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Veröffentlicht am 16.08.2024

Rezension zu der Neuauflage 2024.

Sternschnuppenschauer
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Mit „Sternschnuppenschauer“ konnte mich Ann-Kathrin Wolf zwar nicht überzeugen, dennoch ist der Young-Adult-Roman reich an Summer-Vibes und weckt aufgrund des Küsten-Settings Meerweh.

Erzählt wird aus ...

Mit „Sternschnuppenschauer“ konnte mich Ann-Kathrin Wolf zwar nicht überzeugen, dennoch ist der Young-Adult-Roman reich an Summer-Vibes und weckt aufgrund des Küsten-Settings Meerweh.

Erzählt wird aus der Sicht von Cassie – sechs Monate sind verstrichen, seit ihr Vater bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Anstatt zu trauern, musste die Schülerin jedoch stark sein, für ihre Mutter, die der Verlust ihrer großen Liebe in die Knie zwang. Um Abstand zu gewinnen und ihrer Mum den Raum zu geben, sich mit professioneller Hilfe dem Schmerz zu stellen, fährt Cassie während der Ferien in einen kleinen Ort am Meer, an dem sie früher mit ihren Eltern schon einige Sommer verbrachte. Doch nun erinnert Cassiopeia hier alles an das, was verloren ist und nie zurückkommt.

Neben Ankommen, einer Sommerchallenge, Strandbesuchen und gemütlichen Abenden, Partys und neuen Leuten kann die junge Frau ihre Trauer, die oft unerwartet und wellenartig über sie einbricht, nicht ausblenden. Und doch gibt es immer wieder Momente, in denen Spaß und Freude die Oberhand gewinnen – doch mit diesen kommt auch das schlechte Gewissen.
Reichen drei Monate, damit Summer die Melancholie vertreiben, Jane den dringend benötigten Halt geben und Logan die Leere füllen kann?

„Sternschnuppenschauer“ ist eine nette sommerliche Story, in der einerseits Verlust, Trauer, Drogen und übergriffiges Verhalten angesprochen werden, andererseits Freundschaft, zarte Liebe und Selbstfindung einen hohen Stellenwert einnehmen.
Ann-Kathrin Wolf erzählt in einem leichten Ton, vorstellbaren Worten und mit einer Prise Humor, doch meiner Meinung nach wurde vieles in die Länge gezogen, wiederholt oder unverhältnismäßig überdramatisiert, inkl. manch Reaktion. Damit beziehe ich mich nicht auf den Verlust der Schülerin oder ihre wehmütigen Flashbacks, denn jeder Mensch trauert anders und unterschiedlich lang.

Zusätzlich des tragischen Grundes für Cassiopeias Aufenthalt bei den Atkins, ihrem Versuch, den Schmerz zu verarbeiten und zu bewältigen, wurden weitere Themen oberflächlich aufgegriffen und überladen den Verlauf. Mit Spencer entstand sogar eine Art Love-Triangel, und durch Sums Schwärmerei eine zweite, sweete Romanze.
Logans von Anfang an weder stimmiges noch nachvollziehbares Verhalten bzw. dessen extreme Schwankungen, ergaben für mich nur wenig Sinn, während die Figuren, eingeschlossen der theoretisch älteren Jungs (Typ Mucki-Surferboy), nicht mehr als 0815-Teenager und weder Summer noch Cassie so wirklich taff waren.

Mich konnte der Roman leider nicht berühren oder unterhalten, doch ich bin sicher, dass jüngere LeserInnen gemeinsam mit Cassie die Küstennähe genießen werden.

Anm.: Dieser Neuauflage hätte ein frisches Lektorat und Korrektorat gutgetan, um die vorhandenen Fehler auszumerzen.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Authentisch, witzig und wichtig.

