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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.09.2018

Abgetaucht

Manhattan Beach
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New York, Anfang der 1940er: die taffe Anna muss wie viele Frauen die Jobs der Männer übernehmen, die in Übersee an der Front sind. Sie arbeitet in der Marinewerft, noch allerdings am Fließband. Sie wünscht ...

New York, Anfang der 1940er: die taffe Anna muss wie viele Frauen die Jobs der Männer übernehmen, die in Übersee an der Front sind. Sie arbeitet in der Marinewerft, noch allerdings am Fließband. Sie wünscht sich sehnlichst den Job als Taucherin, ein Novum. Auch zuhause erwartet sie ein anstrengender Alltag, hat der Vater doch die Familie verlassen und Anna muss sich gemeinsam mit ihrer Mutter um die behinderte Schwester kümmern.

Ich fand den Ausflug in diese Zeit sehr spannend, die Situation in einem Kriegsland weit ab von der Front. Auch über die Taucherinnen der Marinewerft wusste ich vorher quasi nichts, habe einiges dazugelernt. Trotzdem hätte ich mir doch erhofft, dass der Fokus etwas mehr auf diesem Thema liegt, es nimmt doch sehr viel weniger Raum ein als erwartet. Der Zeitkolorit wirkt sehr authentisch und bildhaft, die Stimmung der Bevölkerung wird gut wiedergegeben, auch die Ausflüge in die Welt von Glamour oder zwielichtigen Nachtclubs gelingen der Autorin sehr gut. Den Erzählstil mochte ich sehr, den Aufbau der Handlung weniger. Immer wieder gibt es Rückblicke und noch mehr Rückblicke, die Perspektive wechselt nicht immer nachvollziehbar zwischen drei Personen hin und her. Mir war das zwischenzeitlich zu gewollt. Mir war zudem das Ende ein bisschen zu mainstream, das passte nicht so gut zum Rest der außergewöhnlichen Handlung. Insgesamt für mich ein nicht ganz runder Roman, der trotzdem auch einiges zu bieten hat.

Veröffentlicht am 29.08.2018

There's a starman waiting in the sky

Miss Gladys und ihr Astronaut
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Eigentlich war es nur ein blöder Zufall, der Thomas Major zum Astronaut gemacht hat. Plötzlich findet er sich an Bord der Ares-1 wieder, auf dem Weg zum Mars, im Gepäck viele (ungelesene) Handbücher und ...

Eigentlich war es nur ein blöder Zufall, der Thomas Major zum Astronaut gemacht hat. Plötzlich findet er sich an Bord der Ares-1 wieder, auf dem Weg zum Mars, im Gepäck viele (ungelesene) Handbücher und gute Musik. Endlich hat er seine Ruhe, endlich kann er sein chaotisches Leben hinter sich lassen, endlich nervt ihn niemand mehr. Bis er statt seiner Exfrau aus Versehen Gladys anruft. Die ist fast 71, leicht dement und versucht mit ihren zwei Enkeln Ellie und James über die Runden zu kommen. Oder versuchen sie mit ihr über die Runden zu kommen? Obwohl Major Tom doch alles hinter sich gelassen hat, hat er auf einmal ihre Probleme am Hals. Begeisterung sieht anders aus.

Barnetts Roman hat mir ein paar schöne Lesestunden beschert, auch wenn es sich nur auf den ersten Blick um einen reinen Wohlfühlroman handelt. Natürlich gibt es viele komische Szenen, absurde Gespräche oder auch nur den schwarzhumorigen Sarkasmus von Thomas. Doch genauso handelt die Geschichte von Tod, Schuld, Verzweiflung und dem Wunsch alles hinzuschmeißen. Barnett wirft viele Fragen auf, man kommt ins Grübeln, versinkt aber nicht in den schweren Themen, denn die Handlung hat auch viele leichte (oder sollte ich sagen schwerelose?) Momente. Immer wieder gibt es Anspielungen auf Musik und Filme, die man sofort wieder im Ohr und vor Augen hat. Zudem ist Barnetts Erzählweise recht locker, seine Figuren machen einfach Spaß. Ich war mit dem Ende nicht so ganz glücklich, habe mich ansonsten aber gerne mit Tom auf die Reise gemacht.

