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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.01.2023

Ein intensives Sittengemälde

Die Rückkehr der Kraniche
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Wow, dieses Buch war Hörgenuss pur. Hier stimmte einfach alles!

Romy Fölck war mir bisher nicht bekannt, aber mit diesem Roman hat sie mein Herz im Sturm erobert. Sie hat eine sehr detailreiche, tiefgründige ...

Wow, dieses Buch war Hörgenuss pur. Hier stimmte einfach alles!

Romy Fölck war mir bisher nicht bekannt, aber mit diesem Roman hat sie mein Herz im Sturm erobert. Sie hat eine sehr detailreiche, tiefgründige und feinfühlige Mutter-Tochter-Schwester-Geschichte geschrieben. Ich mochte ihre intensive Betrachtung und ihre hinterfragende Art sehr. Man hat so viel gelernt über sich selbst und über Beziehungen. Sehr gut fand ich es, dass das Buch aus mehreren Blickwinkeln erzählt wird, sodass man zu allen Figuren eine intensive Beziehung aufbauen konnte.

Tessa Mittelstaedt ist für mich die Idealbesetzung. Sie schafft es jeder Figur Leben einzuhauchen und sowohl die starke als auch die verletzliche Seite zum Vorschein zu bringen. Hut ab vor dieser Leistung.

Ich konnte dem Hörbuch zu jeder Zeit folgen und konnte mir das Marschland sehr gut vorstellen. Die Stimmung, die in dem Buch kreiert wird, hat mich vollends überzeugt. Der Aufbau der Handlung ist chronologisch und nur ein kurzer Zeitraum wird erzählt, sodass die Handlung sehr dicht ist.

Für mich Hörgenuss, den ich sehr gerne allen Liebhabern von Hörbüchern weiterempfehle und solchen die gerne mit einem belletristischen Titel in das Medium Hörbuch einsteigen möchten.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Wer bin ich und wer ist meine Familie?

Blutbuch
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Wenn in der Physik Licht und Schatten einen Tanz aufführen, spricht der allgemeine Volksmund von einem Schattenspiel. Dieser Roman ist ein Spiel von hellen Elementen befleckt mit dunklen Passagen der Wahrnehmung ...

Wenn in der Physik Licht und Schatten einen Tanz aufführen, spricht der allgemeine Volksmund von einem Schattenspiel. Dieser Roman ist ein Spiel von hellen Elementen befleckt mit dunklen Passagen der Wahrnehmung für die Leserschaft. In der Erzählung geht es um die Erlebnisse des Autors in seiner Kindheit, Jugend sowie als junger Erwachsener.

Dabei schildert der Erzählende teilweise gespickt mit Metaphern und sehr emotional, mit manchmal drastischen Worten seine Gefühle und Botschaften, welche Familienmitglieder ihm durch Handeln oder Äußerungen übermittelt haben. Der Aufbau der Geschichte ist dabei nicht unbedingt stringent, sondern resultiert in stärkerem Umfang aus den individuellen Situationen des Alltags. Insgesamt gliedert der Roman sich in 5 Erzählkapitel. Der letzte Teil ist dabei in Englisch geschrieben und wird erst nach dem Ende ins Deutsche übersetzt. Hier wollte der Autor seine Abnabelung von seinen Vorfahren mit der Abkehr von Sprache determinieren. Auch wenn das stilistisch interessant klingt, habe ich dies persönlich überflüssig empfunden.

Der Schreibstil ist emotional, in manchen Passagen verschnörkelt, mit Methapern verziert, bizarr und auf der anderen Seite brachial und teilweise mit vulgärer Sprache versehen. Das Spiel mit den Metaphern, wie die Verbindung zu dem besonderen Baum der Rotbuche mit roten Blättern, der Blutbuche, sowie zu den alltäglichen Eigenarten im Heim der Großmutter hat mir gut gefallen. Die Passagen mit prägnanten Schilderungen von sexualisierten Erlebnissen als Akt der inneren Befreiung habe ich nicht als gewinnbringend für die Gesamterzählung empfunden. Ich habe Verständnis dafür, dass eine Botschaft übermitteln werden soll. Diese Schilderungen tragen meiner Meinung aber nicht zu einem verbesserten Verständnis in unserer Gesellschaft bei.

