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Veröffentlicht am 25.12.2025

zum Greifen nah

Origin – Die Erlösung
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Endlich ist es so weit! Das Team um Lea Lehora war noch nie so nah dran, das Geheimnis der ersten Menschen zu entschlüsseln! Allen Widrigkeiten zum Trotz, scheint die Entdeckung endlich zum Greifen nah! ...

Endlich ist es so weit! Das Team um Lea Lehora war noch nie so nah dran, das Geheimnis der ersten Menschen zu entschlüsseln! Allen Widrigkeiten zum Trotz, scheint die Entdeckung endlich zum Greifen nah! Hunderte Jahre Kälteschlaf, Tod, Verrat, Angst und die Zerstörung ihrer Raumschiff konnte sie nicht aufhalten! Und doch, was nutzt das Wissen, wenn die Entdecker es mit ins Grab nehmen?

Das Cover zeigt eine Raumstation, die in den unendlichen Weiten des Weltalls zu schweben scheint. Umgeben von Sternen, Meteoriten, Licht und Schatten ist sie Zuflucht, Sicherheit und Geborgenheit. Gleichzeitig strahlt sie allerdings auch den unbändigen Willen des Entdeckens auf mich aus. Das Bild passt hervorragend zu der Serie und gliedert sich perfekt in den Vorgängerbüchern ein.

Brandon Q Morris hat einen interessanten, schwer greifbaren Schreibstil. Er schreibt spannend und mitreißend und dabei kühl und überlegt. Diese Mischung las sich sehr gut und wiegte mich an schwierigen Passagen in Sicherheit. Allerdings muss ich gestehen, dass gerade die technischen Beschreibung auf mich langatmig wirkten und ich froh war, wenn spritzige Dialoge diese ablösten.
Waren die ersten beiden Bände für mich schon durch ein unheimlich beklemmendes Gefühl geprägt, steigerte es sich jetzt zu einem schieren Crescendo. Die Unendlichkeit des Alls ist so unfassbar einengend und löst bei mir regelrecht Platzangst aus. Denn ein falscher Schritt, eine falsche Entscheidung, ein Steinchen, das den Weg des Raumschiffs kreuzt und schon endet alles mit dem sofortigen Tod. Gefangen in einer Blechbüchse mit nicht viel zwischen mir und dem Tod, schafft Brandon Q. Morris eine unerträgliche Stimmung, die regelrecht bedrückend wirkt.
Und doch war für mich die Suche nach den ersten Menschen prägend. Dieser Forscherwille, der alles andere niederzuwalzen schien. Bzw. nicht nur schien! Denn neben den Forschern waren auch andere Menschen an Bord der Raumschiffe, doch deren Wünsche, Hoffnungen und Träume wurden mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt. Obwohl, rückblickend betrachtend, bin ich mir nicht mehr sicher, ob das die richtige Formulierung ist, oder ob die Crewmitglieder nicht angesteckt wurden, von dem Hunger nach Wissen. Egal welche Opfer sie bringen müssen, egal wie gefährlich die Situation ist, sie halten zusammen. Mit dem Willen zu Überleben und zu Wissen!

Denn die drei Romane leben eindeutig von ihren Protagonisten! Besonders Lea Lehora ist ein außergewöhnlicher Charakter, der mich stets fesselte. Gerade durch den Wechsel der Autoren, bekam Lea eine unfassbare Tiefe und Authentizität. Die Lea aus Band eins ist zwar immer noch die ursprüngliche Lea, doch sie reift an ihren Erlebnissen, Erfahrungen und dem Zuwachs an Wissen. Den drei Autoren gelang es meisterhaft, diese Figur immer sich selbst sein zu lassen und ihr gleichzeitig ihren persönlichen Stempel aufzudrücken.
Ich finde, dass die Nebencharaktere die einzelnen Autoren perfekt widerspiegeln und bin froh, dass sie diese Möglichkeit der Entfaltung bekommen und ergriffen haben. Es ist zwar eine Trilogie und trotzdem ist jeder Band einzigartig!

Mein Fazit

Eine unvergessliche Reise ins All, auf den Spuren der Menschheit! Grandios!

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Veröffentlicht am 24.12.2025

Schocker mit Happy End?

