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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2025

Starker Anfang, schwaches Ende

Ungebetene Gäste
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"Ungebetene Gäste" von Ayelet Gundar-Goshen ist mein drittes Buch von dieser Autorin. Davor habe ich "Wo der Wolf lauert" und "Löwen wecken" gelesen, die mir beide auf ihre Art sehr gut gefallen haben. ...

"Ungebetene Gäste" von Ayelet Gundar-Goshen ist mein drittes Buch von dieser Autorin. Davor habe ich "Wo der Wolf lauert" und "Löwen wecken" gelesen, die mir beide auf ihre Art sehr gut gefallen haben. Die Bücher der Autorin haben etwas Gemeinsames: auf die eine oder andere Art geht es darin immer auch um Grenzbereiche und Abgründe der menschlichen Psyche und moralische Dilemmata. Das ist grundsätzlich sehr interessant, birgt aber die Gefahr der Wiederholung.

So ging es mir auch anfangs mit "Ungebetene Gäste". Auch hier will ein Hauptcharakter, hier ist es eine Frau, die junge Mutter Naomi, nicht für die Konsequenzen ihres Tuns oder Unterlassens einstehen: diesmal geht es um einen Hammer eines arabischen Arbeiters, den der kleine Sohn Naomis wohl vom Balkon geworfen hat, woraufhin er einen Jugendlichen traf, der starb. Dafür wird erst einmal von der Polizei und vom aufgebrachten Mob der arabische Arbeiter verantwortlich gemacht, zu tief sitzen die Vorurteile und die Angst vor einem Anschlag. Naomi weiß mit Sicherheit, dass dieser es nicht gewesen sein kann, der Mann war am Klo, während es passierte. Und doch schweigt sie erst einmal... erst einmal!

Dann entwickelt sich das Buch zum Glück nicht genau gleich wie "Löwen wecken", sondern durchaus in eine andere Richtung, aber mit einigen Parallelen. Es geht auch hier wieder um die drastischen Gegensätze zwischen den sozialen Milieus und den Nationalitäten in Israel, um die Privilegierten und die am Rande der Gesellschaft. Darum, was man aus der jeweiligen Position heraus wahrnehmen kann und auch über die Privilegien, deren sich die Privilegierten oft nicht bewusst sind: so kommt es etwa dann zu einer Gerichtsverhandlung, bei der Naomi und ihr Mann aufgrund ihrer Mittel und Kontakte einen sehr guten Anwalt haben, während der arabische Arbeiter und seine Familie nur einen Pflichtverteidiger aufweisen können.

Es gibt in dem Buch also durchaus einige sehr interessante Charaktere und Ideen und es ist spannend und unterhaltsam geschrieben. Schade fand ich aber, dass so einige Nebencharaktere vorkamen, die dann einfach nicht mehr erwähnt wurden (etwa "Madonna"). Etwas enttäuscht lässt mich auch das Ende zurück, das für mich sehr abrupt gekommen ist und in dem einige für mich sehr relevante Fragen einfach nicht mehr geklärt wurden. Damit ist es für mich insgesamt ein Buch mit gutem Schreibstil und interessanten Ansätzen, dem aber für eine mehr als mittelmäßige Bewertung meinerseits einiges fehlt.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Atmosphärische Milieustudie

Das Nest
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"Das Nest", der zweite Roman von Sophie Morton-Thomas entführt mich beim Lesen an die ruhige Ostküste Englands... und das erst einmal im Winter. Wir lernen Fran kennen, die hier Mobilheime betreibt.. aber ...

"Das Nest", der zweite Roman von Sophie Morton-Thomas entführt mich beim Lesen an die ruhige Ostküste Englands... und das erst einmal im Winter. Wir lernen Fran kennen, die hier Mobilheime betreibt.. aber jetzt im Winter ist nicht viel los. Umso mehr Zeit bleibt ihr für ihre Leidenschaft, Vögel zu beobachten. Vögel, die werden noch eine zentrale Rolle in diesem Buch spielen, wie sowohl der englische Originaltitel "Bird spotting in a small town" als auch der doppeldeutig gut gewählte Titel der deutschsprachigen Übersetzung, "Das Nest", passend andeutet.

Beim Lesen wird die Leidenschaft der Autorin für die Natur spürbar. Eine Stärke des Buches sind definitiv die atmosphärischen Natur- und Vogelbeschreibungen, die einen innerlich in diese ruhige Landschaft am Meer versetzen. Ich habe das Buch deshalb sehr gerne gelesen, es war für mich ein ruhiges und zugleich spannendes Leseerlebnis.

