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Veröffentlicht am 21.10.2024

Eine Geschichte wie eine lange, eine sehr, sehr lange Umarmung.

The Blackbird Oracle
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Hexen, Vampire, Geheimnisse und dunkle Magie – der Klappentext verspricht perfekten Lesestoff für den Herbst. Gewissermaßen stimmt das auch, denn aufgrund eines atmosphärischen Stils und einer regennassen, ...

Hexen, Vampire, Geheimnisse und dunkle Magie – der Klappentext verspricht perfekten Lesestoff für den Herbst. Gewissermaßen stimmt das auch, denn aufgrund eines atmosphärischen Stils und einer regennassen, düsteren Stimmung bietet „𝐓𝐡𝐞 𝐁𝐥𝐚𝐜𝐤𝐛𝐢𝐫𝐝 𝐎𝐫𝐚𝐜𝐥𝐞“ gemütliche Stunden. Zumindest für geduldige LeserInnen. …

Diana Bishop stammt von einem alten, mächtigen Hexengeschlecht ab, jedoch bekam die Historikerin nie die Möglichkeit, ihre vollen Kräfte zu entfalten. Gemeinsam mit ihrem 1500 Jahre alten Mann, dem Naturwissenschaftler Matthew Clairmont, und ihren siebenjährigen Zwillingen führt sie ein weitgehend normales Leben. Bis zu dem Tag, an dem eine »Einladung« – oder eher Aufforderung – von der Kongregation eintrudelt, die die Zukunft von Becca und Phil außerhalb der Reichweite ihrer Eltern lenken könnte, und Prophezeiungen den Alltag der kleinen Familie durcheinander bringen. Diana bleibt nichts anderes übrig, als sich ihrer Vergangenheit zu stellen – und ihre wahre Macht zu entdecken …

Deklariert wurde dieses wunderschön aufgemachte Buch als »neuer Roman«, der ein paar Jahre nach der „All Souls“-Trilogie spielt, aber unabhängig dieser Serie gelesen werden kann. Ich könnte mir aber vorstellen, dass LeserInnen, die Vorwissen haben, sich nicht nur besser zurechtfinden, sondern auch deutlich mehr Freude hieran haben als solche, wie ich. Auch die Genrezuteilung ist fraglich: Romantasy? Ist das denn die neue, allgemeine Deklaration für eine Geschichte mit einem Paar?

Zu Beginn bekommen wir Einblicke in das gemächliche Leben von Diana und Matthew, bis sich die Hexe aufmacht, Familiengeheimnisse zu entschlüsseln und verdrängte Ängste, vor allem vor der Kraft, die in ihr schlummert, zu überwinden.
Nun … Ich hatte wirklich viel erwartet. Das Geschehen dreht sich hauptsächlich um Bishop und ihren ausufernden Stammbaum, um das Entdecken der Magie und die Gegebenheiten der Hexenwelt. Alles nicht schlecht – doch abgesehen des flüchtigen historischen Bezugs zu den Prozessen von Salem und Dianas Versuch, sich gegen die Verlockungen der Dunkelheit zu stemmen, nichts, was einem Plot Spannung verleiht. Dabei weckte die Autorin öfter das Gefühl unguter Vorahnungen, lässt auf Bedrohung und alles verändernde Ereignisse hoffen, um diese »Möglichkeiten« zumeist ungenutzt verstreichen zu lassen.

Deborah Harkness Stil ist definitiv sehr detailreich, soft, einlullend.
Versteht mich nicht falsch: Ich mag die bildhafte Sprache und poetische Inszenierungen, liebe es, wenn Charaktere und Worldbuilding merklich ausgearbeitet wurden. Jedoch mangelte es in entscheidenden, mystischen Momenten, in Szenen, die Fahrt aufnehmen könnten, an Beschreibungen, während sonst scheinbar alles in die Länge gezogen werden wollte. Vieles wirkte oberflächlich, NeuensteigerInnen haben keinen Bezug zu bestimmten Figuren und Erwähnungen, sodass diese Ausschweifungen es unweigerlich erschwerten, der sowieso schon schleppenden, seichten Storyline aufmerksam zu folgen. Raum für Twists und Action, den gab es, aber der Roman plätschert gemächlich vor sich hin, wurde durch etliche Namen, Verbindungen und Beziehungen auch nicht sonderlich aufgewertet. Wenn auch die eine oder andere familiäre Diskussion unterhaltsamer und interessanter Natur war, fehlt es an Vorankommen und – selbst durch überraschende Offenbarungen und viel Gefühl – irgendwie an einer Handlung.
Ebenfalls leider ein Kritikpunkt: die Beziehungen des Ehepaars und die Statistenrolle von Clairmont – wer einen feurigen Vampir an der Seite der Hexe erwartet, Knistern und Funken sucht, wird wahrscheinlich nicht fündig werden. Dabei ist doch die Ausgangslage SO gut!
Zumindest die Protagonistin und die Zwillinge bekamen Tiefe und individuelle Züge, die auf die Entwicklung in etwaigen Folgebänden neugierig machen.

