Der Meister hinter dem Kunstwerk
Der Schrein der KönigeMit „Der Schrein der Könige“ widmet sich die Autorin Sabine Weiß dem Kölner Dreikönigsschrein. Wer schon einmal im Kölner Dom war, hat ihn sehr wahrscheinlich schon von Weitem gesehen, da er einen sehr ...
Mit „Der Schrein der Könige“ widmet sich die Autorin Sabine Weiß dem Kölner Dreikönigsschrein. Wer schon einmal im Kölner Dom war, hat ihn sehr wahrscheinlich schon von Weitem gesehen, da er einen sehr prominenten Platz im Dom einnimmt. Doch wer hat ihn geschaffen und unter welchen Bedingungen? Genau dieser Frage geht Sabine Weiß in ihrem Roman nach.
Reinhard von Dassel bringt die Gebeine der Heiligen Drei Könige nach Köln. Ihm zur Seite steht der Magister Ägidius, genannt Jilles. Nur der Beste soll einen Schrein für die drei Könige anfertigen, und so fällt die Wahl auf Nicolaus von Verdun. Nicolaus ist vom Schicksal schwer gezeichnet, denn er musste seine Frau und eines seiner Kinder zu Grabe tragen. Kann Köln für ihn ein Neuanfang sein? Er nimmt den Auftrag an und zieht mit seinen Kindern nach Köln. Doch die Kölner empfangen ihn nicht gerade mit offenen Armen.
Mir hat der Roman unglaublich viel Spaß gemacht, und ich mochte besonders die Geschichte um Nicolaus und seine Familie. Der Autorin gelingt es sehr gut, Fakten und Fiktion miteinander zu verweben. Am Anfang ist die Erzählung sehr dicht, zum Ende hin gibt es jedoch einige größere Zeitsprünge, die das Leseerlebnis für mich ein wenig getrübt haben. Es wirkte stellenweise etwas gehetzt, und ich hätte über einige Ereignisse am Ende gerne noch mehr erfahren.
Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen, und es macht Freude, mit ihr durch das mittelalterliche Köln zu reisen. Man merkt dem Roman die aufwendige Recherche, insbesondere zur Goldschmiedekunst, deutlich an. Für mich ist es ein gelungener Roman, der authentisch über den Bau des Schreins berichtet – denn dieser steht zweifellos im Mittelpunkt, während Figuren und Weltgeschichte gewissermaßen den Rahmen dafür bilden.
Ein Personenverzeichnis, historische Anmerkungen und ein Glossar runden den Roman ab. Auch die Kapitelbezeichnungen passen wunderbar, denn sie sind nach Heiligen und Aposteln benannt, die den Schrein zieren.