Shit Bag
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💩❣𝐒𝐡𝐢𝐭 𝐁𝐚𝐠: 𝐉𝐞𝐝𝐞:𝐫 𝐡𝐚𝐭 𝐞𝐢𝐧 𝐏𝐚𝐞𝐜𝐤𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐳𝐮 𝐭𝐫𝐚𝐠𝐞𝐧

Freya wird ohnmächtig und wacht mit einem deutlich kleineren Dickdarm, dafür mit Narben und einem Stomabeutel, im Krankenhaus auf. Statt einer legendären ...

💩❣𝐒𝐡𝐢𝐭 𝐁𝐚𝐠: 𝐉𝐞𝐝𝐞:𝐫 𝐡𝐚𝐭 𝐞𝐢𝐧 𝐏𝐚𝐞𝐜𝐤𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐳𝐮 𝐭𝐫𝐚𝐠𝐞𝐧

Freya wird ohnmächtig und wacht mit einem deutlich kleineren Dickdarm, dafür mit Narben und einem Stomabeutel, im Krankenhaus auf. Statt einer legendären Jahresabschlussfeier und eines epischen Sommers wartet auf die Schülerin ein Aufenthalt im Poo-Camp und regelmäßiges Kack-Beutel-Wechseln.
Doch damit nicht genug: Gerade ihr Jetzt-nicht-mehr-Freund Lockie Milling lässt den Spitznamen „S̲h̲i̲t̲ ̲B̲a̲g̲“ verlauten – etwas, das sich wie ein Lauffeuer verbreitet –, und ihre besten Freundinnen scheinen mit der Situation genauso wenig zurechtzukommen wie ihre Eltern.
Tja, scheıße gelaufen würde ich meinen. Und genau in diesem Ton erzählt 𝗫𝗲𝗻𝗮 𝗞𝗻𝗼𝘅 eine Geschichte, die auf skurrile Art berührt, zum Nachdenken und laut Lachen bringt.

Wenn die leidenschaftliche Hockeyspielerin auch mit dem Twist ihres Lebens und dem unangenehmen Hauptthema ihrer Ferien struggelt, sich zunächst vehement sperrt, findet sie inmitten der schottischen Highlands so viel mehr als nur neues Selbstbewusstsein und Sicherheit im Umgang mit ihrer Situation. Durch die Erfahrungen der anderen Kinder und Teenager sammelt die 17-Jährige frische Perspektiven und Mut. Sechs Tage, die Überwindung kosten und Vieles verändern. Nicht zuletzt ihre Gefühle, ihre Sichtweise auf das Leben und ihren „Shit Bag“.
Doch nach einer Woche in dieser kleinen Blase, in der Freya vor allem durch aufregende, schweißtreibende Aktivitäten, der augenscheinlich beneidenswerten Mel und Chris lockerem Charme Ablenkung erfuhr, wartet die Realität – und um den Gedanken, weder abnormal noch eklig zu sein, aufrechtzuerhalten, muss sie kämpfen.
Außerdem ist da die Sorge, denn einer ihrer neuen Freunde musste früher zurück in das wahre Leben.

Knox schrieb in einem so modernen, flotten und für das Alter der Charaktere passenden Ton, dass die Seiten rasch dahin flogen. Durch eine direkte Wortwahl, vorstellbare Beschreibungen und Monologe, die vor Sarkasmus tiefen, wirkt das Geschehen trotz des ernsten Themas wie eine ulkige Komödie, die mitreißt und es schafft, innezuhalten und nachzuwirken.
Freyas Gefühle – von Wut, Hilflosigkeit, Scham und Ekel bis hin zu Hoffnung und (Selbst)Akzeptanz – waren echt und nur allzu verständlich, schmiegen sich an die deutliche Entwicklung inkl. der nötigen Rückschritte, die das junge Mädchen im spaßigen Verlauf machen muss.
Ich mochte sie, ihre humorvoll-bissige Art, mit diesem Los umzugehen, und ja, auch ihre oft inpulsiven und unfairen Reaktionen. In einem Alter, in dem man sich unsterblich fühlt, Ziele hat, Partys und die Liebe will, Vergleiche mit anderen dazugehören und der eigene Selbstwert an Äußerlichkeiten gemessen wird – ist eine Krankheit, die so einen intimen Vorgang derart öffentlich macht und nicht viel von Privatsphäre hält, maximal verstörend.
Dass Darmerkrankungen vor niemandem halt machen – weder vor KönigInnen noch PremierministerInnen, nicht vor kleinen Kindern oder Sportgrößen – macht die Autorin in ihrem Buch genauso deutlich, wie sie den Hinweis verlauten lässt, dass es sich lohnt, das Verdauungssystem und sämtliche Probleme mit diesem zu entabuisieren. Darüber zu reden. Die eigene Scham und Befangenheit zu überwinden.