Die gesamte Idee hätte so viel Potenzial für Aufregung, Leidenschaft, Spannung und Gefahren gehabt, nun ja – letztlich ist „The Blackbird Oracle“ kein schlechtes Buch. Empfehlen würde ich diese Schönheit allen, die die „All Souls“-Serie kennen, und jenen, die eine gemütliche Urban-Fantasy-Geschichte inkl. düsteren Vibes wollen.

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Veröffentlicht am 19.10.2024

Über Geheimnisse, Vergebung und Loslassen.

Even If I fall
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Habt ihr euch mal gefragt, wie es der Familie eines Moerders (er)geht? Nein?
„Even if I fall“ beschäftigt sich mit dieser sensiblen, selten gestellten Frage, mit einer Situation zwischen Abscheu und Liebe.
Es ...

Habt ihr euch mal gefragt, wie es der Familie eines Moerders (er)geht? Nein?
„Even if I fall“ beschäftigt sich mit dieser sensiblen, selten gestellten Frage, mit einer Situation zwischen Abscheu und Liebe.
Es war dieser eine Tag, im letzten Jahr, der die Realitäten zweier Familien von einem auf den anderen Augenblick für immer veränderte … Jener, an dem Jason seinem besten Freund das Leben nahm. Seit er geständig und in Handschellen hinter Gittern wanderte, ist es, als wären auch seine Eltern und Geschwister verurteilt worden. Brookes zu Hause, erfüllt von lautem Schweigen, stechender Ignoranz und bitteren Tränen. Die vielen Fragen nach dem „Warum?“ haben die junge Frau keinen Moment losgelassen – ebenso wenig wie das Gefühl, selbst schuldig zu sein. Eine Schuld, die die BewohnerInnen von Telford schüren. Mit Mobbing, Ausgrenzung, Anfeindung …

Abigail Johnson konzipierte eine rührende Geschichte, die sich untypischerweise auf Umstände, Empfindungen und den Zwiespalt von Angehörigen eines Schwerverbrechers fokussiert. Neben den Problemen, die in den eigenen vier Wänden Einzug hielten, den individuellen Versuchen, mit den Geschehnissen umzugehen, spricht die Autorin auch Vorverurteilung, Schubladendenken und Sensationsgier sowie die Erwartungen Außenstehender und (Cyber)Mobbing an.

Erzählt wird aus Brookes Perspektive. Von FreundInnen verraten und isoliert, von Blicken und Alpträumen verfolgt. Seit letzten Sommer muss sie hilflos mit ansehen, wie sich ihre Eltern in Trauer und Selbstgeißelungen verlieren, ihre Schwester stetig mehr einem Schatten gleicht. Der Traum von einer professionellen Karriere auf dem Eis zerplatzt – unter der Last der Sorge, dem drängenden Pflichtgefühl. Nur in Maggie, frisch in der Kleinstadt angekommen, sieht sie eine Freundin. Eine, die nichts von dem Drama weiß, die nie die Wahrheit erfahren darf … Und als der regennasse Zufall die Wege von Brooke und Heath zusammenführt, fühlt sich die Eiskunstläuferin auf gewisse Art … verstanden und gehört. Aber eine Freundschaft ist unmöglich, Liebe darf nicht sein. …

