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Veröffentlicht am 06.03.2020

Jagd auf einen Serienkiller -

Wie viele willst du töten
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Obwohl der Name der Autorin deutsch klingt, ist Joanna Schaffhausen eine Amerikanerin. Mit “Wie viele willst du töten“ liegt ihr Debüt vor.

Das Cover wirkt gruselig, die zerfallene Hütte, der giftige ...

Obwohl der Name der Autorin deutsch klingt, ist Joanna Schaffhausen eine Amerikanerin. Mit “Wie viele willst du töten“ liegt ihr Debüt vor.

Das Cover wirkt gruselig, die zerfallene Hütte, der giftige gelb-grüne Hintergrund und der riesige Titel, der in einem Weizenfeld steht. Besonders macht das Buch, dass der Schnitt die gleiche giftige Farbe hat.

Ellery Hathaway arbeitet als Polizistin in einer Kleinstadt, in der niemand ahnt, dass sie eine neue Identität angenommen hat. Vor 14 Jahren konnte sie aus den Fängen eines Serienkillers gerettet werden. Nun bereitet ihr bereits seit fast drei Jahren das Verschwinden einiger Bewohner Sorgen. Ihren Chef kann Ellery von ihren Bedenken nicht überzeugen. Schließlich nimmt sie Kontakt zu Reed Markham auf, dem FBI-Beamten, der als ihr Retter berühmt wurde.

Das geht zunächst alles sehr schnell, bereits im zweiten Kapitel trifft Reed in Woodbury ein. Als Charaktere passen Ellery und Reed gut zusammen. Sie bilden auch eine Einheit gegenüber den anderen Polizisten. Sie haben eine gemeinsame Vergangenheit und stehen mit ihrer Meinung zum Verschwinden der Bewohner von Woodbury zunächst allein.

Die Autorin beschreibt die Zerrissenheit beider Figuren sehr gut. Beide sind durch die Erlebnisse mit dem Serienkiller auf ihre Weise „beschädigt“. Angst und Selbstzweifel gehören zu ihrem Alltag. Im Verlauf der Handlung werden die Ereignisse von vor 14 Jahren Stück für Stück erzählt.

Ein früheres Opfer nun selbst zur Jägerin nach einem möglichen Serienkiller zu machen, ist ein interessanter Aspekt. Die Handlung ist durchaus spannend und die Geschichte liest sich sehr schnell, da auf unnötige Ausschmückungen, Beschreibungen und Nebenhandlungen verzichtet wird. Darin liegt aber auch gleichzeitig das Manko dieses Thrillers: Alle anderen Figuren bleiben zu blass, das Personal ist übersichtlich und die Auflösung vorhersehbar. Bei 333 Seiten hätte man gut zugunsten von etwas mehr Raffinesse und falschen Spuren ein paar Seiten aufstocken können. Auch konnte mich Ellerys Umgang mit den Beweisen und Vermutungen nicht ganz überzeugen; das erschien mir nicht immer logisch.

Insgesamt ein solider Thriller, der Dank der beiden Hauptfiguren gut unterhält, für mich aber keine Überraschungen bot. Ich vergebe 4 wohlwollende Sterne, in der Hoffnung, Ellery und Reed vielleicht in einem weiteren Fall wiederzutreffen.

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Veröffentlicht am 03.03.2020

Leichte, launige Lektüre für Zwischendurch

Ein Sommer auf Sylt
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Es war kein ganzer Sommer auf Sylt, der das Leben der Protagonistin gehörig durcheinander gewirbelt hat, sondern nur ein paar Tage: Die junge Architektin Julia Hirschfeldt hat von ihrem Vater ein Haus ...