„Camp-Kıll-me“ hat nicht nur langsam Freyas Optimismus geweckt, ihre Einstellung verändert, sondern ihr auch gezeigt, was echte Freundschaft bedeutet; dass sie selbst mit einem Scheıßbeutel, mit all den (sichtbaren) körperlichen Auswirkungen und Einschränkungen ihrer – jeder – Erkrankung begehrenswert und perfekt ist. Dass sie die Wahl hat und mehr ist, für jeden mehr sein sollte, als nur eine Option, als eine Kranke.
Bräuchten wir nicht alle genau so einen Ort? Der uns zuruft, dass, egal was wir mit und in uns tragen, wie (un)vollkommen, lädiert unser Antlitz ist, wie wütend und gemein wir auch manchmal sein mögen (…) wir genau richtig sind?
Und die Gesellschaft, die immer 100 % Leistung, 100 % Perfektion verlangt, auf dem vollkommen falschen Weg ist?
Offenheit, Akzeptanz und Aufklärung sind im Umgang mit sensiblen Themen essentiell und unglaublich wichtig. Genau wie Respekt, den wir allen Menschen entgegenbringen sollten.

Es finden sich in diesem Buch viele Fragen und Antworten über Darmerkrankungen, die unterschiedlichen Arten und Behandlungsmethoden; Know-how über das gesamte Prozedere bis hin zu wissenswerten Fakten über den Stomabeutel und dessen Versorgung. Zusätzlich bekommen wir einen kleinen Überblick über äußerliche und psychische Symptome bzw. Veränderungen und lernen taffe Figuren kennen, die greifbar mit ihren variierenden Charaktereigenschaften und Problemen eingebracht wurden.
Abgesehen all der Information und des sehr unterhaltsamen, aufregenden Verlaufs warten auch Friendship- and Lovestorys auf uns. Manche toxisch, voller Enttäuschung, andere enden mit Verständnis oder einfach zuckersüß. Oft musste ich lachen, schmunzeln und mich mit freuen; war durchweg begeistert von der authentischen Handlung mit all ihren Wahrheiten und Wendungen. Auch wenn ich mit meinem Magendarmtrakt zufrieden bin, konnte ich viel aus „Shit Bag“ mitnehmen.

Die optischen, verbildlichten Darstellungen des Stomas, Handhabung und Umgang mit dieser medizinisch faszinierenden Lösung ließen mich nicht kalt. Einfache Erklärungen schließen Wissenslücken, und ich bin sicher, dass sich viele Betroffene in Freyas persönlichem Konflikt wiederfinden; Xena gibt jedoch auch interessierten Menschen etwas mit und sorgt mit ihrem Debüt hoffentlich für mehr Achtsamkeit und Sensibilität.
𝗪𝗶𝗿 𝗮𝗹𝗹𝗲 𝗺𝘂𝗲𝘀𝘀𝗲𝗻 𝗞𝗮𝗰𝗸𝗲𝗻. 𝗦𝗰𝗵𝗲𝗶ß 𝗱𝗿𝗮𝘂𝗳, 𝘄𝗶𝗲.

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Veröffentlicht am 14.08.2024

Auch für Neulinge dieser Welt eine Empfehlung.

Die Legenden der Albae - Dunkles Erbe
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Markus Heitz bringt uns in seinem neuen High-Fantasy-Roman (zurück) in die Welt der Albae – so gebildet und kunstaffin wie tödlich.

