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Veröffentlicht am 28.08.2024

100 Jahre im Leben einer Frau in Chile

Violeta
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"Violeta" war mein zweites Buch von Isabel Allende. Davor hatte ich schon "Das Geisterhaus" gelesen und großartig gefunden, das legt die Maßstäbe hoch an. Erzählen kann Isabel Allende, ihre Geschichten ...

"Violeta" war mein zweites Buch von Isabel Allende. Davor hatte ich schon "Das Geisterhaus" gelesen und großartig gefunden, das legt die Maßstäbe hoch an. Erzählen kann Isabel Allende, ihre Geschichten sind interessant und die Figuren vielschichtig gezeichnet. Das Buch liest sich grundsätzlich flüssig und es war eine interessante Lebensgeschichte. Anhand von Violetas Lebensgeschichte und der Geschichten ihrer Angehörigen werden diverse historische Entwicklungen des Chiles der letzten 100 Jahre (angefangen von der Spanischen Grippe über die Wirtschaftskrise Ende der 1920er über den Militärputsch und schließlich die Rückkehr zur Demokratie bis zur Coronapandemie 100 Jahre später) lebendig.

Als ich in das Buch einmal hineingefunden hatte, habe ich es gerne gelesen... das hat allerdings gut 80 bis 100 Seiten gedauert. Am Anfang hat mich das Buch nicht sonderlich gefesselt, deutlich weniger als "Das Geisterhaus" und weniger als viele andere Bücher, die ich sonst lese... ich glaube, es war zu beschreibend und hatte zu wenig Spannungsbogen. Das wurde im Verlauf des Buches dann aber besser.

Insgesamt ein empfehlenswertes Buch für alle, die sich für chilenische Geschichte interessieren und diese gerne locker in Romanform nahe gebracht bekommen möchten... also unterhalten und dabei etwas lernen möchten. Grundsätzlich guter Erzählstil, allerdings speziell im ersten Teil des Buches noch etwas ausbaufähig, deshalb nur vier von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Die Welt der ultraorthodoxen Juden in London - einfühlsam, klug und aus verschiedenen Perspektiven nahe gebracht

Die Hoffnung der Chani Kaufman
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Dieses Buch und sein Vorgängerband "Die Hochzeit der Chani Kaufman" (die beiden können grundsätzlich auch unabhängig voneinander gelesen werden, dennoch empfehle ich, mit dem ersten Band zu beginnen, um ...

Dieses Buch und sein Vorgängerband "Die Hochzeit der Chani Kaufman" (die beiden können grundsätzlich auch unabhängig voneinander gelesen werden, dennoch empfehle ich, mit dem ersten Band zu beginnen, um die ganze Geschichte in chronologischer Reihenfolge genießen zu können) sind sicher zwei der besten Romane, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

Die beiden Bücher bieten Einblick in verschiedene Leben in einer ganz spezifischen Welt (die chassidischen Juden in London) und sind sehr interessant, empathisch und humorvoll geschrieben, von einer Autorin, die diese Welt als Lehrerin gut kennen gelernt hat.

Es geht bei weitem nicht nur um Chanis Hochzeit bzw. Kinderwunschzeit selbst, sondern auch um die Geschehnisse davor und um die Leben weiterer Personen.

Das Buch ist aus den Perspektiven verschiedenster darin vorkommender Figuren geschrieben, die alle detailgenau ausgearbeitet und authentisch sind. Es liest sich leicht, locker und angenehm und gleichzeitig nimmt man dabei eine Menge mit... ich mochte besonders die Perspektivenvielfalt und dass das Buch mich dabei begleitet hat, die Motive und Perspektiven ganz verschiedener Menschen innerhalb dieser Community nachfühlen zu können.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Gehyped und überbewertet, sehr düster und ohne Charakterentwicklung

Yellowface
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Dieses Buch behandelt eine interessante Idee auf originelle Weise. Es ist eine heftige und spannende Geschichte, die viele der momentanen Zeitgeist-Themen kritisch untersucht: wann ist eine Geschichte ...

Dieses Buch behandelt eine interessante Idee auf originelle Weise. Es ist eine heftige und spannende Geschichte, die viele der momentanen Zeitgeist-Themen kritisch untersucht: wann ist eine Geschichte die eigene? Wann wird eine Geschichte zu der von jemand anderem? Wo beginnt und endet geistiges Eigentum? Wie sehr ist eine Geschichte von ihrer Autorin zu trennen? Wer darf welche Geschichten erzählen? Wie unfair ist der Buchmarkt? usw.

Es geht um June, eine unbekannte Schriftstellerin, die eine Rohversion eines Manuskripts ihrer gerade verstorbenen Bekannten, der Bestsellerautorin Athena, mitnimmt, überarbeitet, als eigenes ausgibt und sich immer mehr in dieser Geschichte verstrickt.

Das Buch ist ausschließlich aus der Perspektive von June geschrieben, einer sehr unsympathischen, moralisch fragwürdigen, gehässigen und unreflektierten Protagonistin, die sich im Laufe des Buches auch nicht entwickelt und nicht dazulernt. Das habe ich im Verlauf des Buches zunehmend als unangenehm empfunden. Mir ist klar, dass nicht alle Charaktere sympathisch sein müssen und auch unsympathische Charaktere können sehr authentisch sein.

Was ich mir von einem guten Buch aber schon wünsche, ist zumindest ein Mindestmaß an Charakterentwicklung, also, dass die Charaktere sich in irgendeiner Weise glaubhaft verändern und dazulernen, das ist hier nicht der Fall. June ist die am wenigsten reflektierte Figur, die mir jemals in einem Buch begegnet ist, und leider absolut nicht lernfähig. Das führt dazu, dass es am Ende fast weh tut, die ganze Zeit in ihrem Kopf zu sein.


Insgesamt ist es ein sehr negativer Blick auf die Buch- und Verlagswelt an sich, von dem ich glaube, dass er zwar sicher etwas Wahres an sich ist, aber hoffentlich nicht alleine das gesamte Bild darstellt.

Dieses Buch wird derzeit überall gehyped und promoted, in den meisten Buchhandlungen hat es prominente Platzierungen und auch im Internet sprechen alle darüber. Ich hatte durchaus hohe Erwartungen daran, die sich aber nicht erfüllt haben. Deshalb empfehle ich es nur unter Vorbehalt: es lohnt sich, es zu lesen, um mitreden zu können. Ein angenehmes oder sogar richtig gut geschriebenes Buch ist es aber meiner Einschätzung nach nicht, und hoffentlich auch keine authentische Darstellung des Buchmarktes.

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Kämpfe, Drachen, Magie, Freundschaften und Romantik in einer liebevoll und detaillierten Fantasywelt

Fourth Wing – Flammengeküsst
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Ja, total gehyped im letzten Jahr. Ich bin einige Zeit drum herum geschlichen (der Klappentext hat mich eine sehr seichte Enemy-to-Lovers-Geschichte vermuten lassen, aber so war es dann nicht nur, dieses ...

Ja, total gehyped im letzten Jahr. Ich bin einige Zeit drum herum geschlichen (der Klappentext hat mich eine sehr seichte Enemy-to-Lovers-Geschichte vermuten lassen, aber so war es dann nicht nur, dieses Buch ist so viel mehr!), habe Fourth Wing und auch den Nachfolgeband Iron Flame dann verschlungen und bin begeistert.

Ja, es ist auch New Adult und Romantasy, aber es ist soooo viel mehr - ein sehr gutes Fantasy-World-Building in einer magischen Welt mit Drachen, Greifen und anderen Wesen, liebevoll und detailliert ausgearbeiteten Charakteren, einigem Humor, aber auch viel Härte (es sterben regelmäßig Wesen... und nicht nur unsympathische) in einer harten, dystopischen Welt, in der junge Menschen zu Kampfmaschinen trainiert werden... aber dann doch wieder auch tiefe Freundschaften miteinander eingehen... und im Hintergrund vieles nicht so ist, wie es erst einmal scheint. Auch tiefgreifende Gedanken zu Gesellschaften, Umgang mit Geschichte und Narrativen, Macht und vielem mehr kommen vor.


Fourth Wing beinhaltet natürlich auch die schon am Klappentext angekündigte Enemies-to-Lovers-Geschichte, ist aber in Summe viel mehr als nur diese (und darüber bin ich froh, denn sonst wäre es mir mit mittlerweile Ende 30 zu seicht gewesen... aber so habe ich es sehr gerne gelesen). Ich kann es allen, die Fantasy mögen, nur empfehlen... für mich waren es nach vielen Jahren wieder richtig tolle Fantasybücher und ich warte gespannt auf die Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Macht die Eskalationsspirale der Nazizeit, ihre Sogwirkung auf die Massen und ihre zerstörerische Wucht spürbar

Adressat unbekannt
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Wow! Ein kleines, schmales, kurzes Büchlein, bestehend aus einem fiktiven Briefwechsel zwischen zwei Männern, die anfangs beste Freunde und Geschäftspartner sind... einer davon Jude und in Amerika, der ...

Wow! Ein kleines, schmales, kurzes Büchlein, bestehend aus einem fiktiven Briefwechsel zwischen zwei Männern, die anfangs beste Freunde und Geschäftspartner sind... einer davon Jude und in Amerika, der andere Deutscher und in seine Heimat zurückgekehrt, in den 1930er-Jahren.

Dieses Buch wurde tatsächlich schon 1938 geschrieben, von einer Amerikanerin, möglicherweise beruht es zum Teil auf einem echten Briefwechsel.

Es beschreibt unglaublich prägnant die Wucht der Veränderung in diesen Jahren in Deutschland und die Entzweiung der beiden Freunde, in einer rasanten Eskalationsspirale. Unglaublich gut geschrieben und sehr nachdenklich machend!

Empfehlenswert für alle, die sich damit auseinandersetzen möchten, unglaublich gut geschrieben!

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