Payton ist dabei, ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Sie schnappte sich einen der raren, begehrten Praktikumsplätze bei der Modedesignerin Carry Carter, für den sie nun in Boston, wenn auch in ...
Payton ist dabei, ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Sie schnappte sich einen der raren, begehrten Praktikumsplätze bei der Modedesignerin Carry Carter, für den sie nun in Boston, wenn auch in einer unsicheren Gegend, lebt.
Als plötzlich Leroy – ein Eishockeyspieler, mit dem sie bereits in Philadelphia Bekanntschaft machen musste – in das Atelier stolpert, ihr deutliche, hartnäckige Avancen macht und ihr sogar einen Auftrag gibt, weiß die angehende Designerin nur eines: Sie darf ihn nicht zu nah an sich heranlassen.
Denn schon einmal hat ihr ein Mann, dem sie ihr Vertrauen schenkte und der in der Öffentlichkeit steht, das Herz gebrochen. Eine Wiederholung dieser Demütigung? Braucht sie nicht! Doch wie lange kann die modeaffine Schönheit dem heißen Sportler widerstehen?
Leroy Collins will Payton. Ohne Wenn und Aber, koste es, was es wolle. Und wenn er sie einen Anzug designen lassen, sie täglich abholen und gemütliche Dates arrangieren muss. Nie war sich der wohlhabende Spieler der Boston Badgers sicherer. Nur scheint es eine größere Herausforderung zu werden als gedacht, Paytons Mauern zu durchbrechen …
„Goals & Chances“ ist der dritte Teil über die bostoner Eishockeymannschaft, und dieses Mal führt uns Allie Kinsley in einem lockeren Stil durch die softe, eher gemütliche und insgesamt unaufgeregte Handlung. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was eine gute Basis schafft, um die Protagonisten und ihre gegenwärtigen Situationen kennenzulernen.
Dass neben Leroys Karriere, die hartes Training und Verzicht sowie Medienpräsenz mit sich bringt, auch auf Paytons Leidenschaft und ihre Bedenken eingegangen wird, hat mir gefallen. Ihr Drang, selbstständig zu sein, vorsichtig zu bleiben und Social Media keinen Raum zu geben, ist, betrachtet man ihre Erfahrungen, nachvollziehbar.
Um das Herz seiner Crush zu gewinnen, geht Leroy forsch vor, wirkt regelrecht besessen – und wenn die entstehende Dynamik auch unterhaltsam war, verlief die Lovestory vorhersehbar und ohne Überraschungen. Eigentlich ganz nett, jedoch fehlte es mMn an Tiefe und einer greifbaren romantischen „Entwicklung“, denn woher die plötzliche „Liebe“ kam? Ich könnte es nicht sagen.
Dennoch gab es süße Momente, Verlust und Veränderungen. Die Nebenfiguren nehmen keine sonderlich große Rolle ein und auch der Spice hält sich, wie in den vorigen Bänden, in Grenzen.
„Goals & Chances“: eine kurzweilige Sports-Romance.
„Liebe aus Flammen“ ist das Finale der High-Fantasy-/Romantasy-Trilogie „Dragon Games“ und beginnt, wo der Vorgänger endete. Zuvor nahm sich Ursa Jaumann jedoch erneut die Zeit, die bisherigen Ereignisse ...
„Liebe aus Flammen“ ist das Finale der High-Fantasy-/Romantasy-Trilogie „Dragon Games“ und beginnt, wo der Vorgänger endete. Zuvor nahm sich Ursa Jaumann jedoch erneut die Zeit, die bisherigen Ereignisse zusammenzufassen und relevante Charaktere vorzustellen.