Veröffentlicht am 28.08.2018

Es muss nicht immer Sherlock sein

Arrowood - In den Gassen von London
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„Ich arbeite mit Emotionen, nicht mit Deduktionen“
William Arrowood hat es aber auch wirklich nicht leicht, schließlich muss er sich immer wieder mit Sherlock Holmes vergleichen lassen. Beide sind Privatdetektiv ...

„Ich arbeite mit Emotionen, nicht mit Deduktionen“
William Arrowood hat es aber auch wirklich nicht leicht, schließlich muss er sich immer wieder mit Sherlock Holmes vergleichen lassen. Beide sind Privatdetektiv im viktorianischen London, doch nur Holmes ist der breiten Masse als brillanter Detektiv bekannt. Doch Arrowoods Arbeit kann sich sehen lassen, und auch sein neuester Fall, das Verschwinden eines französischen Bäckers, verspricht Rätsel aufzuwerfen.

Mick Finlay hat mich mit seinem ersten Band um Arrowood und seinen Assistenten Barnett schnell überzeugt. Das Setting im London des 19ten Jahrhunderts gefällt mir sehr, die Stimmung und Atmosphäre wird sehr gut rübergebracht. Arrowood als Hauptfigur hat wirklich Potential, er wirkt nicht wie ein billiger Abklatsch von Sherlock, sondern ist eine eigenständige Figur mit vielen Eigenheiten. Natürlich drängt sich der Vergleich zu Holmes immer wieder auf, der Autor versteht es ganz wunderbar daraus einen running gag zu machen, und lässt Arrowood auch mal dessen Fälle analysieren. Aber auch Barnett ist nicht nur ein nötiges Anhängsel, sondern eine Figur mit Ecken und Kanten. Die beiden harmonieren als Team ganz wunderbar, ergänzt durch ebenfalls liebevoll gestaltete Nebenfiguren wie Arrowoods taffe Schwester oder den Laufburschen Neddy. Der Fall entwickelt sich ganz anders als man zuerst vermutet und sorgt für einige Überraschungen; leider wird nicht alles ganz stimmig aufgelöst, aber das ist zu verschmerzen. Finlay schreibt nicht mutwillig brutal, zeigt aber an einigen Stellen die nötige Härte, was sehr authentisch wirkt. Sein Stil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Mir hat dieser erste Fall sehr gut gefallen, und ich bin sehr gespannt was Arrowood und Barnett noch für zukünftige Probleme lösen müssen.

Veröffentlicht am 27.08.2018

Lecker, lecker, lecker

Tel Aviv by Neni. Food. People. Stories.
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„Essen überbrückt immer auch kulturelle Grenzen“
Vor allem, wenn es sich um ein Kochbuch aus Tel Aviv handelt, der Stadt, die ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen ist und sich zur internationalen ...

