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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

The Big Apple

City on Fire
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New York, Jahreswechsel 76/77: auf der einen Seite eine Party der High Society. Auf der anderen Seite ein ermordeter Teenie im Central Park. Dazwischen… jede Menge Lebenslinien und Schicksale, die in den ...

New York, Jahreswechsel 76/77: auf der einen Seite eine Party der High Society. Auf der anderen Seite ein ermordeter Teenie im Central Park. Dazwischen… jede Menge Lebenslinien und Schicksale, die in den darauffolgenden Monaten immer wieder ihre Wege kreuzen werden.

Hallberg hat sich eine tolle Stadt ausgesucht, zu einer Zeit als der Big Apple doch nicht ganz so big war, die Stadt in finanziellen und noch ganz anderen Nöten steckte. Er fängt den Zeitgeist sehr gut ein, beleuchtet sämtliche Gesellschaftsschichten. Verschiedene Blickwinkel, Sprünge in der Zeit, Zeitungsausschnitte, Emails, Briefe und Protokolle. Garth Risk Hallberg lässt keinen Kniff aus um den Roman flüssig und abwechslungsreich zu gestalten. Trotzdem (und ich lese sehr gerne langsame, raumgreifende Geschichten) hatte die Story für mich unnötige Längen, konnte mich einfach nicht wirklich fesseln. Die verschiedenen Charaktere sind durchaus interessant, menschlich und man verfolgt ihr Schicksal mit Anteilnahme; aber völlig gefesselt hat mich die Handlung nicht, manche Stränge fand ich einfach fade und blass. Hallbergs Erzählstil tröstet da durchaus über weite Durststrecken hinweg, letztendlich fehlte mir jedoch das berühmte I-Tüpfelchen. Ein Großstadtroman, bei dem ich mich manchmal fragte, ob er für den Autor nicht etwas zu groß war.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Liebesroman trifft Thrillerelemente

Tu es. Tu es nicht.
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Julia macht eine grauenhafte Zeit durch: ihre jüngere Schwester Kate, Mutter von Julias Adoptivsohn, wird ermordet. Die Polizei hat keine heiße Spur, doch Julia wird auf einer Datingseite fündig. Hier ...

Julia macht eine grauenhafte Zeit durch: ihre jüngere Schwester Kate, Mutter von Julias Adoptivsohn, wird ermordet. Die Polizei hat keine heiße Spur, doch Julia wird auf einer Datingseite fündig. Hier hat ihre Schwester sich mit wildfremden Männern verabredet und Julia hat einen Verdächtigen aufgetan. Aus harmlosen Treffen wird schließlich mehr, mit ungeahnten Konsequenzen.

Der Inhalt klingt erst mal recht spannend, leider muss man auf die tatsächliche Spannung lange warten. Die (geschätzt) erste Hälfte des Buches liest sich wie ein verkappter Schnulzenroman und war dementsprechend nicht so wirklich mein Fall. Watson schreibt ordentlich, baut seine Story gut auf, haucht den Charakteren Leben ein. Die sind in ihrem Tun nicht immer sonderlich logisch, aber dabei sehr menschlich. Julia fällt leider oft in die Rolle des unverantwortlichen Naivchens, dem ich sein Alter nicht so wirklich abnehmen konnte. In der zweiten Hälfte der Geschichte kommt eine gehörige Portion Spannung auf. Leider wird das Geschehen gegen Ende dermaßen übertrieben konstruiert, dass dem Lesegenuss auf diese Weise ein Dämpfer verpasst wird. Der Showdown erinnert eher an den guten, alten Italowestern und passt für mich so gar nicht zum Rest des Buches.
Insgesamt ist das Buch durchaus ansprechend und flüssig geschrieben, inhaltlich werden jedoch einige Punkte verschenkt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ganz ordentlich

Dark Memories - Nichts ist je vergessen
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Eine Party verändert Jennys Leben. Während andere feiern, wird sie brutal vergewaltigt. Ein neues Medikament soll ihr über dieses Ereignis hinweghelfen, verspricht sie alles vergessen zu lassen. Leider ...

Eine Party verändert Jennys Leben. Während andere feiern, wird sie brutal vergewaltigt. Ein neues Medikament soll ihr über dieses Ereignis hinweghelfen, verspricht sie alles vergessen zu lassen. Leider ist die Wirkung nicht ganz überzeugend und das traumatische Erlebnis spielt mit Jennys Gedanken. Ihr Psychiater Alan soll ihr helfen die Erinnerungen wiederzuholen um endlich genesen zu können.

