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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.07.2017

Kurzweiliger Thriller

Die Lieferantin
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In nicht allzu ferner Zukunft boomt das Drogengeschäft im Darknet. Spitzenverkäufer ist die Lieferantin, bei der man bequem per App bestellt und die Drogen per Drohne prompt geliefert bekommt. Klar, dass ...

In nicht allzu ferner Zukunft boomt das Drogengeschäft im Darknet. Spitzenverkäufer ist die Lieferantin, bei der man bequem per App bestellt und die Drogen per Drohne prompt geliefert bekommt. Klar, dass diese Neue den Alteingesessenen aus dem Londoner Milieu die Geschäfte vermiest. Die Jagd beginnt.

Ich kannte noch kein Buch der Autorin, hatte aber schon viel Gutes gehört und war dementsprechend neugierig. Enttäuscht wurde ich nicht. Die Lieferantin liefert Spannung auf hohem Niveau, wirft aber gleichzeitig auch kleine Gedanken zum Nachgrübeln auf. Natürlich spielen Drogen, deren Legalisierung und Suchterkrankungen eine Rolle, aber auch Rassismus und Machtgefüge. Ich fand die Mischung sehr ansprechend. Beck schreibt flüssig, hält den Spannungsbogen sehr gut. Auch ihre Charaktere fand ich überzeugend, selbst wenn der eine oder andere aus dem Milieu etwas klischeehaft rüberkam. Insgesamt ein runder, realistischer Thriller, der mich sehr gut unterhalten hat.

Veröffentlicht am 02.07.2017

Okapialarm

Was man von hier aus sehen kann
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Ein kleines Dörfchen im Westerwald wird erschüttert: Selma hat von einem Okapi geträumt! Eigentlich kein Drama, die letzten Male ist nach diesem Traum jedoch jemand gestorben. Schnell ist das Dorf in Aufruhr ...

Ein kleines Dörfchen im Westerwald wird erschüttert: Selma hat von einem Okapi geträumt! Eigentlich kein Drama, die letzten Male ist nach diesem Traum jedoch jemand gestorben. Schnell ist das Dorf in Aufruhr und auch Luise, Selmas Enkelin hat die nächsten Stunden ein mulmiges Gefühl im Bauch. Zu Recht wie sich bald zeigt.

Mariana Leky hat einen tollen Roman geschrieben, der mich gefesselt hat wie schon lange keiner mehr. Die Inhaltsbeschreibung kommt eigentlich ganz alltäglich daher (sehen wir mal vom Todesokapi und Uralthund Alaska ab) und doch ist dieses Dörfchen ganz besonders. Die Autorin hat wunderbare, lebensechte Figuren geschaffen: den herzensguten Optiker, die forsche Selma, selbst die unleidliche Marlies nimmt den Leser ein. Unterm Strich mochte ich sie alle und bin fast ein bisschen traurig nichts mehr über sie lesen zu dürfen. Luise fungiert als Ich-Erzählerin, lässt uns an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Zu Beginn der Handlung ist sie noch relativ jung, das ändert sich im Laufe des Buches. Die Veränderung ihres Charakters, das Erwachsenwerden, wirken sehr authentisch. Irgendwie fungiert das ganze Dorf als Hauptperson, ohne dass der Roman überfrachtet oder unübersichtlich wirkt.
Die Autorin hat einen ganz eigenen Erzählstil, der einerseits wunderbar leicht, andererseits ernst oder traurig daher kommt. Ich war schnell gefesselt und fand immer wieder Sätze, die man eigentlich dick hätte anstreichen müssen, um sie wieder und wieder zu lesen. Dazwischen finden sich auch sehr humorvolle Seiten, die das Ganze etwas auflockern. Sprachlich rundum gelungen also.
Fazit: auf in den Westerwald! Ein Buch, das mich wirklich überzeugt hat.

Veröffentlicht am 01.07.2017

Dickes B

Berlin für die Hosentasche
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Deutschlands Hauptstadt ist gefragt wie nie, dementsprechend gibt es auch Reiseführer wie Sand am Meer. Umso schöner, dass der Autor eine neue und informative Art gefunden hat, dem Neu- oder Altberliner ...

Deutschlands Hauptstadt ist gefragt wie nie, dementsprechend gibt es auch Reiseführer wie Sand am Meer. Umso schöner, dass der Autor eine neue und informative Art gefunden hat, dem Neu- oder Altberliner bzw. –besucher die Stadt an der Spree näher zu bringen. Natürlich wartet er auch mit den „üblichen“ Fakten auf: Einwohnerzahl, Fläche, Verkehrswege etc. kann jeder in 2 Sekunden bei google & Co. nachlesen. Wo es die beste Currywurst oder gar ein Museum dazu gibt, schon eher nicht. Gutberlet ist außerdem ein großer Listenschreiber, wer die tollsten Exponate in Berliner Museen, die schönsten Kinos oder eben die besten Currywurstbuden sucht, wird schnell in der entsprechenden Liste fündig. Doch der Autor gibt auch einen umfassenden Überblick über die jüngere und ältere Geschichte der Stadt, über Wirtschaftsgeschichte, Politik und Zukunftsvisionen. Gerade diese Kapitel fand ich sehr interessant und ich habe noch einiges dazu gelernt. Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, keine dröge Reiseliteratur, sondern in einem solchen Ton verfasst, dass ich dem Autor die Liebe zur Stadt durchaus abnehme. Berlin für die Hosentasche ist dickes Büchlein, das reichlich Information und Unterhaltung bietet und definitiv Lust macht, alles noch einmal live und vor Ort zu „überprüfen“.