Verbrenn das Negativ
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Laura war in der Welt des Film und Fernsehen ein absoluter Star! Zumindest als Kind. Bis sie den Horror Film The Guesthouse drehte. Danach änderte sich ihr Leben; denn der Film ist verflucht und alle Beteiligte ...

Laura war in der Welt des Film und Fernsehen ein absoluter Star! Zumindest als Kind. Bis sie den Horror Film The Guesthouse drehte. Danach änderte sich ihr Leben; denn der Film ist verflucht und alle Beteiligte starben.
Jetzt, dreißig Jahre später soll der Film unter den Titel It Feeds neu produziert werden. Und Laura als Journalistin soll Interviews führen. Gegen ihren ausdrückliche Wunsch und Willen reist sie nach L.A.

Und das Sterben beginnt erneut...

Das Cover ist in einem kräftigen Rot gehalten. Ein Negativ, das in Flammen steht und ein goldenes Feuerzeug zieren die Mitte des Bildes. Es hat einen achtziger Jahre Charme, der mich erst nicht ansprach. Als ich dann allerdings den Klapptext las, faszinierte mich die Geschichte, die zwischen den Seiten schlummert.

Josh Winning versteht es gekonnt, Spannung aufzubauen! Mysteriöse Todesfälle, ein Fluch, die Glemmerwelt Hollywoods und die Stars und Sternchen der Filmbranche. Alles, was ein gutes Buch ausmacht, stand als Grundgerüst! Und doch war das Geschehen längst nicht so vorhersehbar, wie es auf den ersten Blick schien! Ich muss gestehen, dass mich Josh Winning immer wieder in die Irre führte und meine anfänglichen glasklare Theorie über das Buch in Schutt und Asche legte. Sobald ich mich auf ein neues Gedankenspiel einließ, wurde auch dieses pulverisiert, so dass ich mich schließlich treiben ließ und dem Autor die Kontrolle überließ. Und das war auch gut so, denn auf diesem Weg konnte ich der Handlung wie im Film einfach folgen und dem Schrecken die Regie überlassen!

Besonders gut haben mir die Protagonisten gefallen! Auf den ersten Blick erfüllten sie alle ihre Rollen und passten ins Klischee. Erst auf den zweiten wurde mir klar, dass sie vielschichtiger und interessanter waren, als der äußere Anschein es vermuten ließ! Genau wie das Cover steckt viel mehr in ihnen, als es schien.

Mein Fazit

Ein packender Horrorthriller mit immer wieder überraschenden Wendungen!

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Leid, Liebe und Tränen

Das Lied des Herzens
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Robbie lebt gemeinsam mit Michelle Hughes und seinem Ziehvater Ezra in einem harmonischen Wolfsrudel. Robbie ist Michelles Stellvertreter und somit der zweit wichtigste Mann, gleich nach der Alpha aller ...

Robbie lebt gemeinsam mit Michelle Hughes und seinem Ziehvater Ezra in einem harmonischen Wolfsrudel. Robbie ist Michelles Stellvertreter und somit der zweit wichtigste Mann, gleich nach der Alpha aller Wölfe. Sein Ansehen ist hoch, er wird von jedem um Rat gefragt und die Kinder spielen mit ihm. Trotzdem ist Robbie traurig; ruhelos; rastlos. sein Herz ist einsam.
Bis Robbie eines Tages vom Bennett Rudel entführt wird. Sie behaupten, dass er zu ihnen gehört. Gegen die Alpha aller kämpfen muss und von Robert Livingstone manipuliert wurde. Robbis kann und will den Abtrünnigen nicht glauben. Doch etwas zieht an seinem Herz. Immer wenn Kelly den Raum betritt, klopft es schneller und seine Liebe zu dem wunderbaren Wolf erwacht - wieder.

Das Cover zeigt die beiden Wolfsfiguren von Kelly und Robbie. Die beiden schmiegen sich aneinander, ihre Köper bilden eine Herzform. Im Hintergrund ist die wilde Herbstpracht von Green Creek zu sehen. Blätter wirbeln um die Liebenden und verbreiten eine intime Zweisamkeit, die mich berührt.

