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Evy_Heart

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.11.2020

Chronologie des Fallens

JIMI
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Ich hatten von Jimi Hendrix bisher nur gehört und wollte etwas über diesen berühmten Musiker erfahren. Daher habe ich dieses Buch angefordert. Letztlich habe ich mehr über das Musikbusiness gelernt als ...

Ich hatten von Jimi Hendrix bisher nur gehört und wollte etwas über diesen berühmten Musiker erfahren. Daher habe ich dieses Buch angefordert. Letztlich habe ich mehr über das Musikbusiness gelernt als über Jimi.

Worum geht es?

"Jimi" beleuchtet auf 350 Seiten das Leben und Sterben des berühmten Gitarristen.

Meine Meinung

Für mich war das Buch ein Kraftakt, weil es sehr, sehr langatmig ist und viele Details und vor allem Namen genannt werden. Den Anfang mit Jimis Kindheit fand ich interessant, aber besonders am Ende zieht sich die unaufhörliche Katastrophe in die Länge.

Mein Problem war vor allem der Erzählstil: Er ist nicht trocken, nicht protokollarisch - aber sehr akribisch. Und wenig wertend. Das ist gut, weil sich der Autor nicht wichtiger nimmt als seinen Gegenstand. Das nimmt dem Buch aber auch Spannung, weil man niemanden hat, der einen durch das Buch führt, der neue Aspekte, Emotionen liefert. Denn das Ende ist ja bekannt.

Außerdem ist Hendrix jemand, der sich sowohl politisch und gesellschaftlich nur wenig geäußert hat. Er war ein schüchterner Mann, der gern Musik gemacht hat und in den Mühlen des Business zerrieben wurde. Es gibt nur wenig von ihm, umso mehr ÜBER ihn.

Im Gegensatz dazu fand ich die Einblicke in die Musikwelt der 60er Jahre super. Dass Musiker ausgenutzt, instrumentalisiert wurden. Und es wird klarer, warum es auch heute noch Stars gibt, die mit Skanalen auffallen - weil Künstler-Sein kein 40-Stunden-Job ist, bei dem man abends nach Hause kommt, sondern bei dem man manchmal monatelang unterwegs ist, immer dem Druck standhalten muss. Ich habe beim Lesen Ekel vor den Strukturen entwickelt und bin jetzt ein bisschen des-ilusioniert.

Fazit

Nichtsdestotrotz stellt sich die Frage: Braucht es NOCH ein Buch über Hendrix? Ob der Text neue Fakten liefert, können Kenner besser beurteilen. Für mich war es interessant, aber ich habe kein Gefühl für Hendrix bekommen - weder für ihn als Musiker mit seinen künstlerischen Ansichten noch für ihn als Privatperson.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.10.2020

Heureka!

Find Me, Finde mich
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Nachdem "Call me by your name" für mich eine Offenbahrung war, die das Gay Romance-Genre wieder auf seine Wurzeln zurückgeführt hat, zur klassischen Liebesgeschichte, war ich skeptisch, ob ich "Find me" ...

Nachdem "Call me by your name" für mich eine Offenbahrung war, die das Gay Romance-Genre wieder auf seine Wurzeln zurückgeführt hat, zur klassischen Liebesgeschichte, war ich skeptisch, ob ich "Find me" erwerben sollte. Denn die Kritiken zu Acimans weiteren Büchern sind durchwachsen und schon bei CMBYN fand ich den Stil eher denkend. Letztlich entschied ich mich für die englische Version und rezensierte ausführlich. Als Netgalley die deutsche Version als Rezensionsexemplar anbot, nutzte ich die Gelegenheit, um zu vergleichen.