»Du bist nicht dein Bruder!«

Johnson schafft es, die Hilflosigkeit, das Unverständnis und die Trauer, pure Verzweiflung durch die Seiten fließen zu lassen. Schmerzhaft echt. Auch von dem Hass, den die Gemeinschaft Telfords versprüht, bekommen wir eine Kostprobe. Obgleich die Geschichte ausschließlich in der Gegenwart spielt, ist die Veränderung dank kleiner Erinnerungen – wehmütige, sehnsuchtsvolle – deutlich. Heute ist Jasons Familie zer- und gebrochen. Lediglich die wenigen Momente auf dem Eis und die Dynamik von Maggie & Brooklyn brachten hier und da Leichtigkeit mit, wenn auch weder Vorsicht noch Anspannung ganz verschwanden. Selbst die zaghafte Annäherung von Heath und der Schwester des Moerders, der ihm etwas Wichtiges nahm, wird rege von Distanz unterbrochen, bleibt konfliktreich.
Doch dem grausamen Bindeglied, dem klaffenden Graben, der sie für immer trennen wird, zum Trotz ist er bereit, ihr zu helfen. SIE zu sehen, und niemanden sonst.

Dieser Young-Adult-Roman ist oft melancholisch, regt zum Nachdenken an und wurde auf eine klare, intensive Art geschrieben, die die unterschiedlichen Gefühle greifbar transportiert. Ich verstand Brookes Zweifel, ihr Festhalten an der Suche nach einer anderen Wahrheit, ihren Wunsch, Maggie für sich zu behalten; ihre Scham, die Wut. Der Ansatz einer romantischen Entwicklung ist vorhanden, jedoch steht diese weder im offensichtlichen Fokus noch wurde sie derart ausgearbeitet, dass man von einem Liebesroman sprechen könnte. Einblicke in die Hinterbliebenen des Opfers sind rar, dabei hätten zumindest einige Kapitel aus der Sicht von Calvins Bruder dem Geschehen mehr Antrieb, Abwechslung und Tiefe verliehen. Manche Szenen und Gedankengänge waren sprunghaft; der Verlauf seicht und ereignislos, ohne langweilig zu sein. Bis … Brooke Ungereimtheiten auffallen, die ihre Fragen vervielfachen; die sie drängen, nachzuforschen, was in jener Nacht wirklich geschah. An diesem Punkt steigen die unterschwellige Spannung, die Hoffnung, die Neugier. Vermutungen werden geschürt.
Letztlich überrascht die Autorin mit ungeahnten, tragischen Offenbarungen … denn Brooklyn konnte nicht ahnen, welche Fassaden sie zum Einsturz bringt.

„Even if I fall“ ist ein bewegender Roman. Traurige, wehmütige Töne verbinden sich mit einem Funken Aufregung zu einer originellen, wendungsreichen Story.

»Es ist einfach, in den Gesichtern der Menschen Hass zu sehen, wenn man danach sucht.«

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Gute Fortsetzung.

Der Kampf um Tokito - Aufstieg des Schmetterlings
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„Die Clans von Tokito“ – ein Fantasy-Roman, der sich vielseitiger Begeisterung erfreuen durfte. Den Hype hatte ich damals bewusst ausgelassen und erst vor einigen Wochen zu der Geschichte gegriffen. Ganz ...

„Die Clans von Tokito“ – ein Fantasy-Roman, der sich vielseitiger Begeisterung erfreuen durfte. Den Hype hatte ich damals bewusst ausgelassen und erst vor einigen Wochen zu der Geschichte gegriffen. Ganz ehrlich? Ich fand vieles durchaus interessant, aber ein Highlight wurde die Story für mich nicht.
In „Aufstieg des Schmetterlings“ geht's nun weiter …

Um Zugang zu den bisherigen Geschehnissen zu bekommen und sich in den Gegebenheiten – komplex, originell, gefährlich – zurechtzufinden, wartet zu Beginn eine kleine Zusammenfassung.
„Tokito“ wird von sechs Clans beherrscht, die den Zugehörigen den in dieser Welt dringend benötigten Schutz geben. Erzählt wird wieder aus drei Perspektiven:

Erin, die mittlerweile nicht nur vor den Schwierigkeiten steht, sich anzupassen, einzugliedern und einen Job zu finden, hadert jetzt auch mit der Existenz des Distelkönigs. Dem Dämon, den sie befreite und seitdem ein Teil von ihr ist.
Ryanne ist ihrem Traum, ein Schmetterling zu werden, so nah wie noch nie, bis sie skrupellos verkauft wird und auf jede Verführung angewiesen ist, die sie beherrscht, um nicht zu zerbrechen.
Kiran, der noch immer trauert, auf Rache aus ist und sich in einem Clan wiederfindet, in dem er sich nie gesehen hat. Zusätzlich versucht er, die Bindung zu seinem Geist zu intensiveren und den Morden, die sich durch das Land ziehen, auf die Schliche zu kommen … Denn alles deutet darauf hin, dass Unheil über Tokito hereinbrechen wird.

