Profilbild von ErikaOnTour

ErikaOnTour

Lesejury Profi
offline

ErikaOnTour ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit ErikaOnTour über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2016

Unterhaltsames Jugendbuch

Faunblut
0

Du sagst, es gibt nichts Schlimmeres als den Tod, Laurin, aber das ist nicht wahr. Die Liebe ist das schlimmste Gift von allen. (S. 336)

Jade lebt mit ihrem Vater seit der Machtübernahme der Lady im Larimar, ...

Du sagst, es gibt nichts Schlimmeres als den Tod, Laurin, aber das ist nicht wahr. Die Liebe ist das schlimmste Gift von allen. (S. 336)

Jade lebt mit ihrem Vater seit der Machtübernahme der Lady im Larimar, einem ehemaligen Hotel. Die Stadt wurde vor mehr als einem Jahrzehnt durch die gewaltsame Machtübernahme verwüstet und nur bruchstückhaft wieder aufgebaut.

Jade und ihr Vater stehen in der Gunst der Lady, dennoch beginnt Jade immer mehr an dem totalitären Regime zu zweifeln und sucht nach Alternativen zur bedingungslosen Regierungstreue.

Als sie Zeugin der Erschießung eines „Echos“ wird, verändert sich für die junge Frau alles. Denn anders als ihr von kleinauf eingebläut, trägt das „Echo“ menschenähnliche Züge anstatt der von todbringenden Monster.

Nina Blazon zeichnet eine düstere und dennoch faszinierende Fantasywelt in ihrem Jugendroman. Eine halb verfallene Stadt, düstere Geheimnisse, fremde Wesen, das alles zieht schnell in den Bann.

Umso trauriger ist es, dass sie den Charakteren wenig an Tiefe verleiht und auch Hintergründe für die Übernahme der Stadt unbeleuchtet lässt. Die aktuellen Herrscher werden als böse per se dargestellt, über ihre Beweggründe erfahren die LeserInnen kaum etwas. Ebenso bleiben die Geschichten der Menschen in der Stadt oder die Vergangenheit der „Echos“ unbesprochen.

Die Liebesgeschichte rund um Jade dagegen gelingt leicht und liest sich schön ohne dabei verkitscht zu wirken.

Ein unterhaltsames Jugendfantasybuch, dem etwas mehr Tiefe und Hintergründe gut getan hätten.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Das Leben und der Tod

Wenn du wiederkommst
0

„Ich weiß, es war nur unsere kleine, für andere bedeutungslose Welt, die der Tod ausgelöscht hat, aber für uns war sie groß und umfassend wie das Universum. (S. 140)

Jerome und seine Ex-Frau leben auf ...

„Ich weiß, es war nur unsere kleine, für andere bedeutungslose Welt, die der Tod ausgelöscht hat, aber für uns war sie groß und umfassend wie das Universum. (S. 140)

Jerome und seine Ex-Frau leben auf zwei Kontinenten. Über 15 Jahre führen sie trotz Scheidung eine Fernbeziehung. In dieser Zeit sind sie sich mitunter sehr nah, entfernen sich aber auch oft wieder gänzlich voneinander. Gerade als sie bemerken, dass ihnen die Zeit davon zu laufen beginnt und sie einen wirklichen Neuanfang starten wollen, stirbt Jerome überraschend.

Anna Migutsch beschreibt in ihrem Roman das erste Jahr nach Jeromes’ Tod aus Sicht seiner Frau. Sie beschreibt ihre Gefühle und Gedanken, den schwierigen Umgang mit dem verbleibenden Umfeld von Jerome, ihre Hoffnungen, ihre Träume, den Verlust, das Versäumte und die Schmerzen die man sich im Laufe eines gemeinsamen Lebens bereitet.

Dabei gelingt es der Autorin über die Beleuchtung der Geschehnisse hinaus auch die Charaktere und deren Eigenschaften zu erläutern sowie deren persönliche Entwicklungen darzustellen. Die LeserInnen erhalten dadurch einen berührenden Einblick, insbesondere in die Seele der Protagonistin.

Ein wunderbares Buch, das uns erfüllt aber auch aufwühlt und uns die Vielfalt des Lebens näherbringt.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Auch überschätzt

Die Liebe ist doch sehr überschätzt
1

Wir müssen den Kindern sagen, dass sich ihr Leben verändern wird, mit scheinheiligen und feigen Worten. (S. 29)

In elf Kurzgeschichten versucht Brigitte Giraud ein Bild von der dunklen Seite der Liebe ...

Wir müssen den Kindern sagen, dass sich ihr Leben verändern wird, mit scheinheiligen und feigen Worten. (S. 29)

In elf Kurzgeschichten versucht Brigitte Giraud ein Bild von der dunklen Seite der Liebe zu zeichnen – dem Ende der Liebe.

Elfmal beschreiben Frauen, wie sie Trennungen erleben, welche Gefühle sie hegen und wie sie versuchen ins Leben zurück zu finden.

Dabei werden Paare beschrieben, die sich auseinander gelebt haben, Paare die Kinder haben, Paare die nach einem langen gemeinsamen Leben auseinander gehen.

Leider bleibt Girauds’ Werk an dem Punkt der Trennung stecken. Durchwegs sind die Geschichten depressiv und hoffnungslos gehalten. Eine Trennung ist oft eine ganz schlimme Sache, aber wo Schatten ist, da ist auch Licht. Die Hoffnung eines Neuanfangs. Diesen Aspekt lässt Giraud unbeachtet und aus diesem Grund versanden ihre Geschichten an einer Oberfläche, die nicht wirklich vermag in das Herz der LeserInnen vorzudringen.