**Inhalt in Kürze*

"Finde mich" ist in 5 Kapitel gegliedert, die mit italienischen Begriffen aus der Musik überschrieben sind und ziemlich passend sind. Das Buch schreitet chronologisch voran, beschreibt jedoch erst im letzten Kapitel die Beziehung zwischen Elio und Oliver. Davor widmet sich das Buch der Liebe seines Vaters Samuel zur jüngeren Miranda und der Liebe alten Michels zum jüngeren Elio. Das Alter herrscht als Thema vor, genauso wie die These, dass alle Dinge zum richtigen Zeitpunkt passieren und sich Kreise schließen.

*Was ist mir beim Lesen aufgefallen?*

Die Übersetzung: Thomas Brovot hat großartige Arbeit geleistet. Der Text liest sich flüssig und sämtliche Stolperstellen bzw. komische Worte erwiesen sich auch im Original als unstimmig. Ich habe das in Büchern bereits anders erlebt.

Das Sprachniveau: Ich hatte mit meinem englischen B1-Level vermutet, dass ich den Großteil verstehe und mir nur ein paar Details fehlen. Tatsächlich liest sich die deutsche Version genauso wie die englische, ich habe mich nur in Details geirrt und manche Aspekte wirkte in meiner Muttersprache deutlicher. Ich habe aber im Englischen manche Fehlstellen mit eigenen Gedanken gefüllt und mich gewundert, dass sie im Deutschen fehlen.

Das Grundthema: Aciman arbeitet sich am "Alter" ab und nachdem ich das Buch zweimal gelesen habe, fällt mir auf, wie wenig Substanz das hat. Philosophie-Freunde werden sich freuen, aber bis auf die Szene zwischen Elio und Oliver hat das nichts mit der Realität zu tun. Beziehungen mit Altersunterschieden gründen sich auf mehr als eine schwierige Beziehung zum (toten) Vater und ein paar pseudo-philosophischen Sprüchen. Sie basieren auf (zum Zeitpunkt des Kennenlernens) ähnlichen Einstellungen und Zielen - wie jede normale Beziehung. Aber natürlich gibt es Hürden, weil sich Körper unterschiedlich entwickeln - das bedeutet vor allem, Verantwortung für einen Partner zu tragen, der irgendwann hilfsbedürftig wird oder damit klarzukommen, dass es irgendwann so kommen könnte. Aciman romantisiert hier zum Wohle des gedanklichen Diskurses, was für mich nichts als eine Mogelpackung ist.

*Fazit**

"Finde mich" kann man lesen, muss man aber nicht. Es ist ein unterhaltsames Buch, das sich gut lesen lässt, aber man sollte gern philosophische Bücher lesen und Paare unterschiedlichen Alters nicht abstoßend finden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.10.2020

Zwei Fehlstellen.

Immer wieder Gerner
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Ja, ich bin eine. Eine dieser Leute, die "Jo Gerner" kennen, ohne GZSZ zu suchten. Ich habe ein paar Folgen gesehen, wusste aber auch aus mancher Reportage, dass sein "Alter Ego" Wolfgang Bahro irgendwo ...

Ja, ich bin eine. Eine dieser Leute, die "Jo Gerner" kennen, ohne GZSZ zu suchten. Ich habe ein paar Folgen gesehen, wusste aber auch aus mancher Reportage, dass sein "Alter Ego" Wolfgang Bahro irgendwo dahinter existiert. Vom Buch erhoffte ich mir spannende Erlebnisse aus dem Drehalltag und einen Blick auf den Schauspieler Wolfgang B. Letztlich pendelt das Buch stets zwischen beiden Schwerpunkten, verliert sich aber etwas.

**Worum geht es?*

Der Text zeichnet kapitelweise den Weg des Schauspielers und Aspekte der Figur.

