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Veröffentlicht am 05.02.2023

Bei Anruf Liebe

The Man I Never Met – Kann man lieben, ohne sich zu kennen?
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3.5 von 5 Sternen

Ein falscher Anruf wird Hannahs und Daveys Leben für immer verändern.

Hannah ist Single und lebt in London. Sie ist eine junge Frau, die mit ihrem Leben zufrieden ist, sie verbringt ...

3.5 von 5 Sternen

Ein falscher Anruf wird Hannahs und Daveys Leben für immer verändern.

Hannah ist Single und lebt in London. Sie ist eine junge Frau, die mit ihrem Leben zufrieden ist, sie verbringt Zeit mit ihrer besten Freundin und deren Mann.
Davey ist Brite, aber er lebt seit seiner Kindheit in den USA.
Als Davey sich verwählt und anstatt bei seinem Gesprächspartner für sein Jobinterview bei Hannah anruft, kreuzen sich ihre Wege zum ersten Mal, auch wenn nur übers Telefon. Noch am selben Abend schickt Davey eine SMS, in der er ihr mitteilt, dass er den Job bekommen hat und dass er dafür bald nach London umziehen wird. In den nächsten Tagen und Monaten werden aus Kurznachrichten, die zu Telefonaten und schließlich zu Videoanrufen werden. Sie werden zu Freunden, doch aus den Freundschaftsgefühlen wird bald mehr.
Als Daveys Umzug kurz bevorsteht, können beiden nicht aufhören, darüber nachzudenken und freuen sich darauf, endlich zusammen zu sein. Hannah beschließt, ihn vom Flughafen abzuholen, aber Davey taucht nicht auf, und der Grund dafür ist ein, der alles verändern wird.

enthält Spoiler

"The Man I Never Met" ist eine Liebesgeschichte voller Glück und Hoffnung, aber auch eine, die man so nicht erwartet.
Der Titel ist Programm, denn bis fast zum Ende des Buches werden Hannah und Davey sich nicht treffen und der Grund ist ein trauriger. Denn kurz bevor Davey nach London umziehen will, wird bei ihm Krebs festgestellt und es sieht nicht gut aus.
Während für Davey beginnt die Chemotherapie in den USA beginnt, versucht Hannah nach dem Schock in England für ihn dazu sein, was jedoch auf Dauer nicht so leicht ist. Man folgt beiden, wie sie jeweils getrennt voneinander versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, neue Wege gehen, sich voneinander entfernen und dann wieder einander näher kommen über einen längeren Zeitraum hinweg.

Erzählt aus Hannahs und Daveys Perspektive
bekommt man einen guten Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt und wünscht sich ein Happy End für beide.
Trotz des schweren und emotionalen Themas ist der Roman locker und leicht geschrieben und zeichnet sich durch eine gute und glaubwürdige Charakterdarstellung aus.
Einzig zum Ende hin verliert sich der Roman etwas in zu vielen Zufällen und kitschigen Momenten. Weniger wäre hier mehr gewesen.

"The Man I Never Met" von Elle Cook ist ein emotionaler Liebesroman, bei dem das Kennenlernen, das sich (Wieder)finden sowie das Hoffen im Vordergrund stehen.
Nette und gefühlvolle Liebesgeschichte für Zwischendurch mit zwei sympathischen Protagonisten.

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Veröffentlicht am 05.02.2023

Sprachlich toll erzählte Kindheit des Vaters in Sibirien

Sibir
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"Sibir" von Sabrina Janesch ist eine sprachlich eindrucksvoll und von der eigenen Familiengeschichte beeinflusste erzählte Geschichte über Vertreibung, Heimat und das Fremdsein.
Im Mittelpunkt der Erzählung ...

"Sibir" von Sabrina Janesch ist eine sprachlich eindrucksvoll und von der eigenen Familiengeschichte beeinflusste erzählte Geschichte über Vertreibung, Heimat und das Fremdsein.
Im Mittelpunkt der Erzählung steht Josef Ambacher, der als 10-jähriger gemeinsam mit seiner Familie wie auch Hunderttausend anderer Deutscher nach Sibirien in die Fremde von der Sowjetarmee verschleppt wird. Jahre später kommt er nach Deutschland und ist dort wie auch in der Steppe Kasachstan Fremder. Verwoben wird seine Geschichte mit der seiner Tochter Leila, die selbst das Fremdsein aufgrund ihrer polnischen Mutter spürt und sich daran macht, die nachlassende Erinnerungen ihres Vaters zu behalten, sodass sein Lebensgeschichte nicht in Vergessenheit gerät. Josefs Schicksal steht für das vieler Deutscher, die 1945 nach Sibirien vertrieben wurden und erinnert eindringlich daran.

