumt, sogar das letzte Kapitel ihrer Lebensgeschichte endet mit einer: der ihres Todes.

Ein dritter Aspekt, der das ganze Buch begleitet, ist Hildegards Krankheit. Auch diese wird schon gleich zu Beginn beschrieben und taucht im Laufe der Lektüre immer wieder auf, besonders an prägnanten Stellen, in denen es um Hildegards Weiterentwicklung geht. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Krankheit, wie im Mittelalter durchaus verbreitet, als „Gottes Sprache“ verstanden wird: Immer dann, wenn Hildegard ein Problem gelöst hat, verbessert sich auch ihr gesundheitlicher Zustand. Im Anhang des Buches findet man hierzu auch nähere Ausführungen.

Eingeflochten in den Roman sind wiederholt historische Hintergründe, die es dem Leser erleichtern, das Gelesene zu verstehen und einzuordnen: So erfährt der Leser ganz im Nebenbei Wissenswertes über das Leben im mittelalterlichen Kloster, die Einstellung des Adels zum Klosterleben vs. Familienleben oder auch die Kreuzzüge. Hintergrundwissen, dass man nicht allgemein voraussetzen kann, wird im Anhang erläutert.

Kaisers Sprache ist flüssig und gut zu verstehen, hat jedoch auch den Anspruch, dem Thema und der Zeit zu genügen, indem ausgewählte und der damaligen Zeit angemessene Ausdrücke (z.B. Magistra, Matutin) verwendet werden.

Originalquellen entnommene Sequenzen sind kursiv gedruckt, was dem Lesenden einen noch authentischeren Eindruck von der historischen Hildegard und ihren Lebensumständen vermittelt. Selbiges vermögen zudem die recht zahlreichen Abbildungen, die das Werk illustrieren.

Insgesamt handelt es sich bei Maria Regina Kaisers Romanbiografie um eine sehr gelungene und leserfreundliche Darstellung des Lebens der Heiligen Hildegard von Bingen, die den Leser in eine lang zurückliegende Zeit entführt und daraus einen großen Teil seiner Faszination schöpft sowie Aspekte des Lebens dieser Heiligen ans Licht befördert, die ansonsten oft vernachlässigt werden. Dem Leser eröffnet sich damit ein neues Bild und weckt Lust, sich noch näher mit dem Leben dieser Heiligen zu beschäftigen.

Veröffentlicht am 26.09.2018

Lass nun ab von der Unruhe deines Herzens und gönne dir Ruhe.

Hildegards Schatzkiste
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„Hildegards Schatzkiste. Kräuterwissen, Rezepte und Heilsames für die Seele“ ist eine kleine, 144-seitige Anthologie mit Texten und Gedanken der Heiligen Hildegard von Bingen, herausgegeben von Maria Regina ...

„Hildegards Schatzkiste. Kräuterwissen, Rezepte und Heilsames für die Seele“ ist eine kleine, 144-seitige Anthologie mit Texten und Gedanken der Heiligen Hildegard von Bingen, herausgegeben von Maria Regina Kaiser und 2018 im Herder Verlag erschienen.

Nach einem kurzen Vorwort und einer Einführung in Hildegards Leben und Wirken begegnet der Leser Hildegards originalen Abhandlungen zu verschiedenen Lebensbereichen, z.B. „Mensch, Gott und Welt“ oder „Männer und Frauen“, darüber hinaus werden auch Ratschläge für „Pädagogen, Politiker, Manager und Eheleute“ gegeben. Natürlich fehlt auch nicht die Unterweisung in eine gesundheitsfördernde Lebensführung und Ernährung, abgerundet durch Rezepte, die so gewählt sind, dass man sie selbst leicht nachkochen kann. Ergänzt wird das Büchlein durch religiöse Lieder, Gebete und Gedanken sowie eine Literaturangabe. Die Herausgeberin führt, zum besseren Verständnis für den Leser, in knappen, verständlichen Worten in die einzelnen Kapitel ein.

Es ist faszinierend, Hildegards Ausführungen zu folgen: Erscheinen uns einige zunächst ein wenig altbacken und kindlich, zaubern uns sogar hier und da ein Lächeln auf die Lippen, obgleich sie im zwölften Jahrhundert den neusten Erkenntnissen entsprachen, zeugen andere von einer zeitlosen Aktualität und regen uns auch heute noch zum Nachdenken an. Dieses wiederum bezeugt, dass Maria Regina Kaiser die Texte mit Bedacht aufgewählt hat.

Ein Schmuckstück ist dieses kleine Werk zudem aufgrund seiner liebevollen Gestaltung und Farbgebung, die – genau wie Kaisers kürzlich erschienene Romanbiografie über Hildegard von Bingen – ganz von der „Grünkraft“ durchzogen ist und schon rein vom Äußeren her positiv stimmt.

Insgesamt ist dieses Buch eine lesenswerte und kurzweilige Einführung in Hildegards Denken und Wirken für diejenigen, die einmal in das Werk dieser großen Nonne „hineinschnuppern“ wollen, oder die auf der Suche nach einem originellen Büchergeschenk sind.

Veröffentlicht am 26.09.2018

Ein Thriller voller Potenzial, das leider noch nicht voll ausgeschöpft wurde.

Geschürte Angst
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Bei Anna Snoekstras „Geschürte Angst“ handelt es sich um einen Thriller, der im September 2018 bei HarperCollins als E-Book erscheint.

In Colmstock, einer heruntergekommenen und von Arbeits- und Hoffnungslosigkeit ...