Während Victoria Black auf dem Verlorenen Kontinent noch immer um ihr (Über)Leben bangt, sich auf die körperlich und mental anstrengende Prüfung zur Dragonoath vorbereiten muss und im Zwiespalt – hin- und hergerissen zwischen all dem, was sie zu wissen glaubte, und den Wahrheiten, die sie mit eigenen Augen sieht, zwischen den in ihr streitenden Gefühlen – zergeht, setzt James de Burgh alles – Ressourcen, Vermögen und Männer – daran, seine Lady zurückzuholen. Nicht mal vor dem Eisernen Rat, Druck und Drohung macht der einstige Drachenritter halt. Dabei ist fraglich, ob er und Onyx das Kulethische Meer – wenngleich Professoren und Techniker an einer Lösung arbeiten – überwinden können, seine Liebe noch lebt und Feridum ausreichend für einen Krieg aus unbekannter Richtung gerüstet ist … denn dieser wird kommen.
Ursa Jaumann führt uns langsam in die gegenwärtigen Situationen der Protagonisten, schenkt uns weitere Einblicke in das naturverbundene Dasein der Látaiea und nimmt auch Bezug auf die hier herrschenden Uneinigkeiten. Die Welt außerhalb des auf technischen Fortschritt und Profit fixierten Imperiums kam malerisch zur Geltung – wenn gleich dieses Land nicht ohne Gefahren ist, Vic noch immer Feindseligkeit zuteilwird und vor ihr Aufgaben liegen, die ihr alles abverlangen, sie alles kosten könnten.
Killian, der alles daran setzt, dass sich Victoria in seinem Clan integriert, sich zu Hause fühlt, sorgt mehrfach mit seiner verletzlichen Seite, seiner Offenheit und der Art, wie er die Drachenritterin herauszufordern vermag, daran erinnert, wer sie wirklich ist, für überraschende und intensive Momente. Dabei hofft er inständig, dass Victoria wahrlich für die gleichen Überzeugungen wie das Vergessene Volk, an seiner Seite, kämpfen wird … selbst wenn sie wieder in James’ Arme sinken sollte.
Die Anziehung zwischen Victoria und ihrem „Entführer“ war unterhaltsam, immer häufiger troffen Gefühle und Wahrheiten hinter Witz und seichtem Geplänkel hervor. Bereits im Vorgänger schwang die Ahnung schwerer, emotionaler Entscheidungen mit – nun gibt die Autorin ihrer Fantasystory mit dem direkten Why-Choose-Trope etwas Frisches und zeigt, dass unkonventionelle Beziehungsmodelle auch außerhalb einer spicy, darken Romance funktionieren.
Das klingt alles ganz nett, ich weiß, aber leider konnte mich der Abschluss der „Dragon Games“-Trilogie nicht gänzlich überzeugen. Fand ich den Auftakt originell und durchweg spannend, den zweiten Band zumindest großteils interessant und unterhaltsam, wollte der Funke hier nicht überspringen. Zum einen, weil sich die ~660 eBook Seiten zogen – durch unnötig ausgeschmückte Szenen, ein „Auf der Stelle treten“ sowie Vics immer gleiche Gedankengänge und ihr ausgiebiges, sich im Kreis drehendes Gefühlschaos. Geduldsprobe pur! Auch der Stil selbst wirkte auf mich dieses Mal nicht so durchdacht und wohlüberlegt wie gewöhnlich, sondern recht einfach und lasch. Worte fehlten, Informationen und Formulierungen – bspw. leidenschaftliche Geständnisse, die langfristig an Wirkung einbüßten, und die Monologe – wiederholten sich – und wo ist eigentlich die taffe, starke Protagonistin aus 𝐇𝐞𝐫𝐳 𝐚𝐮𝐬 𝐅𝐞𝐮𝐞𝐫 hin?
Diese Serie entwickelte sich mMn zu einer 0815-Romantasy, die Gegebenheiten, Ziele und die aussagekräftigen Themen – Missstände, Unterdrückung, Ausbeutung, Klimawandel, Umweltverschmutzung (…) – oftmals aus den Augen verlor und Zweifel/Überlegungen romantischen Ursprungs in den Vordergrund rückte.
Erst nach etwa 60 % nahmen Tempo, Ereignisdichte und Spannung merklich zu, inkl. Dramatik und Twists, die die Kraft haben, Herzen zu brechen.
