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Veröffentlicht am 13.12.2021

Miriams, der letzten Schwester Geschichte

Die Schwestern vom Ku'damm: Ein neuer Morgen
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Meiner Besprechung des vierten und letzten Bandes um „Die Schwestern vom Ku'damm“ möchte ich ein Zitat von Friedrich Nietzsche voranstellen.
„Gut lesen, das heißt langsam, tief-, rück- und vorsichtig, ...

Meiner Besprechung des vierten und letzten Bandes um „Die Schwestern vom Ku'damm“ möchte ich ein Zitat von Friedrich Nietzsche voranstellen.
„Gut lesen, das heißt langsam, tief-, rück- und vorsichtig, mit Hintergedanken, mit offen gelassenen Türen, mit zarten Fingern und Augen lesen“
Und, so füge ich hinzu, man muss ein Buch wie dieses mit dem Herzen lesen, muss sich einfühlen in die Figuren, um sie in ihrer ganzen Vielschichtigkeit zu begreifen. Und dann geschieht mitunter etwas, das nur wirklich gute Bücher vermögen: die fiktiven Gestalten bekommen nicht nur Gesichter, sondern werden real, steigen aus ihren Geschichten heraus, werden gleichsam zu lieben Bekannten, zu Freunden gar, begleiten ihre Leser durch ihren Alltag und bleiben auch noch lange nach beendeter Lektüre bei ihnen.
„Ein neuer Morgen“ ist Miriam gewidmet, inzwischen Chefdesignerin im familieneigenen Modekaufhaus, auch sie eine der Thalheim Schwestern, der Beziehung Friedrich Thalheims mit der begabten Jüdin Ruth Sternheim entstammend, erst spät von dem eigenwilligen und, so wie ich ihn kennengelernt habe, schwierigen und kantigen Patriarchen als leibliche Tochter anerkannt – mit Freuden, so muss man freilich anerkennen! Und so gehören weite Teile von Miriams Geschichte ganz ihr, haben keine Überschneidungen mit der Familiengeschichte, die die drei anderen Töchter teilen, und werden dem Leser, der die Vorgängerbände kennt, erst jetzt, in Miriams Geschichte, enthüllt. Und was er da erfährt über die stille, freundliche Miriam mit der außergewöhnlichen, von der Mutter geerbten, Begabung für Mode und deren Erschaffen, ist erschütternd und wahrhaft berührend! Miri nämlich, inzwischen längst glücklich mit dem liebenswürdigen österreichischen Gastronomen Schani verheiratet, der ihretwegen zum Judentum übergetreten ist, Adoptivmutter der mittlerweile heftig pubertierenden Jenny und leibliche Mutter der kleinen Lilly, die so unvermutet ins Leben ihrer nicht mehr jungen Eltern geschneit ist und für einigen Wirbel in der nun vierköpfigen Familie sorgt, lebte in den letzten drei Kriegsjahren nach der Verhaftung und Ermordung ihrer Mutter im Berliner Untergrund, immer in Todesangst vor den Nazi-Häschern, ständig auf der Hut, hatte aber das Glück, immer wieder mutigen und anständigen Menschen zu begegnen, die ihr halfen, die sie versteckten und ihr damit das Leben retteten.
Miris Rückblenden durchziehen den gesamten Roman – und dass sie nun, mehr als zwanzig Jahre später, bereit ist, über das, was sie durchleben und durchleiden musste, zu sprechen und damit unbewusst genau das tat, was man heute als Traumabewältigung bezeichnet, mag mehrere Ursachen haben. Für uns Leser aber sind Miris Erzählungen – Streiflichtern gleich -, mit denen sie uns auf eine Reise mitnimmt in die Vergangenheit, in die dunkelste Epoche der jüngeren deutschen Geschichte, immer einen Anlass habend, der Erinnerungen aufkommen lässt, die unbedingt ans Licht des Tages wollen, wichtig, um die vielleicht sympathischste und bescheidenste der Thalheim Schwestern in all ihren Facetten kennenzulernen. In dem Maße, wie Miri diese unbekannten Jahre ihres Lebens aus dem Dunkel des Vergessens, oder besser des Verschließens, ans Licht kommen lässt, wie die schmerzvollen Erinnerungen endlich selbst mit Macht nach draußen drängen, nähert sich die Vergangenheit der Gegenwart an, verknüpft sich schließlich mit ihr und gibt ein Gesamtbild von Miriam. Wer da meint, er könne die Vergangenheit abstreifen wie einen alten Handschuh, unterliegt einem Trugschluss. Alles was Miriam – und das gilt für jeden von uns – in ihrem Leben erlebt hat, das Gute wie das Böse, hat sie geprägt, sie zu dem Menschen gemacht, der sie heute ist und in der Zukunft sein wird.
Dankbar ist man als Leser stets aufs Neue für die Atempausen, die uns gewährt werden, wenn Miri aus ihren die Seele berührenden Erinnerungen wieder ins Hier und Heute zurückkehrt, das gerade für sie seine ganz eigenen Herausforderungen bereithält und in dem sich unverhofft Dinge ereignen, die gar ihr bisheriges Leben, ihre Beziehung zu Schani in Frage zu stellen drohen, in dem es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren und kluge Entscheidungen zu treffen, für sich selbst und für die Ihren.