Ist es ein Krimi? Da bin ich mir nicht sicher. Jedenfalls kein typischer. Ja, es gibt einen Mord, an einer Lehrerin, aber es gibt kaum detaillierte oder gar kompetente Ermittlungsarbeit. Stattdessen steht die Milieubeschreibung im Vordergrund. Wir erleben den Roman aus zwei Perspektiven: einerseits die oben schon erwähnte Fran, die mit ihrem Mann eine leidenschaftslose und bestenfalls mittelmäßige Ehe führt, in der sich die Eheleute nicht mehr sonderlich viel zu sagen haben. Nicht viel besser ist die Beziehung zu ihrem 12-jährigen Sohn Bruno, für den sie sich auch nur sporadisch interessiert und den sie nicht wirklich zu verstehen scheint. Dann gibt es noch ihre Schwester Ros und deren Mann, mit großen Geld- und Suchtproblemen im Hintergrund, die Fran gratis in einem der Mobilheime leben lässt, dieses sogar für sie putzt und sich immer wieder Sorgen um ihre Nichte Sadie macht... ohne dem wirklich Handlungen folgen zu lassen.

Die zweite Perspektive ist die des Roma Tad, der sich gemeinsam mit anderen Reisenden für einige Wochen bis Monate in dieser Gegend mit ihren Wohnwägen niederlässt. Die Gruppe der Reisenden ist sehr positiv gezeichnet, es sind freundliche Menschen mit viel Familiensinn, bei denen auch die Kinder Bruno und Sadie immer wieder Zuflucht und Trost finden, ein Ausgleich zu den eher lieblosen, desolaten Familien, aus denen sie stammen.

Dann passieren schrittweise verschiedene Dinge: besagte Lehrerin wird ermordet, Frans Schwager verschwindet in der gleichen Nacht spurlos, Vögel werden zerstückelt aufgefunden und ein Vogelnest mit Eiern verschwindet. Wie hängt das alles zusammen und womit hat es zu tun?

Ob die Auflösung am Ende glaubhaft ist, möge jede/r individuell entscheiden. Insgesamt regt das Buch viel zum Nachdenken an, vor allem über soziale Verhältnisse, Isolation in der eigenen Familie und darüber, wem wir welche Taten zutrauen und wem nicht.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Das Zugehörigkeitsgefühl als Schlüssel für Wohlbefinden und Leistung

Dein bestes Selbst
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"Dein bestes Selbst" ist ein persönliches Entwicklungsbuch für Menschen, die sich für Weiterentwicklung, Führung und menschliche Beziehungen interessieren. Es wurde vom Berater und Coach Mike Lipkin in ...

"Dein bestes Selbst" ist ein persönliches Entwicklungsbuch für Menschen, die sich für Weiterentwicklung, Führung und menschliche Beziehungen interessieren. Es wurde vom Berater und Coach Mike Lipkin in Kooperation mit der Psychiaterin Diane McIntosh geschrieben. Eingeteilt in ein paar größere Kapitel geht es im Buch im Kern darum, aufrichtige und für beide Seiten gewinnbringende Beziehungen für beide Seiten mit anderen Menschen aufzubauen.

So beginnt das Buch schon mit dem Thema "Zugehörigkeit" und damit, wie wichtig es für die allermeisten Menschen sei, sich zu den Gruppen, die sie umgehen, und an den Orten, an denen sie sich befinden, zugehörig zu fühlen. Darauf aufbauend gibt es Tipps, wie man vor allem andere dabei unterstützen kann, sich in der eigenen Gegenwart wohl zu fühlen und wie man sowohl privat als auch am Arbeitsplatz eine produktive, wertschätzende Umgebung für alle Menschen schaffen kann.

Damit ist das Buch insgesamt sympathischerweise eben nicht von blinder Selbstoptimierungswut getrieben, sondern man spürt dahinter die Motivation der Autoren nach einer besseren, auch menschenfreundlicheren und kooperativeren Welt. Es ist sehr persönlich geschrieben, es finden sich insbesondere viele Beispiele aus dem Leben des Autoren darin.

Die Co-Autorin Diane McIntosh kommt leider nicht mit direkter Stimme zur Welt; ihre Beiträge werden immer vom männlichen Co-Autor in einen Rahmen gestellt, indem er berichtet, was sie erlebt hätte, aber sie nicht direkt zu den Lesenden spricht. Das habe ich ein bisschen schade gefunden und hätte mich gefreut, wenn beide mit ihren eigenen authentischen Stimmen berichtet hätten, insbesondere, da auch die Co-Autorin eine Person zu sein scheint, die viel zu sagen hat und alleine schon andere sehr gut bewertete Bücher zu ihrer Expertise, etwa zum Thema Depression, veröffentlicht hat.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Ein spannender, moderner Thriller, der zum Nachdenken anregt

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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"Eine falsche Lüge - wird es ihre letzte sein?" von Sophie Stava ist ein spannend erzählter, mehrperspektivischer und außergewöhnlicher Thriller. Wir lernen zuerst Sloane kennen, die meint, keine aufregende ...

"Eine falsche Lüge - wird es ihre letzte sein?" von Sophie Stava ist ein spannend erzählter, mehrperspektivischer und außergewöhnlicher Thriller. Wir lernen zuerst Sloane kennen, die meint, keine aufregende Lebensgeschichte zu haben und sich schon früh daran gewöhnt hat, ihren Klassenkameradinnen Lügen über ihre Familiensituation zu erzählen, um Mängel zu vertuschen und sich interessanter darzustellen. Und so ist Sloane mit der Zeit eine erfahrene Lügnerin geworden, doch ab und zu fällt ihr dieses auf den Kopf, und sie verstrickt sich immer mehr in ihre Lügen.