Actionreiche Szenen sowie jene mit Drachen sind lebendig, die Traditionen und Rituale mystisch inszeniert, wenn auch fantastische Elemente und Steampunk-Vibes nur als Hintergrundrauschen vernehmbar waren. Aufbrausende Reden und Offenbarungen, die nicht nur Beziehungen ins Wanken, sondern eine Gesellschaft auslöschen könnten, kamen ebenso wenig zu kurz wie Verluste und die (persönlichen) Opfer, die es braucht, um Veränderungen, dauerhafte, zu generieren. Der Plan der Látaiea, der vor allem in den letzten Kapiteln Beachtung und Aktivismus fand, sowie die Gründe und Vorgehensweisen waren durchdacht und einfallsreich. Letztlich war es aufregend, Victoria, gezeichnet von Blut, Trauer und Schmerz, dabei zu begleiten, wie sie zu ihrem alten Selbst, ihrer Stärke zurückfand.
Zwischen all den Trümmern warten auch ein zauberhaftes Wunder, die Hoffnung auf Gleichheit und der Beginn von etwas Neuem.
Für welches Leben, welche Liebe sich Victoria entscheidet? Ob das Stahlimperium fällt und die Drachen Freiheit erfahren – oder ob der Verlorene Kontinent mitsamt der Geheimnisse und der Magie untergeht? Findet es heraus.
Fazit: Trotz aller Kritik ist „Liebe aus Flammen“ kein schlechtes Buch, nur eben nicht das, was ich nach dem starken, originellen Auftakt erwartet habe. Mir fehlte es schlicht an Abwechslung im Geschriebenen und größtenteils an einem Vorankommen im Verlauf.
„Wie Worte auf beschlagenen Scheiben“ ist der poetische, nachtschwarze Weg hin zu einer tröstenden Umarmung. Ist die Zeit, die es braucht, um Wunden zu sehen, anzunehmen, zu versorgen. Das Finden zu sich ...
„Wie Worte auf beschlagenen Scheiben“ ist der poetische, nachtschwarze Weg hin zu einer tröstenden Umarmung. Ist die Zeit, die es braucht, um Wunden zu sehen, anzunehmen, zu versorgen. Das Finden zu sich selbst.
Ella Bergmanns einstiger Traum ist zum Greifen nah: Für ihren Debütroman hat sie mit ihren Gänsehaut-Texten nicht nur eine berüchtigte Marketingfirma gewonnen, sondern auch den perfekten Verlag gefunden! Nur dass Ella über die Monate immer mehr zu Lalott wurde, aufhörte, dieses Projekt, das ihr aus den Händen gerissen wird, als IHRE Herzensangelegenheit zu fühlen. Genau wie der Social-Media-Account, auf dem zwar Tausende ihre bewegenden, lyrischen Zeilen lesen, kommentieren, teilen, jedoch nie die echte, reine Autorin sehen, ist das geplante Buch nur noch ein Anker. Der einzige Halt, der Ella blieb, seit sie vor einem halben Jahr so vieles, einen Teil ihrer selbst, verloren hat. …
Dass Poesie stets Raum zur Interpretation schafft, ist unvermeidlich, aber stillschweigend ignoriert Lalott Probleme, verletzt an Stellen, die doch endlich heilen sollten.
Jonah Reed ist der angesehenste Lektor des edaVerlags und genauso begeistert wie das gesamte Team, als dieser einen zukunftsträchtigen Auftrag an Land zieht. Doch als Jonah das Exposé der gefeierten Lyrikerin in Händen hält, ihr zum ersten Mal gegenübersteht, überkommen ihn Zweifel. Denn statt strahlender Leidenschaft findet er nur ein blasses Abbild, eine junge Frau, die von Resignation und einer unsichtbaren Schwere niedergedrückt zu werden scheint. Gefangen in einem Pseudonym, gezeichnet von unsagbarer Trauer.
Dass LitA Bromberg ihrer Klientin rege über den Mund fährt, selbst Luft abfängt, bestärkt seinen niederschmetternden Eindruck. Dabei sind Lalotts deepe Lyrics für viele Menschen Trost und Halt. Fragmente, die Welten füllen. Herzen brechen.
