Profilbild von Franci

Franci

Lesejury Star
offline

Franci ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Franci über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2025

Wunderschöne Verpackung, deren Inhalt zu wünschen übrig lässt.

Fatal Secrets
0

„Fatal Secrets“ in der erste Dark-Romance aus der Feder von Sarah Saxx und kommt in einer wunderschönen Aufmachung daher.

Als Jaxon Ragsdale eines Nachts erfährt, dass seine Schwester von einer Party ...

„Fatal Secrets“ in der erste Dark-Romance aus der Feder von Sarah Saxx und kommt in einer wunderschönen Aufmachung daher.

Als Jaxon Ragsdale eines Nachts erfährt, dass seine Schwester von einer Party verschwunden und nicht mehr auffindbar ist, versucht er alles, um sie, endlich frei von sämtlichen Verdächtigungen seiner Person, ausfindig zu machen. Wie hätte er ahnen können, in welches tödliche Wespennest er sticht?
Erst seit wenigen Wochen in den Staaten, fällt die Französin Soléne plötzlich aus den Rosa Wolken, als sie Nachrichten aus der Heimat erhält, die in ihr nichts anderes als den Fluchtinstinkt auslösen. Hauptsache weg, weg von dem Mann, den sie glaubte zu lieben...

Abwechselnd verfolgen wir das Geschehen in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive beider. So lernen wir den vor Wut rasenden Jaxon kennen, sind Teil seiner Versuche, die Unfähigkeit der Ermittelnden auf eigene Faust auszugleichen, bekommen einen Einblick in Solénes Leben und sind dabei, wenn sich ihre Wege auf unschöne Weise kreuzen. Nicht zum letzten Mal. Schon bald helfen sie einander, denn die junge Frau braucht Schutz und sie könnte diejenige sein, die Jaxon zu seiner Schwester führt – durch Abgründe und Gräuel. Höhen und Tiefen.

Saxx' Stil empfand ich als überraschend einfach und unspektakulär, sodass Gefühle und Spannung nur teilweise ihre Wirkung entfalten konnten. Sowohl der Story selbst als auch den Charakteren fehlte es an Tiefe, dafür konnte ich mich nicht des Eindrucks verwehren, dass irrelevante Szenen künstlich in die Länge gezogen wurden und hier und da der eigentliche Fokus verloren ging. Abgesehen von den berührenden, leider nie an Aktualität und Wahrheit verlierenden Themen, die die Grundlage des Romans bilden, von Entführung, Menschenhandel, Missbrauch und Demütigung, finden wir im ersten Band der Dilogie Blut und Tod, Verfolgung, Flucht und Rettung. Diese Ereignisse sorgen für Tempo, bringen die kurzweilige Story flott voran, während Ermittlungen und die Frage nach Carolines Verbleib, nach Romains Wahrheiten das Interesse gewissermaßen aufrechterhalten. Eher im Hintergrund blieben der Romance-Aspekt und die (romantische) Entwicklung. Prinzipiell für mich nicht schlecht, aber Knistern und greifbare Emotionen hätten dieser Dynamik deutlich mehr Authentizität verliehen.
Die einen oder anderen spannenden, aufregenden Sequenzen samt der von Misstrauen und Vorsicht durchzogenen Atmosphäre fand ich gut inszeniert, auch dem Schock, der Angst und Verzweiflung konnte ich mich nicht entziehen. Saxx beendet den Auftakt der Dilogie mit einem dramatischen Cliffhanger, der neugierig darauf macht, wie es in dem Alptraum, in dem sich Jaxon und Soléne befinden, weitergeht …

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2025

Sehr gekonnter Mix aus Geheimnissen, Spannung und Romantik.

Kodiak Echoes – Hide me
0

Nachdem die Software-Entwicklerin Brynn Callahan ein schweres Verbrechen aufgedeckt hat, taucht sie im Zeugenschutzprogramm unter. Ihre neue Identität führt sie nach Kodiak Island, Alaska. Genauer gesagt ...

Nachdem die Software-Entwicklerin Brynn Callahan ein schweres Verbrechen aufgedeckt hat, taucht sie im Zeugenschutzprogramm unter. Ihre neue Identität führt sie nach Kodiak Island, Alaska. Genauer gesagt in die beschauliche und äußerst gemütlich wirkende Kleinstadt Echo Cove. Doch was so soft und ruhig anmutet, entpuppt sich bald als Ort mit einer grauen Vergangenheit, voller menschlicher Abgründe.