Ja, es ist Miris Geschichte, die wir in diesem mitreißenden Buch erfahren, aber fast von Beginn an sind auch die übrigen Thalheims und die ihnen Zugehörigen mit an Bord, die man so gut kennengelernt hat in den ersten drei Bänden, allen voran die drei Schwestern, Protagonistinnen ihrer jeweils eigenen Geschichten: die vernünftige Rieke, einstmals Retterin des Modekaufhauses Thalheim, das nunmehr, im Jahre 1965, kaum wiederzuerkennen ist und sein Gesicht bis zum Jahr 1972, das das Ende der Saga darstellt, noch mehrere Male ändern wird, immer mit der Zeit gehend, um konkurrenzfähig zu bleiben. Silvie, die ehemalige Rundfunksprecherin, die mittlerweile mit Begeisterung und Kreativität ihre Buchhandlung führt und schließlich die Künstlerin und Nonkonformistin Flori, das Nesthäkchen der Thalheims. Sie haben sich weiterentwickelt, sind natürlich älter geworden, ihre eigenen Kinder wachsen heran, ihrerseits bald bereit, den Sprung ins Leben zu wagen, voller Selbstbewusstsein und Neugierde auf das, was dieses für sie bereit halten mag.
Gerade in den 60er Jahren tut sich viel, finden allenthalben Veränderungen statt; die meisten Thalheims gehen mit, bleiben nicht dem Gestern verhaftet, stellen sich den neuen Herausforderungen. Alle bis auf Friedrich Thalheim, was niemanden, der ihm in den Vorgängerbänden begegnet ist, verwundert. Ewig gestrig, ewig skeptisch macht ihn das Neue, das da auf ihn zurollt, Angst; er ist gefangen in sich selbst, ein Konservativer vom Scheitel bis zur Sohle. Und auch wenn er milder geworden ist, sentimentaler, wie das bei alten Menschen oft der Fall ist, sind einige seiner Entscheidungen schlicht und einfach töricht, wie der Leser ein wenig konsterniert feststellen wird. Für Überraschungen war er halt schon immer gut, der eigenmächtige Patriarch seiner immer zahlreicher werdenden Familie!
Und zum Schluss meiner Gedanken noch einige Anmerkungen zu der zweiten Hälfte der 60er Jahre, in der die Handlung des Miriam gewidmeten Bandes vorwiegend angesiedelt ist, gleichzeitig des Bandes, der für mich der wohl wichtigste des Vierteilers ist, sind diese Jahre doch Teil meiner eigenen Geschichte, meines eigenen Erwachsenwerdens, bewusst selbst erlebt, als Zeitzeugin, wenn man so möchte. Mit dem Aufblühen der 68er-Bewegung, der APO und ihrer Galionsfiguren machte sich eine junge, respektlose und idealistische Generation daran, aufzuräumen mit dem Filz und Muff der vergangenen Jahrzehnte. Dazu gehörte ein Sichauflehnen, lautstarke Demonstrationen mit rhetorisch brillanten Wortführern. Einige fatale Auswüchse waren nicht unbedingt vorhersehbar oder wurden zu lange nicht ernst genommen und waren ganz sicher so, wie sie sich dann manifestierten, nicht gewollt, nicht im Sinne der Erneuerer. Indem Brigitte Riebe wichtige, inzwischen bereits historische Ereignisse wie den alles ins Rollen bringenden, stark umstrittenen Schah-Besuch in Berlin in ihre Geschichte einbaut, verleiht sie dem Roman eine überzeugende Authentizität. Und trotz der fiktiven Handlung erscheint mir keines der vier Bücher um die Thalheim Schwestern so nahe an der Realität, so echt, so fassbar, wie dieses hier, das ich in all seiner Buntheit und Vielfalt, mit seinen größeren und kleineren Begebenheiten und mitsamt auch des kleinsten, aber immer fein gezeichneten Nebencharakters ganz sicher lange, lange im Gedächtnis bewahren werde.
Mit „Ein neuer Morgen“ ist die Ku'damm-Saga nun abgeschlossen. Und das ist in Ordnung, denn es ist folgerichtig. Brigitte Riebe hat die Weisheit beherzigt, dann aufzuhören, wenn es am schönsten ist und überlässt ihre Charaktere und deren künftiges Schicksal nun der Phantasie des Lesers. Die Thalheim Schwestern und ihre Kinder sind auf einem guten Weg, stark genug, das Leben mit all seinen Herausforderungen und Unwägbarkeiten zu meistern, dabei auch mal durch Talsohlen zu gehen, denn auch diese gehören zum Leben. Die Generationen, die da nachfolgen, tragen das Erbe derer in sich, die vor ihnen waren, auch lange vor ihnen, die aber, so bleibt zu hoffen, in ihrer Erinnerung weiterleben werden – so wie Ruth Sternberg in Miriam, um unserer wunderbaren Hauptperson meinen Schlussgedanken zu widmen!

