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Veröffentlicht am 25.01.2023

Molly

Unschuld
0

Molly wuchs bei ihrem Onkel auf, denn ihr Vater sitzt im Todestrakt. Er hat den Mord an dem jungen Casper gestanden, doch kurz vor seiner geplanten Hinrichtung kommen Molly Zweifel. Sie versucht undercover ...

Molly wuchs bei ihrem Onkel auf, denn ihr Vater sitzt im Todestrakt. Er hat den Mord an dem jungen Casper gestanden, doch kurz vor seiner geplanten Hinrichtung kommen Molly Zweifel. Sie versucht undercover in der Familie des Opfers zu ermitteln, doch wird ihr Plan schnell durchschaut. Kann sie trotzdem Licht ins Dunkel bringen?
Mollys Geschichte geht einem als Leser nahe. Sie scheint aus einer verzweifelten Position heraus zu agieren, versucht das Manko ihres Stotterns zu verbergen, lebt sowieso eher unauffällig weitab ihrer Heimatstadt. Schon als Kind gehörte ihre Familie zu den Außenseitern der Gesellschaft und das scheint Molly nie ganz abgelegt zu haben. Im Gegensatz dazu die Rosendales: quasi DIE wichtigste Familie im Ort, steinreich, konservativ, traditionell. Würger arbeitet die Gegensätze schön heraus, und zeigt so die tiefe Spaltung der amerikanischen Gesellschaft. Überhaupt schneidet er viele heikle Themen an, sei es Medikamentenmissbrauch oder auch die Probleme, die sich aus quasi unkontrolliertem Waffenbesitz ergeben. Dieser sozialkritische Aspekt hat mir sehr gut gefallen. Auch den Stil mochte ich, die etwas düster-verzweifelte Grundstimmung wird gut transportiert und die Geschichte liest sich flüssig. Irgendwie hat mir aber das letztes Quentchen gefehlt, um so richtig abgeholt zu werden, manches wurde mir zu kurz abgehandelt, vielleicht lag es daran. Nichtsdestotrotz ist „Unschuld“ ein guter Roman, wenn er auch manchmal eher an der Oberfläche bleibt.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Solide Kost

Kuckuckskinder (Ein Falck-Hedström-Krimi 11)
0

Ehepaar Bauer feiert goldene Hochzeit; Familie, Freunde, Kollegen aus dem Verlagswesen, ja selbst Mitglieder der Schwedischen Akademie feiern mit. Doch am nächsten Tag wird eine Tragödie offenbar, denn ...

Ehepaar Bauer feiert goldene Hochzeit; Familie, Freunde, Kollegen aus dem Verlagswesen, ja selbst Mitglieder der Schwedischen Akademie feiern mit. Doch am nächsten Tag wird eine Tragödie offenbar, denn ein alter Freund der Familie wurde in der Nacht der Feier brutal ermordet. Noch während diese Nachricht zu verdauen ist, bricht die Welt der Bauers endgültig zusammen.
Für einen (fast ) Reihenneuling wie mich war die Figurenfülle zu Beginn dann doch etwas reichlich. Das Gefühl verliert sich mit der Zeit, insgesamt hätte es aber definitiv etwas mehr Fall und etwas weniger Drumrum sein dürfen. Erica Falck recherchiert vieles für ihre schriftstellerische Tätigkeit und hat so eine andere Herangehensweise als ihr Mann, der als polizeilicher Ermittler tätig ist. Das Zusammenspiel klappt insgesamt ganz gut, nur manchmal holpert es ein wenig, wenn die Informationen nicht ganz so geschmeidig zusammenfließen. Der Krimi ist sehr gefällig erzählt, er liest sich flüssig und weiß auch durchaus mal Spannung aufzubauen. Mich hat die Handlung interessiert, aber nie ans Buch gefesselt. Die Auflösung des Falles ist nicht direkt supereinfach gestrickt, aber sie fußt zum großen Teil darauf, dass anscheinend in der Vergangenheit kein Ermittler mit Lust am eigenen Job im Einsatz war. Von einer Autorin, die eine so erfolgreiche Krimireihe ihr Eigen nennt, erwarte ich dann doch etwas weniger Banales. Insgesamt empfand ich den Krimi als eher durchschnittlich, vielleicht muss man Fan der Reihe sein, um dem Ganzen etwas mehr abgewinnen zu können.

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Veröffentlicht am 08.01.2023

Blüte der Zeit

Blüte der Zeit
7

Paulus kämpft an der Seite seines Jugendfreundes Prinz Wilhelm für die Verteidigung seines Landes, denn die Franzosen stehen quasi schon vor den Toren der Stadt. Das Land ist gebeutelt, für viele steht ...