Mit „Kodiak Echoes – Hide Me“ gelang Julia Pauss ein mitreißender Roman, in dem sich Romantik und Spannung angenehm die Waage halten. Während wir in die atmosphärische Kulisse eintauchen, dringen wir tiefer in die Geschichte von Echo Cove und in die Geheimnisse der BewohnerInnen ein.

Brynn, ihre Zweifel und inneren Kämpfe, wurden authentisch und nahbar dargelegt – die IT-lerin ist weder besonders mutig noch tapfer, ringt mit ihren Überzeugungen und ihren Gefühlen, sehnt sich danach, die Kontrolle über sich und ihr Leben zurückzugewinnen. Dafür schwillt in ihr ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, der sie auch in ihrem neuem zu Hause nicht loslässt.
Archer Flint, der seit einem Vorfall, der ein Jahrzehnt zurückliegt, von den eigenwilligen Einheimischen gemieden wird, ist ein verschlossener Wildhüter, einsam und nicht gewillt, Vorurteile und Gerüchte an sich heranzulassen. Beide kämpfen mit dem, was ihnen widerfahren ist, und vielleicht ist es das, was sie zueinander führt …

Brynn und Archer lernen sich langsam kennen, aus ihren Begegnungen entwickelt sich eine echte Dynamik, die von Respekt und Verständnis, von (Für)Sorge und Vertrauen geprägt wird. Nach und nach sieht sich Brynn in der Pflicht, den damaligen Ereignissen nachzugehen, für Archer. Für den Mann, den sie in ihm sieht. Doch die Erforschung dieses Cold Cases bietet allerhand Gefahren und Risiken, gibt es zu viele Menschen, die diesen Fall nicht erneut aufrollen wollen …

Pauss baut Stück für Stück Spannung auf, die sich wunderbar in die Wildnis Alaskas, in das starre, verschwiegene Echo Cove schmiegt. Neue Erkenntnisse und Entdeckungen sind sinnvoll platziert und Reaktionen und Konsequenzen nachvollziehbar inszeniert. Etliche Wendungen sorgen für Überraschungen, während die Autorin die LeserInnen gekonnt mit Hinweisen ködert, sie voll und ganz in die Story und das Netz aus Lügen zieht. Misstrauen und eine unterschwellige Gefahr, eine bedrohliche Stimmung begleiten das Geschehen, in dem die Romance authentisch mit fließt, ohne überdramatisiert und konstruiert zu wirken. Ebenso hervorragend gelang die Charakterzeichnung und die individuelle wie zwischenmenschliche Entwicklung. Dass einzelne Nebenfiguren samt deren Eigenheiten stärker herausgearbeitet wurden, gibt der Handlung, wie auch die aufgedeckten Geheimnisse, Griffigkeit.

Fazit: Ein spannender, durchdachter Roman, der mit Abwechslung und einer wunderschönen Kulisse, nahbaren Figuren und einer Fülle an Emotionen überzeugen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2025

Intrigen, Spaß und Spannung samt einer mitreißenden Romance

Game of Hearts – No Rules (St. Gloria College 1)
0

Ein Elite-College in der Schweiz.
Zwei rivalisierende Studentenverbindungen.
Und eine Liebe, die inmitten von Intrigen, Geheimnissen und Missgunst nicht erblühen kann.

Endlich öffnet Yvonne Westphal die ...

Ein Elite-College in der Schweiz.
Zwei rivalisierende Studentenverbindungen.
Und eine Liebe, die inmitten von Intrigen, Geheimnissen und Missgunst nicht erblühen kann.

Endlich öffnet Yvonne Westphal die Tore des St. Gloria Colleges, führt uns in prunkvolle Räumlichkeiten, auf elegante Partys und zwischen die Häuser Alpha und Omega, zwischen die Fronten von Felicia de Vries und Valentin Knight. Macht euch bereit: Denn von manchen Schlachtfeldern geht niemand als GewinnerIn.

