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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.12.2025

Harte Nachkriegszeit

Die weiße Nacht
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Der Nachkriegswinter des Jahres 1946 in Berlin ist hart – Kälte, Hunger und Tod bestimmen das Leben der Menschen. Die junge Fotografin Lou Faber durchstreift Berlin auf der Suche nach geeigneten ...

Der Nachkriegswinter des Jahres 1946 in Berlin ist hart – Kälte, Hunger und Tod bestimmen das Leben der Menschen. Die junge Fotografin Lou Faber durchstreift Berlin auf der Suche nach geeigneten Fotomotiven, die sie an Zeitschriften verkauft. Zufällig entdeckt sie im Schnee eine weibliche Leiche. Lou findet es merkwürdig, dass die Hände der Toten gefaltet sind. Kriminalkommissar Alfred König leitet die Ermittlungen. Bald wird auch mit Hilfe von Lous Fotos klar, dass es sich um Mord handelt. Es soll nicht bei der einen Toten bleiben. Die Verdachtsmomente weisen zurück in die finstere Vergangenheit der NS-Zeit.

Das ebenso schlicht wie ansprechend gestaltete Cover hat mich neugierig auf das Buch gemacht. Viel brauchte es dazu nicht, denn Anne Stern zählt seit langem zu meinen Lieblingsautorinnen. Mit Begeisterung habe ich von ihr die Reihe um die Hebamme „Fräulein Gold“ gelesen. Mit dem Roman „Die weiße Nacht“ ist Anne Stern ein grandioser Auftakt zur neuen Krimiserie gelungen.
Die Autorin beschreibt die Atmosphäre im Berlin des Nachkriegswinters 1946/1947 so atmosphärisch dicht und zielsicher, dass der Leser das Gefühl hat, dabei zu sein. In dem präzise formulierten Plot geraten verschiedene Milieus miteinander in Berührung. Anne Stern hat vielschichtige, beeindruckende Charaktere geschaffen. Da sind die Jugendlichen Gerti und Justus, eigentlich noch fast Kinder. Beide sind trotz ihrer Jugend mit allen Wassern gewaschen und mit dem Schwarzmarkthandel bestens vertraut. Eine andere Möglichkeit, in dieser harten Zeit zu überleben, bleibt ihnen nicht. Der einäugige Kommissar Alfred und die Fotografin Lou können auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein. Doch nicht nur ihre schwere Vergangenheit in Nazideutschland schweißt sie zusammen, sondern auch der unbedingte Wille, den oder die Täter zu finden. Aber auch das Privatleben der sympathischen Hauptprotagonisten kommt nicht zu kurz.
Anne Stern ist nicht nur ein sehr lesenswerter Krimi gelungen, sondern zugleich ein lebendiges, historisches Zeitporträt. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, vergebe für diesen Krimi fünf Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Tödlicher Skiurlaub

Lügennebel
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Eine Gruppe junger Leute verbringt Winterferien im romantischen, aber auch eiskalten Bergdorf Åre. Die sechs Studenten sind befreundet und wohnen in einem noblen Ferienhaus. Auf ihrer Feier fließt ...

Eine Gruppe junger Leute verbringt Winterferien im romantischen, aber auch eiskalten Bergdorf Åre. Die sechs Studenten sind befreundet und wohnen in einem noblen Ferienhaus. Auf ihrer Feier fließt reichlich Alkohol und am nächsten Morgen liegt eine junge Frau aus der Gruppe tot im Schnee. Nun verdächtigt jeder jeden, mit der Freundschaft scheint es vorbei zu sein. Dennoch wagen sie sich an riskante Skiabfahrtmanöver. Bis plötzlich alles aus dem Ruder läuft.