Ein schnell gelesenes Buch, das voller Melancholie vielleicht für einen verregneten Nachmittag geeignet ist, aber auf keinen Fall der Natur von Liebe und Leiden nahe zu kommen vermag.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Solider 3er Teil

Crossfire. Erfüllung
0

„Gideons Lippen verzogen sich zu einem umwerfenden Lächeln, als er mir die Hand entgegenstreckte. Dann zog er mich an sich und gab mir einen sanften Kuss. Er drückte die Tür hinter sich zu, drehte den ...

„Gideons Lippen verzogen sich zu einem umwerfenden Lächeln, als er mir die Hand entgegenstreckte. Dann zog er mich an sich und gab mir einen sanften Kuss. Er drückte die Tür hinter sich zu, drehte den Schlüssel und schloss die Welt aus.“ (S.74)

Gideon hält sich von Eva fern um sie und sich selbst zu schützen. Es darf kein Verdacht auf ihn fallen, solange die Ermittlungen im Mordfall um Eva’s Stiefbruder nicht abgeschlossen sind.

Doch lange können Eva und Gideon sich nicht voneinander fernhalten, wie zwei Magneten streben sie schon sehr bald wieder aufeinander zu und begeben sich dabei nicht nur emotional sondern alsbald auch ganz real in Gefahr.

Mit „Erfüllung“ liegt nun der dritte Band der Crossfire-Reihe vor. Sylvia Day bewegt sich gewohnt und routiniert im Erotikgenre und schreibt den LeserInnen viele anregende Momente.

Leider fehlt dem dritten Band ein straffer roter Faden, wie ihn Band 2 aufweisen konnte. Der Tanz auf rohen Eiern, den Eva und Gideon nun schon eine Weile vollführen, wird zunehmend mühsam zu lesen.

Einige Ereignisse wirken deplatziert und an den Haaren herbeigezogen. Sie stören mehr als der platte, vorhersehbare Schreibstil. Die Geschichte endet im Offenen und Sylvia Day stellt weitere Fortsetzungen in Aussicht.

Insgesamt ein solides Werk, es wäre Day zu wünschen gewesen, dass sie den Absprung von der Geschichte schafft und nun nicht versuchen würde, die ursprünglich als Trilogie geplante Reihe, in die Länge zu ziehen.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Leider nicht ganz überzeugend

Forbidden
0

„Es ist nicht nur die körperliche Frustration gerade eben, es ist alles: wie unmöglich unsere Situation ist; der Schrecken, dass wir es so weit haben kommen lassen; die Verzweiflung, weil ich Maya nie ...

„Es ist nicht nur die körperliche Frustration gerade eben, es ist alles: wie unmöglich unsere Situation ist; der Schrecken, dass wir es so weit haben kommen lassen; die Verzweiflung, weil ich Maya nie so werde lieben können, wie ich sie gern lieben würde.“ (S.197)

Lochan lebt gemeinsam mit seinen 4 Geschwistern. Er und seine Schwester Maya ersetzen den drei jüngeren Geschwister die Eltern, sie opfern ihre eigene Jugend und geraten dabei immer näher an den gefährlichen Abgrund der totalen Erschöpfung, da die Mutter der Erziehungs- und Familienarbeit nicht mehr gewachsen ist. Seit der Vater die Familie verließ, ergibt sie sich dem Alkohol- und Drogenmissbrauch.

Doch inmitten des Chaos aus täglichen Besorgungen, Betreuungspflichten, Hausaufgaben und Wäschebergen kommen sich Maya und Lochan näher als Bruder und Schwester das tun sollten.

Tabitha Suzuma versucht sich an einem dramatischen Jugendroman. Geschwisterliebe vor dem sozialen Umfeld der Unterschicht. Dabei eröffnet sie viele Schauplätze, die der Roman bedienen könnte. Die psychischen Probleme der Kinder, allen voran Lochans zunehmende Hemmung mit fremden Menschen zu sprechen, die von den LehrerInnen akzeptiert wird, da sie um seine außergewöhnliche Intelligenz wissen. Die flüchtende Mutter, deren eigene Wunde, seit dem Weggang des Vaters nie heilen konnte und die ihre ganze Kraft darauf verwendet dieselbe aufrecht zu erhalten. Die nahende Pubertät des dritten Sohnes und sein Abdriften in die Illegalität.

Am drängendsten aber sind die romantischen Gefühle der beiden ältesten Geschwister. Während Lochan immer wieder versucht die Schwester auf Distanz zu halten, geht Maya viel unbedarfter mit der Thematik um.

Die vielen angerissenen Themen und deren wenig tiefgehende Bearbeitung nimmt dem Buch viel an Kraft. Etwas weniger an dramatischen Schauplätzen hätte der Geschichte gut getan.

So aber werden einzelne Themenstränge nur oberflächlich behandelt und wirken dadurch konstruiert oder lieblos aufgesetzt. Die tragische, verbotene Liebesgeschichte steuert vorhersehbar in eine Richtung und wird bleibt nur blaß in der Erinnerung der LeserInnen.

Abschließend sorgen der hölzerne Schreibstil und die bald langweiligen (weil immer gleichbleibenden) Perspektivenwechsel für wenig Lesevergnügen.