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Veröffentlicht am 09.02.2025

Tolle Idee, deren Potenzial leider nicht ausgeschöpft wurde.

Legends of Askja 1. A Kiss of Ice and Blood
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Und alles beginnt, wie so oft, mit einem Schmerz, der in rasender Wut, verheerendem Hass gipfelte …

In Askja, einer eisigen Insel, auf der die größte Gefahr weder Kälte noch Schnee, sondern die wunderschönen ...

Und alles beginnt, wie so oft, mit einem Schmerz, der in rasender Wut, verheerendem Hass gipfelte …

In Askja, einer eisigen Insel, auf der die größte Gefahr weder Kälte noch Schnee, sondern die wunderschönen Eisdämoninnen sind, verbindet nur ein fragiler Frieden Mensch mit Magischen. Als Leif und seine Gefolgschaft durch das Fenrisgebirge streifen, um einen Auftrag des Königs zu erfüllen, ist es ein kurzes Zögern, das die sonst effizient tödliche Frin zur Gefangenen macht. Und obwohl einzig dieser Akt den Prinzen vom Thron – und sein Land von einem dringend benötigten Herrscherwechsel – trennt, gären in Leif leise Zweifel, denn gerade SIE macht all das, was kommt, tausendmal schwieriger …

Erzählt wird der Romantasy-Roman aus wechselnder Perspektive, sodass einerseits Leben und Motivation der Eisdämoninnen deutlich werden, andererseits auch Leifs Bedrängnis, welches nach und nach wächst. Ist der demütige, grausame Weg, den er geht, wirklich der richtige?
Auch Frin beginnt zu hadern, denn obgleich sie sich der Tatsache bewusst ist, dass die Seelenräuberinnen – heute mehr denn je – gezwungen sind, Menschen zum Tode zu verurteilen, um selbst zu überleben, hält sie dieses Wissen nicht davon ab, ihr Dasein zu hinterfragen – jedoch auch die Scheinheiligkeit der Menschen, die sich in Unschuld suhlen: Jagen diese nicht selbst, um sich zu nähren?

Trotz der unwürdigen Bedingungen, in denen sich die Gefangene wiederfindet, geschieht im tristen Kerkerverlies etwas, womit die Magischen des Landes wohl nie gerechnet haben: FeindInnen werden zu FreundInnen, zu Verbündeten… Können sich die Seelenräuberinnen aus den verbitterten Klauen des Königs retten, wenn Umber sogar bereit ist, mit seinem Vorhaben das Leben seines Volkes zu riskieren?

Nach einem vielversprechenden, sehr atmosphärischen und mystischen Beginn wurde die Geschichte zunehmend lasch(er), was teilweise dem einfachen Stil, Wiederholungen von Informationen und Gedanken(kreisen) geschuldet ist. Zwar gab es interessante, unterhaltsame Momente, Romantik und eine Portion Drama, jedoch waren viele Szenen für mich nicht sinnig oder rund, manche „Erkenntnisse“, Entwicklungen und Lösungen zu plötzlich. Auch die emotionale Komponente konnte ich kaum spüren, wenn auch Aussagen getroffen wurden, die berühren. Mir fehlte es an Tiefe – worldbuilding- und figurenbezogen –, an Raffinesse und Spannung.

Im Verlauf entwickelt sich die Eisdämonin, reflektiert, versteht. Die Autorin schont ihre Protagonistin nicht vor weitreichenden Bürden, Offenbarungen und schweren Entscheidungen, nicht vor hoffnungslosen Kämpfen und Verlust. Frin bekam genügend Raum, um zu wachsen, hingegen basierten Leifs innere Veränderungen hauptsächlich auf seinen Erinnerungen, seinen Gefühlen. Andere Figuren blieben deutlich blasser, wenn auch bspw. die Beweggründe des Königs dargelegt wurden. Besonders mochte ich die erstarkende Verbindung zwischen Adelaide, Lava und Frin und hoffe, dass wir in einem weiteren Buch über Askja diesen beiden noch einmal begegnen.
In den letzten Kapiteln zieht Amy Erin Thyndal das Tempo deutlich an, um ihre Geschichte zu einem netten Abschluss zu bringen.