„Die Legenden der Albae - Dunkles Erbe“ ist in drei Bücher unterteilt ...

Markus Heitz bringt uns in seinem neuen High-Fantasy-Roman (zurück) in die Welt der Albae – so gebildet und kunstaffin wie tödlich.

„Die Legenden der Albae - Dunkles Erbe“ ist in drei Bücher unterteilt – jenes der Kunst, der Macht und der Intrigen – während derer wir verschiedene Protagonisten begleiten und uns in die jeweiligen Lebensumstände und Machtgefälle eingliedern.

Beginnend mit Amânoras, einem albischen Künstler, der versucht, das Andenken des untergegangenen Reichs Dsôn Khamateion auf seine Weise in den Ruinen zu wahren. Doch schon bald wird sein ehrenhaftes, friedliches Bestreben gestört und eine drohende Gefahr bricht über ihn und seine Familie herein.
Den zweiten Teil führt die Albin Sajùtoria an – die aufgrund ihrer Abstammung schon jeher den Manipulationen aus den eigenen Reihen ausgesetzt war. Doch es zeigt sich, dass die junge Frau eigene Pläne und Vorstellungen für ihren Weg hat und weder zartbesaitet ist noch unterschätzt werden sollte.
Auch die Zwerge mischen voller Tatendrang mit, versuchen sie doch verbissen, das Volk der Albaen aufzuspüren – und auszulöschen. Und dann wäre da Telìnâs, der als Art Bindeglied zwischen den drei Geschichten fungiert, diese durchschreitet, miteinander verknüpft. Ein unnahbarer Täuscher und vermeintlicher Egoist, der die Ahnung von Bedrohung zusätzlich durchweg aufrechterhält.

Obgleich der Einstieg ein wenig langwierig war, nimmt das Tempo mit fortschreitendem Verlauf und hinzukommenden Puzzleteilen Fahrt auf. Während wir die öfter blutige Handlung verfolgen, in der morbide und gewaltvolle Szenen keine Seltenheit sind, treffen wir auf etliche Arten bzw. Völker, wie Albae, Elben, Zwerge, Menschen und, für mich eine besondere Entdeckung, Meldrith. Diese „Rasse“ ist sowohl albischer als auch elbischer Abstammung.
Brutalität und Gefühlskälte mischen sich mit unerwarteten Empfindungen, Rauheit greift in malerische Ausschmückungen und Twists gaben der Story immer wieder Auftrieb. Der komplexe, anspruchsvolle Aufbau hat mich für sich eingenommen. Es war faszinierend, wenn auch nicht immer leicht, mehr über diverse Hintergründe zu erfahren und durch die Land- und Ortschaften zu streifen.

„Sajù gestand dem Henker und seinen Leuten zu, dass es eine Kunst war, jemanden auf diese Weise zu richten. Eine grobe, eine barbarische – aber eine Kunst.
Das Spiel von Nachlassen und Nachfassen begann, um den Verbrecher zwischen Leben und Tod auf den blutbesudelten Dielen grotesk tanzen zu lassen.“

Neben Telinás, dessen Motivation und Geheimnis nicht lange verborgen bleiben, sind auch Amânoras und Sajùtoria äußerst facettenreiche Charaktere, die sich hier und da in einer moralischen Grauzone bewegen. Kommende Taten und Entscheidungen des Einzelnen – denen allesamt Skrupellosigkeit in den Adern fließt – bleiben unvorhersehbar, was ein starkes Misstrauen aufrechterhält. Die Figurenzeichnung samt harschen Worten und heftigen Zusammenstößen ist einer gewissen, nervenaufreibenden Spannung zuträglich, wenn sich auch so manch Kapitel zieht. Die Landschaften und Städte, die wir in dem Roman bereisen und erkunden, wurden mit Sorgfalt ausgearbeitet. Durch Details und Zeit lässt uns Heitz in seine fantastische Welt eintauchen, führt uns mitten hinein in Machtspiele und Kämpfe. Auf anschauliche Art verfolgen wir die Protagonisten und ihre Wege, lernen ihr Leben, ihre Gedanken sowie die politischen Situationen kennen. Dabei ist der Ton passend, herrschaftlich und anmutig. Dem Mystery-Feeling sind die eingeschobenen „Aufzeichnungen“ sowie Zitate zuträglich, während das zu Beginn aufgeführte Glossar samt einer Karte Hilfestellung mimt.