„Essen überbrückt immer auch kulturelle Grenzen“
Vor allem, wenn es sich um ein Kochbuch aus Tel Aviv handelt, der Stadt, die ein Schmelztiegel verschiedenster Kulturen ist und sich zur internationalen Trendmetropole gemausert hat. Apropos im Trend liegen, das tun auch die Autoren dieses Buches, haben sie doch mit ihren gleichnamigen Restaurants in Wien, Berlin und Amsterdam große Erfolge vorzuweisen. Die Wurzeln der Gründer liegen in Israel und so ist Tel Aviv einerseits ein Kochbuch voller spannender Rezepte, gleichzeitig auch aber ein Streifzug durch die eigene Vergangenheit; ein Ausflug in hippe Restaurants und ruhige Fischerhäfen; auf Kräutersammlung im urbanen Dschungel und zu Gast bei privaten Dinnerabenden. Viele interessante Bewohner Tel Avivs kommen zu Wort und erzählen von ihrem Leben und ihrer Küche. Sie steuern ihre Lieblingsrezepte bei, aber auch Rezepte aus den NENIküchen kommen zu ihrem Recht.
Ich habe bisher vier Rezepte(Kokoseis, Challa, Focaccia, Shakshuka mit Merguez) nachgekocht und –gebacken, alle sind gut gelungen und verdammt lecker. Die Zubereitung wird verständlich erklärt, allein bei der Zutatenliste wäre ab und an ein zusätzlich erklärendes Wort hilfreich gewesen. Nicht alle Zutaten sind im Handel so einfach zu bekommen (zumindest nicht bei mir hinterm Mond), nicht immer werden Alternativen genannt. Doch das lässt sich verschmerzen, handelt es sich hierbei doch um Ausnahmen. Die Auswahl der Gerichte finde ich sehr gelungen, von kleiner Vorspeise über opulenten Hauptgang bis hin zu feiner Nachspeise ist für jeden etwas dabei. Schnell wird auch hier klar, was die Autoren schon in diversen Interviews anklingen lassen: DIE israelische Küche gibt es nicht, sondern es ist ein gelungene Mischung aus diversen anderen. Gelungen ist auch die Aufmachung des Buches: sehr ästhetische Fotos von Gerichten, aber auch von Land und Leuten, laden zum Verweilen, Blättern und Nachkochen ein. Mir gefällt es ausgesprochen gut, und ich werde nicht nur noch einiges nachkochen, sondern auch immer wieder eine der charmanten Stories lesen.

Veröffentlicht am 26.08.2018

Seichte Unterhaltung

Die Schwestern von Mitford Manor – Unter Verdacht
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Luisa schafft in den 1920ern den Absprung: statt ihrer Mutter weiterhin als Wäscherin zu helfen und sich vom Onkel drangsalieren zu lassen, wird sie bei den mondänen Mitfords Kindermädchen. Vor allem mit ...

Luisa schafft in den 1920ern den Absprung: statt ihrer Mutter weiterhin als Wäscherin zu helfen und sich vom Onkel drangsalieren zu lassen, wird sie bei den mondänen Mitfords Kindermädchen. Vor allem mit der nur zwei Jahre jüngeren Nancy versteht sie sich blendend. Gemeinsam finden sie sich plötzlich in den Mordermittlungen rund um den Tod von Florence Shore, der Nichte der berühmte Florence Nightingale wieder.

Mit „Der Verdacht“ liefert Jessica Fellowes den ersten Band rund um die Mitfordschwestern, die in der ersten Hälfte des 20ten Jahrhunderts die High Society mitprägten. Die Autorin schafft es leider nicht so richtig, die goldenen Zwanziger aufleben zu lassen. In Ansätzen ist die Atmosphäre da, aber so recht überzeugend gelingt es nicht. So spielt die Handlung irgendwie im luftleeren Raum, was ich sehr schade fand. Der Fall entwickelt sich recht spannend, braucht aber lange Anlaufzeiten; immer hat man zudem im Hinterkopf, dass er auf Tatsachen beruht. Man muss ein bisschen ausblenden, dass die zwei Teenies und ein Bahnpolizist unrealistischerweise die einzigen sind, die sich um diesen Tod Gedanken machen, die „echte“ Polizei tritt quasi gar nicht in Aktion. Auch sonst muss man immer mal wieder Fünfe gerade sein lassen, nicht immer ist mir das gelungen. Die Figuren sind recht gut gestaltet, in diesem Band kristallisiert sich allerdings nicht so richtig raus, warum die Reihe nach den Mitfordschwestern benannt ist; Nancy gehört zwar zu den Hauptfiguren, steht aber nie so richtig im Mittelpunkt. Der Erzählstil ist sehr angenehm, die Geschichte liest sich sehr schnell, aber ohne rechten Gehalt. Ich bin mit der Reihe nicht so richtig warm geworden, würde weiteren Bänden (v.a. den über Unity Mitford) aber noch eine Chance einräumen.