Übrigens: „Spicy Romantasy“ ist mMn nicht zutreffend, heißt, LeserInnen, die wenig mit expliziten Szenen anfangen können, können hier beruhigt zuschlagen.

Trotz Kritik ist „A Kiss of Ice and Blood“ leichte, kurzweilige Unterhaltung. Außerdem sind Idee und Aufmachung toll.

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Ich kann die Bücher der Autorin nur empfehlen.

Golden-Heights-Reihe, Band 2 - Unlock My Truth
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„𝐔𝐧𝐥𝐨𝐜𝐤 𝐦𝐲 𝐓𝐫𝐮𝐭𝐡“ ist Band zwei der „𝘎𝘰𝘭𝘥𝘦𝘯 𝘏𝘦𝘪𝘨𝘩𝘵𝘴“-Reihe von Saskia Louis und erzählt die Geschichte von 𝐂𝐚𝐫𝐥𝐲 & 𝐓𝐲.
Es ist nicht nötig, den Vorgänger zu kennen, jedoch werdet ihr nach diesem Roman auch ...

„𝐔𝐧𝐥𝐨𝐜𝐤 𝐦𝐲 𝐓𝐫𝐮𝐭𝐡“ ist Band zwei der „𝘎𝘰𝘭𝘥𝘦𝘯 𝘏𝘦𝘪𝘨𝘩𝘵𝘴“-Reihe von Saskia Louis und erzählt die Geschichte von 𝐂𝐚𝐫𝐥𝐲 & 𝐓𝐲.
Es ist nicht nötig, den Vorgänger zu kennen, jedoch werdet ihr nach diesem Roman auch 𝘓𝘦𝘹𝘪𝘦 & 𝘓𝘰𝘨𝘢𝘯 genauer kennenlernen wollen.

Im Prolog erfahren wir, wie Charlotte auf die Geschwister gestoßen ist, und bekommen einen Eindruck davon, wie die Kunststudentin lebte und wieso sie so unbedingt Anschluss finden, Teile ihrer selbst verbergen will. Im weiteren Verlauf, der zwei Jahre später ansetzt, bekommt dieses Bild mehr Kontur, jedoch umrahmt von einem Lügenkonstrukt.
Carly liebt die Kunst, sticht in ihren Kursen hervor, verliert sich gerne – im Liegen – in heißen Piratenstorys. Ihre WG teilt sie sich mit ihrer besten Freundin Lexie, der Schwester des Jungen, in den sie sich vor so vielen Monaten verliebte. Doch Ty hält nichts von ernsthaften Beziehungen, hält jeden auf Abstand und macht weder einen Hehl daraus, dass ihm Geld nichts bedeutet, noch aus seiner Einstellung den Reichen gegenüber. Und in der Künstlerin scheint er auch nicht mehr zu sehen als eine weitere Schwester.
Gerade als sich Carly entschließt, ihre romantischen Hoffnungen loszulassen, zwingen Tyler persönliche Umstände dazu, bei ihr einzuziehen. Als wäre das nicht unangenehm genug, übernehmen seine wahren Gefühle und die Eifersucht die Oberhand, während sich Tys abgestreifte Vergangenheit in die Gegenwart drängt …

Was war das wieder schön!
Saskia Louis schafft es jedes Mal aufs Neue, mit ihren amüsanten Romanen, denen es nie an Ernst und einer gewissen Portion Realität fehlt, selbst die tristesten Tage aufzuhellen. Der Ton war locker, der Verlauf flott und frei von Längen, ohne dass der Eindruck entstand, dass nur an der Oberfläche gekratzt wurde. Tyler besticht mit seiner direkten, fürsorglichen Art und dem Bedürfnis, die beiden wichtigsten Frauen in seinem Leben zu beschützen. Dass der 23-Jährige stets bereit ist, zu flüchten, jedoch nicht dazu, zu viel zu geben, zu viel zuzulassen, ändert weder etwas an seiner interessanten Ausstrahlung noch an seinem mühelosen Charme. Erst das Auftauchen seines kriminellen, unverbesserlichen Vaters lockt in dem unnahbaren Frauenhelden eine defensive, zornige Seite hervor. Nur Carly – herzensgut, aber nicht fehlerfrei – scheint den Aufruhr in seinem Inneren verstehen und sehen zu wollen. Obwohl er sich selbst als nicht gut genug für die zartbesaitete Künstlerin erachtet, kann er sich seiner Empfindungen nicht verwehren, kann ihre Worte nicht vergessen. Dabei hat er Lexie ein Versprechen gegeben …