Aufgrund der verschiedenen Perspektiven werden die Protagonisten und ihre Situationen, ihre Ängste und Zweifel greifbar dargelegt. JedeR verfolgte eigene Ziele, versucht, sich mit dem Leben zu arrangieren, und doch es zu ändern. Sowohl Ryanne als auch Kiran und Erin kommen gefährlichen Geheimnissen nahe, begeben sich öfter in brenzlige Situationen, die dazu verleiten, mitzufiebern, mitzurätseln.
Durch die hauptsächlich kurzen Kapitel, den raschen Szenenwechsel und etliche Informationen ist die Storyline temporeich, legt Fäden frei, die sich erst nach und nach zusammen knüpfen lassen. Großteils empfand ich die Atmosphäre als dunkel, schwer; etliche Momente waren emotionaler, verzweifelter Natur, doch bedingungslose Freundschaften, Liebe, wie sie Mikko und Erin teilen, der Sarkasmus des Dämons und der niedliche Schweinswal an Kiran Seite, die unbeholfene Verbindung mit seinem Geist, sorgten hin und wieder für Leichtigkeit.
Caroline Brinkmann schreibt wie gewohnt locker, modern und auf sehr bildhafte Weise, dennoch fehlte es mir manches Mal an Tiefe. „Aufstieg des Schmetterlings“ ist actionreich, zeigt, dass es mehr als Schwarz und Weiß, richtig und falsch gibt und wirkt im Vergleich zu anderen Geschichten frisch und originell.

Ich bin gespannt, ob es einen dritten Teil geben wird, denn nicht alle Fragen sind beantwortet und Schicksale geklärt.

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Veröffentlicht am 16.10.2024

Herzensempfehlung.

Spellbound - Hokuspokus Hexenkraut
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Ich liebe die Reihe von Annabel Chase! Im letzten Winter habe ich die humorvoll-gemütliche Reihe entdeckt, alle bis dato erschienenen Teile in knapp vier Tagen gehört und fieberte auf die Fortsetzung stetig ...

Ich liebe die Reihe von Annabel Chase! Im letzten Winter habe ich die humorvoll-gemütliche Reihe entdeckt, alle bis dato erschienenen Teile in knapp vier Tagen gehört und fieberte auf die Fortsetzung stetig hin. Gesprochen von Corinna Dorenkamp wuchsen mir das Städtchen „Spellbound“ und all die – mehr oder weniger – zauberhaften BewohnerInnen ans Herz.
Emmas Entwicklung, ihr Einleben in die magische Welt, war großartig, aufregend und ulkig zu verfolgen. Es gab emotionale Momente, Spannung, unglaublich viel Witz und viele, viele mysteriöse Geheimnisse.
Trotz der Fälle, in die die Anwältin gestolpert ist, ihrer Suche nach Antworten über die Vergangenheit und etlichen Troublen, strahlt kaum eine Serie so viel Gemütlichkeit und anhaltende Liebe zum Detail aus, wie „Spellbound“. In kaum einer Buchreihe traf ich auf so viel Kreativität, jeder Teil ein neues Abenteuer mit neuen Facetten, Hürden und Figuren.
Ich hoffe, hoffe so sehr, dass das kommende Finale der ersten Staffel nicht das Ende markiert und Verlag sowie Autorin weitere Geschichten aus dem wohl zauberhaftesten Örtchen für uns bereithalten.

Große Empfehlung!

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Veröffentlicht am 15.10.2024

YA-Thriller vom Feinsten.

Everything We Never Said – Liebe lässt uns böse Dinge tun
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Romantic-Thriller meets College-Romance, toxische Liebe trifft auf dunkle Geheimnisse – und über all dem schweben Gefahr und tiefe Trauer.



Ella ist das Mädchen, das einen schrecklichen Unfall überlebte. ...

Romantic-Thriller meets College-Romance, toxische Liebe trifft auf dunkle Geheimnisse – und über all dem schweben Gefahr und tiefe Trauer.