Veröffentlicht am 03.12.2021

Zu viele ausgeknipste Lichter!

Licht aus!
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Der Titel verrät es – und die Inhaltsbeschreibung auch: in dem Roman oder Krimi oder Thriller mit humoresken Zügen oder der Groteske – oder was auch immer ich da gelesen habe - werden gar viele Lichter ...


Der Titel verrät es – und die Inhaltsbeschreibung auch: in dem Roman oder Krimi oder Thriller mit humoresken Zügen oder der Groteske – oder was auch immer ich da gelesen habe - werden gar viele Lichter ausgeknipst, im wahren wie auch im übertragenen Sinne! Und es stimmt auch, dass die beiden Helden rechte Tolpatsche und ganz eindeutig nicht die hellsten Lichter am Kronleuchter sind. Dabei hat, wie man so nebenbei erfährt, der eine von ihnen, Kai mit Namen, tatsächlich dereinst ein Einserabitur abgelegt – was, nebenbei bemerkt, ein sprechendes Licht werfen mag auf unser Bildungssystem....
Lichter, immer wieder Lichter! In dem Maße, wie sie ausgeschaltet werden oder einem Blackout in den wirren Köpfen der beiden seltsamen Protagonisten Kai und Ben weichen, leuchten sie unvermutet mitten in tiefster Dunkelheit auch wieder auf. Dann nämlich, wenn einem von ihnen eine plötzliche Eingebung kommt, die die Bausteinchen auf dem langen, so mühe- wie gefahrvollen Weg zur Wahrheitsfindung beziehungsweise zur Lösung eines arg verworrenen Falles sind, über den Ben da gestolpert ist, buchstäblich, denn seinem potentiellen Auftraggeber wurde das Licht ausgepustet, bevor er Ben engagieren konnte. Privatdetektiv ist letzterer neuerdings, im Nebenberuf, denn seinen Broterwerb scheint er mit gelegentlichen Auftritten als Zauberkünstler zu bestreiten. Seine diesbezüglichen Fähigkeiten bleiben im Dunkeln, denn zum Einsatz kommt er in der hier zu besprechenden Geschichte nur einmal, am Rande, ohne dass man es eigentlich mitbekommt, denn es wird nicht weiter darauf eingegangen.
Als Privatdetektiv allerdings tut sich Ben noch schwer, und verfolgt man seine Herangehensweise – ungläubig und mit einiger Verblüffung, soll angemerkt werden -, stellt man schnell fest, dass er sich sogar mit dem kleinen Einmaleins dieses Berufes schwer tut, vom großen ganz zu schweigen, obschon, das muss man ihm zugute halten, er sich gewiss bemüht, sein neues Handwerk von der Pieke auf zu lernen, steckt er doch gerade in einem Fernlehrgang zum Private Eye, wie es die Amerikaner so schön ausdrücken.
Noch etwas muss man Ben lassen – er hat einen gewissen Riecher, weiß intuitiv, wann etwas faul ist; das 'wo' und 'wieso' ist ihm hingegen selten klar. Und genau diese Begabung bringt ihn zwar während seiner unkoordinierten, um nicht zu sagen chaotischen, Ermittlungen in des Teufels Küche, führt ihn aber schließlich auf die rechte Spur. Dass er am Ende überhaupt noch lebt, nachdem er all die Blessuren, die er sich einhandelt, anscheinend mühelos weggesteckt hat, ist schon erstaunlich! Das Gleiche gilt auch für seinen Freund und Mitbewohner Kai, den ehemaligen Einserabiturienten ohne erkennbares Hirn, wenn man einmal absieht von seiner Inselbegabung in Sachen Informatik und allem, was damit zu tun hat. Triebgesteuert und mit übersteigerter Libido bewegt er sich durch die Handlung, unfreiwilliger Helfer bei Bens Ermittlungen, selten den Durchblick habend, genauso planlos und unbedacht wie sein Zauberkünstlerfreund. Kurz und gut, die beiden Kerle, die aber in ihrer Einfalt sehr sympathisch sind, was ein Pluspunkt des Romans ist, haben sich vielleicht nicht gesucht, aber doch gefunden! Einer hilft dem anderen aus der Patsche – und macht diese dann zumeist noch schlimmer! Das wiederum führt zu manch komischen Situationen, die freilich immer auch brandgefährlich sind. Also will das Lachen nie so recht raus aus den Kehlen der Leser und kann so auch niemals die Spannung entschärfen, die diese Krimi-Thriller-Groteske unzweifelhaft hat und die sich – lobend sei dies erwähnt – immer weiter aufbaut. Bis zum Finale? Nicht so ganz, denn dieses Finale lässt zu viele Fragen offen und so recht logisch ist es für mich nicht. Der sehr ausführlich geschilderten, unnötig ausgewalzten Dauer-Action ist zum Schluss wohl die Puste ausgegangen und abrupt zum Stillstand gekommen oder, um im Bilde zu bleiben, ihr wurde einfach das Licht ausgeblasen....
Summa summarum: alles in allem war mir die Geschichte, trotz aller Rasanz und der schnellen Abfolge der vielen, teils unerwarteten Ereignisse, zu lang und auch zu langatmig. Der Fall selber, über den sich Ben und Kai ahnungslos und ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein, hergemacht haben und der mehrere Nummern zu groß für sie war, wirkt stark konstruiert und gehört eher dem Reich der ausufernden Phantasie an, was aber an sich durchaus in Ordnung ist, denn wir haben es schließlich nicht mit einem Tatsachenbericht, sondern eben mit einem Roman zu tun. Was mir aber schon sehr bald gründlich gegen den Strich gegangen ist, ist die Sprache, derer sich der Autor seine Protagonisten – und übrigens nicht nur diese, denn gar viele Akteure, einer abgedrehter als der andere, tummeln sich in der Geschichte – befleißigen lässt! Denkender- und handelnderweise! Hin und wieder flapsige Ausdrücke in die Handlung einzustreuen kann originell und erheiternd wirken. Aber durchgehend? Und immer stärker entgleisend und unter die Gürtellinie gehend? Zuviel des Guten, viel zu viel! Und das ist dann nur noch nervig und ärgerlich obendrein!