*Wie hat es mir gefallen?*

Bahros Werdegang ist spannend und es ist erstaunlich, mit welchen bekannten Schauspielern er schon zusammen gearbeitet hat. Ich fand es erfrischend zu sehen, dass er aim klassichen Theater angefangen hat und später zum Kabarett kam. Ich mochte auch seine Reflexionen, sei es über Rollen, die er nicht angenommen hat oder Personen, bei denen er ins Fettnäpfchen getreten ist. Das macht ihn nahbar und sympatisch. Allerdings gerät besonders die erste Hälfte zu einem Feuerwerk der Namen - wer in Bahros Alter ist, kennt die meisten seiner Weggefährten, ich hatte nur zu wenigen einen Bezug und ich hatte Probleme, mich reinfallen zu lassen. Eine Sonderstellung nimmt Charles Rettinghaus ein, Bahros guter Freund und einer der bekanntesten Synchronsprecher Deutschlands. Rettinghaus' Kontaktfreudigkeit in Verbindung mit seinem Job öffnet Bahro manche Tür - was für mich als Leserin sehr spannend war.

Für mich nicht so interessant waren Bahros Figuren-Sammelleidenschaft und seine Tauch-Passion, aber manchem Leser wird das gefallen, weil es ihn menschlich macht.

Außerdem hätte ich gern mehr Infos zum Drehen und zu Bahros derzeitiger Arbeit gehabt.

Stilistisch ist das Buch ok. Bahro (bzw. das Duo) geben dem Buch einen Erzählstil, er mich an meine Oma erinnert - als würde man jemandem etwas sehr bewusst erklären. Auf mich wirkt das gewollt, es ist aber auch ne persönliche Präferenz.

*Fazit**

"Immer wieder Gerner" hat eine positive Energie und ich hatte Spaß beim Leben. Inhaltlich fehlte mir etwas und der Stil war nicht mein Fall. Im Gros der Celebrity-Biografien aber eher top.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.10.2020

Er kann es einfach.

Markus Kavka über Depeche Mode
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Als MTV groß wurde, war ich noch zu klein, um das hip zu finden. Und trotzdem gab es diesen "Markus Kavka", diese coole Socke mit den zu Spikes gestylten Haaren und dem bayrisch angehauchten "Herrschaften!", ...

Als MTV groß wurde, war ich noch zu klein, um das hip zu finden. Und trotzdem gab es diesen "Markus Kavka", diese coole Socke mit den zu Spikes gestylten Haaren und dem bayrisch angehauchten "Herrschaften!", der erst die Neuigkeiten moderierte und später neben Nora Tschirner zum Aushängeschild des Senders wurde. Als Depeche Mode groß wurden, war ich ebenfalls zu klein, um das cool zu finden. Und trotzdem verirrten sich die traurigen Synthie-Klänge in mein fünf-jähriges Hirn und weckten die Melancholikerin in mir, bevor ich wusste, wie man das Wort buchstabiert. Eine Fähigkeit, die später nur mancher Lebenspartner und der Anblick zerstörter DDR-Bauten in Perfektion beherrschten.

Und wenn man Markus Kavka fragt, ob er ein Buch über seine Lieblingsband schreibt, dann stochert er nicht, wie andere Autoren der Reihe, planlos herum, als würde er das Sternchen in der Buchstabensuppe suchen, sondern er liefert. Er plaudert aus dem Nähkästchen, als hätte er nie etwas anders gemacht und als Leser fragt man sich, warum das Buch so wenige Seiten hat, obwohl man Kavka auch einen Roman abkaufen würde. Ernsthaft: Sehr gern habe ich dem 17-Jährigen Markus über die Schulter geschaut, während er seine ersten Gehversuche gemacht hat, sei es im Musik-Hören oder Musik-Machen.

Als Rahmenhandlung dienen Songs und später Interviews, die er mit der Band, in verschiedenen Kostellationen, geführt hat. Während man Kavka im Großteil des Buches durch seine Jugend folgt, erzählt er im letzten Viertel von den Interviews - seiner Nervosität, aber vor allem seinem Eindruck von den Bandmitgliedern. Er hat zu jedem einen Bezug - während einer eher kumpelhaft ist, ist der andere intellektuell fordernd und man spürt, dass da mehr als als Anhimmeln. Kavka gibt dem Leser das Gefühl, einen von ihnen zu sein und dass auch die Band ganz normal sei.