Ella ist das Mädchen, das einen schrecklichen Unfall überlebte. Ihre beste Freundin nicht.
Als sie wieder zurück zur Highschool geht, spürt sie die Blicke der anderen. Das Mitleid, die Sorge. Ihre eigene Schuld. Dabei erinnert sie sich kaum an jene verhängnisvolle Nacht.
Nur Sawyer, Hayleys Freund, scheint zu ihr durchzudringen, sie zu verstehen. Scheint immer da zu sein.
Aber Ellas Empfindungen für den Jungen, den ihre beste Freundin liebte, gehen weit über die Verbindung, die Trauer schafft, hinaus, fühlen sich falsch an, wie Verrat. Und doch kann sie sich nicht dagegen wehren. Auch Swayer scheint mehr in ihr zu sehen, mehr zu wollen als Trost.

Als Ella Hayleys Tagebuch findet, ist der Drang, es zu lesen – nur ein paar Seiten, nur ein paar Seiten, um dem Menschen, der ihr der Wichtigste war, nah zu sein – übermächtig, und so stößt sie auf einen Schmerz, den Hailey nicht mit der Welt geteilt hat. Auf Enthüllungen, die nicht nur Hays letzte Monate und ihre schleichende Veränderung, sondern auch Ellas Schmetterlinge in etwas Dunkles, Gefährliches hüllen. ...

„Everything we never said“ lebt von der vorsichtheischenden, bedrohlichen Atmosphäre, von dem langsamen Spannungsaufbau und den Zweifeln.

Hauptsächlich begleiten wir Ella, deren Verlust durchdringend ist. Die sich nicht von dem tragischen Ereignis lösen kann; spüren ihre Einsamkeit, die Mauer, die sie aufbaut, um den Beileidsbekundungen, der Fürsorge, ihren Selbstvorwürfen standzuhalten. Aber auch die leise Verliebtheit.
Die melancholische, wehmütige Handlung wird durch einige, sehr passend platzierte Flashbacks und Kapitel aus Swayers Perspektive durchbrochen, die Aufschluss über seine familiäre Situation geben und einen – häufig – liebe -und rücksichtsvollen Mann zeichnen.
Zusätzlich dürfen wir gemeinsam mit Ella einen Blick in Hayleys Privatsphäre werfen. So echt, so ehrlich, dass es weh tut. Schockierende Schilderungen, die Ella tief treffen und doch unglaublich erscheinen – kann sie sich derart in Swayer getäuscht haben? Wieso hat sich ihre beste Freundin niemandem anvertraut? Und was geschah in der Nacht, als sich alles änderte, wirklich?

Harlow platzierte ihre Wendungen so, dass diese eiskalt über die Leserschaft hereinbrechen, und auch, wenn ich hier und da etwas ahnte, waren die Twists hervorragend inszeniert. Bis am Ende jedes Puzzleteile seinen Platz hat, führt uns die Autorin gekonnt in die Irre, animiert dazu, eigene Vermutungen anzustellen, weckt Nervosität und Unruhe.
Die Figuren und individuellen Kämpfe wurden glaubwürdig gezeichnet, interessant und unterschiedlich eingebracht. Es war so leicht, mitzufiebern, nach Antworten zu suchen und gemeinsam mit Ella zu trauern. Obgleich der Roman trotz der sensiblen, aufrüttelnden Themen und dem (Psycho)Thrill-Faktor nicht ohne Young-Adult-Vibes auskommt, empfand ich Ellas Entschluss, ihre Entdeckungen nicht für sich zu behalten, als erwachsen – und wichtig. Ebenso positiv: Meiner Auffassung nach beanspruchten weder Spice noch Romantik den Fokus für sich.

Die Art, wie geschrieben wurde, war klar, einfühlsam und detailliert – ohne, dass der Verlauf in die Länge gezogen wurde. Manche Kapitel wirkten distanzierter, was Ereignisse und Empfindungen jedoch lediglich unterstreicht. Aufgrund der anhaltenden, unterschwelligen Gefahr und der charakterlichen Facetten, durch die Geheimnisse und die verschiedenen Nuancen von Schmerz war „Liebe lässt uns böse Dinge tun“ wie ein dunkler, mitreißender Sog.
Sloan Harlow spricht in ihrem Romantic-Suspense von toxischen und verbotenen Beziehungen, häuslicher Gewalt, Angst und Trauer. Von Liebe, die keine ist, von Familie und Freundschaft.

„Everything we never Said“ wird als „süffig“ bezeichnet – und ja, genau das!

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