Veröffentlicht am 02.12.2021

Eine spannende Geschichtsstunde

Der weiße Panther (Lemke-von Stain-Serie 2)
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Die Viermächtestadt Berlin im Jahre 1958: Der junge Kriminalassistent und ehemalige Laternenanzünder – bis es diesen Beruf nicht mehr gab -, Fred Lemke aus dem märkischen Buckow ist ganz gewiss einer der ...

Die Viermächtestadt Berlin im Jahre 1958: Der junge Kriminalassistent und ehemalige Laternenanzünder – bis es diesen Beruf nicht mehr gab -, Fred Lemke aus dem märkischen Buckow ist ganz gewiss einer der ungewöhnlichsten und sympathischsten Ermittler, der mir in meiner langen Laufbahn als passionierte Krimileserin je begegnet ist! Nicht nur geht er mit großem Engagement und Ernsthaftigkeit seinen zweiten Fall seiner noch sehr frischen Karriere an, sondern es fehlt ihm erfreulicherweise auch jegliche Abgeklärtheit und Emotionslosigkeit, die die meisten seiner Kollegen an den Tag legen. Er kann sich einfühlen in die unterschiedlichsten Menschen, die ihm im Zuge seiner Ermittlungen in dem Mordfall des Barmixers Gottfried begegnen, lässt sich berühren von dem Schicksal der Gebeutelten, denen, die auf der Schattenseite stehen, und kann andererseits auch gehörige Wut verspüren auf die Täter, diejenigen, die Dreck am Stecken haben und, wenn nötig, über Leichen gehen. Obwohl man sich wünschen möchte, dass Fred diese seine Empathiefähigkeit behält, die ihn so unverwechselbar, so menschlich macht und die Menschen dazu bringt, ihm Vertrauen zu schenken, sorgt man sich doch, ob er das durchhalten kann.
Der Fall, mit dem es Fred zu tun hat, ist zwar in wenigen Tagen aufgeklärt, soweit Aufklärung möglich und zulässig ist in dem Milieu und unter den Umständen, in und unter denen sich der Mord, der mit einer sehr ungewöhnlichen Waffe, einer Armbrust nämlich, ausgeführt wurde, zugetragen hat, aber während dieser Tage reibt sich der noch unerfahrene, aber intuitiv immer folgerichtig handelnde Kriminalassistent in Probezeit völlig auf und kommt so gut wie gar nicht zum dringend notwendigen Schlaf. Was treibt ihn an, den heimatlosen, ein bescheidenes und stark reduziertes Leben führenden Fred? Die Antwort kann man bald zwischen den Zeilen lesen: Schuldgefühle wegen eigenem – vermeintlichen! - Versagen in der Vergangenheit und ein übermächtiges Verlangen nach Gerechtigkeit. Den Toten, deren Mörder er eben jener Gerechtigkeit zuführen möchte, gibt er damit ihre Würde, die man ihnen durch ihr gewaltsames Ableben genommen hat, zurück. So sein Credo.
Doch je weiter Freds Wahrheitssuche voranschreitet, auf die er sich gemeinsam mit der ihm zur Seite gestellten Ellen von Stain, eine so schillernde wie undurchsichtige Persönlichkeit und Ermittlerin mit Sonderstatus, was immer das auch bedeuten soll – sowohl Fred als auch der Leser bekommen darauf keine schlüssige Antwort -, begibt, umso komplizierter gestaltet sie sich. Fred und von Stain wird alsbald klar, dass sie sich auf eine gefährliche Sache eingelassen haben, dass der Mord an dem Barmixer eingebettet ist in einen weitaus größeren Kontext, als zu Beginn der Ermittlungen zu vermuten war!
Und hier kommen wir direkt zu der Realität der Viermächtestadt Berlin im Jahre 1958, einer Realität, von der der Normalbürger, der entweder begann, sich an dem beginnenden Wirtschaftswunder zu erfreuen oder aber, wenn er zu den weniger Glücklichen gehörte – und von diesen gibt es hier im Roman eine ganze Menge! - und in heruntergekommenen Wohnungen hauste und ums tägliche Überleben kämpfen musste, keine Ahnung hatte. Das Berlin dieser Zeit, so bekommt man rasch mit, gehörte mitnichten den Berlinern! Die Gesetze wurden von den vier Mächten gemacht, und die drei Westmächte und die Sowjets, die den Ostteil der Stadt nach ihrem Vorbild umgestaltet hatten, waren sich alles andere als grün. Die Geheimdienste hatten hüben wie drüben Hochsaison – und wie gefährlich es werden kann, wenn man ihnen ins Gehege kommt oder gar zu deren Zielscheibe wird, erfahren Fred und von Stain sehr bald.
Mit Geschick, den unvermeidlichen und noch weniger verzichtbaren Beziehungen und vor allem einem eifrigen Schutzengel entkommen sie nicht nur einer brenzligen Situation und nähern sich schließlich der Wahrheit an, die so unglaublich wie unerwartet ist – und dies nicht nur, was den ursprünglich aufzuklärenden Mord anbelangt. Denn da gibt es schließlich auch noch den titelgebenden weißen Panther, hinter dem sich der Nachtclubbesitzer Harry Renner verbirgt, der Arbeitgeber des ermordeten Barmixers Gottfried, ein Mann mit vielen Gesichtern und einer undurchsichtigen Vergangenheit. Eine eindrucksvolle Figur in einem nicht weniger beeindruckenden Krimi, der so authentisch eine Zeit auferstehen lässt, in der Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderprallen, um eine neue Zukunft entstehen zu lassen.
Als spannende Geschichtsstunde habe ich meine Besprechung überschrieben – und genau dies ist dieser historische Kriminalroman für mich, die ich dem öden Geschichtsunterricht zu seligen Schulzeiten nie etwas abgewinnen konnte. Der Autor mit dem Pseudonym Leonard Bell jedoch hat mich mitgerissen mit seiner perfekt erzählten, perfekt aufgebauten, mit sehr glaubwürdigen Charakteren besiedelten Geschichte und mich auf seinen 441 Seiten, gelesen in wenigen Tagen, mehr gelehrt über die facettenreiche Nachkriegsgeschichte der geteilten Stadt Berlin als die Schule, in der man angeblich fürs Leben lernt (was ein Schmarrn!), je vermocht hatte. Und obwohl ich mich im allgemeinen mit Serienkrimis nicht anfreunden mag, wäre es mir diesmal und ausnahmsweise eine Freude, gerade Fred Lemke, der eben erst begonnen hat, das Leben und mit ihm das Lebensgefühl, das der Rockn' Roll symbolisiert, für sich zu entdecken, wiederzubegegnen. Die Figur hat Potential, wie auch Lemkes Mitspieler, allesamt spannende Charaktere, ob sympathisch oder genau das Gegenteil oder irgendetwas dazwischen, und so unterschiedlich wie im wahren Leben!

Veröffentlicht am 02.12.2021

Arbeiteraufstände, Streiks, Architektur - und viel zu wenig Handlung

Die Tränen der Welt
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Ein ambitioniertes Werk ist er ganz sicher, der fünfte Roman des in Barcelona geborenen Katalanen Ildefonso Falcones de Sierra, bestverkaufter spanischer Autor historischer Romane, der mit seinem 2006 ...