Bei Anna Snoekstras „Geschürte Angst“ handelt es sich um einen Thriller, der im September 2018 bei HarperCollins als E-Book erscheint.

In Colmstock, einer heruntergekommenen und von Arbeits- und Hoffnungslosigkeit geprägten Stadt, macht sich die Angst breit. Nicht nur, dass es immer wieder von Brandstiftungen heimgesucht wird, die auch schon ein Todesopfer gefordert haben, nun finden Anwohner auch noch Porzellanpuppen vor ihrer Haustür, die ihren jüngsten Töchtern bis aufs Haar gleichen. Während die Polizei im Dunkeln tappt, wittert die angehende Journalistin Rose ihre große Chance: Mit einer Zeitungsartikelreihe zu diesen jüngsten Ereignissen hofft sie, dieser Tristesse zu entkommen. Doch sie ahnt noch nicht, was für eine Lawine sie mit ihren Berichten lostritt.

Der Prolog, in dem der Brand eines Gebäudes geschildert wird, wirft schon einige Fragen auf: Wer ist für den Brand verantwortlich? Wer ist umgekommen? In dem sich anschließenden Einstieg in den eigentlichen Handlungsstrang, in dem Handlungsort und Hauptcharaktere eingeführt werden, gelingt es Snoekstra aber leider nicht, den im Prolog aufgebauten Spannungsbogen aufrechtzuerhalten. Zwar beschreibt sie sehr eindrücklich die Trostlosigkeit des ehemaligen Arbeiterstädtchens Colmstock und die Hoffnungslosigkeit seiner Bewohner, sodass der Leser sogleich in deren Atmosphäre hineingezogen wird, aber von Spannung ist über lange Strecken nichts zu spüren. Selbst die erste Begegnung mit den ominösen Porzellanpüppchen wird eher im Nebenbei erwähnt. Dieses ist ein Phänomen, dem man in diesem Roman immer wieder begegnet: Dramatische Ereignisse werden erwähnt und auch gut beschrieben, verpuffen aber nach kurzer Zeit wieder oder werden von nebensächlichen Erzählsträngen überdeckt. Teilweise springt die Verfasserin zudem sehr schnell von Begebenheit zu Begebenheit und von Perspektive zu Perspektive, was es schwierig macht, eine Stringenz im Handlungsverlauf zu erkennen. Erst auf den letzten 100 Seiten gelingt es ihr, an Rasanz und Spannung zuzulegen, die schließlich in eine fulminanten Finale enden, wenngleich auch von fehlender Logik begleitet. Meiner Meinung nach reicht das nicht, um die Defizite der ersten Romanhälfte wettzumachen.

Die Charaktere in dieser Erzählung sind vielschichtig gestaltet, wobei man aus Rose am Ende nicht wirklich schlau wird, ob sie aus den Ereignissen wirklich etwas gelernt hat oder nicht. Aber letztlich wird es für sie das Wichtigste sein, dass sie ihre Träume nun verwirklichen kann. Einzig Sergeant Frank präsentiert sich von Anfang bis Ende als egoistischer und narzisstischer Charakter, der seine verdiente „Strafe“ bekommt.

Der Titel des Buches, und das gefällt mir, wird schon recht früh ersichtlich: Zu Beginn des zweiten Romanteils spürt der Leser, wie sich Dank Roses Artikel nach und nach eine Atmosphäre von Sensationsgier und Angst in der Bevölkerung ausbreitet. Diese Entwicklung zieht sich auch durch den gesamten Thriller hindurch.

Neben dem eigentlichen Mysterium, der Frage, wer der Verantwortliche für den Porzellanpuppenfall ist, wird in diesem Roman beispielhaft und glaubwürdig dargestellt, wie es der Presse bzw. den Medien möglich ist, die Stimmung in der Bevölkerung zu manipulieren, indem die anfänglich nicht ernst genommenen Vorfälle allmählich zu dramatischen und brutalen Reaktionen führen. Auch welche Rolle die Presse eigentlich in unserer heutigen Gesellschaft spielt, wird kritisch hinterfragt: von Wahrheitsfindung – so es denn eine objektive Wahrheit gibt – weit und breit keine Spur. Weiter wird anhand von Roses Beispiel demonstriert, wie weit ein Mensch zu gehen vermag, um seinem dürftigen Dasein zu entfliehen und Karriere zu machen.

Snoekstra bedient sich einer einfachen, leicht zu lesenden Sprache, die dem Leser keinerlei Schwierigkeiten bereitet, den Roman flüssig zu lesen. Leider fehlt es aber auf der anderen Seite an sprachlichen Glanzlichtern, die den anspruchsvolleren Leser befriedigen könnten.

Das Cover des Buches spiegelt den Inhalt des Buches und vor allem die Trostlosigkeit des Handlungsortes wider: Eine einsame Straße für im mit Wolken durchwobenen Abendrot ins Nirgendwo.

Insgesamt ist „Geschürte Angst“ ein Buch, das die Bezeichnung „Thriller“ meiner Meinung nach nicht verdient, da es einfach keinen durchgehenden Spannungsbogen enthält. Mir persönlich fehlte beim Lesen einfach der „Flow“. Es ist schade, dass es Snoekstra – trotz vieler guter und lesenswerter Passagen – nicht geschafft hat, einen Thriller zu verfassen, der sich durchweg flüssig und spannend lesen lässt. Dass sie das Potenzial dazu hat, hat sie an vielen Stellen bewiesen. Es war nett, dieses Buch zu lesen, auch zwischen den Zeilen gesellschaftskritische Impulse zu erhalten, doch von einem wirklich guten Thriller erwarte ich dann doch mehr.