T.J. Klune konnte mich auch mit seinem neusten Werk in seinen Bann ziehen. Ich war froh und dankbar, dass die Geschichte um das Bennett Rudel endlich weitergeht und fiebert förmlich auf den dritten Teil. Besonders, weil ich gespannt war, wie die Geschichte des Rudels weitergeht und vor allem, wie sich die Bande weiter festigen.
Diesmal hat T.J. Klune die Geschichte aus der Sicht von Robbie geschrieben. Er ist der Ich-Erzähler, der mich durch das Buch und die Geschehnisse führt. Oder besser gesagt, in einem wilden Strudel aus Hass, Gewalt, Liebe und Leid mit sich reißt. Ich schmeckte förmlich die Einsamkeit, die Robbie tief in seinem Herzen trägt. Er wird zwar von der Gemeinschaft der Wölfe in Caswell getragen, doch Lug und Betrug sind eben keine Basis, um ein Leben aufzubauen. Vor allem, weil Robbie die unendliche Trauer um den Verlust seines Gefährten spürt, aber nichts davon weiß.
Als er schließlich zu seinem Rudel zurückfindet, zerreißt es mich fast noch mehr! Die Angst von allen zu spüren, die Verzweiflung und ganz besonders die Selbstzweifel, machten das Lesen zu einem sehr intensiven Erlebnis. Dem Autor gelingt es mühelos, mich in diesen Strudel zu ziehen und doch gleichzeitig voller Mut und Hoffnung in die Zukunft zu blicken, dass die Bande der Liebe, des Rudels einfach zu stark sind, um alles auszuhalten.

Und während das Rudel einen inneren Kampf ausficht, Robbie wieder in die Reihen zu integrieren, geht die eigentliche Geschichte um die Wölfe von Green Creek weiter. Ich finde es unfassbar faszinierend, dass T.J. Klune sein Buch weiter erzählt und durch die unterschiedlichen Blickwinkel dem Erzählten immer wieder eine neue Sicht verleiht. Das Gerüst bleibt und gleichzeitig ist es nicht starr, sondern bewegt sich, formt sich, ja ist lebendig. Wie das Leben!
Mit Gerüst meine ich, dass sich das Rudel von Green Creek um die beiden Alpha Ox und Joe entwickelt. Sie sind unbeugsam und stark. Sie scheuen keinen Kampf, so blutig und brutal er auch sein mag. Und der Autor geizt wahrlich nicht mit blutigen Details und Einzelheiten, die mich in dieser zarten Liebesgeschichte immer wieder aufs Neue verblüffen.

Nicht nur die Werwölfe haben einen gewichtigen Platz in dem Buch, sondern auch die Hexen. Ich liebe den magischen Aspekt und finde es immer wieder faszinierend und spannend. Gerade der Kampf zwischen Vater und Sohn, Robert und Gordo, gibt dem Werk einen besonderen Kick, den ich mag.

Die Charaktere und die Handlung bilden eine untrennbare Einheit. Keine Seite kann ohne die andere existieren, keiner kann ausgetauscht werden. Selbst kleinste Randfiguren leuchten mit einem kräftigen Licht und rücken plötzlich und unvorhergesehen in den Mittelpunkt. Ich kann gar nicht sagen, wer mir am besten gefällt, zu wem ich die intensivste Bindung aufbauen konnte. Keiner ist ersetzbar; das Rudel lebt durch die Einigkeit, dadurch, dass jeder für sich wichtig ist. Durch Liebe, Respekt und Ansehen verbunden, ist das Green Creek Rudel eine Gemeinschaft, die an sich weiter wächst.

Die Bücher von T.J. Klune sind einfach magisch! Gefühlvoll, stark, unbeugsam und liebevoll, geht mir einfach jedes unter die Haut!

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Veröffentlicht am 16.11.2025

KI und Klimakriese

2050 – Überleben hat einen Preis
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Die Klimakriese hat ihren Preis gefordert. Hunderte, tausende, hunderttausende Menschen sind gestorben, Millionen auf der Flucht und noch immer ist die Erde nicht fertig mit ihrer Rache an der Spezies ...

Die Klimakriese hat ihren Preis gefordert. Hunderte, tausende, hunderttausende Menschen sind gestorben, Millionen auf der Flucht und noch immer ist die Erde nicht fertig mit ihrer Rache an der Spezies Mensch. Zu viel wurde abgebaut, zu viel verbraucht, zu viel Schindluder mit Mutter Erde getrieben. Und der Preis war hoch. Sehr hoch. Jetzt, wo es fast zu spät ist, will sich die Welt endlich zusammen schließen und gegen den Klimawandel vorgehen und retten, was noch zu retten ist.
Ein schier aussichtsloser Kampf, den entweder eine KI oder ein ehemaliger Präsident bestreiten soll. Gewählt von der Weltbevölkerung, ausgestattet mit der gesamten Macht aller.