Ein ambitioniertes Werk ist er ganz sicher, der fünfte Roman des in Barcelona geborenen Katalanen Ildefonso Falcones de Sierra, bestverkaufter spanischer Autor historischer Romane, der mit seinem 2006 erschienenen Buch „Die Kathedrale des Meeres“ (im spanischen Original „La Catedral del Mar“) einen überwältigenden Erfolg hatte. Unzweifelhaft ist er auch hervorragend und geradezu akribisch recherchiert. Und dass der Autor, der neben seiner Schriftstellertätigkeit im Hauptberuf als Rechtsanwalt tätig ist, zu schreiben versteht, beweisen seine über fünf Millionen mal verkauften und in viele Sprachen übersetzten Bücher. Obwohl – nun ja, man kennt das, es gibt nicht wenige Werke, die von Buchhandel und Verlagen hochgejubelt werden und nicht das Papier wert sind, auf das sie gedruckt sind...
Dazu gehört Falcones' neuester Roman „Die Tränen der Welt“ (im Original „El pintor de almas“) gewiss nicht! Wiewohl ich bezweifeln möchte, dass ihm ein ebensolcher Erfolg beschert sein wird wie dem berühmten und zu Recht gelobten Erstlingswerk, das einfach alles hat, was einen überragenden historischen Roman ausmacht: Thematik und Handlung sind nicht nur fesselnd und in berückende Bilder umgesetzt, sondern auf eine Art miteinander verwoben, die ich nur als perfekt bezeichnen kann. Dies ist in dem über 700 Seiten starken 'Seelenmaler', um den Originaltitel direkt ins Deutsche zu übertragen, nicht der Fall. Zuviel hat der Autor gewollt, auf zu vielen Feldern hat er seinen Roman angesiedelt, diese auf eine Weise ausgeleuchtet, die mir zu detailliert und dementsprechend langatmig ist.
Arbeiteraufstände, nie endenwollende Streiks, immer mit denselben Forderungen und jedesmal, in den im Roman behandelten Jahren zwischen 1901 und 1909 jedenfalls, ins Leere führend, ja die sogar die ohnehin skandalöse Situation für den so großen Teil der Bewohner Barcelonas, die ums tägliche Überleben kämpfen mussten und unter himmelschreienden Bedingungen lebten, durch die folgenden rigorosen Sanktionen noch verschlechterten. Die Macht war in den Händen der reichen Bourgeoisie und des ebenso wohlhabenden und unbedingt und mit großem Hass zu bekämpfenden Klerus, vom brutalen Militär abgesichert. Ja, es erschüttert, das zu lesen, es macht wütend und dem Leser gleichzeitig bewusst, dass es schließlich jene mutigen, gar todesmutigen Kämpfer, ein Gutteil davon Frauen, waren, denen wir die Freiheit, die wir heute so selbstverständlich genießen, die umfassenden Rechte, derer wir uns erfreuen, die humanen Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen zu verdanken haben. Aber sind, um dies klarzumachen, tatsächlich 700 Seiten vonnöten? In epischer Breite, immer und immer wiederholt?
Und ja, „Die Tränen der Welt“ ist ein Barcelona-Roman, vielleicht auch, so kam mir immer stärker der Verdacht, hauptsächlich für leidenschaftliche Barceloneser mit brennendem Interesse für die Geschichte ihrer Stadt geschrieben, zu einer Zeit spielend, als Gebäude entstanden, die die Besucher der Großstadt am Mittelmeer noch heute in ihren Bann ziehen, von Ausnahmearchitekten wie dem frommen Antoni Gaudí, Domènech i Montaner und Josep Puig i Cadafalch geschaffen, die den katalanischen Modernismus verkörperten wie niemand sonst und zu eben jener Zeit