Erzählt wird hauptsächlich aus der Sicht der 21-jährigen Alpha-Präsidentin, die sich ihren Posten hart erarbeitet hat. Ihre Aufgabe – das Ziel – ist es, innerhalb ihres Senior-Jahres das „Gloria cum laude“ zu erhalten. Denn mit diesem stehen den Studierenden die Wege der Zukunft offen.
Dass der amtierende Präsident von Omega ein ernstzunehmender Konkurrent und hervorragend in den intriganten Spielchen der Reichen und Schönen ist, ist allseits bekannt. Doch davon lässt sich Felicia nicht einschüchtern. Zu viel steht für sie auf dem Spiel. Schon bald noch mehr als die Wahl ihrer Universität und ihr exzellenter Ruf …

Yvonne Westphals Stil ist wie gewohnt sehr schön zu lesen, authentisch, schnörkellos und dem noblen Setting entsprechend. Gekonnt führt uns die Autorin durch die Story, stellt uns die Protagonisten, ihr Wesen und ihre Intentionen vor und spickt den Verlauf mit den originellen Regeln, Abläufen und Hierarchien des St. Gloria Colleges.
Felicia, aufgrund ihrer Herkunft deutlich demütiger in ihrem Auftreten, verkörpert die besonnene, ambitionierte Vorzeigeschülerin. Bis sich alles ändert und gerade Valentin dazu imstande scheint, Felicias Impulsivität hervorzukitzeln, ihre Wahrheit. Denn hinter sanft und pastellig versteckt sich eine leidenschaftliche junge Frau, eine Kämpferin – die es versteht, die Regeln der Elite zu erlernen.
Zwar kommt der Knight-Sprössling hier und da auch zu Wort, lässt uns teilhaben an seinen widersprüchlichen Empfindungen, an seinem Drang, die Präsidentin der Alphas aus der Reserve zu locken, sie herauszufordern, kann aber den mysteriösen, unnahbaren Mantel nie ganz ablegen. Und doch zeigt sich eine unerwartete Verletzlichkeit unter seiner Härte, gut versteckte Selbstlosigkeit.
Welch Intensität zwischen ihm und ihr entsteht … damit konnte wohl niemand rechnen.

Nach einem eher verhaltenen Einstieg entpuppt sich „Heart of Games: No Rules“ rasch als spannend, wendungsreich und emotional. Unterhaltsame Gossip-Girl-Vibes steuert das Morning Glory bei, während Hazel, Nikoley und Anastasia die Storyline mit individuellen Eigenschaften und Problemen bereichern. Auch das Geplänkel und der spritzige, oft anzügliche Schlagabtausch zwischen de Vries und Knight sorgen für Witz. Die Hauptfiguren wurden charmant, mit Hintergründen und nachvollziehbaren, echten Struggeln gezeichnet. Zu keiner Zeit gingen das pompöse Ambiente oder der Status der Studierenden verloren. Die gänzlich verschiedenen Familien beider waren interessant eingebunden, ebenso wie Raum für andere CollegestudentInnen geschaffen wurde, die teilweise vor nichts zurückzuschrecken scheinen.
Westphal kreierte eine Atmosphäre, die von Misstrauen, einen Verlauf, der von Hinterhältigkeiten durchzogen ist, von der Frage, wer wirklich Verbündete/r, wer FreundIn ist – denn im Kampf der konkurrierenden Häuser zählen vor allem Einfluss und Macht.

Die expliziten Szenen waren geschmackvoll und passend inszeniert, viele Momente laden zum Mitfiebern - und fühlen ein, steigern das Tempo und die Aufregung. Das Streben nach Anerkennung, Zugehörigkeit und Perfektion wird ebenso thematisiert wie die zu hohen Erwartungen an das erste Mal, (Leistungs)Druck und das Leben in der Öffentlichkeit, wo jede Belanglosigkeit ein Fehler werden kann.
Ein wenig untergegangen ist der Unterricht selbst. Felicias Entwicklung geschah mir ein wenig zu abrupt und so manch' Missverständnis und Konflikt hätten durch klare Worte und Zuhören weitaus schneller beseitigt werden können.

„Heart of Games: No Rules“ endet rund und macht zeitgleich Lust auf Bianchis Geschichte – und auf noch mehr Gossip.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2025

So ein gutes, echtes Buch.