Das Cover zeigt eine Großstadt. Versunken in einem Sand- und Feuersturm, ist ein Überleben nicht mehr möglich. Das Ende ist nicht nah. Es ist da!
Dieses Bild, zusammen mit dem Klapptext haben mich zu dem Buch greifen lassen.

Thomas R. Weaver zeichnet ein Szenario, das mir unter die Haut geht. Er lässt jede Katastrophe vor meinem inneren Auge erscheinen, auf die wir tatsächlich zu steuern. Nur wann ist gerade die Frage, die der Autor für sich schon beantwortet hat. Nicht irgendwann, sondern 2050 sind schon Hunderttausende an den Folgen des Klimawandel und den selbst herbeigeführten Katastrophen gestorben. Über den ganzen Globus rasen nicht nur Naturgewalten, sondern auch die Trauer über die verstorbenen.
Endlich scheint es ein Einsehen zu geben! Die Menschheit schließt sich zusammen, um eine Art Weltenherrscher zu wählen, der die Kriese endlich beenden soll. Ein Weg in eine lebenswerte Zukunft muss gefunden werden! Zusammen! Für jeden und nicht nur für die Superreichen! Das alles zeigt Thomas R. Weaver schonungslos auf. Es macht mich wütend, das zu lesen!
Und doch konnte mich das Gelesenen nicht wirklich an das Buch fesseln. Mir war es einfach viel zu politisch. Die Ränkespiele, so durchdacht sie auch waren, ermüdeten mich. Ich hatte mit einem Aktion geladenen Endzeit-Thriller gerechnet und mich auch darauf gefreut. Leider wurde ich von Politik und dem ewigen Hin und Her, den Spielchen der Reichen und Mächtigen überrascht. Oder eher heimgesuchte, denn das haben wir auch jetzt schon.

Die Protagonisten sind Thomas R. Weaver authentisch gelungen. Ich konnte mich ohne Probleme in sie hineinversetzen und ihren Handlungen folgen. Wobei hier Können nicht gleich Wollen war. Ich liebte die Reisen und die Beobachtungen, wie sich die Welt verändert hat. Die Cocktailpartys und Diskussionen hingegen nicht.
Die Idee, die Weltherrschaft einer KI zu überlassen und sie gegen einen alternden US Präsidenten antreten zu lassen, hat mir sehr gut gefallen! Denn gerade jetzt, im Hinblick auf die albanische Ministerin Diella, die ebenfalls eine KI ist, scheint die Zukunftsmusik gar nicht mehr so weit entfernt zu sein. Und ja, ich bin in vielen Bereichen ein Befürworter, denn rein objektiv betrachtet, wird eine KI bessere Entscheidungen treffen. z.B. im Baugewerbe, ob dort ein Haus entstehen darf oder nicht; oder wenn es um Berechnungen der Statik oder der gleichen geht. Sobald jedoch ein emotionaler Aspekt hinzukommt, verliert die KI. Dieses ungleiche Gleichgewicht in einem Buch herauszuarbeiten ist dem Autor sehr gut gelungen, vor allem im Hinblick auf den teils korrupten Gegner. Mir macht es Freude, die Gedanken schweifen zu lassen und mir Szenarien auszudenken, zu erweitern und weiter zu spinnen.

So spannend das Thema auch ist; mich konnte der Autor leider nicht abholen.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Glaube und Hoffnung

Das Schiff der verlorenen Kinder
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Nach einem besonders heftigen Streit mit den Eltern, finden sich die beiden Brüder Leo und Felix plötzlich auf einem Schiff wieder. Ihr Zimmer wurde aus der Wirklichkeit gerissen und befindet sich jetzt ...