Jonah will Ella, ihre Wahrheit, kennenlernen, will das Bestmögliche für ihr Debüt, und riskiert bei diesem Versuch so viel mehr als nur seinen Ruf und das Sprungbrett, welches diese Veröffentlichung für den edaVerlag sein könnte.
Jennifer Ebbinghaus und Marie Döling haben mit „Wie Worte auf beschlagenen Scheiben“ ein ganz besonderes, eindringliches Werk erschaffen, das mit Wortgewalt, poetischer Sprache und einer Fülle von Emotionen tief trifft, laut nachklingt. Ausdrucksstark, echt, angefüllt mit verschiedenen Nuancen aus Schmerz und Trauer, beängstigenden Abgründen und zarter, leiser Hoffnung.
Die LeserInnen bekommen ausreichend Raum und Gelegenheit, in die Protagonisten einzudringen, sie kennenzulernen und ihre Reaktionen, die Zweifel und Gefühlsstürme zu verstehen. Sowohl Ellas unbewusst selbst erschaffenes Gefängnis, das durch Erwartungen, Druck und Bevormundung stetig enger wird, ihr die Stimme raubt, sie verblendet und als Zuschauerin zurücklässt. Wie auch Jonah, dem es von Treffen zu Treffen schwerer fällt, Professionalität und Grenzen zu wahren, der sich nicht von Lalotts Farce blenden, sich aber von Ellas Zerbrechlichkeit gefangen nehmen, von ihrer Poesie faszinieren lässt.
Diese wortverliebten Menschen wurden mit zahlreichen Facetten und Eigenheiten bestückt, mit Hintergründen und Wünschen, mit Leben.
JedeR für sich und beide gemeinsam schleichen sich ins Herz. Unauskratzbar.
Die Liebesgeschichte ist zärtlich, intensiv, slow burn – nichts anderes würde passen –, hält Konflikte, Uneinigkeiten und Kribbeln, Reflexion und Erkenntnisse, Loslassen und Abschied bereit. Zusätzlich treffen wir in diesem dichten, Mitgefühl auslösenden New Adult Roman auf unterschiedliche Nebenfiguren, die ausreichend Raum bekamen, sich entfalten und wirken konnten. Neben Jonahs speziellem, dynamischen Freundeskreis sorgen das Verlagsteam – in dessen Arbeit und die (Tücken der) Buchbranche wir hier und da Einblick bekommen – für Abwechslung und Found-Family-Vibes.
Als Thüringerin war es außerdem ein Fest für mich, dass die Story im kulturellen Weimar spielt – die Literaturstadt wurde mit so viel Liebe zum Detail und Gemütlichkeit gezeichnet, dass ich es kaum erwarten kann, bewusst auf den Spuren von Ella & Jonah zu wandeln.
Worte nehmen eine gewichtige Rolle ein – nicht nur die sorgfältig gewählten, mit denen uns die Autorinnen diese gewichtige, bedeutsame Geschichte erleben lassen, nicht nur jene, mit denen Ella ihr Innerstes nach außen kehrt, oder mit denen sich Jonas einen Safe Place schafft, sondern auch die des Dichters Goethe. Das ganze Buch war eine Ode an die Lyrik. An Verlust und Sehnsucht.
Obgleich der Verlauf hauptsächlich von Melancholie und Wehmut durchtränkt ist, von Tragik, gab es auch Liebe. Freundschaft. Veränderung. Den Glauben an Neuanfänge und Licht, selbst wenn es regnet. Gab es auch Spaß – die Leipziger Buchmesse, die Leidenschaft um Cosplaying, um Welten erschaffen, fügte sich perfekt in diesen Plot. Dass wir auf den letzten Seiten mit Spannung und Intrigen, mit endlich Aufstehen, für sich Einstehen, konfrontiert werden; mit sich selbst finden, ungeahnten (Weiter)Entwicklungen und mit gezielt getroffenen Entscheidungen lässt mich meine Einleitung, dass es sich hierbei um ein außergewöhnliches Buch handelt, nur wiederholen.