Als sie den extrem attraktiven und reichen Start-Up-Unternehmer Jay im Park mit seiner Tochter Harper kennen lernt, die von einer Biene gestochen wird, gibt Sloane sich kurzerhand fälschlicherweise als Krankenschwester aus, nennt sich Caitlin und versorgt das Mädchen. Danach wird sie sich zielstrebig und bewusst auch mit Jays Partnerin und der Mutter des Mädchens, Violet, anfreunden. Sloane/Caitlin genießt die Nähe zur reichen Familie und wird Harpers Kindermädchen. Doch ist sie die einzige, die hier nicht ganz mit offenen Karten spielt?

Interessanterweise lernen wir nach Sloanes eigener Perspektive etwa ab der Mitte des Buches auch die von Violet kennen und später auch noch die von Jay. Da können sich die Lesenden auf einige sehr spannende Überraschungen und plötzliche Wendungen gefasst machen. Ganz besonders überrascht das ungewöhnliche Ende.

In Summe ist es ein gut geschriebenes, unterhaltsames und leicht zu lesendes Buch, ein spannender Thriller mit plötzlichen Twists, der vieles, was man angenommen hatte, plötzlich wieder in Frage stellt. Besonders hat mir das Ende gefallen, das für so ein Buch überraschend modern ist. Auch wenn es bei einem Thriller hauptsächlich um Unterhaltung geht, mochte ich es sehr, dass das Buch auch die heutige Frauenrolle insbesondere in gehobenen Kreisen sehr kritisch hinterfragt und damit zum Nachdenken anregt.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Im düsteren Glasgow der 1970er

Möge Gott Dir vergeben
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"Möge Gott dir vergeben" ist der 5. von 6 Thrillern/Krimis Noir von Alan Parks mit dem Ermittler Harry McCoy. Auch wenn es sicher interessant sein könnte, die Vorgängerbände gelesen zu haben, steht dieser ...

"Möge Gott dir vergeben" ist der 5. von 6 Thrillern/Krimis Noir von Alan Parks mit dem Ermittler Harry McCoy. Auch wenn es sicher interessant sein könnte, die Vorgängerbände gelesen zu haben, steht dieser Band problemlos für sich alleine und kann gut gelesen und verstanden werden, ohne die anderen Bände zu kennen. Auch für mich war es das erste Buch aus dieser Reihe und ebenfalls das erste Buch des Autors.

Es handelt sich um einen spannenden und gut erzählten Noir vor dem Hintergrund des Glasgow der 1970er Jahre - eine Zeit, zu der der Autor dort gelebt hat, allerdings selbst noch ein Kind war. Das Setting wirkt sehr authentisch, wir erleben eine düstere Stadt, voll von Kriminalität und Korruption, mit Menschen, die sich nach Gerechtigkeit sehnen und diese von der Justiz aber längst nicht mehr erwarten.

So beginnt das Buch auch gleich mit einer starken Szene: eine aufgebrachte Meute auf der Straße fordert den Tod dreier junger Männer, die einen Friseursalon in Brand gesetzt haben, wobei mehrere Frauen und Kinder ums Leben gekommen sind. Und tatsächlich, ein Auto rammt den Gefangenentransporter mit Absicht und die Gefangenen werden entführt. Wird zuerst noch von der Polizei vermutet, dass das von deren Angehörigen in Auftrag gegeben sein könnte, um sie vor einer Strafe zu bewahren, wird bald klar, dass sie im Gegenteil von Menschen entführt wurden, die Selbstjustiz üben wollen: denn bald wird der erste der drei Brandstifter gefoltert und verstümmelt tot aus einem anonymen Auto auf die Straße geworfen, daneben die Botschaft, dass ihm die anderen beiden bald folgen würden. Was genau dem jungen Mann angetan wurde, wird genau und in allen blutigen und schmerzhaften Details geschildert. So beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit? Wird es McCoy gelingen, die beiden anderen jungen Männer noch rechtzeitig zu befreien, bevor die selbsternannten Rächer auch an ihnen ihr Urteil vollstrecken können?

Im mehrere hundert Seiten dicken Roman kommt es zu einer ausgiebigen Ermittlungsarbeit, bei der McCoy tief in die diversen dunklen Milieus von Glasgow eintaucht. Dabei ist der Roman bis zum Ende spannend und nicht vorhersehbar, und gleichzeitig so tiefgründig, dass er zum Nachdenken über Gerechtigkeit, verschiedene gesellschaftliche Milieus, die Verflechtung von Staat und Kirche und so einiges mehr anregt. Ich kann ihn allen Fans von Krimis Noir empfehlen, die mit detaillierten Schilderungen brutaler Gewalt umgehen können.

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