Es war kein ganzer Sommer auf Sylt, der das Leben der Protagonistin gehörig durcheinander gewirbelt hat, sondern nur ein paar Tage: Die junge Architektin Julia Hirschfeldt hat von ihrem Vater ein Haus auf der Insel geerbt. Gemeinsam mit ihrer Mutter und deren zwei Schwestern macht sie sich auf den Weg, mit dem Vorsatz, das Haus zu verkaufen. Natürlich kommt alles ganz anders und der Leser weiß sofort, dass der gut aussehende Typ von Seite 12 noch öfter den Weg von Julia auf Sylt kreuzen wird. Dazu kommen die jahrelang verdrängten Gefühle und Streitigkeiten unter den Schwestern und noch einige andere komplizierte Konstellationen.
Das Buch quillt über vor Klischees, vom unsympathischen Armani-Makler bis zur blonden Sekretärin Maja, die mehr Deko als Hilfe ist.
Aber ganz ehrlich, wer zu einem Buch dieses Genres greift erwartet nichts anderes bzw. darf nichts anderes erwarten.
Lena Wolf unterhält den Leser kurzweilig und amüsant. Man ist sofort in der Geschichte drin (und weiß auch wie sie enden wird) und es gibt nur wenige etwas langatmigere Stellen. Es ist natürlich schön, auch etwas über die Insel zu erfahren, dies kam aber teilweise wie ein Werbeprospekt rüber. Aktuell wird die Autorin, wenn sie den Ausverkauf der Insel thematisiert, der immer weiter voranschreitet.
Die wichtigen Charaktere sind gut getroffen, jedoch auch Stereotype. Die schlanke, modische Tante aus Amerika (hier wäre es auch ohne Anglizismen gegangen) und die übergewichtige, trinkende Tante aus Kärnten.
Die Kapitel sind übersichtlich lang und die Kapitelüberschriften in einer schönen Type gedruckt, dazu jeweils als Vignette der Leuchtturm vom Cover, welches sich wohltuend von den hauptsächlich kreischend bunten Covern dieses Genres abhebt.

Alles in allem eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre für Zwischendurch, die sich flott lesen lässt und Lust auf Strandurlaub macht.
Wer anspruchsvolle Literatur will, sollte ein Regal weiter gehen.

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Veröffentlicht am 03.03.2020

Rückkehr auf die scheinbar trostlose Heimatinsel - Romantische Komödie

Die kleine Sommerküche am Meer
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Mure ist eine sehr kleine schottische Insel. Mit kauzigen Bewohnern, einem kleinen Hafen und einem Bauernhof, dem die junge Flora vor einigen Jahren entflohen ist, um in London in einer Anwaltskanzlei ...

Mure ist eine sehr kleine schottische Insel. Mit kauzigen Bewohnern, einem kleinen Hafen und einem Bauernhof, dem die junge Flora vor einigen Jahren entflohen ist, um in London in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten. Dort fällt sie im Heer der kleinen Angestellten kaum auf, bis genau ihre besondere Herkunft gefragt ist. Nun muss sie beruflich zurück auf das verhasste Eiland und sich ihrer Vergangenheit stellen. Dabei soll sie doch die Interessen eines Milliardärs auf der Insel vertreten. Ein handfester Naturbursche, der von ihr angehimmelte Staranwalt und ihre eigene Familie machen es Flora aber nicht leicht, ihren Auftrag zu erfüllen. Und dann ist da ja noch das alte Rezeptbuch ihrer Mutter und ein kleiner leerstehender Laden am Hafen.



Wer Jenny Colgans erfolgreiche Trilogie der “Kleinen Bäckerei am Strandweg“ (oder nur einen Teil davon) gern gelesen hat, wird von der „Kleinen Sommerküche am Meer“ nicht enttäuscht werden. Erneut steht eine sympathische junge Frau im Mittelpunkt, die sich neu erfindet bzw. endlich zu sich selbst findet. Dabei spielt das Kochen und Backen eine große Rolle und die Liebe kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Das bewährte Rezept greift erneut. Die Autorin schreibt gewohnt witzig und kurzweilig. Die Seiten fliegen nur so vorbei. Das Setting auf der schottischen Insel ist reizvoll und die lokalen Sitten und Gebräuche werden ernsthaft und doch mit einem Augenzwinkern geschildert. Man muss diesen Ort einfach lieben. Die Protagonistin ist eine besondere Figur, der man gerne folgt und deren Zerrissenheit man absolut nachvollziehen kann.

Auch die „Sommerküche“ ist als Mehrteiler angelegt, die beiden Folgebände sind bereits erschienen.

Eine süße, romantische Komödie, die größtenteils vorhersehbar ist, aber dennoch viel Spaß macht. Fünf Romantiksterne sind verdient.

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Veröffentlicht am 23.02.2020

Skurril, außergewöhnlich und nichts für Zwischendurch

Milchmann
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Dieses Buch ist weder etwas für jeden noch etwas für Zwischendurch. Der Klappentext faßt lediglich die Rahmenhandlung zusammen, bereitet den Leser aber nicht auf den Schreibstil der Autorin vor, denn der ...

Dieses Buch ist weder etwas für jeden noch etwas für Zwischendurch. Der Klappentext faßt lediglich die Rahmenhandlung zusammen, bereitet den Leser aber nicht auf den Schreibstil der Autorin vor, denn der hat es in sich.