Veröffentlicht am 28.06.2017

Lila Dahl

Lila
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Lila wird als kleines Kind von der Landstreicherin Doll „gerettet“. Man könnte auch sagen gekidnappt. Mit kleinen Gelegenheitsjobs schlägt sich Doll für beide durch, jahrelang tingeln sie durchs Land. ...

Lila wird als kleines Kind von der Landstreicherin Doll „gerettet“. Man könnte auch sagen gekidnappt. Mit kleinen Gelegenheitsjobs schlägt sich Doll für beide durch, jahrelang tingeln sie durchs Land. Auch als Erwachsene hat Lila den Drang zum Weiterziehen, Sesshaftwerden ist nichts für sie. Und dann passiert genau das.

„Lila“ bildet den dritten Band einer Trilogie rund um das Dörfchen Gilead. Ich kenne die Vorgänger nicht, kam aber auch ohne Vorwissen gut mit der Handlung zurecht. Lilas Lebensgeschichte ist außergewöhnlich, ihr Charakter schwierig. Verschlossen, misstrauisch, vorsichtig. Sicher etwas, was durch ihre Kindheit auf der Straße bedingt ist, trotzdem macht es das dem Leser schwer sich für sie zu erwärmen. Es fiel mir nicht leicht ihre Gedanken nachzuvollziehen, auch ihre Handlungen sind nicht immer verständlich. Einerseits sehnt sie sich nach Halt und Geborgenheit, andererseits kann sie von ihrem alten Ich nicht lassen. Dies wird auch dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die Autorin zwischen zwei Zeitebenen hin und herspringt: der alten Landstreicherin Lila wird ebenso viel Erzählzeit zugestanden wie der ehrbaren Frau des Priesters. Nicht immer ist sofort klar, welche Lila gerade spricht, ich fand es nicht ganz ideal gelöst. Der Erzählstil hat mir auch nicht ganz zugesagt, doch eher sperrig und recht emotionslos führt die Autorin durch die Handlung. Ich fand „Lila“ interessant zu lesen, konnte mich für die Protagonisten jedoch nicht so begeistern, dass ich zwingend auch die anderen Teile der Trilogie lesen müsste.

Veröffentlicht am 26.06.2017

Vorwitziges Federvieh trifft neurotischen Akademiker

Gray
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Augustus Huff lebt den Akademikertraum: Dozent in Cambridge, dezente Affäre mit einer tollen Kollegin, geachtet und respektiert. Seine größten Probleme waren bisher Studenten mit Prüfungsangst und seine ...

Augustus Huff lebt den Akademikertraum: Dozent in Cambridge, dezente Affäre mit einer tollen Kollegin, geachtet und respektiert. Seine größten Probleme waren bisher Studenten mit Prüfungsangst und seine eigenen kleinen Neurosen. Bis der junge Student Elliott Fairbanks vom Dach stürzt. Oder gestürzt wurde? Doch als wäre die Akademikerwelt von Huff durch diesen Vorfall nicht schon genug in Unruhe gebracht, „erbt“ er auch noch Elliotts Haustier. Der Graupapagei Gray bringt Huffs schöne Routine gehörig durcheinander.

Leonie Swann hat sich auf Tierromane spezialisiert: ihre Schafe aus „Glenkill“ und „Garou“ haben mich begeistert, auch den Flöhen aus „Dunkelsprung“ bin ich gerne durch ihre Geschichte gefolgt. Mit Gray hat die Autorin wieder voll ins Schwarze (oder sollte ich sagen Graue?) getroffen: ein vorlautes und rotzfreches Federvieh, das den ganzen Tag Songs von Lady Gaga krächzt; das schon mal den Schreibtisch seines offiziellen temporären Halters ins Chaos stürzt; das zudem sehr schlau ist und nicht nur Farben und Formen, sondern auch Gut und Böse auseinander halten kann. Herrlich komische Situationen sind vorprogrammiert. Kurzum: ich mochte Gray sehr gerne. Der tierische Anteil der Story ist somit hervorragend gelungen. Leider hat mich der Krimianteil nicht richtig begeistern können. Die Geschichte fügt sich zwar sehr gut in das akademische Milieu von Cambridge ein, auch die Atmosphäre ist glaubwürdig wiedergegeben. Allerdings fand ich die Fallentwicklung etwas mau, es kam kaum Spannung auf, dafür leider kleine Ungereimtheiten. Gerade Huffs Persönlichkeit entwickelt sich sehr unglaubwürdig: vom stillen Mäuslein, das ohne seine täglichen kleinen Routinen (Tür dreimal abschließen, ständiges Händewaschen etc.) die Krise kriegt und jetzt plötzlich zum mutigen Helden aufsteigt… so wirklich abnehmen konnte ich der Autorin diese Entwicklung nicht. Auch hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sich diesmal betont Mühe gegeben hat, „einfach“ zu schreiben. Ihr letzter Roman „Dunkelsprung“ wurde oft als etwas sperrig beschrieben, das sollte hier wohl anders werden. Mir war es zu leicht erzählt, einfache Sätze, leichte Kost… mir hat das Besondere gefehlt.
Insgesamt kein schlechter Roman, Gray als „Figur“ machte für mich wieder einiges wett. Das beste Buch der Autorin war es für mich jedoch nicht.