Nur mit der Chronologie hatte ich Probleme - manchmal wusste ich nicht, in welchem Jahr wir uns befinden - mir kam die Reihenfolge nicht ganz eindeutig vor.

**Fazit**

Ein "ganz Großer" des deutschen Jugendfernsehens erzählt mit Witz und Respekt von den "ganz Großen" des Synthie-Pop. Eine Stunde Spaß zum Mitnehmen, bitte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2020

Starke zweite Hälfte.

Antonia Baum über Eminem
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Obwohl mein erster Versuch mit der KiWi Musikbibliothek nicht so erfolgreich war, wagte ich einen neuen. Ich habe Eminem nicht exessiv gehört, aber ich finde ihn charismatisch. Ich hatte erwartet, spannende ...

Obwohl mein erster Versuch mit der KiWi Musikbibliothek nicht so erfolgreich war, wagte ich einen neuen. Ich habe Eminem nicht exessiv gehört, aber ich finde ihn charismatisch. Ich hatte erwartet, spannende Fakten über Eminem zu erfahren, was nicht der Fall war. Stattdessen glänzt das Buch im zweiten Teil mit einer Abhandlung über das Schreiben von Frauen und der Auseinandersetzung mit den frauen-feindlichen Texten Eminems. Als Rahmen dient die Frage, warum die Autorin Eminem als Teeanger gern gehört hat und wie es ihr heute, mit seinen neuen Texten, geht.

Bei mir nimmt der Text übrigens 69 von 81 Seiten ein - finde ich etwas kurz.

Meine Meinung

Die erste Hälfte beschreibt den Werdegang Eminems und warum seine Texte so wichtig für die Autorin waren. Später folgt der für mich interessante Teil: Warum ein weiblicher Teenager Eminem hört und in die (männliche bzw. gemischte Gruppe) integriert wird, obwohl seine Texte sich gegen Frauen wenden und oft den Heiligen-Hure-Dualismus bedienen. Die Antwort ist, u.a.: Gewohnheit. Mittlerweile setzen wir uns mit diesen Texte auseinander, wir nehmen sie nicht mehr hin. Vor einigen Jahren war das noch anders - es war normal, dass Eminem darüber rappte und es war normal, dass das nur Show war, die mit der Realität nichts zu tun hatte. Mittlerweile wissen wir es besser. Ein weitere Grund ist, dass Frauen den Eindruck erwecken, dass sie "über" den Texten stehen, dass sie die versteckte Botschaft dahinter erkennen, vielleicht auch, dass das Frauenfeindliche nur feindlich wirkt? Außerdem setzt sie sich mit dem Thema "Kunstfigur" auseinander. Warum vermuten wir, dass Eminem sich gegen Frauen und Homosexuelle stellt, nur, weil er darüber schreibt? Der Text erklärt, dass Eminem auf diese Frage keine klare Antwort gibt und das deswegen so schlimm ist. Ich fand das sehr interessant und vermute, dass er das selbst nicht weiß. Oder seine Glaubwürdigkeit verliert? Anerkennung scheint ein großes Thema zu sein. Das wird am Ende deutlich, als die Autorin feststellt, dass aus dem wütenden Mittzwanziger mit innovativer Energie ein wütendener Mittvierziger mit Klischeesätzen geworden ist. Dass er sich aus dem Trailerpark heraus gegen die Großen gestellt hat, von diesen bewundert wurde, dass er aber trotz seines Erfolges niemals so hoch gekommen ist.

Fazit

Für mich setzt dieses Buch wunderbar an die "Oral Historie" der deutschen Rap-Geschichte an, die ich vor einigen Monaten gelesen habe. Besonders die Beziehung zwischen Frau-Sein und Rap wird noch einmal vertieft. Trotzdem fand ich das Buch etwas kurz - denn die Gedanken sind interessant, für mich sogar stellenweise zu komplex. Ich hätte mich gefreut, wenn es mehr Zitate, mehr Quellen, mehr Ausführlichkeit gegeben hätte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
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