arbeiteten, in der der Roman spielt und also stets aufs Neue Erwähnung finden. Wann immer dies geschieht, kann man sich auf seitenlange Auslassungen über das Spezialfeld der Architektur, dem offensichtlich des Autors ganze Leidenschaft gehört, gefasst machen. Irgendwann war mir das zuviel, zu speziell, so dass ich dann solche Passagen nur noch überflog. Wie die zahlreichen Aufstände, organisiert von Anarchisten und Revolutionären, durchziehen besagte Schilderungen den Roman und lassen die mehr oder minder episodenhafte Geschichte, die die Haupthandlung sein soll, aber zerrupft beim Leser ankommt, ein ums andere Mal in den Hintergrund treten, unterbrechen den Erzählstrang und lenken ab. Die Einheit von Hintergrund, Haupt- und Nebenhandlungen, die dem Autor wunderbar bei seinem Erstling gelang, will sich hier nicht einstellen.
Zudem bereiteten mir die beiden Protagonisten der eigentlichen Handlung, der Fliesenmaler Dalmau und die Köchin, Arbeiterin, vor allem aber Revolutionärin Emma, von Anfang an Probleme, und die Liebesgeschichte zwischen den beiden, die abrupt abbrach aufgrund einer Mischung aus seltsamen Missverständnissen, Hochmut, falsch verstandenem Stolz und Intrigen von Seiten zweier Straßenkinder, die durch die lange Geschichte geistern und viel Leid verursachen, ist so zäh und schließlich auch ärgerlich, wie das gesamte Buch. Allerdings gewann zumindest der Maler Dalmau, der so lange einem Irrweg folgte, sich korrumpieren ließ von der feinen Gesellschaft, und so seine Wurzeln, damit auch sich selbst, verlor, allmählich an Profil. Seine Auferstehung aus der Gosse, in die er sich durch seine Alkohol- und Morphinsucht selbst gestürzt hatte, mag zwar wundersam anmuten, vermag aber dennoch zu überzeugen.
Die beeindruckendste Figur in Falcones' Roman jedoch ist die alte Anarchistin Josefa, Dalmaus kluge, vom Leben gebeutelte, zu jedem Opfer bereite Mutter. Wie ein guter Geist ist sie der Fixpunkt des Romans, bereit, ihr lebenslanges Credo über Bord zu werfen, um den Ihren, wozu auch Emma, trotz der Trennung von Dalmau, stets gehört, aus bedrohlichen Situationen zu retten. Und allein ihretwegen wären „Die Tränen der Welt“ (warum, so frage ich mich, musste man der deutschen Übersetzung eigentlich diesen mir nicht einsichtigen Titel geben?) ein Roman, den es sich zu lesen lohnt, sind in ihr, der einfachen Frau aus der Unterschicht, doch alle Tugenden vereint, die es braucht, um menschlich zu bleiben in einer unmenschlichen Welt und unter den härtesten Bedingungen, wie denen, gegen die sich die Unterprivilegierten, mit den Frauen an vordester Front, hier im Roman und vielfach in der Geschichte der Menschheit, zur Wehr setzten. Mit der Figur der Josefa wurde dem Roman, der mich, noch ganz im Banne der „Kathedrale des Meeres“ und also mit einer hohen Erwartungshaltung begonnen, weitgehend enttäuschte und dem ich bloßes Mittelmaß bescheinigen muss, ein Funken Leben eingehaucht, die Art von Authentizität verliehen, die ich mir von einer wirklich anrührenden Geschichte immer erhoffe. Aber dieser eine Funke ist nicht hell genug, um sein Licht auszubreiten über den hier gerade besprochenen Roman, nicht einmal dann, wenn der Autor ein so großer, ein so begabter wie Ildefonso Falcones ist!