People Pleaser
0

„𝗔𝗹𝗲𝗸𝘀 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸 𝘀𝗲𝗶𝗻. 𝗙𝘂𝗲𝗿 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗲𝗹𝗯𝘀𝘁.
𝗜𝗰𝗵 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸 𝘀𝗲𝗶𝗻. 𝗙𝘂𝗲𝗿 𝗮𝗹𝗹𝗲 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲𝗻.“
______________

Nina ist harmoniebedürftig und erfolgsorientiert, meidet Konflikte jeglicher Art und kann die Vorstellung, ...

„𝗔𝗹𝗲𝗸𝘀 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸 𝘀𝗲𝗶𝗻. 𝗙𝘂𝗲𝗿 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗲𝗹𝗯𝘀𝘁.
𝗜𝗰𝗵 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸 𝘀𝗲𝗶𝗻. 𝗙𝘂𝗲𝗿 𝗮𝗹𝗹𝗲 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲𝗻.“
______________

Nina ist harmoniebedürftig und erfolgsorientiert, meidet Konflikte jeglicher Art und kann die Vorstellung, eine Enttäuschung oder nutzlos zu sein, nicht ertragen. Unentwegt drehen sich ihre Gedanken um Schulstoff und gute Noten, die nie abnehmende To-do-Liste ihrer Mutter und um die Möglichkeiten, ihren FreundInnen zu helfen – sei es mit einem offenen Ohr oder Deeptalk. Denn nur wenn Nina unermüdlich an andere denkt, sie unterstützt, gibt, Ratschläge parat hat, kann die Abiturientin ihre Existenz rechtfertigen. Und außerdem: Die Frauen ihrer Familie halten es seit Generationen so. Da ist doch nichts dabei …

Nun, während wir die Ereignisse aus „People Pleaser" verfolgen, wird schnell klar: Da ist eine Menge dabei! Aktuell fokussiert auf die „Probleme" ihrer besten Freundin und die Hintergründe von Teonas Veränderung, nicht sicher, wie sie die Freundschaft kitten soll, stürzt sich Nina in skurrile, übergriffige Aktionen. Eine davon: Sie will den augenscheinlichen Bad-Boy und Teos Loveinterest „fixen" – damit diese eine gesunde Beziehung führen und endlich emotionale Bindungen zulassen kann.
Allen Vorurteilen Nikolinas zum Trotz stößt sie durch ihren Therapieversuch auf Aleks' Wahrheiten. Und dann ist da noch Finn, Ninas nerdiger Streber-Konkurrent …

In einem locker-leichten Ton, der uns eine gewisse Zugehörigkeit vermittelt, führt uns die Autorin direkt in das Geschehen. Dass sich Anna Dimitrova eines typischen Jugendslangs, echter Probleme sowie gewichtiger Themen, mit denen nicht einzig junge Menschen kämpfen, bedient, trägt merklich zur Authentizität dieses Romans bei.
Erzählt wird hauptsächlich aus Ninas Perspektive, so dass wir einen Eindruck ihres Alltags und ihrer Gefühlswelt bekommen. Nicht nur in ihrem heroischen Verhalten, auch in ihrem Kleidungsstil und der mangelnden Selbstfürsorge ist deutlich, dass die engagierte Jugendliche keinen Raum beanspruchen, nicht auffallen und vor allem keine Last sein will. So extrem ihre „Hilfe" und ihre Bemühungen auf Außenstehende wirken: Nikolina ist felsenfest davon überzeugt, alles und nur Gutes für ihre FreundInnen zu tun, damit es diesen an nichts fehlt.
Je mehr wir in Ninas Persönlichkeit und ihr Umfeld, in ihre Familie – in der die überall helfende Workaholic-Mum den größten Raum beansprucht – eindringen, je öfter wir ihre Versuche, „Unterstützung zu leisten", verfolgen, umso gewahrer werden uns die Selbstzweifel, die Unzulänglichkeiten und Ängste … Umso tiefer berühren Ninas unterschwellige, sich selbst abwertende Gedankenspiralen und Bemühungen.
Durch Kapitel aus Aleks' und Finns Sicht erhält die Handlung zusätzlich Tiefe und ein ‚Mehr' an Konflikten – sowohl der sportaffine Muskelmann als auch der aufmerksame Streber ringen mit sich, ihrem Leben – und ihren Müttern. Wir bekommen einen greifbaren Eindruck dieser unterschiedlichen Charaktere und ihrer Struggles, können verstehen. Nur Teos Situation verfolgen wir einzig von außen – typisch, denn sie lässt niemanden an sich heran.

