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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2019

Rache wird am besten kalt serviert

Die Farben des Feuers
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Madeleine Péricourt hat es nicht leicht Ende der 1920er: der Ehemann im Gefängnis, der Vater verstorben, der einzige Sohn Paul verkrüppelt. Doch statt sich in Trauer und Verzweiflung ergehen zu können, ...

Madeleine Péricourt hat es nicht leicht Ende der 1920er: der Ehemann im Gefängnis, der Vater verstorben, der einzige Sohn Paul verkrüppelt. Doch statt sich in Trauer und Verzweiflung ergehen zu können, wird sie statt ihres Vaters an der Spitze der familieneigenen Bank stehen müssen. Sie verlässt sich auf Freunde und Mitarbeiter… und wird verlassen.

Ich habe ein bisschen gebraucht, um mit Lemaitres Roman warm zu werden. Das lag vor allem an dem Erzählstil, der etwas angestaubt und steif wirkt. Man gewöhnt sich daran, aber wirklich gut gefallen hat er mir nicht. Madeleine hat mir dagegen sehr gut gefallen, ihre Verwandlung vom Frauchen, das quasi keine Ahnung vom Leben und noch viel weniger von wichtigen Entscheidungen hat, hin zu einem cleveren, geduldigen Racheengel war wirklich lesenswert. Ihre „Gegenspieler“ sind etwas sehr auf ihre Rolle reduziert, sie und auch die weitere Handlung wirken dann doch ab und an konstruiert. Die Einbettung in das Zeitgeschehen gelingt dem Autor wirklich gut, bei verschiedensten Ereignissen neigt man dazu Näheres zu googlen und stellt fest, dass es sich um Fiktion handelt; oder eben umgekehrt. Die Atmosphäre stimmt also und so kann man richtig in die Zeit eintauchen. Ich mochte den Roman ganz gerne, habe mich aber bis zum Schluss etwas am Stil und auch an so mancher Wendung gestoßen.

Veröffentlicht am 14.03.2019

Vier Tage in Kabul

Vier Tage in Kabul
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Amanda Lund hat sich den Staub von ihrem letzten Einsatz noch nicht einmal von der Hose geklopft, da soll die Unterhändlerin sich schon um einen neuen Auftrag kümmern. Ein Diplomatenpaar ist verschwunden, ...

Amanda Lund hat sich den Staub von ihrem letzten Einsatz noch nicht einmal von der Hose geklopft, da soll die Unterhändlerin sich schon um einen neuen Auftrag kümmern. Ein Diplomatenpaar ist verschwunden, wahrscheinlich entführt, vielleicht sogar ermordet. In Kabul muss sich Amanda alleine durchschlagen, Unterstützung erhält sie nur aus dem fernen Schweden.

„Vier Tage in Kabul“ ist der erste Band mit Amanda Lund, und ich denke schon, dass die Reihe Potential hat. Die Lage in Kabul ist immer noch mehr als heikel, das Setting bringt seine ganz besonderen Eigenheiten mit. Die Autorin weiß wovon sie schreibt, und das merkt man der Handlung auch an. Lund als Hauptfigur finde ich sehr spannend, auch wenn mir eine Entwicklung in Bezug auf die nächsten Bände nicht ganz so gut gefällt. Trotzdem steckt in dieser Figur noch viel Entwicklungspotential. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, ich mag die etwas nordisch nüchterne Art sehr gerne. Leider findet dann doch mehr Handlung als erwartet in Schweden statt, mich haben die Entwicklungen in Kabul einfach mehr interessiert, und so hätten die schwedischen Ermittler dann für meinen Geschmack gerne schneller arbeiten können. Trotzdem hat mir der Thriller gut gefallen und ich bin auf den nächsten Band gespannt.

Veröffentlicht am 14.03.2019

Bleib doch, wo ich bin

Bleib doch, wo ich bin
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Kaya scheint angekommen: nach einem abgebrochenen Studium verschlägt es sie wieder in ihren kleinen Heimatort, zurück zu ihrem Pony Achterbahn, ihren Jugendfreundinnen und zu ihrem bestem Freund Rob. Sie ...

Kaya scheint angekommen: nach einem abgebrochenen Studium verschlägt es sie wieder in ihren kleinen Heimatort, zurück zu ihrem Pony Achterbahn, ihren Jugendfreundinnen und zu ihrem bestem Freund Rob. Sie baut sich eine Existenz als Buchhändlerin auf, und ist mit ihrer Unabhängigkeit mehr als glücklich, einen Mann im Leben braucht sie nicht. Dachte sie immer. Bis es Lasse in ihren Heimatort verschlägt, den Kaya eigentlich nur aufgrund einer Wette anspricht. Mit ungeahnten Folgen…