„Die Legenden der Albae - Dunkles Erbe“ ist letztendlich nicht nur ein optischer Blickfang, sondern überzeugt mit einer künstlerischen High-Fantasy-Geschichte, die scheinbar eine Grundlage für folgende Bände bildet, und Lust weckt, weitere der bisherigen Reihen von Markus Heitz zu durchforsten.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

Unglaublich rührend – und hoffnungsgebend.

Boys of Tommen 2: Keeping 13
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„𝐁𝐢𝐧𝐝𝐢𝐧𝐠 𝟏𝟑“ war für mich DIE Überraschung im April und so konnte ich „𝐊𝐞𝐞𝐩𝐢𝐧𝐠 𝟏𝟑“ – ebenfalls ein tränenreicher Pageturner, in dem die Gefühlspalette vollends ausgeschöpft, weder auf Gräuel noch Humor, ...

„𝐁𝐢𝐧𝐝𝐢𝐧𝐠 𝟏𝟑“ war für mich DIE Überraschung im April und so konnte ich „𝐊𝐞𝐞𝐩𝐢𝐧𝐠 𝟏𝟑“ – ebenfalls ein tränenreicher Pageturner, in dem die Gefühlspalette vollends ausgeschöpft, weder auf Gräuel noch Humor, nicht auf Romantik oder Ernst verzichtet wurde – nur schwerlich erwarten. Kurz und knapp: ˢʰᵃⁿⁿᵒⁿ &ᴶᵒʰⁿⁿʸ zählen zu meinen Jahreshighlights, zu jenen emotionalen Achterbahnfahrten, die sich tief im Herzen verankern. ...

Wie bereits im Auftakt spart Chloe Walsh nicht mit Worten, und doch verflogen die Seiten viel zu schnell, was u. a. dem modernen, lebendigen und authentischen Ton zu verdanken ist. Neben dem offensichtlichen Umfang kommt 𝙱𝚘𝚢𝚜 𝚘𝚏 𝚃𝚘𝚖𝚖𝚎𝚗 mit einem gewaltigen inhaltlichen Input, einer hohen Ereignisrate und einer beeindruckenden Themenvielfalt daher.
Zu keiner Zeit erweckte die Handlung den Eindruck von Stillstand oder Langeweile. Eher sorgen zahlreiche Twists für Schock und Fassungslosigkeit, zärtliche Augenblicke waren wie ein Streicheln und Witz das Licht inmitten der Dunkelheit.

„Keeping 13“ überzeugt mit Details und Logik, Feingefühl, Aufregung und einem abwechslungsreichen, unerwarteten Aufbau. Die Storyline entwickelt sich stetig weiter, greift bspw. die Zukunft der Lynch-Geschwister, jene von Johnny und das beachtliche innere Wachsen von Shannon auf.
Was mit unbeholfener Annäherung und dem kläglichen Versuch, Distanz zu wahren, begann, wird von ersten Erfahrungen und prickelnder Sehnsucht, blindem Vertrauen und einem unerschütterlichen „Gemeinsam“ – Konflikten, Dramen und Tragödien, Strugglen, Zweifeln und Ängsten zum Trotz – ersetzt.
Johnny katapultierte sich übrigens nicht zuletzt mit echter Fürsorge und seiner aufmerksamen, verständnisvollen Art auf die vordersten Ränge des Bookboyfriends schlechthin.