Jennifer Ebbinghaus und Marie Döling beendeten ihren poetisch-modernen Roman so, wie es nicht besser hätte sein können – nasse Wangen, Herzschmerz-Augenblicke, Luft anhalten. Einfach fühlen.
Es sollte nur ein One-Night-Stand werden. Doch sie konnten einander nie vergessen.
Zehn Jahre später treffen Künstlerin Lilly und der Captain der 𝐋.𝐀. 𝐇𝐚𝐰𝐤𝐬 erneut aufeinander – um ihrer Nacht auf ganz ...
Es sollte nur ein One-Night-Stand werden. Doch sie konnten einander nie vergessen.
Zehn Jahre später treffen Künstlerin Lilly und der Captain der 𝐋.𝐀. 𝐇𝐚𝐰𝐤𝐬 erneut aufeinander – um ihrer Nacht auf ganz besondere Weise zu huldigen …
Endlich wieder zurück zu den strammen Burschen der L.A. Hawks – dieses Mal geht es um Austin Fox, der es sich heute, endlich geschieden und überzeugter Single, zur Aufgabe gemacht hat, nicht nur ein vernünftiger und skandalfreier Spieler, sondern auch rund um die Uhr für seine Kameraden da zu sein und stets einen Platz in seinem riesigen Haus für diese zu haben. Ein adäquater Ersatz für die kinderreiche Familie, die Fox nicht vergönnt war.
Als plötzlich ein Mädchen vor der Halle auftaucht, das eine vage Ähnlichkeit mit einem Menschen aufweist, den der Eishockeyspieler im ersten Moment nicht greifen kann, ändert sich alles – neben Unglauben und einer leisen Begeisterung schwillt in Fox unbändige Wut. Tiefer Zorn.
Ein Jahrzehnt hat Lilly Adams es vermieden, zurück in ihre Heimat zu gehen, hat sich in Venedig auf ihre Kunst konzentriert, sich weiterentwickelt und als alleinerziehende Mutter eine wunderbare Tochter großgezogen.
Nun, wieder in L. A., beharrt Delfina, die einzige Person, die um die Identität ihres Vaters weiß, darauf, diesen endlich kennenzulernen. Nie hätte Lilly zu hoffen gewagt, dass der verlogene Typ, der damals wortlos aus ihrem Bett verschwunden ist, so aufrichtig enttäuscht, verletzt und sauer sein würde.
Neben Romantik und einer Menge Humor warten in diesem sechsten Teil verhärtete Fronten, Missverständnisse und natürlich auch unwiderstehliche Eishockey-Jungs. In diesem Sinne möchte ich erwähnen, dass viele Spieler der L.A. Hawks präsent integriert sind, Raum einnehmen und aufgrund Eigenheiten und Marotten herrlich witzige Situationen erschaffen. Zeitgleich untermauert Louis den Found-Family-Trope mit diesem warmherzigen Team ungemein. Bad Boys? Fehlanzeige!
Ebenfalls typisch für Bücher der Autorin: Die Protagonistin ist eigenständig, schlagfertig und unbeeindruckt von Ruhm und Geld. Lilly hat die letzten Jahre gekämpft, für sich, ihre Leidenschaft und ihr Kind. Auch jetzt ist sie nicht bereit, einzuknicken, egal, wie oft Fox sie mit Blicken, in denen unausgesprochene Vorwürfe und Wehmut liegen, erdolcht. Dass dieser Mann nicht nur das Herz von Del in rasender Geschwindigkeit gewinnt, sondern auch Lilly an so viele verdrängte Empfindungen erinnert, bringt die Glasbläserin gehörig durcheinander.
Austin geht in seiner neuen Rolle augenblicklich auf, es war zuckersüß, ihn und Del dabei zuzusehen, wie sie sich kennenlernen, wie er Verantwortung übernimmt und ein echter Daddy wird. Um Lilly kommt er hierbei nicht herum, auch nicht um die einstige, nie erloschene Anziehung. Wären da nicht seine stänkernde Exfrau, Fox' Misstrauen und Lillys Sorge, ihre Sonne zu verlieren.