Ich bin eigentlich kein Liebesromanleser; wenn ich doch einen zur Hand nehme, lege ich ihn am Ende meist mit dem Gefühl weg definitiv zu viel Zuckerguss und rosaroten Sahnebaiser abbekommen zu haben. Hier war das nicht so. „Bleib doch, wo ich bin“ ist ein Roman rund um eine Liebesgeschichte, aber das artet nie in zu viel Kitsch aus. Auch pikantere Details, die bei manchem Autor eher zum Fremdschämen sind, werden frei von abgedroschenen Phrasen stimmig in Szene gesetzt. Lisa Keil erzählt außerdem mit einer gehörigen Portion Humor nicht nur von Kayas Liebesleben, sondern auch von dem Leben auf dem Land. Da, wo es zwar ein Minikino und einen Supermarkt gibt, wo aber das örtliche Schützenfest quasi der Höhepunkt des kulturellen Lebens und nichts vor dem Dorfklatsch sicher ist. Die Darstellung hat mir sehr gut gefallen, sie trifft den Kern und zeigt, dass das Leben auf dem Land neben vielen guten, eben auch seine weniger schönen Seiten hat. Die Figuren sind jung und frisch, die etwas flippige Kaya wirkt ebenso authentisch wie z.B. ihr bester Freund Rob. Der teilt sich den Beruf mit der Autorin, sein Berufsalltag wird mit allen Sonnen- und Schattenseiten dargestellt, ohne, dass der Roman mit Anekdoten aus dem eigenen Praxisalltag vollgestopft wirkt. Mir hat dieser Roman abgesehen von Kleinigkeiten wirklich sehr gut gefallen, gut geschrieben und konstruiert; eine kurzweilige Geschichte mit Herz, aber ohne Kitsch.

Veröffentlicht am 13.03.2019

Etwas undurchsichtiger Spionagethriller

Schatten der Toten
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Judith Kepler könnte ein einfaches Leben haben, wäre ihr Vater nicht Bastide Larcan; einst Doppelagent der BRD & DDR, jetzt völlig abgetaucht in halbseidene Geschäfte und handfeste Verbrechen. Eigentlich ...

Judith Kepler könnte ein einfaches Leben haben, wäre ihr Vater nicht Bastide Larcan; einst Doppelagent der BRD & DDR, jetzt völlig abgetaucht in halbseidene Geschäfte und handfeste Verbrechen. Eigentlich haben die beiden keinen Kontakt, und doch holt Judith jetzt die Verbindung zu ihm ein.
„Die Schatten der Toten“ ist der Abschlussband der Trilogie rund um die Tatortreinigerin Judith Kepler. Ich kenne die vorherigen Bände nicht, da scheint mir dann doch das eine oder andere zum großen Verständnis gefehlt zu haben. Was mich aber mit oder ohne Vorwissen wirklich gestört hat ist, dass zwar groß mit Keplers Beruf „geworben“ wird, es aber quasi null Einblick in die Welt eines Tatortreinigers gibt. Vielleicht naiv, das zu erwarten, aber im Endeffekt hätte Judith auch eine 08/15-Putzfrau sein können, das hätte an der Handlung nichts geändert. Die entwickelt sich mehr und mehr zu einem Verwirrspiel rund um Spione, Spionage, Doppelagenten, Verrat und… erwähnte ich schon kaltgestellte Spione? Ich hatte ziemlich schnell den Spionageoverload, und nach mehreren hundert Seiten auch zunehmend den Überblick verloren. Vielleicht habe ich nicht gut genug mitgedacht, vielleicht hätte die Handlung auch etwas weniger labyrinthartig konzipiert sein können, ich war auf jeden Fall nicht so recht überzeugt. Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr zugesagt, sie hat ein Auge für Details und legt ihren Figuren immer das richtige Wort in den Mund. Trotzdem war „Die Schatten der Toten“ für mich einfach nicht das richtige Buch.

Veröffentlicht am 13.03.2019

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Die Gesichter
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Pinch ist eines von vielen Kindern, die der große Künstler Bear Bavinsky mit verschiedensten Frauen in die Welt gesetzt hat. Umso mehr strengt er sich an, um diesem zu gefallen, auch künstlerisch eifert ...

Pinch ist eines von vielen Kindern, die der große Künstler Bear Bavinsky mit verschiedensten Frauen in die Welt gesetzt hat. Umso mehr strengt er sich an, um diesem zu gefallen, auch künstlerisch eifert er ihm nach. Doch Bear hält nichts von Pinch’s Talent, was diesen in eine Lebenskrise stürzt.

Rachmans Geschichte über Vater und Sohn fand ich sehr gelungen. Der Autor versteht es sehr gut, auch noch die feinste Nuance der Beziehung aufzuzeigen, als Leser freut man sich über Lob und Zuneigung, ist bedrückt und verletzt von Ablehnung und Gleichgültigkeit. Pinch ist ein sehr sympathisches Kind, und das bleibt ihm auch im Erwachsenenleben. Sein Lebensweg ist sehr interessant, aber auch steinig. Bear wirkt als Figur immer etwas distanziert, er wird v.a. über seine Kunst und seine Liebschaften charakterisiert. Die Kunst von Bear, aber auch von anderen nimmt einen großen Raum im Roman ein, und dem Autor gelingt wirklich ganz hervorragend sie so zu beschreiben, dass man als Leser die Werke vor Augen hat. Auch über Kunstgeschichte bzw. zeitgenössische Entwicklungen erfährt man wie nebenbei sehr viel. Rachmans Erzählstil hat mir schon in früheren Romanen sehr gut gefallen, so auch hier. Trotzdem konnte ich mich nicht ganz so gut in die Geschichte fallen lassen wie sonst.