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Veröffentlicht am 16.08.2018

Tolles (vorläufiges) Finale

Das Schicksal der Zwerge
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Zweihundertfünfzig Zyklen sind vergangen seit Tungdil in der Schwarzen Schlucht verschwunden ist und ein magischer Schirm die dunklen Gestalten darin gefangen hielt. Das Jenseitige Land wird zusätzlich ...

Zweihundertfünfzig Zyklen sind vergangen seit Tungdil in der Schwarzen Schlucht verschwunden ist und ein magischer Schirm die dunklen Gestalten darin gefangen hielt. Das Jenseitige Land wird zusätzlich durch Übeldamm geschützt, auf dem niemand geringerer als der berühmte Ingrimmsch Wache hält. Der staunt nicht schlecht als eines Tages der Schutzschild so lange in sich zusammenfällt, dass ein allseits bekannter Zwerg heraustreten kann: Tungdil! Nach all der Zeit völlig verändert, kommen nicht nur seinen alten Freunden Zweifel. Zweifel, ob ihn die Zeit auf der dunklen Seite nicht zu sehr verändert hat.

Eine lange Zeit ist in Heitz‘ Fantasywelt vergangen seit man zuletzt als Leser ein Blick hat hineinwerfen dürfen. Dementsprechend sind auch einige liebgewordene Protagonisten nicht mehr dabei. Sind Zwerge bekanntlich mit langem Leben gesegnet, so sind Menschen wie Rodario und Mallen natürlich schon lange gestorben. Ersterer wird durch einen seiner (sicherlich zahlreichen) Nachkommen ersetzt, der verwirrenderweise ebenfalls Rodario heißt. Trotzdem eine Figur, die einem als Leser schnell ans Herz wächst. Ingrimmsch ist uns zum Glück erhalten geblieben und er ist es, der sich zum heimlichen Held der Geschichte mausert. Mit seiner unvergleichlich großen Klappe und seiner stürmischen Art trägt er die Story ganz wunderbar, er zeigt aber auch seine verletzliche Seite. Und seine loyale, denn er glaubt unerschütterlich an Tungdil, auch wenn die Zweifler noch so laut werden. Die Frage ob es Tungdil ist und auf welcher Seite er eigentlich steht, ist die wahre Kernfrage des Buches und lässt den Leser lange grübeln. Auch sonst gibt es viel mitzufiebern, denn es wird wieder allerlei gekämpft und gezaubert, Hinterhalte gelegt und Pläne geschmiedet. Die Stimmung ist etwas düsterer als bei den vorherigen Bänden, die Spannung dafür größer. Mir hat dieser vierte Band wirklich sehr gut gefallen und ich wäre damit als Abschluss der Reihe (wie ursprünglich vom Autor geplant) vollauf glücklich gewesen.

Veröffentlicht am 07.08.2018

Jessica

Weit weg von Verona
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Jessica Vye eckt mit ihrer forschen Art überall an, hat nur wenige Freunde, aber dafür großes schriftstellerisches Talent. Sie ist außergewöhnlich, entspricht nicht dem Kleinmädchenideal, das man sich ...

Jessica Vye eckt mit ihrer forschen Art überall an, hat nur wenige Freunde, aber dafür großes schriftstellerisches Talent. Sie ist außergewöhnlich, entspricht nicht dem Kleinmädchenideal, das man sich im Zweiten Weltkrieg von einer Pfarrerstochter erwartet. Klar, dass ihr Leben im verschlafenen Badeort mehr als turbulent ist.

Jane Gardams Debütroman hat mir wirklich Spaß gemacht. Jessica ist eine tolle Figur, ein Freigeist, ein quirliger, mutiger Mensch. Gleichzeitig aber auch sehr nachdenklich und unabhängig. Sie erzählt in ihrer sehr frischen Art aus ihrem Alltag, der sich wie ein Abenteuer liest, auch wenn es keinen Höhepunkt gibt, auf den die Story hinarbeitet. Gardams Stil hat mir unglaublich gut gefallen, leicht lesbar, mit einer feinen Prise Humor. Ein bisschen bedauere ich es, dass es nicht mehr Bücher über Jessica gibt, von dieser jungen Dame hätte ich gerne mehr gelesen.

Veröffentlicht am 06.08.2018

Leider nur mittelmäßig

Die Rache der Zwerge
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Fünf Zyklen sind vergangen seit Tungdil und seine Gefährten gegen die Eoil kämpften. Die letzten Reste der Magie wurden in einem Diamanten gespeichert, Duplikate sowie der echte Stein quer über das Geborgene ...

Fünf Zyklen sind vergangen seit Tungdil und seine Gefährten gegen die Eoil kämpften. Die letzten Reste der Magie wurden in einem Diamanten gespeichert, Duplikate sowie der echte Stein quer über das Geborgene Land hinweg versteckt. Doch nun scheint sein Geheimnis von finsteren Mächten entdeckt, denn grässliche Kreaturen rauben nach und nach alle falschen Steine. Tungdil muss wieder ran.