In einer namenlosen Stadt agieren Personen ohne Namen, die nach ihrem verwandtschaftlichen Verhältnis zur Protagonistin oder ihrem Beruf benannt werden. Es herrscht ein gewalttätiger Konflikt vor, der sich nach und nach als Nordirland-Konflikt herauskristallisiert. Die 18jährige Ich-Erzählerin beschreibt ihr Umfeld, das durch diesen Konflikt geprägt ist.
Die Autorin bedient sich dabei diverser sprachlicher Stilmittel, wie der reihenweise Aufzählungen und Verwendung von Synonymen und langer, verschachtelter Sätze. Sprünge in der Handlung entsprechen den Gedankensprüngen der Ich-Erzählerin. Der Gedankenfluss bringt die Handlung nur langsam voran, unterfüttert sie aber laufend mit neuen Details. Die Autorin spickt den Text mit schwarzem Humor, Übertreibungen und Vergleichen, die wirklich originell und unterhaltsam sind.

Letztlich dient der Nordirland-Konflikt hier auch als Beispiel für alle Arten von derartigen Konflikten, von Unterdrückung (von Frauen und Andersdenkenden) und Gewaltspiralen.

Das Buch ist ohne Frage anstrengend und braucht Zeit. Wer sich aber die Zeit nimmt und sich auf die Sprache einläßt, wird auf echte Sprachkunst stoßen. Hut ab vor der Übersetzungsleistung.
Die Meinungen zum Buch werden auseinander gehen. Ich vergebe vier Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die etwas Anspruchsvolles suchen und gerne mal ihre Komfortlesezone verlassen möchten.
Mein Tipp: Ein paar Seiten im Buch lesen und dann entscheiden.

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Veröffentlicht am 13.02.2020

Wenn Unmögliches gelingt - Blanche Peyron und ihr Erbe in Paris

Das Haus der Frauen
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Nach ihrem großen Erfolg „Der Zopf“ hat Laetitia Colombani ein weiteres Mal Frauen und deren Schicksale zum Thema eines Romans gemacht.

Solène, erfolgreiche Anwältin in Paris, durchlebt nach dem Selbstmord ...

Nach ihrem großen Erfolg „Der Zopf“ hat Laetitia Colombani ein weiteres Mal Frauen und deren Schicksale zum Thema eines Romans gemacht.

Solène, erfolgreiche Anwältin in Paris, durchlebt nach dem Selbstmord eines Mandanten eine Krise und stellt ihr bisheriges Leben in Frage. Als Therapie wird ihr empfohlen, durch gemeinnützige Arbeit den Focus von sich auf andere zu lenken. So kommt Solène in das titelgebende Haus der Frauen, das vielen hundert obdachlosen Frauen Zuflucht gewährt. Solènes Arbeit als öffentliche Schreiberin stößt anfänglich auf Misstrauen, in dem Frauenhaus, das vor hundert Jahren von Blanche Peyron ins Leben gerufen wurde.

Colombani erzählt die Geschichten von Solène und Blanche auf zwei Zeitebenen und wechselt zwischen 1925/26 und der Gegenwart.

Blanche Peyron, die Leiterin der Heilsarmee in Frankreich war, und ihr unglaublicher Kampf für Bedürftige waren mir bisher unbekannt. Ihr gelang es, eine riesige Summe einzuwerben, um für die Heilsarmee ein leerstehendes Hotel in Paris zu kaufen und es dann als Frauenhaus, den Palast der Frauen, zu nutzen. Diesem unermüdlichen, leidenschaftlichen Einsatz hat Colombani ein Denkmal gesetzt.

Die Charaktere bleiben aber etwas distanziert. Dies mag auch am Schreibstil liegen, der sich zwar sehr gut lesen läßt, aber gerade in den historischen Passagen oft wie eine Biografie wirkt. Eher knapp gehalten und um Wissensvermittlung bemüht. Hier hätte ich mir bei aller Leidenschaft, die Blanche für ihre Sache aufbringt, mehr Leidenschaft in der Figur gewünscht. Der Roman hat „nur“ gut 250 Seiten, da wäre noch Platz gewesen.

Soléne ist, wie bereits die Anwältin in „Der Zopf“, ein Klischee. Ihr bin ich aber gerne in den Palast der Frauen gefolgt. Dort trifft man auf viele verschiedene Schicksale, das war sehr interessant und emotional.



Ingesamt habe ich das Buch sehr gerne gelesen. Es rückt eine Frau in den Mittelpunkt, die es verdient hat, nicht in Vergessenheit zu geraten. Der Roman ist auch ein Aufruf, nicht wegzusehen und sich für die Schwachen und Bedürftigen einzusetzen.

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