„𝐏𝐞𝐨𝐩𝐥𝐞 𝐏𝐥𝐞𝐚𝐬𝐞𝐫: 𝐄𝐢𝐧𝐞 𝐟𝐮𝐞𝐫 𝐚𝐥𝐥𝐞 𝐮𝐧𝐝 𝐚𝐥𝐥𝐞 𝐟𝐮𝐞𝐫 𝐬𝐢𝐜𝐡“ hat mich begeistert und sehr bewegt. Der Mix aus ernsten, aktuellen Problematiken, Gefühlschaos und Humor – wie oft musste ich aufgrund amüsanten Geplänkels lachen? – war hervorragend. Es ist ein leichtes, sich mit den Figuren – hauptsächlich einer Clique, die sich aus verschiedenen Kulturen zusammensetzt – zu identifizieren, sich hier und da wiederzufinden. Zusätzlich wurde dieser Roman durchweg abwechslungsreich und interessant gehalten, war spannend, spaßig und emotional.
Dimitrova animiert gekonnt zum Spekulieren und Mitleiden, zum schwer Seufzen, und weckt den Drang, die People-Pleaserin zu schütteln – und in den Arm zu nehmen.
Ah! Und die Liebe. Der schüchtern-romantische Aspekt ist ebenfalls gegeben und das auf eine süße, herzerwärmende Art.
Abgesehen von Nina und Teo, deren Freundschaft trotz der aktuellen Distanz besonders und intensiv, wenn auch in diesem Moment nicht ausbalanciert und stellenweise ungesund wirkt, stehen Aleks und Finn, die, je besser man ihr wahres Ich kennenlernt, absolute Traumtypen sind, im Vordergrund.

Es braucht Zeit und schmerzliche Wahrheiten, bis Nina verstehen kann, was falsch läuft, und bereit ist, sich zu entwickeln, mutig zu sein und dem Ursprung ihres maroden Selbst auf den Grund zu gehen. Die diversen Probleme werden in einer stimmigen und dem Alter entsprechenden Weise reflektiert und ergründet, Gespräche werden gesucht und Tränen vergossen. Nikolina muss sich erst verlieren, überwinden, um letztlich zu sich selbst zu finden.
Ob diese Erkenntnisse zu spät kommen oder ob ihr ihre „Projekte“ verzeihen?

„People Pleaser“ erzählt von schier endlosem (Leistungs)Druck, innerfamiliären Konflikten und utopischen Erwartungen, von Versagens- und Verlustängsten und von dem Drängen, einen Grund für das eigene Dasein finden zu müssen. Anna Dimitrova beschäftigt sich in ihrem Buch mit Kindheitstraumas, toxischen Beziehungen und toxischer Männlichkeit, mit Selbstzweifeln, Minderwertigkeitsgefühlen sowie schweren psychischen Problemen und destruktiven Bewältigungsstrategien. Die Autorin entstigmatisiert Therapie, nimmt das Tabu von „sich professionelle Hilfe suchen“ und generiert Aufmerksamkeit für Essstörungen – gemeinhin als „weiblicher Struggle" degradiert, werden LeserInnen hier endlich (!) mit der Realität konfrontiert: (psychische) Erkrankungen sind niemals geschlechtsspezifisch.
Wir begegnen verschiedenen Jugendlichen an der Grenze zu Eigenständigkeit und Erwachsensein, auf der Suche nach einem Platz, Stabilität, nach einem Halt.

So ein Buch ... so ein Buch sollte doch in Schulen liegen.. ♡

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2025

RomCom mit interessantem Setting und berührenden Themen.

How To End A Love Story
0

Angeteasert als »eine der besten Liebesgeschichten des Jahres!« und in Kombination mit einem vielversprechenden Klappentext musste ich „How to end a Lovestory“ unbedingt eine Chance geben. Verlust, Trauma, ...

Angeteasert als »eine der besten Liebesgeschichten des Jahres!« und in Kombination mit einem vielversprechenden Klappentext musste ich „How to end a Lovestory“ unbedingt eine Chance geben. Verlust, Trauma, mentale Probleme und eine Quasi-Second-Chance – zumindest auf ein Kennenlernen – klangen einfach nach viel Herzschmerz. Und ja, vor allem in den letzten zwanzig Prozent bekommen wir etliche Emotionen um die Ohren gehauen, Überlegungen, die tief treffen, eine starke charakterliche Entwicklung sowie einen Mix aus Abschiedsschmerz, Loslassen und neu Anfangen. Die Handlung zuvor? Nun...