Veröffentlicht am 08.11.2021

Einfach loslaufen - oder: Auch Wandern will geübt sein!

Runter geht's immer schneller
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Wandern hat seit einigen Jahren Hochkonjunktur! Vor allem unter jungen Leuten, wieder, denn nach der gut hundert Jahre zurückliegenden Wandervogelbewegung und dem, was im Dritten Reich daraus gemacht wurde, ...

Wandern hat seit einigen Jahren Hochkonjunktur! Vor allem unter jungen Leuten, wieder, denn nach der gut hundert Jahre zurückliegenden Wandervogelbewegung und dem, was im Dritten Reich daraus gemacht wurde, war es vorwiegend der älteren Generation vorbehalten; die Jungen in der Zeit, in der ich aufgewachsen bin, hatten vermeintlich Besseres zu tun, als in der Bergen herumzukraxeln oder weite Strecken auf flachem Land zurückzulegen und für die eifrigen, in diversen Wandervereinigungen organisierten Berg- und Naturbegeisterten nur ein müdes Lächeln übrig.
Doch Wandern ist nicht gleich Wandern, wie man von der Autorin des hier zu besprechenden, wunderhübsch aufgemachten schmalen Buches gleich zu Beginn erfährt: da gibt es das Weitwandern, das Hüttenwandern, das Bergwandern, das Trekking, das Hiking und das Pilgern – und wie diese sich jeweils voneinander unterscheiden, schiebt Melissa Guadagno gleich hinterher. Dank Google, den sie eifrigst und ausdauernd bemüht, ist sie bestens informiert! Wenn das mit dem Wandern doch auch so einfach wäre! Sie und ihr Lebenspartner, während ihrer gesamten Aufzeichnungen nur als 'der Mann' bezeichnet, haben nämlich die Idee (offensichtlich wie aus dem Nichts aufgetaucht), die Alpen zu Fuß, also wandernd, zu überqueren, voller Naivität freilich und gänzlich ungeübt in dem Trendsport. Typische Großstadtpflanzen oder, wie sie sich selbst nennen, 'Fischbrötchen' - sie leben in Hamburg -, die sich zwar mit dem Reisen auskennen, vom Wandern jedoch nicht die geringste Ahnung haben. Doch was soll's, geht man am besten einfach los, mit der passenden App wird’s schon möglich sein....
So denkt die Erzählerin noch am Anfang, allmählich aber dämmert ihr, dass ihr Unterfangen nicht so einfach ist, vor allem nachdem sie einen Urlaub auf Sardinien verbracht und die ersten zaghaften Wanderschritte gemacht hat. Denn da merkt sie, dass ihre angestrebte neue sportliche Betätigung anstrengend ist und Kondition erfordert; und die App – na ja.... Aber halt! Wollten die beiden nicht in die Alpen? Ach, doch, das wollten sie und wollen es immer noch, können sich allerdings nicht für eine der vielen Routen entscheiden und haben, in seliger Unkenntnis der Wetterverhältnisse, ihren Urlaub auf März/April gelegt, eine Zeit also, in der noch Schnee liegt und die Berghütten geschlossen sind. Pech gehabt! Aber wandern kann man doch schließlich überall, denkt Melissa, womit sie natürlich Recht hat. Nach dem Sardinienurlaub erkundet sie mit 'dem Mann' die nähere Umgebung Hamburgs, zu Fuß und auch mit dem Fahrrad – und so ganz allmählich wird ihr klar, dass für ihre geplante Tour sowohl körperliche Fitness als auch die geeignete Ausrüstung, sprich bergtaugliches Schuhwerk, gewiss nicht von Nachteil wäre. Als Generalprobe, oder so etwas in der Art, dient dann ein einwöchiger Wanderurlaub in Berchtesgaden, bei dem sie durchaus an ihre körperlichen Grenzen gerät, sich aber in ihrem Vorhaben, irgendwann doch noch die Alpen zu überqueren, bestätigt fühlt - vielleicht dann, meint sie, und es klingt fast wie eine Ausrede, wenn Corona das Leben nicht mehr gar zu sehr einschränkt.