»Ich mag deine Probleme (...) Ich will deine Probleme und deine Komplikationen und alles andere, was zu dir gehört. (...) Ich will dich.«

Etliche Szenarien und Darstellungen sorgen für Gänsehaut, lassen schwer schlucken. Dynamiken festigen und verändern sich; es warten neue Probleme und Hindernisse, manche alltäglich und gesellschaftskritisch, andere den Umständen geschuldet.
Die Autorin animiert gekonnt dazu, genauer hin- statt bequem wegzusehen.
Melancholie und Wehmut, Schmerz und pure Verzweiflung werden rege durch skurrile, romantische oder schlicht witzige Momente durchbrochen. Wie oft musste ich aufgrund des trockenen Humors, verspielten Gerangels und Amüsements lachen? Gerade Gibsie und Tadgh sind für allerhand Komik verantwortlich. Doch auch andere Figuren – Lizzie, Claire und Johnnys engagierte Eltern – bewegen mit ihrer unermüdlichen Unterstützung; wurden mit Sorgfalt und Hintergrund ausgearbeitet und integriert.
Inmitten der oft spürbaren Tristesse, der Hilflosigkeit waren Aufblühen und Aufatmen, die individuellen Entwicklungen ein Lichtblick. Obgleich der Rugby-Star und Shannon – so viel stärker als sie selbst je für möglich hielt – im Fokus standen, abwechselnd erzählen und ihr Innerstes intensiv Betrachtung findet, wurden weder Tadgh, Shan und Ollie noch Joey vergessen. Letzterer erhielt nun weitere Facetten, bevor wir im Oktober Teil seines Kampfes werden. Erweckte Darrens Präsenz zuerst wenig Positives, wurden die damaligen wie gegenwärtigen Entscheidungen des Ältesten von Shannons Brüdern nachvollziehbar eingebettet.
Ja, das Leben der Lynchs ist schlussendlich ein Ergreifendes.

Shannon und Johnny waren ein Erlebnis – in Band 1 & 2 dieser einmaligen Sports-College-Romance findet sich eine Fülle aus unterschiedlichen Empfindungen; Spannung, Tragik und Liebe; Leid, Adrenalin und pure Gefühle. Diese Geschichte berührt tief, entlockt herzliche Lacher und Wut, tut weh. Chloe Walsh erzählt vom Leben(sschmerz), von Freundschaft und Familie, Neuanfängen und der Hoffnung…
„Keeping 13“: Ein emotionaler, aufrüttender Sog, der unausweichlich mitreißt.

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Veröffentlicht am 09.08.2024

Keine RomCom, aber ein Roman mit wichtigen Themen.

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
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„𝐖𝐢𝐫 𝐭𝐫𝐞𝐟𝐟𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐬 𝐢𝐦 𝐧𝐚𝐞𝐜𝐡𝐬𝐭𝐞𝐧 𝐊𝐚𝐩𝐢𝐭𝐞𝐥“ wird als RomCom vermarktet und schürt demnach entsprechende Erwartungen. Meiner Ansicht nach handelt es sich jedoch keineswegs um eine romantische Komödie, sondern ...

„𝐖𝐢𝐫 𝐭𝐫𝐞𝐟𝐟𝐞𝐧 𝐮𝐧𝐬 𝐢𝐦 𝐧𝐚𝐞𝐜𝐡𝐬𝐭𝐞𝐧 𝐊𝐚𝐩𝐢𝐭𝐞𝐥“ wird als RomCom vermarktet und schürt demnach entsprechende Erwartungen. Meiner Ansicht nach handelt es sich jedoch keineswegs um eine romantische Komödie, sondern um ein Buch mit allerhand sensiblen Themen und Problemen, die weder mit dem typisch humorvollen, ironischen Ton besprochen noch mit leichtem Geplänkel entschärft werden.