Yulin Kuang, selbst Drehbuchautorin und Regisseurin, bediente sich passend einer Rahmenhandlung, die die Produktion einer Serie umreißt. Hat es an Details über die Arbeit am Set gefehlt, mangelt es der Story zumindest nicht an zähen Stellen.
Der Stil ist eigentlich sehr gut, modern und detailreich, aber aufgrund der personalen Erzählweise durchgehend auf Distanz bedacht. Es fiel mir gerade zu Beginn schwer, aufrichtig mitzufühlen, andererseits gab es vieles, das ich aufgrund der authentischen Ausarbeitung verstehen konnte.

Bspw. Helens widersprüchliche, aber absolut echte Empfindungen. Hält sie sich zu keiner Zeit für liebenswert und gut genug; ist nie frei von Wehmut und der Scham, die sie stetig bei der Erinnerung an ihr letztes Gespräch mit Michelle, für die sie nicht ausreichte, befällt; ist noch immer wütend auf sich selbst, die Umstände und den Menschen, der ging, noch immer in Trauer, hegt die [fiktive] Autorin doch auch Gedanken über und Gefühle für ihre Schwester, die weit entfernt von rosa glänzend und Lobeshymnen sind. Auch Helens nie pausierende Suche nach Antworten und Gründen wird mehrfach aufgegriffen. Genauere Einblicke in Grant und auf seinen Lebensweg hätten die Handlung mit Sicherheit emotional aufgewertet. Der Drehbuchautor ist ein unglaublich guter Mensch, ein Mann zum Verlieben, dem es weder an Ernst noch an Humor, nicht an Leidenschaft und Tiefe fehlt. Dass er mit dem, was vor dreizehn Jahren geschah, kämpft und hadert, ist durchweg ersichtlich, wenn sich die im Klappentext erwähnte Angststörung auch nur in zwei, drei Szenen zeigt und dies sichtlich „bemüht“ wirkt.

Nichtsdestotrotz waren beide Protagonisten gut gezeichnet, im Gegensatz zu dem Übergang ihres Verhältnisses – von unfriendly zu strangers-to-friends zu love-interests in unter zwei Seiten. Ungefähr. Diese Entwicklung selbst war nicht sonderlich griffig, dafür gab es wunderbare Zweisamkeitsszenen danach. Ungeschönte, offene Gespräche, direkt und ehrlich – was Helens Versuche, sich vehement und bewusst gegen ein Mehr als nur Spaß zu sperren, nicht stoppt und sie auch nicht von der Haltung, eine Beziehung mit DIESEM Mann sei ein Tabu, abbringt …
Die expliziten Szenen setzt Kuang punktgenau und sehr spicy ein, ebenso wie den Witz, der der Geschichte trotz der tragischen Ausgangssituation, all der Selbstzweifel und des Lebensschmerzes innewohnt.
Im Gesamten gingen die Nebenfiguren ein wenig unter, wobei diese zumindest in relevanten Momenten präsent waren.

Zu Beginn vielleicht gewöhnungsbedürftig war der perspektivische Aufbau, wechselt diese doch mitten im Kapitel, einzig durch eine Leerzeile kenntlich. Hier und da wird man somit unweigerlich aus einer Szene gerissen, gleichzeitig erhält die Storyline dadurch ein gewisses Tempo.
Helens Beziehung zu ihren Eltern ist übrigens ein weiterer Punkt, der viel Gewicht bekommt – ich war hin- und hergerissen zwischen „Behaupte dich! Du bist über 30 Jahre!“ und „Omg. Ich kann’s so verstehen!“ Auch diese wichtige Problematik – für andere ein gutes, sorgenfreies Leben zu führen und Erwartungen zu erfüllen – findet, wie vieles andere, eine ausreichende Aufarbeitung und einen stimmigen Abschluss.

Insgesamt wartet in „How to end a Lovestory“ eine rührende Liebesgeschichte, die abgesehen von den erwähnten Schwächen mit Witz und Gefühl erzählt wurde, nicht an überraschenden und einheizenden Momenten sowie tiefschürfenden Erkenntnissen, nicht an Konflikten und Problemen geizt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere