Ist der Tod eine Erleichterung?
Ein Versuch, meine Liebe zu ordnenNach dem Tod ihres Mannes "A" beginnt für Christien ein neues Kapitel ihres Lebens. Wie macht man weiter als Witwe, wer bin ich eigentlich ohne meinen Mann und darf man über verstorbene Menschen schlechtes ...
Nach dem Tod ihres Mannes "A" beginnt für Christien ein neues Kapitel ihres Lebens. Wie macht man weiter als Witwe, wer bin ich eigentlich ohne meinen Mann und darf man über verstorbene Menschen schlechtes sagen?
Christien führte eine lange Ehe mit ihrem Mann, doch als er verstirbt steht sie plötzlich alleine in ihrem Haus. Das Haus, was er haben wollte aber auch das Haus in dem sie ihre Kinder großzogen. Doch mittlerweile ist das Haus sehr ungepflegt. Es ist voll und einige Renovierungsarbeiten müssen erledigt werde. Schnell merkt Christien, dass nicht nicht nur das Haus in den letzten Jahren zu kurz gekommen ist, sondern auch sie selbst. Sie hat sich selbst ihrem Mann sehr untergeordnet und sich seiner schlechten Laune gebeugt. Doch wieso hat sie das gemacht und wie hat sich das Verhalten ihres Mannes auf sie ausgewirkt?
Das Buch hat mir sehr geholfen die ältere Generation zu verstehen. Christien war theoretisch sehr emanzipiert und doch hat sie sich den Launen ihres Mannes gebeugt. Ein Mann der eifersüchtig war auf die Aufmerksamkeit der Mutter an ihre Kinder, ein sehr launischer Mann, der jedoch nach außen viel Humor besaß. Bereits früh im Buch will man der Protagonistin raten endlich ein Krisengespräch mit ihrem Mann zu führen, über die Verletzungen zu reden und ihm zu sagen, wie zermürbend sein Verhalten ist. Später will man sie nur noch anschreien und bitten sich doch endlich von diesem alten "Blubbersack" zu trennen.
Leider hat mir das Buch nicht komplett gefallen. Das Thema finde ich sehr wichtig und es auch sehr gut, dass die Autorin darüber schonungslos berichtet, sich auch negativ über den Toten äußert. Doch schnell dreht sich die Handlung im Kreis. Die Autorin rechtfertigt sich ständig (warum bestimmen die Kinder, wo welcher Schrank stehen soll? Sie sind erwachsen und haben ihr eigenes zu Hause, welches sie einrichten können, wie sie wollen. Christien muss nicht im Archiv ihres Mannes leben. Wenn die Kinder ein Archiv wollen, dann können sie gerne selbst darin leben. Sind sie genauso Bestimmend wie ihr Vater?). Alles wird den Kindern recht gemacht, zu allem wird sich mehrmals die Bestätigung von Freunden zu einzelnen Situationen eingeholt. Das letzte drittel des Buch fand ich ehrlich gesagt nur noch nervig und hatte keine Freude mehr am lesen. Das erste Drittel war jedoch sehr gut.
Das Buch ist eine persönliche Aufarbeitung der Autorin und es ist sehr gut, dass sie das Thema festgehalten hat. Ich hoffe sehr, dass sie damit verarbeiten konnte und es ihr mittlerweile besser geht. Aber muss das Buch veröffentlicht werden oder ist es eher ein persönliches Buch für die Familienchronik? Oft hatte ich das Gefühl, dass sich die Autorin vor ihren Kindern rechtfertigen wollte und das Verständnis ihrer eigenen Kinder möchte. Aber gehört dies auf die große Bühne?