Die Großmutter wird sehr negativ dargestellt und ich konnte persönlich einige Gemeinsamkeiten zu meiner noch lebenden Oma feststellen. Ob die emotionale negative Darstellung die Objektivität vielleicht manchmal vernebelt hat, vermag ich als Frage in den Raum zu stellen. Als weitere Grundidee lässt der Autor die Leserschaft wissen, dass eine Klassifizierung, eine Abgrenzung von Merkmalen nicht erforderlich für das Zusammenleben ist. Alles kann fließend ineinander übergehen. Dieser Botschaft kann ich persönlich nicht komplett zustimmen. Aber ich möchte es so formulieren. Wir sind alle Menschen und wir müssen einander respektieren. Wenn wir Grenzen verschieben, werden neue Räume geschaffen. Aber es braucht Grenzen, damit wir nicht schwerelos werden.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Wenn aus Schauspiel Ernst wird

Der Wintermordclub
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Nachdem ich letztes Jahr mit sehr großem Enthusiasmus den „Donnerstagsmordclub“ von Richard Osman gelesen habe, war ich gespannt auf eine neue Ermittlergruppe, welche diesmal an der schönen Côte d’Azur ...

Nachdem ich letztes Jahr mit sehr großem Enthusiasmus den „Donnerstagsmordclub“ von Richard Osman gelesen habe, war ich gespannt auf eine neue Ermittlergruppe, welche diesmal an der schönen Côte d’Azur romantechnisch angesiedelt worden ist. Ich bin leider etwas enttäuscht worden. In der Handlung geht es um eine Gruppe ehemaliger Ermittler, welche sich im Berufsleben kennen und schätzen gelernt haben. Sie verbringen jedes Jahr um die Weihnachtszeit ein paar Tage in einem schönen Hotel, genannt Le Petit Hôtel. Gegenstand des jährlichen Treffens sind neben guten Essen und Gesprächen stets ein als „Kriminalfall getarntes Schauspiel“, welches die Hotelleitung extra für diese ungewöhnliche Gruppe organisiert. Doch bei diesem Treffen ist alles anders, als plötzlich eine echte Leiche im Keller gefunden wird. Alsbald fangen die ungleichen Freunde auf eigene Faust zu ermitteln. Werden sie es schaffen den Fall zu lösen?

Als wesentliche Figuren in dieser Erzählung sind die Teilnehmer der Kriminalrentner Ruben van Dijk, Louanne Chevalier, Kim Becker, Geraldine Walker, Kasimir Nowak, Alexandros Dimitriadis zu nennen. Es tauchen noch weitere Persönlichkeiten in der Erzählung auf, welche einen unterschiedlichen Einfluss auf den Fall nehmen werden. Von den Hauptcharakteren hat mir Kasimir Nowak, ein ehemaliger polnischer Rechtsmediziner am besten gefallen. Obwohl er sehr gebildet ist, zeigt dieser stets Demut vor den Problematiken der Ereignisse und beweist auch Mitgefühl gegenüber seinen Mitmenschen. Er trägt jedoch wie die anderen Figuren eine Last aus der Vergangenheit mit sich herum. Bei den anderen Figuren der Erzählung hatte ich bei deren Charaktertiefe so meine Schwierigkeiten. Einige Protagonistinnen und Protagonisten sind mir zu klischeehaft dargestellt. Hier hätte ich mir vom Autor etwas mehr Kreativität gewünscht. Mein größter Kritikpunkt an diesem Kriminalroman ist jedoch seine Struktur. Ich hatte fast den Eindruck als wäre der Grundaufbau sehr an den Donnerstagsmordclub angelehnt worden war ich etwas einfältig empfand. Auch die Überschriften, welche sich mit den einzelnen Figuren im jeweiligen Kapitel befassen, waren ebenfalls sehr ähnlich mit diesem Werk. Etwas mehr Individualität darf es dann meiner Meinung schon sein. Der Aufbau der Erzählung ist stringent, wird durch gelegentliche Zeitsprünge in die Vergangenheit unterbrochen, was aber für den Lesefluss nicht weiter störend ist. Der Schreibstil ist flüssig, dialogorientiert und gut lesbar. Positiv anzumerken ist der Spannungsbogen, welcher gerade in der Mitte der Handlung ordentlich an Fahrt gewinnt. Auch werden die Leser geschickt im Unklaren gelassen, wer die Täterin oder wer der Täter am Ende ist. Das Finale ist interessant und entschädigt für die Makel an der Struktur und den Figuren. Mit viel Spannung und ausbaufähigem Aufbau und kreativ gestalteten Charakterstrukturen kann zu diesem Krimi gegriffen werden. Ein wenig Entwicklungspotential nach oben ist aber in einem Folgeband durchaus drin.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Klimaschutz wird durch private Probleme verwässert