„𝗦𝗰𝗵𝘄𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻 𝗶𝘀𝘁 𝗮𝘂𝗰𝗵 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗙𝗼𝗿𝗺 𝘃𝗼𝗻 𝗚𝗲𝘄𝗮𝗹𝘁.“

Auch die angepriesene Idee – zwei Menschen verlieben sich zufällig und aufgrund ihrer Leidenschaft zur Literatur ineinander – bekam nur einen geringen Raum. Aber von vorn:
Erin kündigt impulsiv und frustriert ihren Job und beschließt daraufhin, auch die restlichen Schubladen ihres Lebens auszumisten. In ihrer Euphorie landet versehentlich ein heißgeliebter Klassiker im Bücherschrank – zum Glück findet sie ihn ein paar Tage später dort wieder. Doch wurden ihre eigenen Anmerkungen kommentiert, mit Scharfsinn. Zudem lädt sie „Mystery-Man“ ein, sich in einem von ihm gewählten Buch erneut zu treffen…
Und so beginnt für beide eine Zeit, in der der Bücherschrank, längst verjähte Geschichten und die Worte eines Fremden zum Mittelpunkt werden. Eine Zeit, in der Erin und James voneinander lernen, umdenken, Entscheidungen hinterfragen und sich auf leise Art verlieben.
Doch die Realität holt sie viel zu schnell ein.

Tessa Bickers schrieb in einem modernen, klaren Stil und erzählt die Geschehnisse aus wechselnder Perspektive.
Dass Erin mit ihrer gegenwärtigen Situation, allgemeiner Unzufriedenheit und ihrer Vergangenheit kämpft, kristallisiert sich schnell heraus. Weder will sie ihrer Mutter noch dem Jungen verzeihen, der sie einst verraten hat; und auch ihre beste Freundin kann die gelernte Journalistin noch immer nicht loslassen, sitzt diese doch täglich auf einem Stuhl in Erins WG-Zimmer…
James, der vor Jahren seinen Traum von der Schriftstellerei verwarf, um nachweisliche Erfolge zu erzielen, konnte nie mit der Tragik, die seine Jugend brachte, abschließen: Mobbing, Schuldgefühle, der Verlust seiner ersten Liebe und der Tod von Bonnie sind immer präsent. Nicht hilfreich, dass die gesundheitliche Verfassung seiner Mutter und die Aufopferung seines Vaters noch immer die Gegenwart bestimmen und ihn sein Bruder mit all der Verantwortung alleine ließ. Um Sicherheit zu erlangen und den unkontrollierten Gedanken keinen Platz zu schaffen, gönnt sich James keine Pausen.
Erst der Zufallsfund im Bücherschrank lässt ihn und die„Kritzel-Queen“ innehalten. Für einen kurzen Moment.

In diesem Roman kommen etliche Themen zur Sprache, die nahegehen; Hintergründe werden aufgedeckt, Einblicke in entscheidende, vergangene Ereignisse gewährt, die Verständnis hervorrufen.
Dennoch wirkt es öfter, als würden die Protagonisten im Jetzt stets die Verantwortung von sich weisen, nicht für sich einstehen.
James, der alles verschluckt und erträgt, und Erin, selbstgerecht und zu Stolz, um zuzuhören. Im Verlauf lässt die Autorin zwar Raum für echte Gespräche und Veränderungen, für Wut, Enttäuschung und pures Vermissen, doch das eine oder andere Puzzleteil, um sämtliche Empfindungen nachvollziehen zu können, fehlt.
Durchweg schwang eine melancholische Note mit, Aussagen, die nachdenklich stimmen – „Wir treffen uns im nächsten Kapitel“ erzählt von Trauer, Schmerz und Verlust, psychischen Problemen und Mobbing. Von Vergebung und Vorverurteilung, (Zukunfts)Ängsten und der Hürde des Loslassens. Bickers spricht über die individuelle Definition von Erfolg und animiert dazu, eigene Träume zu verwirklichen, an sich selbst zu glauben. Freundschaft, Familie und Gedenken sind ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte. Wer auf eine greifbare Romanze verzichten kann, sollte einen Blick hinter das verträumte Cover und einen Schritt in diesen verheißungsvollen Bücherschrank wagen.

Anm.: Ich habe zusätzlich in das Hörbuch reingehört und war von der authentischen Art, wie Anna-Lena Zühlke emotionale Szenen und Gedanken vorgetragen hat, zu Tränen gerührt.

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