Ständig wechselnd zwischen der Vergangenheit in Sibirien und den 90er-Jahren in der Mühlheide wird die Geschichte aus Sicht von Josef und Leila erzählt, wodurch eine vielschichtige Charakterzeichnung beider entsteht.
Atmosphärisch erwacht hierbei unter der Feder von Janesch die sibirische Landschaft zum Leben. Gerne hätte ich noch mehr aus der Kindheit Josefs gelesen und mehr aus der Zeit während und nach der Vertreibung und der Rückkehr nach Deutschland gelesen. So blieben für mich manche Handlungsstränge etwas zu sehr an der Oberfläche oder erschließen sich mir nicht ganz.
Darüber hinaus wird auch deutlich mit welchen Herausforderungen, Problemen und Anfeindungen Josef als Kind zu kämpfen hatte und die ihn und seine Tochter auch noch in Deutschland begegnen. Es wird aber auch spürbar, welche Kraft, sie aus ihrer Gemeinschaft ziehen, aber auch welche Schatten aus der Vergangenheit noch über ihnen liegen. Als nach Zusammenbruch der Sowjetunion neue Aussiedler aus Russland kommen, treteb alte Erinnerungen hervor während Josef den neuen Ankömmlingen hilft. Die Geschichte regt dabei zum Nachdenken über Heimat an und gibt auch Einblicke in das Leben der "Russlanddeutschen".

Trotz der leichten emotionalen Distanz mancher Textstellen ist "Sibir" ein wichtiges Buch über das Schicksal vieler Hunderttausend Deutscher in der Sowjetunion nach 1945 und ist aufgrund der Thematik Vertreibung, der Bedeutung von Heimat sowie Leben und Ankommen in der Fremde zeitlos aktuell. Mit großer sprachlicher Eleganz schafft es die Autorin ein berührendes von der Geschichte geprägtes Familienporträt zu erzählen, von dem ich gerne noch mehr erfahren hätte.

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Veröffentlicht am 05.12.2022

Schweigen in den Alpen

Wintersterben
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"Wintersterben" von Martin Krüger ist ein spannender Thriller mit Gruselelementen, der in den Schweizer Alpen spielt.

Valeria Ravelli wird beauftragt, den Mord an einem ehemaligen BKA-Ermittler und Fremdenlegionär ...

"Wintersterben" von Martin Krüger ist ein spannender Thriller mit Gruselelementen, der in den Schweizer Alpen spielt.

Valeria Ravelli wird beauftragt, den Mord an einem ehemaligen BKA-Ermittler und Fremdenlegionär aufzuklären. Gefunden wurde dessen schon mumifizierte Leiche, die Spuren von längerer Folter aufweist, in einer Höhle in den Walliser Alpen. Gemeinsam mit einem Kollegen ermittelt sie in dem Fall. Dafür begibt Valeria sich in das Dorf Steinberg, in dem ihr eine Welle des Schweigens und der Feindseligkeit ausgehend von den eigenbrötlerischen Einwohnern entgegenschlägt. Jeder Dorfbewohner scheint Geheimnisse zu haben. Je mehr sie ans Licht bringt, desto stärker begibt sie sich in Gefahr und es beginnt ein Spiel um Leben und Tod.

Von Beginn an schafft es der Autor durch relativ kurze Kapitel und viele Wendungen den Spannungsbogen aufzubauen und hochzuhalten, der in einem rasanten Finale und einem Cliffhanger endet. Aus wechselnden Perspektiven folgt man Valeria und ihrem Kollegen Colin Baines, wie sie nach und nach dem Geheimnis rund um den BKA-Mann aufdecken und die Wand des Schweigens brechen. Besonders gut gelungen ist dem Autor die Erzeugung einer düsteren und beklemmenden Atmosphäre. Mit wenigen Worten fühlt man den Regen auf der Haut, ist den feindseligen Blicken der Dorfbewohner ausgesetzt und wird das unheimliche Gefühl, nicht los, beobachtet zu werden. Gekonnt wird hierbei mit Realität und Einbildung gespielt, sei es in dem Alpendorf oder in der stark abgeschirmten Luxusvilla eines zwielichtigen reichen Industriellen.
Einzig zum Ende hin schwächelt die Handlung ein bisschen und wirkt zu überladen und abgedreht im Vergleich zum Rest der Geschichte. Weniger wäre hier mehr gewesen verliert die Handlung doch so ein bisschen an Glaubwürdigkeit.

Nichtsdestotrotz ist "Wintersterben" ein spannender Thriller von Anfang bis Ende, der vor allem durch seine atmosphärisch düsteren Beschreibungen punkten kann.

