Starker Anfang, schwaches Ende
Ungebetene Gäste"Ungebetene Gäste" von Ayelet Gundar-Goshen ist mein drittes Buch von dieser Autorin. Davor habe ich "Wo der Wolf lauert" und "Löwen wecken" gelesen, die mir beide auf ihre Art sehr gut gefallen haben. ...
"Ungebetene Gäste" von Ayelet Gundar-Goshen ist mein drittes Buch von dieser Autorin. Davor habe ich "Wo der Wolf lauert" und "Löwen wecken" gelesen, die mir beide auf ihre Art sehr gut gefallen haben. Die Bücher der Autorin haben etwas Gemeinsames: auf die eine oder andere Art geht es darin immer auch um Grenzbereiche und Abgründe der menschlichen Psyche und moralische Dilemmata. Das ist grundsätzlich sehr interessant, birgt aber die Gefahr der Wiederholung.
So ging es mir auch anfangs mit "Ungebetene Gäste". Auch hier will ein Hauptcharakter, hier ist es eine Frau, die junge Mutter Naomi, nicht für die Konsequenzen ihres Tuns oder Unterlassens einstehen: diesmal geht es um einen Hammer eines arabischen Arbeiters, den der kleine Sohn Naomis wohl vom Balkon geworfen hat, woraufhin er einen Jugendlichen traf, der starb. Dafür wird erst einmal von der Polizei und vom aufgebrachten Mob der arabische Arbeiter verantwortlich gemacht, zu tief sitzen die Vorurteile und die Angst vor einem Anschlag. Naomi weiß mit Sicherheit, dass dieser es nicht gewesen sein kann, der Mann war am Klo, während es passierte. Und doch schweigt sie erst einmal... erst einmal!
Dann entwickelt sich das Buch zum Glück nicht genau gleich wie "Löwen wecken", sondern durchaus in eine andere Richtung, aber mit einigen Parallelen. Es geht auch hier wieder um die drastischen Gegensätze zwischen den sozialen Milieus und den Nationalitäten in Israel, um die Privilegierten und die am Rande der Gesellschaft. Darum, was man aus der jeweiligen Position heraus wahrnehmen kann und auch über die Privilegien, deren sich die Privilegierten oft nicht bewusst sind: so kommt es etwa dann zu einer Gerichtsverhandlung, bei der Naomi und ihr Mann aufgrund ihrer Mittel und Kontakte einen sehr guten Anwalt haben, während der arabische Arbeiter und seine Familie nur einen Pflichtverteidiger aufweisen können.
Es gibt in dem Buch also durchaus einige sehr interessante Charaktere und Ideen und es ist spannend und unterhaltsam geschrieben. Schade fand ich aber, dass so einige Nebencharaktere vorkamen, die dann einfach nicht mehr erwähnt wurden (etwa "Madonna"). Etwas enttäuscht lässt mich auch das Ende zurück, das für mich sehr abrupt gekommen ist und in dem einige für mich sehr relevante Fragen einfach nicht mehr geklärt wurden. Damit ist es für mich insgesamt ein Buch mit gutem Schreibstil und interessanten Ansätzen, dem aber für eine mehr als mittelmäßige Bewertung meinerseits einiges fehlt.