Saskia Louis führt uns in ihrem locker-flockigen, direkten und gefühlvollen Ton durch die Geschichte, die nicht nur mit Lillys bester Freundin Daisy ein Easter Egg für Fans der Autorin bereithält.
Wir lernen die Protagonisten, ihre Hintergründe, Zweifel und Ängste genau kennen, und es ist so leicht, sich in die beiden hineinzuversetzen, ihren Ärger zu verstehen und Teil der Familienzusammenführung zu werden. Auch Delfina kam mit ihrem kindlichem Charme wunderbar zur Geltung und sorgte für einige Schmunzler.
Obgleich größtenteils auf überzogenes Drama verzichtet wird, gab es spannende Entwicklungen, innige Augenblicke, Spice und Witz.
Für mich eine rundum gelungene Romance und, wie jedes Buch von Louis, eine Art Coming-home-and-feel-good.
»Lass dich von niemandem schlechter behandeln, als du es verdienst, Sagenhafte.«
„Blood of Hercules“ ist durch und durch unterhaltsam, originell und frisch.
2050
Alexis Hert wuchs in ärmlichen, missbräuchlichen ...
»Lass dich von niemandem schlechter behandeln, als du es verdienst, Sagenhafte.«
„Blood of Hercules“ ist durch und durch unterhaltsam, originell und frisch.
2050
Alexis Hert wuchs in ärmlichen, missbräuchlichen Verhältnissen am unteren Rand der Gesellschaft in einer trostlosen, von mythischen Mächten inspirierten, durch auserwählte spartanische „SuperheldInnen“ und die Angst vor Titanenangriffen geprägten Welt auf. Hunger, Armut, Gewalt und Mobbing begleiten sie schon ihr gesamtes Leben – und hinterließen tiefe Narben. Zum Licht in ihrer Einsamkeit wurden Nyx, eine unsichtbare Schlange, und der stumme Charlie, den sie mit allen Mitteln versucht, vor der Grausamkeit ihrer Pflegeeltern zu schützen.
Ihre Abschlussprüfung ist ein Meilenstein, der ihr Dasein für immer verändern soll, denn plötzlich ist Alexis kein einfacher Mensch mehr, der sich durch den harten Alltag eines mittellosen, gebrochenen Teenagers quält, sondern ein „verwaistes spartanisches Mischblut“. Heißt: Alexis und zahlreiche andere müssen in einem Massaker – dem SGC – gegeneinander antreten, bis nur noch zehn auf dem Schlachtfeld stehen. Nur, um sich danach monatelang in einer ‚Feuerprobe' von Gladiatoren, „Gottheiten“, chthonischen Erben/grausamen Lehrern quälen zu lassen – denn die Unsterblichkeit, etwas, worum Alexis nie bat, auf das sie gar keine Lust hat, muss man sich verdienen …
Jasmine Mas führt uns in einem wunderbar komischen, lockeren und lebendigen Stil durch ihre skurrile Handlung, die neben Mythologie und Überlebenskämpfen, verschiedenen Wesen und mächtigen, tödlichen Fähigkeiten Merkmale von Dystopie, Fantasy und Romance aufweist.
Erzählt wird hauptsächlich aus der Sicht der beinahe 20-Jährigen – wir werden Teil ihrer Vergangenheit, ihres Traumas, sind dabei, als alles immer wieder ins Chaos stürzt, und verfolgen ihre Entwicklung und ihre ironischen Monologe hautnah. Zwischen Flashbacks, die wehtun, Hoffnungslosigkeit und dem Wunsch, aufzugeben; tiefer Verzweiflung, bleierner Müdigkeit und dem herrlich frischen, trockenen Sarkasmus blitzen so viel Mut und Wut auf, eine Stärke, die sich nach und nach Bahn bricht.
Durch Alexis’ unbekannte Herkunft, kleine Erinnerungsblitze und plötzliche Twists wirft die Autorin rege Fragen in den Raum, deren Antwort ebenso überraschend ist wie so manch Ereignis, Offenbarung und Intention. Denn sowohl die Alexis zugeteilten Mentoren Achilles und Patro als auch die Professoren aus der Unterwelt, Augustus und Kharon, mischen die kleine Gruppe von Auserwählten auf, treiben sie an ihre Grenzen, nehmen Opfer in Kauf. Doch alle vier scheinen ein besonderes Interesse an der spartanischen Frau – eine kostbare Seltenheit – zu hegen.