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Veröffentlicht am 05.12.2022

Hyänen ohne Biss

Die Stunde der Hyänen
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"Die Stunde der Hyänen" von Johannes Groschupf ist eine Milieustudie mit Krimi- und Spannungselementen, die mich leider nicht wirklich überzeugen konnte.

Brennende Autos, Berlin-Kreuzberg als Handlungsort, ...

"Die Stunde der Hyänen" von Johannes Groschupf ist eine Milieustudie mit Krimi- und Spannungselementen, die mich leider nicht wirklich überzeugen konnte.

Brennende Autos, Berlin-Kreuzberg als Handlungsort, brisante Themen und interessante Charaktere aus unterschiedlichen Milieus, die durch die Brände mehr oder weniger direkt miteinander verbunden sind, stehen im Mittelpunkt dieses Romans.

Eine intensive und klare Sprache lässt einen in das Leben der handelnden Personen eintauchen und es wird teils auch ein gutes Charakterbild gezeichnet trotz mancher Klischees. Doch schon nach den ersten Seiten verliert der Roman deutlich an Fahrt und ich musste mich trotz der kurzen Kapitel nahezu zwingen weiterzulesen. Zum Spannungsabfall hat geführt, dass zum einen schon ziemlich früh klar ist, wer der Brandstifter ist und man Zeuge wird, was ihn antreibt und zum anderen, dass sich eher auf das Leben und die Probleme der einzelnen Hauptpersonen fokussiert wird als auf die Handlung. Zwar werden hier interessante Beobachtungen angestellt, jedoch verliert sich die Erzählung teils in Nebensächlichkeiten und die Ermittlungen treten in denen Hintergrund, was ich so nach Lesen des Klappentextes nicht erwarte habe. Auch dass Jette ein Super Recognizer ist, spielte kaum eine Rolle.
War der Anfang streckenweise langatmig und verlor sich in uninteressanten Erzählungen, überschlugen sich die Ereignisse zum Ende hin regelrecht und die Handlung insgesamt verlor an Tiefe und Glaubwürdigkeit.
Der Autor versucht mehrere Themen wie z. B. Brandstiftung, Kindermissbrauch, Sekten, Mobbing und Beziehungsgewalt in zu wenig Seiten zu packen und lässt so die Chance verstreichen, ihnen alle die Aufmerksamkeit zu geben, die sie verdient hätten.

"Die Stunde der Hyänen" ist ein Roman, der vielversprechend beginnt und mit einer guten Handlungsidee aufwartet, doch leider zu viel auf einmal sein will und dadurch sein Potenzial verschenkt. Eine überfrachtete Handlung mit Längen im ersten Teil und Charaktere, die zum Ende hin an Profil verlieren, sorgen eher für Frust als spannenden Lesegenuss.

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Veröffentlicht am 24.10.2022

Überzeugendes Plädoyer für eine neue Zeitkultur

Alle_Zeit
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Zeit ist eine zentrale Ressource in unserer Gesellschaft, jedoch ist diese nicht gleich verteilt. Viele leiden unter Zeitarmut, darunter wenig überraschend viele Frauen. Wer Zeit hat oder auch nicht, ist ...

Zeit ist eine zentrale Ressource in unserer Gesellschaft, jedoch ist diese nicht gleich verteilt. Viele leiden unter Zeitarmut, darunter wenig überraschend viele Frauen. Wer Zeit hat oder auch nicht, ist eine Frage von Macht und so wundert es auch nicht, dass nur einig wenig Privilegierte in den Genuss von wirklicher Freizeit, die frei von Fremdbestimmung und Pflichten ist, kommen. Um eine gerechtere Verteilung von Zeit in der Gesellschaft zu erreichen, ist deswegen eine neue Zeitkultur dringend notwendig. Nur wenn jeder die Möglichkeit hat, sich bewusst Zeit für sich persönlich anzueignen, kann jeder Einzelnen sich frei entfalten und zu freien und handlungsfähigen Mitgliedern der Gesellschaft werden.

Aufgelockert durch persönliche Erfahrungen, schafft es die Autorin ihrer Forderung nach einer neuen Zeitkultur überzeugend Ausdruck zu verleihen. In sechs gut strukturierten Kapiteln geht sie hierbei vor allem auf die Ursachen und Folgen von Zeitarmut im privaten sowie im gesellschaftlichen Bereich ein und sorgt so für den einen oder anderen neuen Denkanstoß bei den Leser*innen.

Seine Lesezeit mit Teresa Bückers "Alle_Zeit" zu verbringen lohnt sich somit auf jeden Fall, handelt es sich bei diesem leicht verständlich geschriebenen Sachbuch um ein sehr informatives und zum Nachdenken anregendes Buch über Zeit.

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