Der Anfang von morgen
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Klimaschutz ist ein Thema, was uns alle etwas angeht. So abgedroschen diese Phrase auch klingen mag, bin ich voller Hoffnung in dieses Hörbuch eingestiegen. Ich bin leider sehr enttäuscht worden. In der ...

Klimaschutz ist ein Thema, was uns alle etwas angeht. So abgedroschen diese Phrase auch klingen mag, bin ich voller Hoffnung in dieses Hörbuch eingestiegen. Ich bin leider sehr enttäuscht worden. In der Story geht es um vier Menschen in Schweden, welche alle ein Thema verbindet: die Auswirkungen des Klimawandels in Schweden mit Bränden in Teilen des Landes sowie Unruhen und Protesten in den Großstädten. Die vier Charaktere Didrik, Melissa, André und Vilja stehen in unterschiedlichen Lebensphasen und manche Wege kreuzen sich. Dabei erfolgen die Erzählungen chronologisch von Didrik bis zu seiner Tochter Vilja, welche mir von allen am besten gefallen hat. Didrik ist ein Unsympath und meint wegen seinem früheren Engagement für den Umweltschutz, dass er viel Gutes tut. Charakterlich ist er aber mit äußerster Vorsicht zu genießen. Melissa ist seine ehemalige Geliebte und wirkte in vielen Passagen sehr infantil und naiv. Ihre ständigen gewünschten Boshaftigkeiten gegenüber ihrem Ex und ihrer Selbstbemitleidung habe ich als sehr negativ empfunden. André, der Sohn eines ehemaligen bekannten Tennisspielers leidet unter dem Leistungsdruck und den unterschwelligen Demütigungen seines Vaters. Aber er war mir zu einseitig und ordinär dargestellt und seine in der Geschichte getätigten Handlungen waren oft nicht von großer Relevanz. Einzig allein Vilja hat für etwas Abwechslung in der Geschichte gesorgt und ich konnte ihrem Charakter an einigen Stellen etwas abgewinnen. Insgesamt waren mir die Figuren in vielen Passagen zu blass und überzeichnet dargestellt. Auch hatte ich gerade beim Hören oft das Gefühl, dass der Autor versucht hat Seiten zu füllen. Viele einzelne Erzählpassagen sind dabei mit einem Sprung in die Vergangenheit unterbrochen worden, was in einigen Fällen nicht unbedingt zu neuen Erkenntnissen für den Hörer geführt hat. Die Sprecher machen ihre Sache gut, ohne aber besonders herauszustechen. In einigen Passagen schafft es der Autor auf die Folgen der Klimakatastrophe aufmerksam zu machen. Doch durch die ständigen zwischenmenschlichen Probleme der Protagonisten sowie einigen subtilen und überflüssigen Dialogen zerstört er die Illusion eines „Warnromans“ gegen den Klimawandel. Ich bin nicht zufrieden gewesen und kann aus diesen Gründen dieses Werk leider nicht empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Machtkampf mit viel historischen Fakten

Der eiserne Herzog
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Es ist immer wieder erstaunlich, dass viele menschlichen Eigenschaften sich damals genauso herauskristallisieren, wie sie es noch in der heutigen Zeit tun. Auf Seite 447 des Buches heißt es „Wie sehr der ...