Die Protagonisten, samt den Schatten ihrer Vergangenheiten und der leisen Zuversicht für die Zukunft, waren greifbar und authentisch ausgearbeitet. Es war leicht, Reaktionen und Zweifel nachzuvollziehen, für die Lügen Verständnis zu finden. Louis spart nicht an Found-Family-Vibes, an echten Freundschaften und Unterstützung, was sich in den Dynamiken der Figuren widerspiegelt. Für Spannung sorgen sowohl die Geheimnisse, die früher oder später für Verletzungen und Brüche sorgen könnten, als auch die echten Motivationen des Vaters der Geschwister. Es machte Spaß, Charlotte und Ty einzeln kennenzulernen und die beiden miteinander zu erleben, zu verfolgen, wie sie unsichtbare, selbst errichtete Barrieren überwinden, Gedanken los- und Schmetterlinge zulassen. Typisch für Saskias Romane ist der trockene Humor, der sich in Unterhaltungen, Monologen und skurrilen Situationen zeigt. (Ich sag’ nur: Piratenromane …) Abgesehen von den Loveinterests waren die Nebenfiguren – besonders Lexie & Logan sowie Mace & Evan – ausreichend integriert. Spicy-Szenen sind stimmig inszeniert, nehmen jedoch nicht den Fokus ein, dafür ist Carlys Leidenschaft zur Kunst und Tylers Liebe zur Musik deutlich zu spüren. Außerdem finden wir echte Probleme und wichtige Themen – seien es innere Kämpfe, Selbstzweifel, der Wunsch, zu genügen, frei und mehr zu sein als eine Vergangenheit, eine Gesellschaftsschicht oder eine Krankheit.

Fazit: „Unlock my Truth“ bekommt, wie jedes Buch der Autorin, eine große Leseempfehlung. Ich kann die nächste Veröffentlichung von Saskia kaum erwarten.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Gewichtige Themen.

Seoulicious – Fake Me, Real You
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Die Frage, die sich mir während der ersten 100 Seiten mehrfach stellte, war: Wie äußere ich – eine deutsche Weiße – Kritik an einem Own-Voice-Roman? Darf ich das? Kann ich eine Protagonistin, die wahrscheinlich ...

Die Frage, die sich mir während der ersten 100 Seiten mehrfach stellte, war: Wie äußere ich – eine deutsche Weiße – Kritik an einem Own-Voice-Roman? Darf ich das? Kann ich eine Protagonistin, die wahrscheinlich noch nie das Wort „Selbstreflexion“ gehört hat, die sich in ihrer eigenen Rassismusblase, in eigenen Vorurteilen und längst gebildeten, verallgemeinerten Meinungen verfangen hat, kritisch beäugen? Die sich immer wieder selbst in eine Opferrolle positioniert?
Oh, hellyeahr. Und wie ich das kann.