Das mystisch gestaltete Cover lässt einige Vermutungen zu und hat mich sofort in Bann gezogen. Der ersehnte vierte Teil der schwedischen Krimi-Queen Viveca Sten um das sympathische Ermittlerduo Hanna Ahlander und Daniel Lindskog ist endlich da. Sie müssen den Tod einer jungen Frau aufklären, wobei am Anfang noch von einem Unfall und nicht von Mord ausgegangen wird. Doch die Anzeichen hierfür verdichten sich im Laufe der Ermittlungen. Nicht nur einige der Freunde geraten in Verdacht, sondern auch Einwohner des kleinen Ortes. Die Autorin hat mit der Gruppe junger Studenten interessante und sehr authentische Charaktere gezeichnet. Ich habe mir sofort Sorgen um die schüchterne Fanny gemacht. Sie scheint eine Außenseiterin in der Gruppe zu sein.Wie immer versteht es Viveca Sten meisterhaft, atemlose Spannung zu erzeugen.Dazu tragen die wechselnden Erzählperspektiven entscheidend bei. Wie immer bildet die Kulisse der eisigen Winterlandschaft eine passende Atmosphäre. Auch das Privatleben der sympathischen Ermittler, wozu neben Hanna und David auch Anton und Ruffe gehören, spielt eine Rolle. Wobei die Erlebnisse von Hanna aus meiner Sicht einen etwas zu breiten Raum einnehmen. Der Thriller war insgesamt an Dramatik nicht zu überbieten. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 01.11.2025

Dramatische Zeitreise

Lebensbande
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Im Mittelpunkt des neuen historischen Romans von Mechthild Borrmann stehen drei Frauen, die miteinander in Freundschaft verbunden sind, sowie deren Schicksale. Lene, Nora und Lieselotte lernen ...

Im Mittelpunkt des neuen historischen Romans von Mechthild Borrmann stehen drei Frauen, die miteinander in Freundschaft verbunden sind, sowie deren Schicksale. Lene, Nora und Lieselotte lernen sich während des zweiten Weltkrieges kennen. Nora ist Krankenschwester und bemüht sich nach Kräften, Lene zu helfen, das Leben ihres Kindes Leo zu retten. Im Jahr 1942 trifft Lene in Danzig auf Lieselotte. Beide werden später in ein Gulag Stalins verschleppt, wo Lieselotte sich selbst aufgibt, um Lene die Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen. Das Schicksal der Freundinnen ist untrennbar miteinander verknüpft. Viele Jahre später wird Nora durch einen Brief an die Vergangenheit erinnert.

Bereits das eindrucksvoll gestaltete Cover mit den zwei sympathischen, aber ernst blickenden Frauen, stimmt auf den Inhalt des Buches ein. Nachdem ich von Mechthild Borrmann den Roman "Feldpost" gelesen habe, war ich auf ihr neues Buch gespannt. Mit ihrer Erzählung spannt die Autorin einen Bogen zwischen den Ereignissen im und nach dem 2.Weltkrieg bis hin zum Mauerfall und der Zeit danach. Der Roman beginnt im Jahr 19991 in Kühlungsborn, wo eine zunächst noch unbekannte Frau einen Brief erhält, der sie schmerzlich an ihre Vergangenheit erinnert. Schließlich beginnt sie ihre Erlebnisse aufzuschreiben. Der Leser begleitet drei Freundinnen, die Unvorstellbares erleiden. Anhand von Leo, dem kleinen Sohn Lenes, verdeutlicht die Autorin die Grausamkeit des Euthanasieporogramms der Nazis. Die unmenschliche Bedingungen in den Gulags Stalins werden am Schicksal von Lene und ihrer Freundin Lieselotte geschildert.
Der Roman ist in einzelne Kapitel unterteilt. Mechthild Borrmann erzählt abwechselnd von Vergangenheit und Gegenwart, was den Spannungsfaktor steigert. In den klug durchdachten Rückblenden bleibt dem Leser Zeit für eigene Überlegungen, wie sich das weitere Schicksal der drei Frauen gestalten könnte. Der Autorin ist es meisterhaft gelungen, Zeitgeschichte mit der Tragödie von Familien zu verbinden. Mechthild Borrmann erzählt ebenso bewegend wie bildhaft, ihre Charaktere sind glaubhaft und berühren zutiefst. Ich vergebe für diesen fesselnden historischen Roman fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Tödlicher Skiurlaub

Lügennebel
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Eine Gruppe junger Leute verbringt Winterferien im romantischen, aber auch eiskalten Bergdorf Åre. Die sechs Studenten sind befreundet und wohnen in einem noblen Ferienhaus. Auf ihrer Feier fließt ...

Eine Gruppe junger Leute verbringt Winterferien im romantischen, aber auch eiskalten Bergdorf Åre. Die sechs Studenten sind befreundet und wohnen in einem noblen Ferienhaus. Auf ihrer Feier fließt reichlich Alkohol und am nächsten Morgen liegt eine junge Frau aus der Gruppe tot im Schnee. Nun verdächtigt jeder jeden, mit der Freundschaft scheint es vorbei zu sein. Dennoch wagen sie sich an riskante Skiabfahrtmanöver. Bis plötzlich alles aus dem Ruder läuft.