Es ist immer wieder erstaunlich, dass viele menschlichen Eigenschaften sich damals genauso herauskristallisieren, wie sie es noch in der heutigen Zeit tun. Auf Seite 447 des Buches heißt es „Wie sehr der Mensch von seiner Gier getrieben wird“. Macht, Ruhm Ehre haben viele Menschen seither angetrieben oder fasziniert träumen lassen. Mit seinem eisernen Willen und einer großen Portion Gier beweist Guilhem, dass auch ein noch so unvermeidlich übermächtiger Gegner kein Grund ist von einem Vorhaben abzurücken. In der Story, welche in unterschiedlichen Zeitfenstern spielt, geht es um den Herzog der Normanide, Guilhem welcher von klein auf gelernt hat mit den Härten des Lebens umzugehen. Er versucht sein Reich zu einen und lässt sich auch von kleinen Widerständen und Scharmützeln nicht beeindrucken. Plötzlich erfährt er, dass sein Onkel Eadweard, der König von England, ihn zu seinem Thronnachfolger bestimmt hat. Trotz Bedenken seiner Angehörigen ist er fest entschlossen dieses Angebot anzunehmen. Doch auf der Insel begehrt eine mächtige Familie auf. Es kommt zu einem folgenschweren Treffen, welches alles verändert. Bald beginnt das unvermeidliche und Guihem muss sich entscheiden, kämpfen oder aufgeben. Guilhem ist eine sehr starke Persönlichkeit. Trotz seiner besonderen Fähigkeiten beweist er stets aber auch in schwierigen Situationen teilweise Demut. Obwohl er von sich überzeugt ist, hört er sich durchaus Ratschläge von nahen Angehörigen an. Weitere sehr erwähnenswerte Figuren in der Geschichte sind der Harold Godwinson, Sohn des mächtigen Earl Godwins, König Eadweard, Ealdgyth die Ehefrau von Harold, sowie Matilda die Ehefrau von Guilhem. Gerade die beiden Frauen sind die heimlichen Heldinnen der Erzählung. Matilda hat ihren eigenen Kopf und steht trotz aller widrigen Umständen stets zu ihrem Gemahl. Ealdgyth hat aufgrund bestimmter Umstände das Vertrauen in ihren Gatten verloren und beweist doch das in entscheidenden Situationen die Liebe stärker als die Wut sein kann. Aber auch die Rolle von König Eadweard fand ich äußerst interessant. Dieser wird als sehr schwach und oft hilflos bezeichnet. Er ist die tragische Figur in dieser Geschichte. Der Aufbau der Geschichte ist sehr stringent und wird durch Zeitsprünge in die Zukunft manchmal unterbrochen. Auf den Lesefluss hat dieses aber keinen Einfluss. Der Handlungsrahmen wird in insgesamt drei Bücher aufgeteilt. Die Spannung der Handlung nimmt in der Mitte des Buches zu und findet erst am Ende ihre Auflösung. Der Schreibstil ist gehoben, sehr gut lesbar und teilweise dem damaligen Sprachgebrauch angepasst worden, was ich sehr trefflich fand. Der Autor hat sich auch entschieden die damaligen Namen- und Ortsnamen zu nennen. Auch wenn diese manchmal etwas schwierig zu lesen ist finde ich es gut und auch interessant die damaligen namentlichen Gepflogenheiten kennen zu lernen. Als Besonderheit sind neben einer Karte des Handlungsgeschehens ein Personen- sowie ein Ortsverzeichnis zu nennen. Auch die sehr unverblümte Darstellung des damaligen Sitten- und Moralempfindens hat mir imponiert. Menschenrechte haben damals nicht viel gezählt und in der Schlacht von Hastings gab es am Ende überhaupt keine Gnade für Mensch und für Tier. Das Fazit ist sehr positiv. Mit viel historischem Fachwissen hat der Autor um eine wahre Begebenheit eine Geschichte mit interessante „fiktiven“ Dialogen und Ereignissen gestaltet. Ich bin sehr gut unterhalten worden und kann allen Anhängern von historischen Romanen sowie Freunden der Geschichte Englands diesen Roman sehr gut empfehlen.

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