Schon im Vorwort weist der Autor darauf hin, dass es sich hierbei um den vorerst letzten Band handeln soll (auch wenn es dann anders kam) und dass er wohl durch die große Resonanz der Fans erst zu dieser Fortsetzung gekommen ist. Ein bisschen merkt man das dem Band an. Figuren und Handlungsort sind gleich, aber der Story fehlt es dann doch an Schwung und auch an Ideen. Natürlich hat mich Tungdils neues Abenteuer immer mal wieder gefesselt, aber es gab auch lange Passagen, in denen alles vor sich hindümpelt. Überraschende Wendungen sind eher mau ausgefallen, neue Figuren nicht so richtig plastisch geworden. Sprachlich knüpft „Die Rache der Zwerge“ an ihre Vorgänger an, allein der Inhalt konnte mich nicht so recht überzeugen.

Veröffentlicht am 04.08.2018

Licht und Schatten

Vier.Zwei.Eins.
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Kit und Laura sind Sonnenfinsternisjäger. Bei ihrer ersten gemeinsamen erlebt das frischgebackene Paar jedoch einen Schock: Laura wird Zeugin einer Vergewaltigung. Glaubt sie zumindest. Das Opfer Beth ...

Kit und Laura sind Sonnenfinsternisjäger. Bei ihrer ersten gemeinsamen erlebt das frischgebackene Paar jedoch einen Schock: Laura wird Zeugin einer Vergewaltigung. Glaubt sie zumindest. Das Opfer Beth schweigt, der Täter leugnet, Kit hat nichts gesehen. Diese paar Minuten im Halbdunklen sollen das Leben aller Beteiligten komplett verändern. Namen werden geändert, Aufenthaltsorte verschleiert. Immer dabei: die Angst entdeckt zu werden.

Erin Kelly’s Arbeit kenne ich schon von Broadchurch und hatte dementsprechend auch hohe Erwartungen. Die sind quasi voll erfüllt worden. Kelly erzählt die Geschichte nicht chronologisch, sondern springt in der Zeit hin und her, sodass sich auf mehreren Handlungssträngen Spannung aufbaut. Das führt natürlich dazu, dass man gar nicht so schnell lesen kann, wie man wissen will wie es weitergeht. Der sehr angenehme Schreibstil tut sein Übriges. Erzählt wird meist aus Lauras Perspektive, die man somit natürlich am besten kennenlernen kann. Ihre Wandlung von der taffen Frau zum Angsthase wird somit sehr gut dargestellt. Auch die anderen Figuren haben mir sehr gut gefallen und bergen so manche Überraschung. Man rätselt als Leser sehr lange mit, wer an jenem schicksalshaften Tag denn nun was gesehen und getan hat, aber auch die nachfolgenden Ereignisse werfen viele Fragen auf. Die Autorin bindet auch das Thema der Sonnenfinsternis immer wieder gut ein, sodass man sogar noch Neues lernen kann. Mir hat der Thriller durchweg gut gefallen, einzig gegen Ende empfand ich manches dann doch etwas konstruiert. Das tut aber dem Rest der Geschichte nicht wirklich weh, die ich somit gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 29.07.2018

Die Kunst, die Kunst

Das Geheimnis der Muse
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Mitte der 60er Jahre zieht Odelle von Trinidad nach London um dort ihr Glück als Schriftstellerin zu suchen. Nach bitteren Jahren als Schuhverkäuferin schafft sie es zumindest in eine Kunstgalerie, wo ...

Mitte der 60er Jahre zieht Odelle von Trinidad nach London um dort ihr Glück als Schriftstellerin zu suchen. Nach bitteren Jahren als Schuhverkäuferin schafft sie es zumindest in eine Kunstgalerie, wo sie unter der mondänen Majorie Quick arbeitet. Schon bald gibt ihnen ein zufällig gefundenes Gemälde Rätsel auf; sollte es sich wirklich um ein bis dato unbekanntes Werk des spanischen Künstler Isaac Robles handeln? Die Spur führt nach Spanien, zurück in die 30er Jahre.

Burtons Geschichte spielt sich auf zwei Zeitebenen ab, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Einerseits die roaring sixties in der pulsierenden Stadt London, andererseits die von Konflikten gebeutelten 30er Jahre in einem kleinen spanischen Dörfchen. Dieser Gegensatz macht einen großen Reiz der Geschichte aus, fügen sich die zwei Stränge doch erst nach und nach zusammen. Man fiebert nicht nur mit wie alles zusammenhängen mag, sondern auch mit den Figuren, die interessant gestaltet sind und so manches Geheimnis hüten. Der Autorin sind auch die Passagen über die Gemälde sehr gut gelungen, man kann sie sich sehr gut vorstellen und ist fast traurig, dass es sie nur in der Fiktion gibt. Geschrieben ist das Buch sehr ansprechend und so hat mir das Rätselraten rund um das Gemälde viel Spaß gemacht, auch wenn es für mich etwas weniger Herzschmerz hätte sein dürfen.