Nach einem besonders heftigen Streit mit den Eltern, finden sich die beiden Brüder Leo und Felix plötzlich auf einem Schiff wieder. Ihr Zimmer wurde aus der Wirklichkeit gerissen und befindet sich jetzt auf der Seelenfänger; einem unheimlichen Schiff, dass mit Monstern bestückt, durch die immer währende Nacht fährt. Die einzigen Menschen an Bord sind Kinder, die sich selbst die Verschollenen nennen. Gequält in der Wirklichkeit finden sie sich in einem wahr gewordenen Alptraum wieder.
Doch so sollte es nicht sein, denn ursprünglich war das Schiff für gequälte Seelen konzipiert, um ihnen Frieden zu schenken...

Das Cover ist sehr dunkel gehalten. Es zeigt die Seelenfänger in ihrem gewaltigen Ausmaß. Sie glitzert förmlich in der Dunkelheit und droht Licht, Hoffnung und Leben zu verschlingen. Im Vordergrund, der Nachtturm, beschienen von silbrigem Mondlicht. Auch er wirkt nicht hoffnungsvoll, sondern bedrohlich und einsam.
Ich finde das Coverbild sehr stark gewählt. Es spricht von der Mutlosigkeit, die dem Buch innewohnt und lässt kaum gute Gedanken zu.

Boris Koch schreibt sehr stark und bildgewaltig. Es fiel mir erschreckend leicht, mich auf der Seelenfänger zu verlieren. Gemeinsam mit den Protagonisten schlich ich durch das geheime Labyrinth der Luftschächte, fürchtete mich in den schier endlosen Gängen des Schiffes und erschrak, wenn ein Monster meinen Weg kreuzte. Die Hoffnungslosigkeit, die Resignation und die Angst der Kinder und Jugendlichen schmeckte ich förmlich auf der Zunge und ließ mich in einen Strudel der Mutlosigkeit mitreißen.
Im Gegensatz zu den Passagieren konnte ich mich jedoch auch an der schillernden Phantasie des Autors erfreuen und die Umgebung bestaunen und bewundern! Denn bei all der vorherrschenden Dunkelheit, fand ich es auch faszinierend und ich staunte immer wieder über die Wendungen, die das Buch nahm!
Ursprünglich war das Schiff gebaut, um die Kinder und Jugendlichen aus ihren grausamen Zuhause zu retten. Der Wirklichkeit zu entreißen und ihnen ein Leben fernab der Quälereien zu ermöglichen. Doch mit den Kindern kamen auch die von ihnen erschaffenen Monster mit an Bord. Unbezwungen, ignoriert und zur Seite geschoben, rotteten sie sich zusammen und übernahmen das Kommando. Statt Glück herrschte plötzlich Terror und das Leben jenseits der Wirklichkeit gestaltete sich als noch viel grausamer. Und es gibt kein Entkommen. Außer, die Kinder stellen sich ihren Ängsten.

Doch der wirkliche Atem wurde von Boris Koch dem Buch durch seine Protagonisten eingehaucht. Ich liebe jeden von ihnen von konnte sofort eine Beziehung aufbauen. In der Atmosphäre der Angst und Unsicherheit glimmt ein kleiner Funke der Hoffnung. Der Hoffnung und der Zusammengehörigkeit. Denn in den tiefsten Tiefen des Schiffes, im Labyrinth, versteckt sich Asra. Sie beobachtet, analysiert und bleibt am Leben. Als die Brücher Leo und Felix plötzlich auftauchen, gibt sie ihnen Tipps. Das Wunder geschieht: Sie überleben einen Werwolfangriff, als sie Chrissy retten. Denn es ihr Werwolf, den es zu bezwingen gibt. Durch diese Tat schwappt die Hoffnung in einer kleinen Welle über das Schiff, die sich zu einer bahnbrechende Woge auftürmt.
Die Interaktion der Jugendlichen zeugt von viel Verstehen, Vertrauen und Glaube, die in meinen Augen nur Kindern gegeben ist, die noch an die eigene Unsterblichkeit glauben. Der Autor schenkt mir ein kleines Stückchen dieses Glauben; plötzlich ist alles möglich, was ich sehr spannend fand und mehr als gerne gelesen habe.

Das Schiff der verlorenen Kinder ist mehr als eine Reise ins Ungewisse. Es ist auch eine Reise ins Ich und regt zum Nachdenken, aber auch zum Träumen ein. Vieles ist möglich! Wenn man den richtigen Zauberspruch kennt und den Glauben an sich selber nicht verliert!

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