Doch zuerst: „Seoulicious – Fake Me, Real You“ hat viele, viele gute Ansätze. Sei es die Frage nach dem, was bleibt, wenn man keine Rolle spielt, jegliche Erwartungen anderer streicht, man mit sich alleine ist und die Suche nach dem Platz in einer Welt, in der Herkunft und Äußerlichkeiten stetig hinterfragt, kritisch beäugt werden, Hass und Anfeindungen überall zur Tagesordnung gehören. Eine Protagonistin, die mit ihrem Dasein – hin- und hergerissen zwischen zwei Kulturen – sichtlich überfordert, nicht mit sich und ihrem Leben im Reinen ist. Der eingebundene Alltagsrassismus, das Show-Setting, die Idols-Thematik, der Rollentausch und auch die softe Lovestory. All das waren gute Punkte.
Aber … Suki ist so in ihren Erwartungen, einzig aufgrund ihrer osteuropäischen Herkunft und ihres Äußeren von allen Weißen abgelehnt zu werden, festgefahren, dass sie in allem und jedem nur das Schlimmste sieht. Sicherlich spielen die Erfahrungen der Teenagerin in ihrer ablehnenden Haltung eine Rolle, aber ich fand viele der verbissenen Schilderungen als toooomuch – und vor allem als genauso »falsch« wie das, was doch kritisiert wird. Dabei will ich niemandem seine Empfindungen, sein Erlebtes absprechen – aber gut pointierte Gesellschaftskritik? Nun, das sei dahingestellt.
Zwar entwickelt sich Suki im späteren Verlauf, reflektiert ihre Gefühle und Empfindungen, ergründet den Ursprung ihres Verhaltens, ihrer Wut, doch ganz streichen kann sie weder das Selbstmitleid noch ihre sich um sich selbst und alles hinterfragenden Gedankenkreise, die teilweise übrigens nichts Neues, dafür Längen bringen und Interessantes, Wichtiges zu großen Teilen ausbremsen und überschatten.
Ein Kritikpunkt, der in die Kategorie Objektivität fällt, betrifft den Text selbst. Worte fehlen/wiederholen sich/sind falsch platziert. Kein Buch ist fehlerfrei, aber eine sorgfältigere Korrektur hätte diesem gutgetan.

Sobald die Protagonistin in Seoul ankommt, sich bei ihren Großeltern einlebt, verändert sich die (Grund)Stimmung weitestgehend. Durch koreanische Begrifflichkeiten und Traditionen bekam die Story eine authentische Note – im Anhang findet sich ein sehr schönes Glossar. Sukis Liebe zu diesem Land, ihrer Familie und dem Kochen war spürbar, genau wie ihr Ehrgeiz, der durch Double'ing – Cooking & Dating geweckt wurde.
Es machte Spaß, die Challenges zu verfolgen. Das Setting der Variety Show – inkl. der Nachteile, Einschränkungen und Konkurrenzkämpfe, die ein Leben im medialen Fokus, als Idol, mit sich bringt – wurde unterhaltsam inszeniert.
Die Frage, wer „Yooma“ auf dem Kieker hat, welche MitstreiterInnen fair spielen, echt sind; ob die Täuschung der Zwillinge glückt und welche Konsequenzen diese Erfahrung für Suki – ihr Fühlen und Denken – haben wird, geben dem Roman eine gewisse Spannung.

Thea Hong sorgte mit ihren Nebenfiguren, hauptsächlich mit Minho, Hana und Jin, sowie mit deren speziellen Eigenschaften und Hintergründen für die nötige Abwechslung, mangelt es dem Geschriebenen doch stellenweise an dieser. Nichtsdestotrotz war der Ton der Autorin locker-flockig und modern, oft schwangen Humor und ein Hauch Ironie, jedoch auch Verletzlichkeit mit. Abgesehen von der „Opferrolle“, an die sich Suki (und auch ihre Schwester) krallt, ist sie kein Püppchen, das den Mund hält, still und beherrscht ist, nein, die 19-Jährige steht für sich und ihre Überzeugungen ein, selbst am Set der Show oder unter den Blicken eines der mächtigsten koreanischen CEOs; macht ihren Frust Luft und neigt zu impulsiven Ausbrüchen. Statt sich vornehmlich zurückzuhalten, offensichtliche Manipulationen zu akzeptieren, wehrt sich Suki, manchmal mit trügerischer Höflichkeit, manchmal lautstark artikulierend. Eigenschaften, die sie für mich nicht nur sympathischer, sondern auch menschlicher machten.
Dass Hong nicht auf einen romantischen Strang verzichtet, bereichert die Geschichte übrigens ungemein. Aber über den kleinen Flirts und den neckenden Gesprächen hängt eine graue Wolke, immerhin spielt „Yooma“ nur eine Rolle und ihr Aufenthalt in Korea ist nicht von Dauer. …

Letztlich ist Seoulicious ein herzerwärmender New-Adult-Roman über Selbstfindung und Mut, über Respekt und Träume, über Familie und die Bedeutung von „zu Hause“. Ich hoffe, dass viele der angesprochenen Klischees und (angedeuteten) Anfeindungen, mit denen Suki konfrontiert wird, von denen sie erzählt, den Einzelnen dazu animieren, sorgfältiger über die eigenen Worte – ob laut gesprochen oder feige getippt – nachzudenken.