„Blood of Hercules“ wird zwar mit einigen typischen „(Dark) Romance“-Tropes beworben, kommt dabei aber hervorragend ohne eine im Vordergrund stehende Romanze und hauptsächlich auch ohne explizite Szenen aus. Dabei sind die männlichen Charaktere definitiv dark, morally grey, regelrecht böse, dominated, besitzergreifend, blutrünstig (…) und schwer zu durchschauen. Es war sowas von cool, sich von den spritzigen Dialogen (wenn Alexis auch häufig nur zu gedanklichen Kontern fähig ist) unterhalten zu lassen und die sich entwickelnden, teilweise toxischen, durch und durch gefährlichen Dynamiken zu verfolgen. Zartes, wenn auch undeutbares Aufflattern von echten Emotionen und Mitgefühl, kryptische Aussagen und widersprüchliches Verhalten sorgen dafür, diese „Verehrer“ immer wieder zu hinterfragen und neu zu bewerten. Mas animiert gekonnt dazu, nicht nur über Alexis’ Besonderheiten, sondern auch über die Gründe und Ziele der Vier zu rätseln.
Typisch für Bücher mit mythologischen Aspekten/Gottheiten sind Intrigen, perfide Pläne und Machtspiele – so auch hier. Die letzten Kapitel werfen auf Vorangegangenes, beleuchtet durch andere Perspektiven, ein neues Licht, welches zur logischen Verknüpfung beiträgt. Dabei empfand ich die Geschichte insgesamt als sehr detailreich und greifbar ausgearbeitet. Der authentische, direkte Ton und Alexis' Gedanken machen es leicht, sie – ihre Reaktionen, Zweifel und Unsicherheiten – zu verstehen. Der Aufbau war durchdacht und abwechslungsreich, weder kamen Spannung noch Action zu kurz, und auch an rührenden Momenten, Überraschungen und Blut wurde nicht gespart. Ein weiterer großer Pluspunkt: Im Verlauf finden sich immer wieder Informationen über das Worldbuilding, die Gegebenheiten und Hierarchien, über die Götter, deren Abkömmlinge und die diversen Fähigkeiten sowie deren dekadente Lebensstile und andere Wesen.
Die Zeit der Feuerprobe nimmt den Großteil des Verlaufs ein – die Initianten müssen Schlaflosigkeit, Hunger, Gehorsam-Bestrafung sowie folterähnlichen Prüfungen und Aufgaben trotzen, zahlreiche Hürden, Konfrontationen überstehen und Peinlichkeiten ertragen. Denn ja, Alexis ist auf eine verschrobene Art taff, intelligent und unbewusst witzig, aber Zwischenmenschliches, soziale Kommunikation, romantische/sexuelle Erfahrungen und Selbstwert sind kein Teil ihres Stärkenrepertoires. Und meine Güte, es kommt zu etlichen Szenen, in denen sich Unbeholfenheit, Gleichgültigkeit und Erschöpfung vereinen und dafür sorgen, dass zumindest wir lachen müssen. Ich musste es jedenfalls. Oft.
Auch Nyx, stets treu, zum Töten bereit, ist eine originelle Figur, die Spaß macht. Jedes einsame Mädchen sollte eine verruchte Schlange bekommen – oder die Chance, zu einem heldenhaften Monster zu werden, das für sich selbst eintritt.
Am Ende können wir Alexis’ Ursprung, ihren Kern, fassen, ihre Möglichkeiten, und doch sind es altbackene Strukturen und Regeln, die sie in einem Schicksal festhalten, welches nicht in ihrer Hand liegt. Oder?
„Bonds of Hercules“ erscheint im Herbst und ich hege die große Vermutung, dass die Fortsetzung zwar mit mehr Spice aufwartet, doch weder an Amüsement noch an Action, Intrigen und Twists gespart wird.