Walkers Geschichte ist ein Roman, man sollte sich da von Klappentext und großem Thriller-Aufkleber nicht auf die falsche Fährte locken lassen. Ein Schelm wer Böses bei dieser Werbemaßnahme denkt ; )
Der Fokus der Story liegt nicht wie ich erwartet hatte auf Jenny, sondern auf ihrem Therapeuten. Der ist als Figur sehr gut gelungen, hat immer mal wieder eine weitere Überraschung parat. Ich fand es schade, dass Jenny als blasse Pappfigur im Hintergrund stand, da hat die Autorin viel Potential verschenkt. Ihr Erzählstil ist recht eigenwillig, Alan springt in der Zeit hin und her, mal werden Gesprächsfetzen wiedergegeben, mal lässt er Andeutungen über zukünftige Ereignisse fallen. Wissenschaftliche Hintergründe fließen spielend ins fiktive Geschehen ein. Insgesamt hat mir diese Art aber gut gefallen. Walker erzählt recht flüssig, die Geschichte reißt einen mit, ist aber nicht im klassischen Sinne „spannend“. Wie gesagt, ein Roman und kein Thriller eben.
Mir war das Ende dann doch zu sehr aus dem Hut gezaubert und ich konnte mich damit nicht so recht anfreunden. Der Hintergrund und Auslöser der Ereignisse war für mich doch zu sehr Konstruktion.
Fazit: Insgesamt ist dieses Buch durchaus lesenswert, beim Ranking zum Thriller des Jahres muss es sich aber weit hinten anstellen. (3,5 Sterne)

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der Junge

Boy in the Park – Wem kannst du trauen?
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Dylan Aaronsen verbringt jede seiner Mittagspausen im Botanischen Garten. An einem verschwiegenen Teich versucht er sich in der Dichtkunst. Ein kleiner Junge kommt ebenfalls täglich zu diesem Teich. Doch ...

Dylan Aaronsen verbringt jede seiner Mittagspausen im Botanischen Garten. An einem verschwiegenen Teich versucht er sich in der Dichtkunst. Ein kleiner Junge kommt ebenfalls täglich zu diesem Teich. Doch eines Tages erscheint er mit Verletzungen. Dylan entschließt sich zu handeln und muss dabei entsetzt beobachten wie der Junge von einem Unbekannten entführt wird. Die Polizei tut ihn als Spinner ab und so muss Dylan auf eigene Faust nachforschen. Mit absolut ungeahnten Folgen.

Selten ist mir eine Rezension so schwer gefallen. Nicht, weil mir das Buch nicht gefallen hätte, im Gegenteil. Aber es ist absolut schwierig die Höhepunkte spoilerfrei hervorzuheben. Dieses Buch ist anders, gänzlich anders als man es von Inhaltsangabe und Klappentext erwartet und führt den Leser in absolut ungeahnte Richtungen. Es ist ein Verwirrspiel, verdreht dem Leser den Kopf und lässt ihn oft im Dunkeln tappen. Leider löst der Autor meiner Meinung nach einen Umstand viel zu früh auf, der Spannungsbogen bekommt dadurch einen ordentlichen Dämpfer. Insgesamt fiebert man aber schon mit Dylan mit. Grayson schreibt sehr flüssig, scheut sich nicht harte Worte zu gebrauchen, schafft aber gleichzeitig den Spagat einen Dichter erzählen zu lassen, der weiß wie man sich zart und poetisch ausdrückt.
Boy in the park ist ein düsterer Roman, gleichzeitig aber auch mit nachdenklichen Momenten und kleinen Lachern. Mir hat Graysons Debut sehr gut gefallen und ich bin gespannt was wir aus seiner Feder noch lesen werden.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Sechs Tage Kiez

Großer Bruder Zorn
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Berlin, Wedding. Der große, graue, räudige Bellermannplatz. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Die Geschichte von Aris, Box-Promoter kurz vor der großen Fight Night. Die Geschichte von Jessi, einer jungen ...

Berlin, Wedding. Der große, graue, räudige Bellermannplatz. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Die Geschichte von Aris, Box-Promoter kurz vor der großen Fight Night. Die Geschichte von Jessi, einer jungen Mutter, die sich an der Netto-Kasse in ein besseres Leben träumt. Die Geschichte von Serdar, der es nur bis zum Kassierer im stiefväterlichen Unternehmen gebracht hat und sich auf den Boxkampf seines Lebens vorbereitet; weltweit ruhmreiche Boxkarriere nicht ausgeschlossen. Und die Geschichte vom Flaschenfascho, der ein bewegtes Leben hinter sich hat. Sechs Tage erleben wir mit ihnen. Sechs Tage, in denen sich vieles ändert und doch vieles bleibt.
Johannes Ehrmann hat einen authentischen Milieuroman geschrieben, der mich (nach anfänglichen Startschwierigkeiten) mitgerissen hat. Seine Charaktere sind z.T. skurril und dabei doch echt. Man lernt sie alle von verschiedenen Seiten kennen, erlebt ihre Veränderungen hautnah mit. Sie alle sind irgendwie gescheitert, stehen aber trotzdem ihren Mann bzw. ihre Frau. Die Handlung fand ich nicht immer gelungen, ebenso bin ich kein Fan der Berliner Schnauze, die gerade zu Beginn der Story häufig zu Wort kommt. Insgesamt war der Erzählstil aber sehr ansprechend, kleine sprachliche Blüten verstecken sich überall. Atmosphärisch dicht und richtig echt. Großer Bruder Zorn ist definitiv ein gelungener Roman, der unterhaltsame Lesestunden bietet.