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Wow. Das war doch mal gar nicht so gut.

Your Eyes on Me – Based on Alexa's True Story
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Mit „Your eyes on me“ machen Leonie Lastella und Storygeberin Alexa den Anfang des Konzepts von Heartlines – AutorInnen schreiben Romane, die von echten L(i)ebensgeschichten inspiriert sind.
Und tja, ...


Mit „Your eyes on me“ machen Leonie Lastella und Storygeberin Alexa den Anfang des Konzepts von Heartlines – AutorInnen schreiben Romane, die von echten L(i)ebensgeschichten inspiriert sind.
Und tja, bei Body Positivity, Mental Health und Selflove bin ich immer dabei, ist die Repräsentation doch einfach unglaublich wichtig.

Während die Plus-Size-Studentin Alea mit drei FreundInnen in einer Villa, die aktuell ein Makeover erfährt, wohnt und das Leben als Teil der bunten WG liebt, ist bei Titus die Luft raus. Denn obgleich er jeden Tag in eine Designer-Wohnung kommt, ist alles mehr Schein als Sein. Als Fitnessinfluencer ist sein Content makellos und zeigt disziplinierte Perfektion, und steht damit im harten Kontrast zu Aleas Botschaften: Body Positivity. Als Jasper seine MitbewohnerInnen bittet, seinen Kumpel in der Villa aufzunehmen, schwant Alea Böses, immerhin kennt sie Titus’ Partnerin…

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, sodass im Verlauf Bruchstücke der Vergangenheiten, der Ursprung von Wut, Misstrauen und (Selbst)Zweifeln (…) ans Licht kommen. Doch diese Informationen ändern leider nichts daran, dass viele der kontroversen Verhaltensweisen und Aussagen ebenso unglaubwürdig scheinen wie die flache Lovestory.

Alea, die auf ihrem Social-Media-Kanal von Selbstliebe- und akzeptanz predigt, die Schönheit des Einzelnen hervorhebt, wirkt nicht, als würde sie das gegenüber ihrem eigenen Spiegelbild empfinden. Ihre vermeintliche Stärke hält sie dadurch aufrecht, dass sie niemanden nah an sich heranlässt. Dabei bröckelt Aleas selbstbewusste Fassade jedes Mal ein Stück mehr, wenn sie ihrem Gewicht mehr Raum gibt, als es tatsächlich einnimmt. Ohne sich einen Moment zu nehmen, um ihren neuen Mitbewohner auf Zeit kennenzulernen, fühlt sie sich durch jede Geste, jedes Wort angegriffen, ist defensiv, wirkt vorverurteilend – nicht, als hätte sie die Sicherheit, den inneren Frieden, mit dem sie sich online schmückt. Zwar ist das in der Realität keine Seltenheit, jedoch fehlte mir in einem Roman, der sich um diese sensiblen Themen dreht, damit wirbt, die nötige Ernst- und Glaubhaftigkeit. Titus ist ein durchtrainierter Fitnessinfluencer, der mit seinem Content motivieren, jedoch nicht optimieren will. Mithilfe seiner Ex hat er sich einen Namen gemacht, sich etwas aufgebaut – und ist auf das Geld aus den Kooperationen angewiesen. Aber der Sport war schon immer mehr für ihn, ein Ventil, etwas, durch das er zumindest in einem Bereich seines Lebens die Kontrolle hat.