Das mystisch gestaltete Cover lässt einige Vermutungen zu und hat mich sofort in Bann gezogen. Der ersehnte vierte Teil der schwedischen Krimi-Queen Viveca Sten um das sympathische Ermittlerduo Hanna Ahlander und Daniel Lindskog ist endlich da. Sie müssen den Tod einer jungen Frau aufklären, wobei am Anfang noch von einem Unfall und nicht von Mord ausgegangen wird. Doch die Anzeichen hierfür verdichten sich im Laufe der Ermittlungen. Nicht nur einige der Freunde geraten in Verdacht, sondern auch Einwohner des kleinen Ortes. Die Autorin hat mit der Gruppe junger Studenten interessante und sehr authentische Charaktere gezeichnet. Ich habe mir sofort Sorgen um die schüchterne Fanny gemacht. Sie scheint eine Außenseiterin in der Gruppe zu sein.Wie immer versteht es Viveca Sten meisterhaft, atemlose Spannung zu erzeugen.Dazu tragen die wechselnden Erzählperspektiven entscheidend bei. Wie immer bildet die Kulisse der eisigen Winterlandschaft eine passende Atmosphäre. Auch das Privatleben der sympathischen Ermittler, wozu neben Hanna und David auch Anton und Ruffe gehören, spielt eine Rolle. Wobei die Erlebnisse von Hanna aus meiner Sicht einen etwas zu breiten Raum einnehmen. Der Thriller war insgesamt an Dramatik nicht zu überbieten. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt, vergebe fünf Sterne und spreche eine Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Gefährliche Begegnungen

The Business Trip
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Jasmine verlässt heimlich die Wohnung ihres gewalttätigen Freundes Glenn, um in ein Flugzeug zu steigen, dass sie weit fortbringt. Zeitgleich begibt sich Stephanie, Nachrichtenchefin eines Fernsehsenders, ...

Jasmine verlässt heimlich die Wohnung ihres gewalttätigen Freundes Glenn, um in ein Flugzeug zu steigen, dass sie weit fortbringt. Zeitgleich begibt sich Stephanie, Nachrichtenchefin eines Fernsehsenders, auf eine Dienstreise. Beide Frauen treffen im Flugzeug aufeinander. Einige Tage später schreiben sie an Freunde und Kollegen eigenartige Nachrichten. Beide haben offensichtlich denselben Mann kennengelernt. Bald wird klar, dass etwas nicht stimmt und die Frauen sich in Gefahr befinden könnten.

Das interessant und perfekt auf den Inhalt des Thrillers abgestimmte Cover hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Debüt-Thriller von Jessie Garcia hat mich sofort in Bann gehalten. Zunächst habe ich Jasmine für ihren Mut bewundert, sich von ihrem gewalttätigen Freund zu trennen. Sie hat ihre Flucht sogar vorbereitet, wenn auch nicht bis ins kleinste Detail. Ich war gespannt zu erfahren, wie sich zwei so unterschiedliche Frauen, die Barkellnerin und die erfolgreiche Geschäftsfrau, im Flugzeug kennenlernen. Darauf musste ich länger warten, da die Hauptprotagonistinnen erst zur Mitte des Buches und zum Ende zu Wort kamen. Stattdessen haben Freunde und Kollegen von Jasmine und Stephanie in der Erzählung viel Raum eingenommen. Das war aus meiner Sicht ungewöhnlich, aber dennoch spannend. In den kurzen Kapiteln erleben diese Personen die Tage nach dem Abflug der beiden. Zunächst entspannt, dann immer besorgter. Sowohl Jasmine als auch Stephanie senden verwirrend und zunehmend erschreckende Textnachrichten. Diese Nachrichten sind in Kursivschrift verfasst und heben sich somit angenehm vom sonstigen Text ab. Die Autorin erzählt aus ständig wechselnden Perspektiven, was die Spannung steigert. Einzig die sich zum Ende des Buches oft wiederholenden Textnachrichten haben mich etwas gestört. Die kurzen Kapitel, die fesselnde Handlung und die äußerst facettenreichen Charaktere tragen dazu bei, den Spannungsbogen bis zuletzt hoch zu halten. Bis zu dem völlig unerwarteten Ende tappt der Leser im Dunkeln. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und vergebe für den Thriller fünf Sterne.

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