Paulus kämpft an der Seite seines Jugendfreundes Prinz Wilhelm für die Verteidigung seines Landes, denn die Franzosen stehen quasi schon vor den Toren der Stadt. Das Land ist gebeutelt, für viele steht alles auf dem Spiel.
Auch die Familie von Max hat alles verloren: den Vater, einen erfolgreichen Landschaftsgärtner, von dem Max viel gelernt hat. Ihre Heimat. Ihr bescheidenes Vermögen. Er sieht nur einen Ausweg: die Flucht zur Schwester seiner Mutter nach Brandenburg. Doch die beiden Schwestern haben sich einst überworfen, und alte Wunden sitzen tief. Ist ein Neuanfang möglich?
Nach dem Bau der Amsterdamer Grachten und dem Hamburger Michel, lässt sich im dritten Teil der Reihe nun einiges über Gartenanlagengestaltung lernen. Klingt vielleicht für den ein oder anderen altbacken und langweilig, aber das vermittelte Wissen über Prunk- und Prachtgärten fand ich sehr spannend. Die Anlagen sind teilweise ja noch heute zu bewundern, haben die Zeit überdauert, sodass der Lektüre der ein oder andere Ausflug folgen kann. Mit welchen Mitteln und Tricks gearbeitet werden musste, aber auch welche Mühen und Wege auf sich genommen wurden, um kleinste Pflänzchen und Samen vom anderen Ende der Welt zu beschaffen, vieles davon hätte ich mir so nicht vorgestellt. Sabine Weiß erzählt sehr ansprechend und lebendig; gerade die Gartenanlagen, Blumen und Pflanzen für den Leser zu beschreiben ohne dröge zu klingen, aber trotzdem ein exaktes Bild zu schaffen war sicherlich nicht immer leicht. Auch sonst liest sich der Roman sehr unterhaltsam. Der Übergang von Max zu Paulus war für mich manchmal etwas abrupt, die Handlungsstränge laufen über lange Zeit nebeneinander her ohne sich zu berühren. Das fand ich etwas schade, und es hat dem Lesefluss ab und an Steinchen in den Weg gelegt. Die Figuren und ihre Entwicklung haben mich trotzdem immer mitgerissen und begeistert, von kleinen Ausnahmen wie der etwas stereotypen Annabelle abgesehen. Max‘ Erzählstrang und seine Familie haben mich meist mehr interessiert als das Geschick Paulus‘, doch dank dessen Einsatz an vorderster Front (in mehr als einer Hinsicht) wird der geschichtliche Hintergrund perfekt mitgeliefert. Die Mischung aus historischem Geschehen und Fiktion funktioniert sehr gut, und so war „Blüte der Zeit“ für mich ein Lesegenuss, den man sich trotz kleiner Abstriche nicht entgehen lassen sollte.

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Veröffentlicht am 18.12.2022

Blutmond

Blutmond (Ein Harry-Hole-Krimi 13)
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Harry Hole ist ganz unten. Wieder einmal ertränkt er seinen Kummer, lebt am Rande der Gesellschaft in L.A., hat alle Verbindungen in die alte Heimat abgebrochen. Das ändert sich, als seine Saufkumpanin ...

Harry Hole ist ganz unten. Wieder einmal ertränkt er seinen Kummer, lebt am Rande der Gesellschaft in L.A., hat alle Verbindungen in die alte Heimat abgebrochen. Das ändert sich, als seine Saufkumpanin in Schwierigkeiten gerät und er die Möglichkeit erhält ihr zu helfen. Doch dafür muss er zurück nach Oslo, um dort den Mord an zwei Frauen aufzuklären. Innerhalb von nur 10 Tagen, im Umfeld seiner alten Dienststelle, wo nun wirklich nicht alle glücklich sind Hole wiederzusehen.
Blutmond ist ein typischer Harry Hole, aber nicht auf dem Niveau von z.B. Koma. Es ist düster, es wird schmutzig, Harry ist ein kaputter Typ, der Fall zeigt die Abgründe, die sich hinter manch heiler Fassade verbergen; doch das alles kennt man von Nesbo auch noch eine Schippe heftiger, was für mich wiederum insgesamt stimmiger gewesen wäre. Vorwissen aus den immerhin schon 12 Vorgängern ist nicht zwingend notwendig, auch wenn das ein oder andere aus der Vergangenheit noch mal aufgegriffen wird. Der Autor entspinnt einen mitreißenden Fall, der einen als Leser wirklich fesselt. Ich bin ihm mehr als einmal auf die falsche Fährte gefolgt. Die Auflösung des Falles mutet zunächst sehr unrealistisch an, aber ein bisschen Internetrecherche zeigt schnell, dass sehr viel mehr Wahrheit drin steckt als zunächst vermutet. Im Endeffekt war ich davon wirklich fasziniert. Ich mochte Harry in der Zusammenarbeit mit seinem mehr als unkonventionellem Team sehr, die Figur Harry selbst schien mir aber etwas blass und entschärft, irgendwie nicht der Harry, den ich erwartet hatte. Das hat meiner Begeisterung einen kleinen Dämpfer verpasst, denn das reine Fallgeschehen hat mich mehr als begeistert. Doch mit Harry habe ich gefremdelt, und so war der Krimi insgesamt für mich nicht ganz perfekt.