Das mit 190 Seiten recht kurze, entsprechend schnell zu lesende Buch mit seinen freundlichen Zeichnungen sollte, so die Autorin in ihrem Nachwort, ursprünglich eher ein Blog werden – und stellenweise liest es sich genau so: leicht, ein wenig flapsig, eine Aneinanderreihung von Momentaufnahmen, auch sehr offen und die eigenen Unzulänglichkeiten nicht verbergend und sich, was ich als sehr angenehm erfinde, oft genug darüber lustig machend. Es ist so, als hätte Melissa Guadagno ihre Gedanken und Erfahrungen mit ihren Freunden geteilt. Was sie wohl von Anfang an sowieso getan hat, gleich nachdem sie den Einfall mit der Fußwanderung über die Alpen hatte, immer irgendwie beifallheischend, so als wollte sie sagen 'Seht mich an, ich habe etwas ganz Außergewöhnliches vor....', und es setzt sich fort, wie man vermuten darf, denn wozu sonst machen sie und 'der Mann' geschätzte Tausende von Photos und Selfies während all ihrer Unternehmungen, von denen sie uns in ihren Geschichten, allesamt mit fröhlichen Überschriften versehen, berichtet? Die ganze (Freundes-)Welt soll teilhaben an den ach so tollen Abenteuern. Bewunderung und Anerkennung ist unbedingt wichtig, sonst ist das Ganze ja nur halb so viel wert.... Zeitgeist? Ich fürchte wohl!
Immer wieder fiel mir auf, dass die Schreiberin und vermutlich auch 'der Mann' eine eigentlich erbauliche Freizeitbeschäftigung wie das Wandern als hochernstes Projekt anzusehen schienen. 'Hochmotiviert' gingen die beiden so manche ihrer Tagestouren an, bierernst geradezu und so, als müssten sie sich etwas beweisen, sich dabei immer an die Vorgaben der Reiseführer, mit denen Melissa bestens vertraut war, haltend, die unglücklicherweise nicht immer auf dem neuesten Stand waren, oder sich streng an den gelben Schildern in den Berchtesgadener Bergen festhaltend, denen man so recht aber auch nicht vertrauen konnte. Kurz und gut – während des Großteils der Aufzeichnungen fehlte mir eine gewisse Leichtigkeit, die schiere Lust am Wandern ohne sich etwas beweisen zu müssen. Nicht nur einen Tick zu verbissen gingen die beiden 'Nordlichter' zu Werke – eine verkrampfte Ernsthaftigkeit, die auch der mit leichter, salopper Hand geschriebene Text nicht zu verbergen vermag.
Doch sind sie nach ihrem Urlaub in Berchtesgaden zum Glück auf dem besten Weg gelassener zu werden, wozu die sie überwältigende Natur, noch schöner als alle Postkartenmotive, das ihre beiträgt. Zurück in Hamburg haben sie das Gefühl, irgendwie im falschen Film gelandet zu sein, diese beiden zu Anfang so ausgeprägten Großstadtpflanzen, der Wettbewerb mit sich selbst spielt plötzlich keine Rolle mehr.... Die sehr lebendigen Beschreibungen, die die Autorin zu diesem Urlaub niederschreibt, fand ich, nebenbei gesagt, sehr gelungen. Sie machen in der Tat Lust, es den beiden Hamburgern gleichzutun! Und wer weiß , vielleicht gelingt es ihnen irgendwann in der Zukunft doch noch, die Idee, mit der alles begann, in die Tat umzusetzen, auf jeden Fall aber das Wandern mit eben jener Leichtigkeit zu betreiben, die einem Hobby zusteht. Und dann ist es tatsächlich völlig egal, wo und wohin man auf Schusters Rappen unterwegs ist....