Abgesehen davon, dass ich die Umsetzung von

selflove und

bodypositivity nicht optimal fand, war auch der romantische Strang ein blasser. Weder fand eine wirkliche zwischenmenschliche Entwicklung statt noch gab es nennenswerte Gefühle, kein Kribbeln, kein Prickeln. Plumpe Fast-Burn mit typischen Missverständnissen.
Auch Lastellas Stil konnte mich nicht überzeugen, war dieser doch sehr, sehr einfach, regelrecht salopp gehalten, geizte an Raffinesse und Abwechslung.
Dass beide Protagonisten mit problematischen Vergangenheiten kämpfen, lässt die LeserInnen zwar ihr Verhalten, die Verletzlichkeit, die Angst vor Nähe, Einsamkeit, Zurückweisung (…) nachvollziehen, ändert jedoch nichts daran, dass es den Figuren an markanten Eigenschaften mangelte. Wichtige Botschaften wurden in 0815-Phrasen, in bereits tausendmal gelesenen Motivationssprüchen ausgedrückt – sei es im Text oder als Kapitelüberschrift – und haben meines Erachtens nach keinen neuen, bestärkenden Mehrwert.
Hingegen mochte ich das Found-Family-Trope – die Idee mit der Villa, in der Fremde zu Freunden, zu einer kuscheligen, diversen und bunten WG wurden.

Fazit: Ich hatte hohe Erwartungen, die in keiner Weise erfüllt wurden.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Tolle Geschichte, die auch Erwachsene Seufzen lässt.

Pauline & Emma - Auch Filmheldinnen müssen Mist schaufeln
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„Pauline & Emma: Auch Filmheldinnen müssen Mist schaufeln“ ist ein gemütlich-humorvoller Coming-Of-Age Roman von Melody Rose, in der die Temperaturen frostig, aber die Charaktere herzenswarm sind.

In ...

„Pauline & Emma: Auch Filmheldinnen müssen Mist schaufeln“ ist ein gemütlich-humorvoller Coming-Of-Age Roman von Melody Rose, in der die Temperaturen frostig, aber die Charaktere herzenswarm sind.

In neun Tagen endet das Jahr, damit ein neues beginnen kann. Für Pauline heißt das, dass sie nur noch weniger als zwei Wochen Zeit hat, endlich ihr selbstauferlegtes „Must-Do“ zu erfüllen: sich zu verlieben.
Dumm nur, dass ihre Workaholic-Eltern sie gerade jetzt in die Alpen verfrachten, damit die 16-Jährige die Tage bis zum Jahreswechsel nicht alleine verbringt. Und dann auch noch auf einem Bauernhof zu Fremden.
Aller Horrorvorstellungen zum Trotz entwickelt sich dieser winterliche, naturlastige Aufenthalt zu einer intensiven Erfahrung, denn Pauline kommt zum ersten Mal in den Genuss davon, was es bedeutet, Teil einer Familie zu sein. Und ganz nebenbei lernt sie Emma kennen …

Die Autorin schrieb eine zuckersüße Young-Adult-Geschichte, in der sowohl Setting als auch Charaktere toll zur Geltung kamen. Neben Spaß und Witz finden sich wichtige Themen, die auf eine einfühlsame Art behandelt werden und dadurch ausreichend Raum geben, um sich mit diesen und den Protagonistinnen zu identifizieren.

Paulines Gefühlswirrwarr – Wut und Enttäuschung, der Gedanke, nicht gewollt, nicht wichtig zu sein, waren greifbar und verständlich. Auch wie sie sich mit ihren Empfindungen bzgl. ihrer Eltern auseinandersetzt wurde ebenso authentisch aufgegriffen wie Paulines Schmetterlinge, die bei Emmas Anblick, in der Nähe des schönen, bodenständigen Mädchens, aufgeregt in ihrem Inneren flattern.
Das Mehrgenerationen-Leben der Familie des Bergbauernhofs war dicht und herzlich – obwohl ich weder Fremden noch dem Winter etwas abgewinnen kann, wäre ich Pauline gerne in diese liebevolle Umgebung, in der es Verständnis, aber auch Verantwortung und Pflichten gibt, gefolgt.
Zaghaft und sanft, begleitet von einem Hauch Unsicherheit, nähern sich die Mädchen an. Ihre Gespräche sind ehrlich und ernst, aufschlussreich und hoffnungsvoll. Jedoch können weder Harmonie noch Verliebtsein etwas an der Tatsache ändern, dass sich die Wege der Teenagerinnen nach den Ferien trennen. Und gleichgeschlechtliche Liebe noch immer mit Vorurteilen bedacht wird, vor allem in einem traditionellen Dorf …

Ob die beiden Alternativen, Kompromisse und den Mut finden, etwas zu wagen und zu ihren Gefühlen zu stehen? Solltet ihr unbedingt in diesem wunderbaren Roman nachlesen.

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