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Veröffentlicht am 07.12.2022

Köstlicher Krimi

Die Dreitagemordgesellschaft
1

In Mallowan Hall ist Haushälterin Phyllida Bright gerade besonders gefragt: mehrere Gäste sind zu einer Festgesellschaft im Hause der berühmten Schriftstellerin Agatha Christie geladen. Da müssen nicht ...

In Mallowan Hall ist Haushälterin Phyllida Bright gerade besonders gefragt: mehrere Gäste sind zu einer Festgesellschaft im Hause der berühmten Schriftstellerin Agatha Christie geladen. Da müssen nicht nur Haus und Personal auf Hochglanz getrimmt werden, sondern auch allerlei kleine und große Unannehmlichkeiten bewältigt werden. Ein Toter in der Bibliothek ist Phyllida in ihrer Karriere bestimmt noch nie begegnet, trotzdem nimmt sie sich auch dieser Aufgabe an. Schließlich ist sie ein begeisterter Fan von Hercule Poirot und hat von diesem sicherlich mehr gelernt als die versammelten Dorfpolizisten zusammen.
Colleen Cambridge hat bei mir mit diesem Auftaktband einen Volltreffer gelandet, dabei bin ich weder ein großer Fan von Agatha Christie, noch stürze ich mich regelmäßig auf Cosy Crimes. Bei der Dreitagemordgesellschaft war ich aber schon nach wenigen Seiten begeistert. Ein köstlicher Humor zieht sich durch die Seiten, der Stil der Autorin erinnert an A.C., kopiert ihn aber nicht mutwillig. Bezüge zu deren Krimis gibt es einige, aber erfreulicherweise wirkt das natürlich und nicht unbedingt gewollt. Natürlich taucht die berühmte Autorin immer mal wieder auf den Buchseiten auf, aber der Fokus liegt ganz klar auf Phyllida und dem übrigen Hauspersonal. Phyllida ist clever, schlagfertig und weiß ihren Kopf ebenso anzustrengen, wie sie sich zurücknehmen kann, wenn es ihrer Sache dient. Ich mochte sie sehr, und bin natürlich gespannt welche Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit noch ans Tageslicht kommen werden. Denn Phyllida ist eine Dame, die sich nicht gerne durchschauen lässt, auch wenn Butler Dobble das zu gerne täte. Er ist ihr in der Hausordnung ebenbürtig, und so herrscht zwischen beiden ein liebevoll gepflegter Zwist. Die kleinen Sticheleien (erfreulicherweise ganz kitschfrei) amüsieren immer wieder. Überhaupt hat es mir sehr gefallen, dass das Hauspersonal so viel Raum bekommt, die Gäste, ja selbst Hausherr und –herrin sind eher nebensächlich. Man erfährt einiges über Struktur und Organisation des Haushalts, ebenso wie über gesellschaftliche Normen. Bei alledem kommt aber der Kriminalfall mitnichten zu kurz, im Gegenteil. Cambridge entspinnt einen sehr cleveren Mordfall, der trotz der großen Figurenfülle nicht verwirrt, sondern beständig an Spannung gewinnt (mit Minidämpfer im letzten Drittel) und mich hervorragend unterhalten hat. Miträtseln lässt es sich ganz wundervoll, trotzdem lässt man sich von der Autorin immer wieder auf falsche Fährten locken oder von kleinen Informationshäppchen in ganz neue Richtungen lenken. Ein wirklich hervorragend konstruierter Fall, der vermutlich auch den berühmten und von Phyllida so verehrten Hercule Poirot in Atem gehalten hätte. Die nächsten Bände werde ich definitiv lesen.

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